{"id":78744,"date":"2025-12-02T16:34:44","date_gmt":"2025-12-02T14:34:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78744"},"modified":"2025-12-02T16:37:26","modified_gmt":"2025-12-02T14:37:26","slug":"grundsteuer-wer-traegt-die-kosten-eines-verkehrswertgutachtens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/grundsteuer-wer-traegt-die-kosten-eines-verkehrswertgutachtens\/","title":{"rendered":"Grundsteuer: Wer tr\u00e4gt die Kosten eines Verkehrswertgutachtens?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>FG Baden-W\u00fcrttemberg, Beschluss vom 16.10.2025 \u2013 8 K 626\/24 (Pressemitteilung vom 02.12.2025)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei Streitigkeiten rund um die neue Grundsteuer spielt h\u00e4ufig die Frage eine Rolle, wie Grundst\u00fccke korrekt bewertet werden \u2013 insbesondere dann, wenn Teile eines Grundst\u00fccks nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt bebaubar sind. Das Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg hat nun in einem wichtigen Beschluss entschieden, wer in solchen F\u00e4llen die Kosten f\u00fcr ein Verkehrswertgutachten zu tragen hat.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Hintergrund des Streitfalls<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger ist Eigent\u00fcmer eines bebauten Grundst\u00fccks. Ein gro\u00dfer Teil seiner Fl\u00e4che ist baurechtlich als <em>private Gr\u00fcnfl\u00e4che<\/em> ausgewiesen und damit <strong>nicht bebaubar<\/strong>.<br \/>Trotz dieser Einschr\u00e4nkung hatte das Finanzamt die vollst\u00e4ndige Grundst\u00fccksfl\u00e4che mit dem Bodenrichtwert der zugeordneten Bodenrichtwertzone bewertet \u2013 ohne Abz\u00fcge wegen der fehlenden Bebaubarkeit. Dadurch ergab sich ein <strong>deutlich \u00fcberh\u00f6hter Grundsteuerwert<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des laufenden Klageverfahrens beauftragte der Eigent\u00fcmer den zust\u00e4ndigen Gutachterausschuss mit der Erstellung eines Verkehrswertgutachtens. Das Ergebnis war eindeutig:<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udc49 Die neu bewertete Gr\u00fcnfl\u00e4che f\u00fchrte zu einer <strong>Wertminderung des Grund und Bodens um 41 %<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt \u00e4nderte daraufhin den Grundsteuerwertbescheid zugunsten des Kl\u00e4gers. Beide Seiten erkl\u00e4rten den Rechtsstreit in der Hauptsache f\u00fcr erledigt \u2013 offen blieb jedoch die <strong>Kostenfrage<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung: Finanzamt muss Kosten tragen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der 8. Senat entschied, dass <strong>das Finanzamt<\/strong> die Kosten des Verfahrens einschlie\u00dflich der Sachverst\u00e4ndigenkosten zu \u00fcbernehmen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte das Gericht aus:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die urspr\u00fcngliche Bewertung des Finanzamts war <strong>offensichtlich fehlerhaft<\/strong>, weil die eingeschr\u00e4nkte Bebaubarkeit des Grundst\u00fccks bekannt und offenkundig war.<\/li><li>Die erheblich zu hohe Bewertung h\u00e4tte das Finanzamt selbst korrigieren m\u00fcssen \u2013 ein Gutachten w\u00e4re gar nicht erforderlich gewesen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger spart k\u00fcnftig <strong>606,63 Euro Grundsteuer pro Jahr<\/strong>, musste jedoch <strong>1.514,28 Euro<\/strong> f\u00fcr das Gutachten zahlen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Gericht stellte klar:<br \/>Unterliegt der Steuerpflichtige in solchen F\u00e4llen dem Kostenrisiko, k\u00f6nnte ihn das davon abhalten, sein Recht auf Nachweis eines niedrigeren Grundst\u00fcckswerts nach \u00a7 198 BewG wahrzunehmen. Das w\u00e4re unvereinbar mit:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz (Gleichbehandlung)<\/strong><\/li><li>dem <strong>Recht auf effektiven Rechtsschutz<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Hinweis des Gerichts: Gutachteraussch\u00fcsse k\u00f6nnten einfacher und g\u00fcnstiger arbeiten<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Senat wies zudem darauf hin, dass viele Gutachteraussch\u00fcsse:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>deutlich <strong>kosteng\u00fcnstigere und vereinfachte Gutachten<\/strong> anbieten k\u00f6nnten,<\/li><li>oftmals <strong>pr\u00e4zisere Bodenrichtwerte<\/strong> ausweisen sollten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dies w\u00fcrde Rechtsstreitigkeiten vermeiden und die Immobilienbewertung transparenter machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Fazit f\u00fcr Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Beschluss st\u00e4rkt die Rechte von Eigent\u00fcmern im Verfahren zur Feststellung des Grundsteuerwerts.<br \/>Wesentliche Punkte:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bei <strong>offensichtlichen Fehlern<\/strong> in der Bewertung muss das Finanzamt die Kosten eines notwendigen Gutachtens \u00fcbernehmen.<\/li><li>Verkehrswertgutachten k\u00f6nnen entscheidend sein, um zu hohe Grundsteuerbelastungen zu korrigieren.<\/li><li>Eigent\u00fcmer sollten im Zweifel pr\u00fcfen lassen, ob Bodenrichtwert und Bebaubarkeit korrekt ber\u00fccksichtigt wurden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n\n\n\n<h2>Wann lohnt sich ein Verkehrswertgutachten?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Verkehrswertgutachten kann bei der neuen Grundsteuer schnell mehrere hundert bis \u00fcber tausend Euro kosten. Es lohnt sich daher vor allem dann, wenn konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr eine <strong>\u00dcberbewertung Ihres Grundst\u00fccks<\/strong> vorliegen. Typische F\u00e4lle:<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>\u2714 Gro\u00dfe Teile des Grundst\u00fccks sind nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt bebaubar<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>z. B. private Gr\u00fcnfl\u00e4chen, B\u00f6schungen, Leitungsrechte, Abstandsfl\u00e4chen, Natur- oder Landschaftsschutz.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>\u2714 Der Bodenrichtwert passt nicht zu Ihrem Grundst\u00fcck<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bodenrichtwerte sind Durchschnittswerte \u2013 trifft die Vergleichszone nicht zu, kann der individuelle Wert deutlich abweichen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>\u2714 Ihr Grundst\u00fcck hat besondere wertmindernde Merkmale<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>z. B. L\u00e4rm, Altlasten, ung\u00fcnstige Zuschnitte, Hanglage, schlechte Erschlie\u00dfung, Denkmalschutzauflagen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>\u2714 Das Finanzamt akzeptiert keine niedrigeren Werte ohne Nachweis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Gerade wenn die Abweichung erheblich ist, kann ein Gutachten die einzige M\u00f6glichkeit sein, eine Korrektur zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>\u2714 Die voraussichtliche Steuerersparnis \u00fcbersteigt langfristig den Gutachtenpreis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Als Faustregel:<br \/><strong>Wenn das Gutachten sich innerhalb von 3\u20135 Jahren durch geringere Grundsteuer \u201eamortisiert\u201c, lohnt es sich.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Baden-W\u00fcrttemberg, Beschluss vom 16.10.2025 \u2013 8 K 626\/24 (Pressemitteilung vom 02.12.2025) Bei Streitigkeiten rund um die neue Grundsteuer spielt h\u00e4ufig die Frage eine Rolle, wie Grundst\u00fccke korrekt bewertet werden \u2013 insbesondere dann, wenn Teile eines Grundst\u00fccks nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt bebaubar sind. 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