{"id":78946,"date":"2026-01-09T20:07:01","date_gmt":"2026-01-09T18:07:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78946"},"modified":"2026-01-09T20:07:01","modified_gmt":"2026-01-09T18:07:01","slug":"mopeg-ist-in-kraft-und-steuerlich-bleibt-trotzdem-nicht-alles-beim-alten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/mopeg-ist-in-kraft-und-steuerlich-bleibt-trotzdem-nicht-alles-beim-alten\/","title":{"rendered":"\u201eMoPeG\u201c ist in Kraft \u2013 und steuerlich bleibt trotzdem nicht alles beim Alten"},"content":{"rendered":"\n<p>Am <strong>1. Januar 2024<\/strong> ist das <strong>Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (MoPeG)<\/strong> in Kraft getreten. Kurz vor dem Start wurden au\u00dferdem <strong>steuerliche Folgeanpassungen<\/strong> \u2013 insbesondere zur Sicherung des bisherigen Besteuerungsregimes \u2013 \u00fcber das <strong>Kreditzweitmarktf\u00f6rderungsgesetz<\/strong> verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leitidee des Gesetzgebers lautet: <strong>zivilrechtlich modernisieren, steuerlich den \u201eStatus quo\u201c m\u00f6glichst fortf\u00fchren<\/strong>. In der Praxis zeigt sich jedoch: Gerade bei <strong>Grundbesitz<\/strong> (Grunderwerbsteuer) und bei <strong>Strukturen mit Betriebsaufspaltung<\/strong> kann das MoPeG <strong>neue Risiken<\/strong> ausl\u00f6sen \u2013 oder bestehende Gestaltungen unerwartet kippen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>1) Was ist neu? MoPeG, rechtsf\u00e4hige GbR und die eGbR<\/h2>\n\n\n\n<p>Das MoPeG bildet die GbR als <strong>Grundform<\/strong> der Personengesellschaften neu ab und kn\u00fcpft an die bereits seit langem anerkannte <strong>Rechtsf\u00e4higkeit der (Au\u00dfen-)GbR<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<h3>Gesellschaftsregister: \u201ekann\u201c \u2013 aber oft faktisch \u201emuss\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit 01.01.2024 k\u00f6nnen rechtsf\u00e4hige GbRs in ein <strong>Gesellschaftsregister<\/strong> eingetragen werden; die eingetragene GbR f\u00fchrt dann den Rechtsformzusatz <strong>\u201eeGbR\u201c<\/strong>. Eine gesetzliche generelle Eintragungspflicht gibt es zwar nicht; in der Praxis entsteht aber h\u00e4ufig ein <strong>faktischer Eintragungszwang<\/strong>, insbesondere wenn Register- oder Grundbuchvorg\u00e4nge (z. B. Immobilien) betroffen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Merke:<\/strong> Wenn eine GbR k\u00fcnftig <strong>Grundbesitz erwerben, halten\/umtragen oder ver\u00e4u\u00dfern<\/strong> will und daf\u00fcr ein Grundbuch-\/Registervorgang erforderlich ist, sollte die Registerf\u00e4higkeit\/Eintragung fr\u00fchzeitig mit Notar und Berater abgestimmt werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>2) Zivilrechtliche \u00c4nderungen mit steuerlicher Sprengkraft<\/h2>\n\n\n\n<h3>a) \u201eAusscheiden vor Aufl\u00f6sung\u201c \u2013 Tod eines Gesellschafters<\/h3>\n\n\n\n<p>Die alte Standardfolge (Tod = h\u00e4ufig Aufl\u00f6sung) ist f\u00fcr die GbR grunds\u00e4tzlich abgel\u00f6st worden: <strong>Der verstorbene Gesellschafter scheidet aus; die Gesellschaft wird fortgesetzt<\/strong>, sofern der Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt. Wichtig ist die Sonderkonstellation der <strong>zweigliedrigen GbR<\/strong>: Scheidet ein Gesellschafter durch Tod aus und bleibt nur einer \u00fcbrig, kommt es kraft Gesetzes zur <strong>Beendigung<\/strong> (vereinfacht: \u201eEin-Personen-GbR\u201c geht nicht).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Steuerliche Relevanz:<\/strong> Nachfolgeklauseln, Fortsetzungsklauseln und Abfindungsregelungen sind nicht nur zivilrechtlich \u201enice to have\u201c, sondern k\u00f6nnen mittelbar steuerliche Tatbest\u00e4nde beeinflussen (z. B. bei Besitz-\/Betriebsstrukturen).<\/p>\n\n\n\n<h3>b) Stimmkraft: nicht mehr \u201enach K\u00f6pfen\u201c, sondern nach Beteiligungsquote<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein besonders praxisrelevanter Punkt: Wo fr\u00fcher (ohne vertragliche Regelung) oft <strong>\u201eKopfprinzip\u201c<\/strong> galt, stellt das MoPeG als Standard nun auf die <strong>Beteiligungsverh\u00e4ltnisse<\/strong> ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum ist das steuerlich heikel?<\/strong><br \/>Weil sich dadurch Mehrheiten, Beherrschung und damit die <strong>personelle Verflechtung<\/strong> ver\u00e4ndern k\u00f6nnen \u2013 das kann bei Konstellationen mit \u00fcberlassenem Betriebsgrundst\u00fcck zur <strong>(ungewollten) Entstehung oder Beendigung einer Betriebsaufspaltung<\/strong> f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Praxis-Tipp:<\/strong> Gesellschaftsvertr\u00e4ge von Immobilien-\/Besitz-GbRs sollten sp\u00e4testens jetzt daraufhin gepr\u00fcft werden, ob <strong>Stimmrechte, Beteiligungsquoten und Nachfolge<\/strong> noch zu den steuerlichen Zielbildern passen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>3) Ertragsteuer: \u201eStatus quo\u201c \u2013 aber Abf\u00e4rbung bleibt ein echtes Risiko<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Gesetzgeber wollte die ertragsteuerlichen Grundmechanismen (Transparenzprinzip, Mitunternehmerkonzept) grunds\u00e4tzlich fortf\u00fchren. Gleichwohl bleibt die <strong>Abf\u00e4rbung\/\u201eAufw\u00e4rtsabf\u00e4rbung\u201c<\/strong> in mehrstufigen Personengesellschaftsstrukturen ein klassischer Risikotreiber:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Eine verm\u00f6gensverwaltende GbR\/eGbR kann durch <strong>gewerbliche Beteiligungseink\u00fcnfte<\/strong> insgesamt zu Eink\u00fcnften aus Gewerbebetrieb \u201eumqualifizieren\u201c (\u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG).<\/li><li>Der BFH best\u00e4tigt ausdr\u00fccklich, dass diese Abf\u00e4rbung in einkommensteuerlicher Hinsicht <strong>ohne Geringf\u00fcgigkeitsgrenze<\/strong> verfassungsgem\u00e4\u00df ist.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Konsequenz f\u00fcr Gestaltungen:<\/strong><br \/>Wer z. B. eine Besitz-GbR mit Immobilien (V+V) hat und daneben Beteiligungen an gewerblichen Personengesellschaften h\u00e4lt oder plant, sollte die <strong>ertragsteuerliche Einordnung<\/strong> (inkl. Folgefragen wie Gewerbesteuer, Sonderbetriebsverm\u00f6gen etc.) strukturiert durchpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>4) Grunderwerbsteuer: warum die Reform hier besonders \u201eunruhig\u201c ist<\/h2>\n\n\n\n<h3>a) Grundmuster bleibt \u2013 aber der Ankn\u00fcpfungspunkt \u201eGesamthand\u201c wackelte<\/h3>\n\n\n\n<p>Viele Befreiungen\/Erleichterungen im GrEStG f\u00fcr Personengesellschaften kn\u00fcpfen traditionell an die <strong>\u201eGesamthand\u201c<\/strong> und Beteiligungsquoten an (insb. \u00a7\u00a7 5, 6 GrEStG). Da das MoPeG zivilrechtlich das Gesamthandsprinzip aufgibt, bestand die Gefahr, dass die Beg\u00fcnstigungen <strong>ins Leere laufen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3>b) \u00a7 24 GrEStG: befristete \u201eRettung\u201c des Status quo bis Ende 2026<\/h3>\n\n\n\n<p>Zur Stabilisierung wurde (u. a. \u00fcber das Kreditzweitmarktf\u00f6rderungsgesetz) \u00a7 24 GrEStG eingef\u00fchrt: Rechtsf\u00e4hige Personengesellschaften gelten <strong>f\u00fcr Zwecke der Grunderwerbsteuer vor\u00fcbergehend weiterhin als Gesamthand<\/strong> \u2013 <strong>befristet bis 31.12.2026<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aber:<\/strong> Die Befristung bedeutet, dass Strukturierungen mit Grundbesitz und personengesellschaftlichen Umh\u00fcllungen einen klaren <strong>Zeitstrahl bis 2026<\/strong> ben\u00f6tigen (Planung, Nachbehaltensfristen, Umstrukturierungen).<\/p>\n\n\n\n<h3>c) Nachbehaltensfristen &amp; \u00dcbergangsfragen: 5 vs. 10 Jahre und neue Rechtsprechung<\/h3>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig vom MoPeG sind die grunderwerbsteuerlichen Halte-\/Nachbehaltensfristen in vielen F\u00e4llen verl\u00e4ngert worden; die Frage, <strong>wann 5 Jahre und wann 10 Jahre<\/strong> gelten, besch\u00e4ftigt Praxis und Rechtsprechung weiterhin. Aktuell gibt es hierzu z. B. Entscheidungen\/Beitr\u00e4ge zur Anwendung der \u00dcbergangsvorschriften des \u00a7 23 GrEStG und zur (Nicht-)Anwendbarkeit der 10-Jahresfrist auf \u00e4ltere Erwerbsvorg\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>5) Was ist jetzt zu tun? Praxis-Checkliste f\u00fcr Unternehmen mit Grundbesitz und GbR-Strukturen<\/h2>\n\n\n\n<h3>A. Bestands-GbR \/ Immobilien-GbR<\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Registerf\u00e4higkeit pr\u00fcfen<\/strong>: Ist eine Eintragung als eGbR f\u00fcr Grundbuch-\/Registervorg\u00e4nge erforderlich bzw. praktisch geboten?<\/li><li><strong>Gesellschaftsvertrag aktualisieren<\/strong>:<ul><li>Stimmrechte\/Mehrheiten (Beteiligungsquote statt K\u00f6pfe?)<\/li><li>Eintritt\/Austritt\/Tod\/Nachfolge (Ausscheiden vor Aufl\u00f6sung; zweigliedrige GbR beachten)<\/li><li>Vertretung\/Haftungsfragen (auch in Bezug auf Dritte)<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>B. Betriebsaufspaltungen \/ Besitzgesellschaften<\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Beherrschungsstrukturen neu bewerten<\/strong> (Stimmkraft\u00e4nderung kann personelle Verflechtung \u00e4ndern).<\/li><li><strong>Ertragsteuerliche \u201eAbf\u00e4rbe\u201c-Risiken pr\u00fcfen<\/strong>, insbesondere bei Beteiligungen an gewerblichen Personengesellschaften.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>C. Grunderwerbsteuerliche Planung (2024\u20132026)<\/h3>\n\n\n\n<ul><li>Bei Umstrukturierungen mit Grundbesitz: <strong>\u00a7 24 GrEStG und Befristung bis 31.12.2026<\/strong> in die Zeitplanung integrieren.<\/li><li><strong>Vor-\/Nachbehaltensfristen<\/strong> und <strong>\u00dcbergangsvorschriften<\/strong> dokumentieren (insbesondere bei Altf\u00e4llen vor\/nach 01.07.2021).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Das MoPeG ist zivilrechtlich eine echte Modernisierung \u2013 steuerlich soll vieles \u201eweiterlaufen\u201c. In der Praxis entsteht der Handlungsbedarf aber genau dort, wo <strong>Rechtsfolgen an Beteiligung, Stimmkraft, Gesamthand und Fristen<\/strong> h\u00e4ngen: <strong>Betriebsaufspaltungen, Immobilien-GbRs und grunderwerbsteuerliche Privilegierungen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie Personengesellschaftsstrukturen mit Grundbesitz betreiben oder Umstrukturierungen planen, sollten Sie (sp\u00e4testens jetzt) <strong>Gesellschaftsvertrag, Registerstrategie und Steuerfolgen<\/strong> in einem Schritt koordinieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Dieser Beitrag stellt eine allgemeine Information dar und ersetzt keine individuelle steuerliche und rechtliche Beratung im Einzelfall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. Januar 2024 ist das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (MoPeG) in Kraft getreten. 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