{"id":78857,"date":"2025-12-15T17:52:59","date_gmt":"2025-12-15T15:52:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78857"},"modified":"2025-12-15T17:52:59","modified_gmt":"2025-12-15T15:52:59","slug":"muelheim-durfte-grundsteuer-hebesatz-von-640-auf-890-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/muelheim-durfte-grundsteuer-hebesatz-von-640-auf-890-erhoehen\/","title":{"rendered":"M\u00fclheim durfte Grundsteuer-Hebesatz von 640 % auf 890 % erh\u00f6hen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 11.12.2025 \u2013 14 A 4745\/19<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (OVG NRW) hat mit Urteil vom 11. Dezember 2025 (14 A 4745\/19) entschieden, dass die Stadt M\u00fclheim an der Ruhr den Hebesatz der Grundsteuer B f\u00fcr das Veranlagungsjahr 2019 rechtm\u00e4\u00dfig von 640 % auf 890 % anheben durfte. Die erhebliche Erh\u00f6hung verst\u00f6\u00dft nach Auffassung des Gerichts weder gegen formelle Vorgaben des Kommunalrechts noch gegen verfassungsrechtliche oder haushaltsrechtliche Grunds\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sachverhalt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger ist Eigent\u00fcmer eines in M\u00fclheim an der Ruhr gelegenen Grundst\u00fccks. Aufgrund der Hebesatzerh\u00f6hung stieg seine Grundsteuer B f\u00fcr das Jahr 2019 um 432,22 Euro \u2013 von 1.106,50 Euro auf 1.538,72 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen die Erh\u00f6hung wandte sich der Kl\u00e4ger mit mehreren Argumenten. Er machte im Wesentlichen geltend:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>der Oberb\u00fcrgermeister habe Zeit, Ort und Tagesordnung der ma\u00dfgeblichen Ratssitzung nicht rechtzeitig bekannt gemacht,<\/li><li>w\u00e4hrend der vom Bundesverfassungsgericht gesetzten \u00dcbergangsfrist zur Neuregelung der Einheitsbewertung h\u00e4tten Gemeinden die Hebes\u00e4tze nicht erh\u00f6hen d\u00fcrfen,<\/li><li>die Haushaltswirtschaft der Stadt M\u00fclheim habe gegen das kommunalrechtliche Gebot der Sparsamkeit versto\u00dfen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Entscheidung des OVG NRW<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Oberverwaltungsgericht wies die Klage ab und best\u00e4tigte die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Hebesatzerh\u00f6hung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ordnungsgem\u00e4\u00dfe Bekanntmachung der Ratssitzung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung des Gerichts war die Bekanntmachung von Zeit, Ort und Tagesordnung der Ratssitzung unter den gegebenen Umst\u00e4nden noch rechtzeitig. Ma\u00dfgeblich sei gewesen, dass sich die Stadt M\u00fclheim in einer auch zeitlich dringenden Haushaltssanierung befunden habe. Vor diesem Hintergrund gen\u00fcgten die getroffenen Bekanntmachungsma\u00dfnahmen den kommunalrechtlichen Anforderungen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Hebesatzerh\u00f6hung trotz \u00dcbergangsfrist zur Grundsteuerreform<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OVG stellte klar, dass sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10.04.2018 (1 BvL 11\/14 u. a.) kein Verbot von Hebesatzerh\u00f6hungen w\u00e4hrend der \u00dcbergangsfrist zur Neuregelung der Einheitsbewertung ergibt. Zwar habe das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber eine Frist zur Reform der Grundsteuer einger\u00e4umt, zugleich aber deutlich gemacht, dass die Gemeinden weiterhin handlungsf\u00e4hig bleiben sollten. Dazu geh\u00f6re auch die M\u00f6glichkeit, Hebes\u00e4tze anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Keine \u00dcberpr\u00fcfung der Haushaltswirtschaft im Grundsteuerverfahren<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich wies das OVG darauf hin, dass die Frage, ob die Haushaltsf\u00fchrung der Kommune den Geboten der Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Sparsamkeit entsprochen hat, <strong>nicht Gegenstand eines Verfahrens \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Grundsteuererhebung<\/strong> ist. Diese Aspekte seien ggf. in anderen kommunalaufsichtlichen oder haushaltsrechtlichen Verfahren zu kl\u00e4ren, nicht jedoch im Rahmen einer Anfechtung der Grundsteuerfestsetzung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Keine Revision zugelassen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Oberverwaltungsgericht hat die Revision nicht zugelassen. Dem Kl\u00e4ger bleibt lediglich die M\u00f6glichkeit, Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesverwaltungsgericht zu erheben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung hat \u00fcber den Einzelfall hinaus erhebliche Bedeutung f\u00fcr Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer und Kommunen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Auch sehr deutliche Hebesatzerh\u00f6hungen k\u00f6nnen rechtm\u00e4\u00dfig sein, wenn formelle Anforderungen eingehalten werden.<\/li><li>Die \u00dcbergangsphase zur Grundsteuerreform schr\u00e4nkt die Hebesatzautonomie der Gemeinden nicht ein.<\/li><li>Einwendungen gegen die kommunale Haushaltsf\u00fchrung sind im Grundsteuerverfahren grunds\u00e4tzlich unbeachtlich.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Eigent\u00fcmer bedeutet dies, dass rechtliche Angriffsm\u00f6glichkeiten gegen hohe Grundsteuer-Hebes\u00e4tze stark begrenzt sind. F\u00fcr Kommunen best\u00e4tigt das Urteil den weiten Gestaltungsspielraum bei der Festsetzung der Hebes\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 11.12.2025 \u2013 14 A 4745\/19, Pressemitteilung vom 11.12.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 11.12.2025 \u2013 14 A 4745\/19 Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (OVG NRW) hat mit Urteil vom 11. Dezember 2025 (14 A 4745\/19) entschieden, dass die Stadt M\u00fclheim an der Ruhr den Hebesatz der Grundsteuer B f\u00fcr das Veranlagungsjahr 2019 rechtm\u00e4\u00dfig von 640 % auf 890 % anheben durfte. 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