{"id":78711,"date":"2025-11-27T17:08:56","date_gmt":"2025-11-27T15:08:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78711"},"modified":"2025-11-27T17:08:56","modified_gmt":"2025-11-27T15:08:56","slug":"landesrechtliches-verbot-einer-kommunalen-uebernachtungsteuer-ist-verfassungsgemaess-bayerischer-verfassungsgerichtshof-weist-popularklage-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/landesrechtliches-verbot-einer-kommunalen-uebernachtungsteuer-ist-verfassungsgemaess-bayerischer-verfassungsgerichtshof-weist-popularklage-ab\/","title":{"rendered":"<strong>Landesrechtliches Verbot einer kommunalen \u00dcbernachtungsteuer ist verfassungsgem\u00e4\u00df \u2013 Bayerischer Verfassungsgerichtshof weist Popularklage ab<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Bayerische Verfassungsgerichtshof (BayVerfGH) hat mit Entscheidung vom <strong>14. November 2025<\/strong> (Az. Vf. 3-VII-23) best\u00e4tigt, dass der Freistaat Bayern Kommunen weiterhin verbieten darf, eine <strong>kommunale \u00dcbernachtungsteuer<\/strong> \u2013 oft auch \u201eBettensteuer\u201c oder \u201eCity Tax\u201c genannt \u2013 zu erheben. Die von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen sowie zwei weiteren bayerischen St\u00e4dten eingereichte Popularklage blieb damit ohne Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><object class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/3-vii-23-pressemitteilung.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von 3-vii-23-pressemitteilung.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-1df95b43-13cf-4889-9f1a-4688dfa0fbbc\" href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/3-vii-23-pressemitteilung.pdf\">3-vii-23-pressemitteilung<\/a><a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/3-vii-23-pressemitteilung.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-1df95b43-13cf-4889-9f1a-4688dfa0fbbc\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<h2><strong>Hintergrund: Gesetzliche Erweiterung des Steuerverbots 2023<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der bayerische Landesgesetzgeber hatte im <strong>M\u00e4rz 2023<\/strong> den Katalog unzul\u00e4ssiger kommunaler Verbrauch- und Aufwandsteuern in <strong>Art. 3 Abs. 3 Satz 1 KAG<\/strong> erweitert. Die \u00dcbernachtungsteuer wurde ausdr\u00fccklich als unzul\u00e4ssige Steuerart aufgenommen und damit landesweit ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Gro\u00dfst\u00e4dte in Bayern wehrten sich gegen diese Regelung. Sie sahen darin einen Eingriff in ihre <strong>kommunale Finanzhoheit<\/strong> und damit eine Verletzung des Selbstverwaltungsrechts nach <strong>Art. 11 Abs. 2 Satz 2<\/strong> und <strong>Art. 83 Abs. 2 Satz 2 der Bayerischen Verfassung (BV)<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Entscheidung des Gerichts: Kein Versto\u00df gegen die Bayerische Verfassung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Verfassungsgerichtshof wies die Popularklage jedoch als <strong>unbegr\u00fcndet<\/strong> ab. Die Kernaussagen:<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>1. Keine origin\u00e4re Besteuerungskompetenz der Gemeinden betroffen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Gemeinden verf\u00fcgen nicht \u00fcber eine origin\u00e4re Kompetenz, \u00f6rtliche Aufwandsteuern nach Belieben einzuf\u00fchren. Ihre Steuerhoheit ist abgeleitet und kann vom Landesgesetzgeber ausgestaltet oder eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das landesrechtliche Verbot der \u00dcbernachtungsteuer verletzt daher <strong>nicht<\/strong> den Kernbereich der gemeindlichen Finanzautonomie.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>2. Kernbereich der Finanzhoheit bleibt unber\u00fchrt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Gericht stellte fest, dass das Verbot keine unzul\u00e4ssige Einschr\u00e4nkung der kommunalen Selbstverwaltung darstellt. Die wichtigsten Einnahmequellen wie Grundsteuer, Gewerbesteuer oder kommunale Geb\u00fchren bleiben unber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00dcbernachtungsteuer sei eine <strong>zus\u00e4tzliche Option<\/strong>, nicht aber ein verfassungsrechtlich garantierter Bestandteil kommunalen Finanzhandelns.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>3. Verbot ist nicht unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Auch unter dem Gesichtspunkt der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit ist das Verbot verfassungsgem\u00e4\u00df:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der Landesgesetzgeber darf f\u00fcr einheitliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sorgen.<\/li><li>Die Regelung verhindert Flickenteppiche verschiedener Steuerarten innerhalb Bayerns.<\/li><li>Der Eingriff in die kommunalen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten ist gering und sachlich gerechtfertigt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2><strong>Bedeutung f\u00fcr Kommunen und Tourismuswirtschaft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil schafft <strong>Rechtssicherheit<\/strong>:<br \/>Bayerische Gemeinden d\u00fcrfen weiterhin <strong>keine \u00dcbernachtungsteuer<\/strong> erheben \u2013 unabh\u00e4ngig vom Tourismusaufkommen oder eigenen Einnahmeinteressen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die <strong>Tourismus- und Hotelbranche<\/strong> bedeutet das eine stabile und einheitliche Rechtslage in Bayern. Unternehmen m\u00fcssen keine zus\u00e4tzlichen lokalen Belastungen bef\u00fcrchten, wie sie in anderen Bundesl\u00e4ndern existieren.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend St\u00e4dte wie M\u00fcnchen sich zus\u00e4tzliche Einnahmequellen im Bereich des St\u00e4dtetourismus erhofft hatten, wird der Freistaat Bayern an seinem restriktiven Kurs festhalten. Der BayVerfGH hat deutlich gemacht, dass der Gesetzgeber bei der Ausgestaltung des Kommunalabgabenrechts einen weiten Gestaltungsspielraum besitzt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bayerischer Verfassungsgerichtshof, Pressemitteilung vom 21.11.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bayerische Verfassungsgerichtshof (BayVerfGH) hat mit Entscheidung vom 14. November 2025 (Az. 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