{"id":78716,"date":"2025-11-27T17:12:34","date_gmt":"2025-11-27T15:12:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78716"},"modified":"2025-11-27T17:12:34","modified_gmt":"2025-11-27T15:12:34","slug":"digitale-steuerbescheide-ab-2026-was-sich-wirklich-aendert-und-wo-der-gesetzgeber-zurueckrudert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/digitale-steuerbescheide-ab-2026-was-sich-wirklich-aendert-und-wo-der-gesetzgeber-zurueckrudert\/","title":{"rendered":"<strong>Digitale Steuerbescheide ab 2026: Was sich wirklich \u00e4ndert \u2013 und wo der Gesetzgeber zur\u00fcckrudert<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Digitalisierung der Steuerverwaltung schreitet voran \u2013 allerdings nicht so schnell, wie urspr\u00fcnglich geplant. Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) informiert \u00fcber wichtige \u00c4nderungen bei der Bekanntgabe von Verwaltungsakten ab <strong>2026<\/strong>. Besonders relevant: Die Pflicht der Finanzbeh\u00f6rden, digitale Bescheide auszustellen, wurde um ein Jahr verschoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir zeigen, was ab 2026 gilt, was erst 2027 kommt und worauf Steuerpflichtige und Berater jetzt achten sollten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>1. Hintergrund: Gesetzgeber korrigiert eigenen Zeitplan<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im Herbst 2024 hatte der Bundestag die weitreichende Reform der elektronischen Bekanntgabe beschlossen. Kurz vor dem Starttermin hat das Parlament jedoch im Rahmen des Gesetzes zur Anpassung des Mindeststeuergesetzes am <strong>13. November 2025<\/strong> nachgebessert \u2013 weitgehend unbeachtet in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geplanten Neuregelungen werden nun <strong>nur teilweise<\/strong> umgesetzt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die vollst\u00e4ndige Umstellung auf digitale Bescheide wird <strong>verschoben<\/strong>.<\/li><li>Der Starttermin f\u00fcr die <strong>Pflicht<\/strong> zur elektronischen Bereitstellung wird <strong>von 2026 auf 2027<\/strong> verlegt.<\/li><li>Die M\u00f6glichkeit, digitale Bescheide <strong>ohne Einwilligung<\/strong> zuzustellen, bleibt bereits ab 2026 bestehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der Bundesrat wird die \u00c4nderungen voraussichtlich noch 2025 best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>2. \u00a7 122a AO neu: Digitale Bekanntgabe ohne Einwilligung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die \u00fcberarbeitete Fassung des \u00a7 122a AO legt fest:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><strong>Finanzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen Verwaltungsakte digital durch Bereitstellung zum Datenabruf bekannt geben \u2013 ohne Einwilligung des Steuerpflichtigen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieser Grundsatz gilt bereits <strong>ab 2026<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Steuerbescheide k\u00f6nnen elektronisch im ELSTER-Postfach oder \u00fcber angebundene Schnittstellen bereitgestellt werden.<\/li><li>Der Steuerpflichtige muss hierf\u00fcr <strong>nicht mehr vorher zustimmen<\/strong>.<\/li><li>Die Finanzverwaltung entscheidet selbst, ob sie den Bescheid digital oder in Papierform versendet.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>3. Pflicht zur elektronischen Bereitstellung kommt erst ab 2027<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich sollte gelten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><strong>Wenn eine Steuererkl\u00e4rung elektronisch \u00fcbermittelt wurde, muss der Steuerbescheid ab 2026 ebenfalls elektronisch bereitgestellt werden.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Doch diese Pflicht verschiebt der Gesetzgeber auf <strong>2027<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit entsteht f\u00fcr 2026 eine \u00dcbergangssituation:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Finanz\u00e4mter <strong>d\u00fcrfen<\/strong> digitale Bescheide bekannt geben.<\/li><li>Sie <strong>m\u00fcssen<\/strong> es aber noch nicht.<\/li><li>Steuerpflichtige m\u00fcssen <strong>mit beiden Zustellformen rechnen<\/strong> \u2013 digital <em>und<\/em> Papier.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der DStV kritisiert diese einseitige Verschiebung zugunsten der Finanzverwaltung deutlich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>4. Widerspruchsrecht: Papier bleibt auf Antrag m\u00f6glich<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Trotz Digitalisierung bleibt die Papierform weiterhin bestehen \u2013 wenn der Steuerpflichtige dies verlangt.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Wichtiges zum Antrag:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li>Der Widerspruch gegen digitale Zustellung ist <strong>formlos<\/strong>,<\/li><li><strong>ohne Begr\u00fcndung<\/strong>,<\/li><li><strong>ab sofort m\u00f6glich<\/strong>,<\/li><li>gilt aber nur <strong>f\u00fcr zuk\u00fcnftige Bescheide<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Eine r\u00fcckwirkende \u00c4nderung ist ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>5. Was bedeutet das f\u00fcr 2026 in der Praxis?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Steuerpflichtige und Berater sollten sich auf Folgendes einstellen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bescheide k\u00f6nnen <strong>digital oder per Post<\/strong> kommen.<\/li><li>Es besteht das Risiko, dass digitale Bescheide \u00fcbersehen werden \u2013 mit Auswirkungen auf <strong>Einspruchsfristen<\/strong>.<\/li><li>Kanzleien m\u00fcssen ihre internen Prozesse pr\u00fcfen:<ul><li>Posteingang \u00fcberwachen<\/li><li>ELSTER-Postf\u00e4cher regelm\u00e4\u00dfig abrufen<\/li><li>Mandanten informieren<\/li><\/ul><\/li><li>Eine Einwilligung zum digitalen Bescheid ist aktuell noch m\u00f6glich \u2013 aber unklar ist, <strong>wie lange<\/strong> dies von den Finanz\u00e4mtern akzeptiert wird.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wer sicherstellen m\u00f6chte, ab 2026 digitale Bescheide zu erhalten, sollte fr\u00fchzeitig Kontakt zum Finanzamt aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>6. Empfehlungen des DStV<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Deutsche Steuerberaterverband r\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Jetzt bereits<\/strong> digitale Prozesse implementieren oder optimieren.<\/li><li>Automatisierte Abrufe und Fristenkontrollen einrichten.<\/li><li>Mandanten aktiv \u00fcber die neue Rechtslage informieren.<\/li><li>Bei Bedarf fr\u00fchzeitig eine Einwilligung oder einen Widerspruch zur Zustellform erkl\u00e4ren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der DStV wird die Umsetzung weiter beobachten und \u00fcber technische oder verfahrensrechtliche \u00c4nderungen berichten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ab 2026 wird die digitale Bekanntgabe von Steuerbescheiden Realit\u00e4t \u2013 aber nicht in voller Breite. Die Pflicht zur elektronischen Zustellung wird auf 2027 verschoben, w\u00e4hrend die Finanz\u00e4mter schon ab 2026 nach eigenem Ermessen digital zustellen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Steuerpflichtige bedeutet das:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Mehr Unsicherheit<\/strong>,<\/li><li><strong>mehr Verantwortung<\/strong>,<\/li><li>aber auch <strong>mehr Chancen<\/strong>, Prozesse zu digitalisieren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wer rechtzeitig vorbereitet ist, profitiert vom reibungsloseren Ablauf und geringeren Papieraufwand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digitalisierung der Steuerverwaltung schreitet voran \u2013 allerdings nicht so schnell, wie urspr\u00fcnglich geplant. Der Deutsche Steuerberaterverband (DStV) informiert \u00fcber wichtige \u00c4nderungen bei der Bekanntgabe von Verwaltungsakten ab 2026. Besonders relevant: Die Pflicht der Finanzbeh\u00f6rden, digitale Bescheide auszustellen, wurde um ein Jahr verschoben. 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