{"id":78985,"date":"2026-01-10T15:00:03","date_gmt":"2026-01-10T13:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78985"},"modified":"2026-01-10T15:00:03","modified_gmt":"2026-01-10T13:00:03","slug":"bfh-zur-thesaurierungsbeguenstigung-%c2%a7-34a-estg-warum-feststellungsbescheide-nach-%c2%a7-34a-abs-10-estg-verfahrensentscheidend-sein-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-thesaurierungsbeguenstigung-%c2%a7-34a-estg-warum-feststellungsbescheide-nach-%c2%a7-34a-abs-10-estg-verfahrensentscheidend-sein-koennen\/","title":{"rendered":"BFH zur Thesaurierungsbeg\u00fcnstigung (\u00a7 34a EStG): Warum Feststellungsbescheide nach \u00a7 34a Abs. 10 EStG \u201everfahrensentscheidend\u201c sein k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BFH, Urteil vom 09.09.2025 \u2013 VI R 23\/23<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Thesaurierungsbeg\u00fcnstigung nach <strong>\u00a7 34a EStG<\/strong> ist verfahrensrechtlich anspruchsvoll, sobald Gewinneink\u00fcnfte <strong>gesondert festgestellt<\/strong> werden (z. B. Mitunternehmerschaften, Betriebe mit Lage-\/Betriebsfinanzamt). Der BFH stellt klar: Wenn Eink\u00fcnfte nach <strong>\u00a7 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO<\/strong> gesondert festgestellt werden, muss das Finanzgericht im Einzelfall pr\u00fcfen, ob zus\u00e4tzlich ein <strong>Feststellungsbescheid nach \u00a7 34a Abs. 10 Satz 1 EStG<\/strong> erlassen wurde \u2013 weil dieser ggf. <strong>Bindungswirkung<\/strong> entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Worum geht es bei \u00a7 34a EStG \u00fcberhaupt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Enth\u00e4lt das zu versteuernde Einkommen <strong>nicht entnommene Gewinne<\/strong> aus LuF\/Gewerbebetrieb\/selbst\u00e4ndiger Arbeit, kann auf Antrag die Einkommensteuer hierf\u00fcr (ganz oder teilweise) mit einem <strong>Satz von 28,25 %<\/strong> berechnet werden (\u00a7 34a Abs. 1 EStG).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <strong>nicht entnommene Gewinn<\/strong> ist grunds\u00e4tzlich:<br \/><strong>Gewinn (nach \u00a7 4 Abs. 1 oder \u00a7 5 EStG) minus positiver Saldo Entnahmen\/Einlagen<\/strong> (\u00a7 34a Abs. 2 EStG).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig (und h\u00e4ufig missverstanden): Die Beg\u00fcnstigung ist <strong>betriebsbezogen<\/strong>, nicht personenbezogen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Kernaussage des BFH: Gericht muss Feststellungsbescheid nach \u00a7 34a Abs. 10 EStG \u201emitdenken\u201c<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ausgangslage<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich entscheidet das <strong>ESt-Finanzamt<\/strong> im Rahmen des Einkommensteuerbescheids \u00fcber die Gew\u00e4hrung der Thesaurierungsbeg\u00fcnstigung und ermittelt daf\u00fcr auch die Grundlagen (Gewinn, Entnahmen, Einlagen).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Besonderheit bei gesonderter Feststellung der Eink\u00fcnfte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn jedoch Gewinneink\u00fcnfte nach <strong>\u00a7 180 AO<\/strong> gesondert festgestellt werden, <strong>k\u00f6nnen<\/strong> nach <strong>\u00a7 34a Abs. 10 Satz 1 EStG<\/strong> auch die f\u00fcr \u00a7 34a relevanten Besteuerungsgrundlagen (u. a. Entnahmen\/Einlagen und weitere Parameter) <strong>gesondert festgestellt<\/strong> werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau hier setzt der BFH an:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das FG darf nicht \u201eeinfach so\u201c \u00fcber \u00a7 34a entscheiden, wenn <strong>unklar<\/strong> ist, ob ein <strong>\u00a7 34a Abs. 10-Feststellungsbescheid<\/strong> existiert.<\/li><li>Denn: Ein \u00a7 34a Abs. 10-Bescheid ist <strong>selbst\u00e4ndig anfechtbar<\/strong> und kann zwar mit dem Gewinnfeststellungsbescheid verbunden werden, bleibt aber inhaltlich ein <strong>eigenst\u00e4ndiger Verwaltungsakt<\/strong>.<\/li><li>Zudem ordnet der BFH die Bescheidhierarchie klar ein: Der \u00a7 34a Abs. 10-Bescheid ist <strong>Folgebescheid<\/strong> des Gewinnfeststellungsbescheids und zugleich nach <strong>\u00a7 182 Abs. 1 AO<\/strong> <strong>Grundlagenbescheid<\/strong> (u. a.) f\u00fcr den Einkommensteuerbescheid.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praktische Konsequenz:<\/strong><br \/>Existiert ein \u00a7 34a Abs. 10-Feststellungsbescheid, ist das ESt-Finanzamt (und das Gericht) an dessen Inhalt gebunden. Streit geh\u00f6rt dann in das Verfahren gegen den Grundlagenbescheid \u2013 nicht \u201enachgelagert\u201c gegen den ESt-Bescheid.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Was wird nach \u00a7 34a Abs. 10 EStG \u00fcberhaupt festgestellt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH betont: Gegenstand der gesonderten Feststellung nach \u00a7 34a Abs. 10 EStG ist <strong>nicht<\/strong> der \u201enicht entnommene Gewinn\u201c als Saldogr\u00f6\u00dfe, sondern die <strong>Berechnungsfaktoren<\/strong>, die zur Ermittlung dieser Saldogr\u00f6\u00dfe ben\u00f6tigt werden (insbesondere <strong>Gewinn, Entnahmen, Einlagen<\/strong> etc.).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Kurz zum Streitfall (VI R 23\/23): Geldtransfer zwischen zwei Betrieben als Entnahme<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im konkreten Fall (Forstbetrieb) hatte der Steuerpflichtige u. a. <strong>60.000 \u20ac<\/strong> von einem Forstbetrieb auf ein Konto eines anderen Forstbetriebs \u00fcberwiesen. Der BFH qualifiziert dies aus Sicht des abgebenden Betriebs als <strong>Entnahme<\/strong> i. S. des \u00a7 4 Abs. 1 Satz 2 EStG \u2013 mit der Folge, dass nur der verbleibende nicht entnommene Gewinn beg\u00fcnstigt sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben war verfahrensrechtlich entscheidend, dass dem FG <strong>Feststellungen dazu fehlten<\/strong>, ob das zust\u00e4ndige Lagefinanzamt bereits einen <strong>\u00a7 34a Abs. 10-Bescheid<\/strong> erlassen hatte. Deshalb musste das FG im zweiten Rechtsgang nachermitteln.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Praxishinweise f\u00fcr die Beratung<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">A) Wenn \u00a7 34a EStG beantragt wird und ein (Mit-)Betrieb gesondert festgestellt wird<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Immer pr\u00fcfen<\/strong>, ob es neben dem Gewinnfeststellungsbescheid auch einen <strong>(ggf. verbundenen) Feststellungsbescheid nach \u00a7 34a Abs. 10 EStG<\/strong> gibt.<\/li><li><strong>Bescheidtyp und Rechtsbehelfsfristen<\/strong> trennen: \u00a7 34a Abs. 10 ist <strong>eigenst\u00e4ndig anfechtbar<\/strong>.<\/li><li>Bei streitigen Entnahmen\/Einlagen: Streit <strong>vorrangig<\/strong> im (Grundlagen-)Feststellungsverfahren f\u00fchren (Bindungswirkung \u00a7 182 AO).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">B) F\u00fcr Einspruch\/Klage: typische Fehlerquelle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird nur gegen den <strong>ESt-Bescheid<\/strong> vorgegangen, obwohl die ma\u00dfgeblichen Faktoren bereits in einem <strong>\u00a7 34a Abs. 10-Bescheid<\/strong> festgestellt sind, l\u00e4uft man in ein <strong>Bindungswirkungsproblem<\/strong>: Der Folgebescheid \u201ekann es dann nicht mehr richten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Checkliste f\u00fcr die Akte (kompakt)<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Liegen Gewinneink\u00fcnfte vor, die <strong>gesondert festgestellt<\/strong> werden (\u00a7 180 AO)?<\/li><li>Gibt es f\u00fcr den VZ einen <strong>\u00a7 34a Abs. 10-Feststellungsbescheid<\/strong> (separat oder verbunden)?<\/li><li>Sind <strong>Entnahmen\/Einlagen<\/strong> je Betrieb vollst\u00e4ndig dokumentiert (inkl. interner Geldfl\u00fcsse zwischen Betrieben)?<\/li><li>Wurde der Rechtsbehelf gegen den <strong>richtigen Bescheid<\/strong> eingelegt (Grundlagen- vs. Folgebescheid)?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil <strong>VI R 23\/23<\/strong> ist weniger \u201emateriell spektakul\u00e4r\u201c als <strong>verfahrensrechtlich<\/strong> bedeutsam: Bei \u00a7 34a-F\u00e4llen mit gesonderter Eink\u00fcnftefeststellung entscheidet sich die Durchsetzbarkeit in der Praxis h\u00e4ufig daran, ob ein <strong>\u00a7 34a Abs. 10-Feststellungsbescheid<\/strong> existiert \u2013 und ob er rechtzeitig und gezielt angegriffen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 09.09.2025 \u2013 VI R 23\/23 Die Thesaurierungsbeg\u00fcnstigung nach \u00a7 34a EStG ist verfahrensrechtlich anspruchsvoll, sobald Gewinneink\u00fcnfte gesondert festgestellt werden (z. 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Der BFH stellt klar: Wenn Eink\u00fcnfte nach \u00a7 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO gesondert festgestellt werden, muss das Finanzgericht im Einzelfall pr\u00fcfen, ob zus\u00e4tzlich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-thesaurierungsbeguenstigung-%c2%a7-34a-estg-warum-feststellungsbescheide-nach-%c2%a7-34a-abs-10-estg-verfahrensentscheidend-sein-koennen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH zur Thesaurierungsbeg\u00fcnstigung (\u00a7 34a EStG): Warum Feststellungsbescheide nach \u00a7 34a Abs. 10 EStG \u201everfahrensentscheidend\u201c sein k\u00f6nnen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-78985","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78985"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78985\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}