{"id":78878,"date":"2025-12-18T18:31:48","date_gmt":"2025-12-18T16:31:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78878"},"modified":"2025-12-18T18:31:48","modified_gmt":"2025-12-18T16:31:48","slug":"grunderwerbsteuer-rueckgaengigmachung-auch-bei-nicht-ordnungsgemaess-angezeigtem-erwerb-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/grunderwerbsteuer-rueckgaengigmachung-auch-bei-nicht-ordnungsgemaess-angezeigtem-erwerb-moeglich\/","title":{"rendered":"Grunderwerbsteuer: R\u00fcckg\u00e4ngigmachung auch bei nicht ordnungsgem\u00e4\u00df angezeigtem Erwerb m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FG Baden-W\u00fcrttemberg st\u00e4rkt Steuerpflichtige \u2013 Revision beim BFH anh\u00e4ngig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit aktueller Mitteilung vom <strong>18.12.2025<\/strong> hat das <strong>FG Baden-W\u00fcrttemberg<\/strong> ein f\u00fcr die Praxis \u00e4u\u00dferst relevantes Urteil ver\u00f6ffentlicht (Urteil vom <strong>19.07.2024 \u2013 5 K 1668\/22<\/strong>, Revision anh\u00e4ngig unter <strong>BFH II R 30\/24<\/strong>). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kern geht es um die Frage, <strong>wann eine Grunderwerbsteuerfestsetzung bei R\u00fcckg\u00e4ngigmachung eines Erwerbsvorgangs aufgehoben werden kann<\/strong>, insbesondere wenn der urspr\u00fcngliche Vorgang <strong>nicht ordnungsgem\u00e4\u00df angezeigt<\/strong> wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung bringt <strong>wichtige Klarstellungen zu \u00a7 16 GrEStG<\/strong> und kann f\u00fcr viele gesellschaftsrechtliche Gestaltungen erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Ausgangspunkt: R\u00fcckg\u00e4ngigmachung nach \u00a7 16 GrEStG<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00a7 16 GrEStG erm\u00f6glicht unter bestimmten Voraussetzungen die <strong>Nichtfestsetzung oder Aufhebung der Grunderwerbsteuer<\/strong>, wenn ein Erwerbsvorgang <strong>innerhalb von zwei Jahren r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis scheitert die Anwendung dieser Vorschrift h\u00e4ufig an <strong>formalen Fehlern<\/strong>, insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>versp\u00e4tete oder unvollst\u00e4ndige Anzeige des urspr\u00fcnglichen Erwerbsvorgangs,<\/li><li>komplexe Anteils\u00fcbertragungen bei grundst\u00fccksbesitzenden Gesellschaften.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an dieser Schnittstelle setzt das Urteil an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Der entschiedene Sachverhalt (vereinfacht)<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Eine <strong>gemeinn\u00fctzige Stiftung<\/strong> war Alleingesellschafterin einer grundst\u00fccksbesitzenden GmbH.<\/li><li>16 % der Anteile wurden ver\u00e4u\u00dfert, verbunden mit einer <strong>R\u00fcckerwerbsoption<\/strong>.<\/li><li>Die Stiftung \u00fcbte diese Option aus \u2192 <strong>Anteilsvereinigung von 100 %<\/strong>.<\/li><li>Dadurch wurde <strong>erst der R\u00fcckerwerb grunderwerbsteuerpflichtig<\/strong> (\u00a7 1 Abs. 3 Nr. 1 GrEStG).<\/li><li>Der urspr\u00fcngliche Erwerbsvorgang war <strong>nicht ordnungsgem\u00e4\u00df angezeigt<\/strong> worden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt lehnte die Aufhebung der Grunderwerbsteuer ab und berief sich auf <strong>\u00a7 16 Abs. 5 GrEStG<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Zentrale Kernaussagen des FG Baden-W\u00fcrttemberg<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.1 \u00a7 16 Abs. 2 GrEStG setzt keine Steuerbarkeit des Ersterwerbs voraus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>F\u00fcr die Anwendung des \u00a7 16 Abs. 2 Nr. 1 GrEStG ist es nicht erforderlich, dass der r\u00fcckg\u00e4ngig gemachte Erwerbsvorgang steuerbar war.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist allein, dass:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>der fr\u00fchere Zustand vollst\u00e4ndig wiederhergestellt wird und<\/li><li>dies innerhalb der Zweijahresfrist geschieht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Grunds\u00e4tze gelten <strong>auch bei Anteilsvereinigungen nach \u00a7 1 Abs. 3 GrEStG<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.2 \u00a7 16 Abs. 5 GrEStG greift nur bei steuerbaren Ersterwerben<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders praxisrelevant ist die Abgrenzung zu \u00a7 16 Abs. 5 GrEStG:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u00a7 16 Abs. 5 GrEStG sperrt die Beg\u00fcnstigung <strong>nur<\/strong>, wenn ein <strong>steuerbarer Erwerbsvorgang nach \u00a7 1 Abs. 2 bis 3a GrEStG<\/strong> r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird, <strong>der nicht ordnungsgem\u00e4\u00df angezeigt wurde<\/strong>.<\/li><li>War der urspr\u00fcngliche Erwerb <strong>nicht steuerbar<\/strong>, ist \u00a7 16 Abs. 5 GrEStG <strong>bereits dem Wortlaut nach nicht anwendbar<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ud83d\udc49 Dass der steuerpflichtige Vorgang <strong>erst durch die R\u00fcckg\u00e4ngigmachung ausgel\u00f6st wird<\/strong>, ist unsch\u00e4dlich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.3 Keine analoge Anwendung der Sperrvorschrift<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch eine <strong>analoge Anwendung<\/strong> von \u00a7 16 Abs. 5 GrEStG lehnt das Gericht ab:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Zweck der Norm (Missbrauchsvermeidung durch bewusste Nichtanzeige) greife hier nicht.<\/li><li>Es bestehe <strong>keine Umgehungsgefahr<\/strong>, da der Steuerpflichtige die Steuer auch ohne Pflichtverletzung h\u00e4tte vermeiden k\u00f6nnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Praktische Bedeutung f\u00fcr die Beratungspraxis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung ist insbesondere relevant f\u00fcr:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Anteils\u00fcbertragungen mit R\u00fcckerwerbsoptionen<\/strong><\/li><li><strong>Stiftungs- und Holdingstrukturen<\/strong><\/li><li><strong>95-%-\/90-%-Schwellen bei \u00a7 1 Abs. 2a, 3 GrEStG<\/strong><\/li><li>F\u00e4lle mit <strong>formalen Anzeigeproblemen<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Merksatz f\u00fcr die Praxis:<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Eine fehlerhafte Anzeige schlie\u00dft die Aufhebung der Grunderwerbsteuer nicht aus, wenn der r\u00fcckg\u00e4ngig gemachte Erwerbsvorgang selbst nicht steuerbar war.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Revision beim BFH \u2013 Handlungsbedarf?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Revision ist beim BFH anh\u00e4ngig (<strong>II R 30\/24<\/strong>). Bis zur endg\u00fcltigen Entscheidung gilt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Antr\u00e4ge nach \u00a7 16 Abs. 2 GrEStG sollten gestellt werden<\/strong>, auch wenn das Finanzamt sich auf \u00a7 16 Abs. 5 GrEStG beruft.<\/li><li>In vergleichbaren F\u00e4llen empfiehlt sich <strong>offenes Ruhenlassen<\/strong> des Verfahrens.<\/li><li>Bei geplanten R\u00fcckabwicklungen sollte die <strong>steuerliche Einordnung fr\u00fchzeitig gepr\u00fcft<\/strong> werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG Baden-W\u00fcrttemberg st\u00e4rkt mit dieser Entscheidung die <strong>materielle Betrachtung gegen\u00fcber formalen Anzeigeverst\u00f6\u00dfen<\/strong>. F\u00fcr Steuerpflichtige er\u00f6ffnet sich damit in vielen F\u00e4llen die M\u00f6glichkeit, <strong>zu Unrecht festgesetzte Grunderwerbsteuer erfolgreich aufheben zu lassen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob der BFH diese Linie best\u00e4tigt, bleibt abzuwarten \u2013 die Argumentation des FG ist jedoch <strong>dogmatisch \u00fcberzeugend und praxisnah<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hinweis: Der Beitrag stellt keine individuelle Steuerberatung dar. Die steuerliche Beurteilung h\u00e4ngt stets vom konkreten Einzelfall ab.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Baden-W\u00fcrttemberg st\u00e4rkt Steuerpflichtige \u2013 Revision beim BFH anh\u00e4ngig Mit aktueller Mitteilung vom 18.12.2025 hat das FG Baden-W\u00fcrttemberg ein f\u00fcr die Praxis \u00e4u\u00dferst relevantes Urteil ver\u00f6ffentlicht (Urteil vom 19.07.2024 \u2013 5 K 1668\/22, Revision anh\u00e4ngig unter BFH II R 30\/24). 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