{"id":78870,"date":"2025-12-15T18:07:45","date_gmt":"2025-12-15T16:07:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78870"},"modified":"2025-12-15T18:07:45","modified_gmt":"2025-12-15T16:07:45","slug":"urlaubsabgeltung-bei-beendigung-des-arbeitsverhaeltnisses-als-ausserordentliche-einkuenfte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/urlaubsabgeltung-bei-beendigung-des-arbeitsverhaeltnisses-als-ausserordentliche-einkuenfte\/","title":{"rendered":"Urlaubsabgeltung bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses als au\u00dferordentliche Eink\u00fcnfte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FG M\u00fcnster, Urteil vom 13.11.2025 \u2013 12 K 1853\/23 E<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht M\u00fcnster hat mit Urteil vom 13. November 2025 (Az. 12 K 1853\/23 E) entschieden, dass <strong>Abgeltungszahlungen f\u00fcr nicht genommenen Urlaub mehrerer Jahre<\/strong>, die anl\u00e4sslich der Beendigung eines Arbeitsverh\u00e4ltnisses gezahlt werden, <strong>au\u00dferordentliche Eink\u00fcnfte im Sinne von \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG<\/strong> darstellen. Die Zahlungen sind damit nach Ma\u00dfgabe des \u00a7 34 Abs. 1 EStG tarifbeg\u00fcnstigt zu besteuern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung ist f\u00fcr die Praxis von erheblicher Bedeutung, da Urlaubsabgeltungen bislang h\u00e4ufig nicht in den Anwendungsbereich der sogenannten F\u00fcnftelregelung einbezogen wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sachverhalt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin erhielt aufgrund der Beendigung ihres Arbeitsverh\u00e4ltnisses im Jahr 2020 \u2013 nach Abschluss eines Vergleichs vor dem Landesarbeitsgericht \u2013 mehrere Zahlungen von ihrem Arbeitgeber:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>eine <strong>Abfindung<\/strong> f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes sowie<\/li><li>eine <strong>Abgeltungszahlung f\u00fcr offenen Erholungsurlaub<\/strong> aus den Jahren 2018, 2019 und 2020.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr beide Zahlungen beantragte die Kl\u00e4gerin im Streitjahr 2020 die beg\u00fcnstigte Besteuerung nach \u00a7 34 Abs. 1 EStG.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt erkannte die Tariferm\u00e4\u00dfigung jedoch nur f\u00fcr die Abfindung an. Die Urlaubsabgeltung behandelte es als laufenden Arbeitslohn ohne Tariferm\u00e4\u00dfigung. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte es aus, es liege weder eine Entsch\u00e4digung im Sinne von \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG i. V. m. \u00a7 24 Nr. 1 Buchst. a EStG noch eine Verg\u00fctung f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit nach \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG vor. Der Urlaubsanspruch sei jeweils in den einzelnen Vorjahren entstanden und lediglich im Streitjahr ausgezahlt worden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Entscheidung des FG M\u00fcnster<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 12. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster gab der Klage vollumf\u00e4nglich statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung des Gerichts stellt die Abgeltungszahlung f\u00fcr den Urlaubsanspruch eine <strong>Verg\u00fctung f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit<\/strong> im Sinne von \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG dar. Ma\u00dfgeblich sei eine wirtschaftliche Betrachtungsweise.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Urlaubsabgeltung als Verg\u00fctung f\u00fcr mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht stellte klar, dass der Umstand, dass sich die Zahlung rechnerisch aus einzelnen Urlaubsanspr\u00fcchen mehrerer Jahre zusammensetzt, der Annahme einer mehrj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit <strong>nicht entgegensteht<\/strong>. Entscheidend sei vielmehr:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Urlaubsanspruch sei untrennbar mit dem bestehenden Arbeitsverh\u00e4ltnis verbunden.<\/li><li>Die Abgeltung erfolge <strong>anl\u00e4sslich der Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<\/strong>.<\/li><li>Wirtschaftlich betrachtet stelle die Urlaubsabgeltung ein (zus\u00e4tzliches) Entgelt f\u00fcr die \u00fcber mehrere Jahre erbrachte Arbeitsleistung dar.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies zeige sich auch daran, dass die Abgeltung auf Basis des <strong>durchschnittlichen Arbeitsentgelts<\/strong> berechnet werde. Die Zahlung gleiche damit einer zusammengeballten Verg\u00fctung f\u00fcr die in mehreren Jahren geleistete Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zusammenballung im Streitjahr<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres wesentliches Kriterium f\u00fcr die Anwendung des \u00a7 34 EStG \u2013 die Zusammenballung der Eink\u00fcnfte \u2013 sah das FG ebenfalls als erf\u00fcllt an. Die Urlaubsabgeltung floss der Kl\u00e4gerin vollst\u00e4ndig im Streitjahr 2020 zu und f\u00fchrte damit zu einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Progressionsbelastung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unerheblich sei zudem, dass die Kl\u00e4gerin im abgegoltenen Zeitraum teilweise von der Arbeit freigestellt gewesen sei und die T\u00e4tigkeit faktisch nicht ausge\u00fcbt habe. Ma\u00dfgeblich sei nicht die tats\u00e4chliche Arbeitsleistung im Abgeltungszeitraum, sondern der Zusammenhang mit der mehrj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit im Rahmen des Arbeitsverh\u00e4ltnisses.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Revision zugelassen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 12. Senat hat wegen der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtsfrage die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. Eine h\u00f6chstrichterliche Kl\u00e4rung bleibt daher abzuwarten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Praxishinweis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil ist f\u00fcr Arbeitnehmer und Berater \u00e4u\u00dferst praxisrelevant:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Urlaubsabgeltungen f\u00fcr mehrere Jahre k\u00f6nnen \u2013 bei Zusammenballung \u2013 der Tariferm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 34 EStG unterliegen.<\/li><li>Dies gilt insbesondere bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses im Zusammenhang mit Abfindungszahlungen.<\/li><li>Entsprechende Sachverhalte sollten im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft und ggf. offen gehalten werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu einer Entscheidung des BFH bestehen gute Argumente, Urlaubsabgeltungen bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses als au\u00dferordentliche Eink\u00fcnfte geltend zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht M\u00fcnster, Urteil vom 13.11.2025 \u2013 12 K 1853\/23 E, Newsletter Dezember 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG M\u00fcnster, Urteil vom 13.11.2025 \u2013 12 K 1853\/23 E Das Finanzgericht M\u00fcnster hat mit Urteil vom 13. 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