{"id":79022,"date":"2026-01-15T18:02:37","date_gmt":"2026-01-15T16:02:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79022"},"modified":"2026-01-15T18:02:37","modified_gmt":"2026-01-15T16:02:37","slug":"bfh-urteil-zu-steuerstundungsmodellen-wann-initiatoren-von-%c2%a7-15b-estg-profitieren-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-urteil-zu-steuerstundungsmodellen-wann-initiatoren-von-%c2%a7-15b-estg-profitieren-koennen\/","title":{"rendered":"BFH-Urteil zu Steuerstundungsmodellen: Wann Initiatoren von \u00a7 15b EStG profitieren k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 2. Oktober 2025 eine wichtige Entscheidung zu den Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkungen bei Steuerstundungsmodellen getroffen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Kann ein Initiator eines solchen Modells von der strengen Regelung des \u00a7 15b EStG ausgenommen sein, wenn er selbst aktiv an der Konzeptentwicklung mitgewirkt hat?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sind Steuerstundungsmodelle nach \u00a7 15b EStG?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steuerstundungsmodelle sind Anlagekonzepte, bei denen Investoren in der Anfangsphase hohe steuerliche Verluste realisieren k\u00f6nnen, die mit anderen Eink\u00fcnften verrechnet werden sollen. Um missbr\u00e4uchliche Gestaltungen einzuschr\u00e4nken, hat der Gesetzgeber in \u00a7 15b EStG drastische Beschr\u00e4nkungen eingef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Folge<\/strong>: Verluste aus Steuerstundungsmodellen k\u00f6nnen nur mit k\u00fcnftigen Gewinnen aus genau derselben Einkunftsquelle verrechnet werden. Eine Verrechnung mit anderen Eink\u00fcnften \u2013 etwa dem Arbeitslohn \u2013 ist ausgeschlossen. Dies macht solche Modelle steuerlich weitgehend unattraktiv.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Streitfall: Windkraftanlage mit Investitionsabzugsbetrag<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Ausgangssituation<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine GmbH &amp; Co. KG wurde im Dezember 2012 zum Betrieb von Windkraftanlagen gegr\u00fcndet. Gr\u00fcndungsgesellschafterin war eine andere Kommanditgesellschaft, die auch das Anlagekonzept entwickelt hatte. Der Gesellschaftsvertrag sah vor, dass weitere Anleger als Kommanditisten aufgenommen werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein aufgelegter Anlegerprospekt stellte potenziellen Investoren f\u00fcr die Anfangsjahre steuerliche Verluste in Aussicht. Im Jahr 2012 machte die Gr\u00fcndungsgesellschafterin einen hohen Verlust geltend, der \u00fcberwiegend aus der Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrags (IAB) nach \u00a7 7g EStG resultierte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Position des Finanzamts<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt erkannte ein klassisches Steuerstundungsmodell und wandte \u00a7 15b EStG an. Der Verlust aus 2012 sollte daher nur mit k\u00fcnftigen Gewinnen aus demselben Windkraftprojekt verrechnet werden k\u00f6nnen \u2013 nicht mit anderen Eink\u00fcnften der Gr\u00fcndungsgesellschafterin.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Argumentation der Kl\u00e4gerin<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin wandte ein, dass die Gr\u00fcndungsgesellschafterin nicht passiver Investor, sondern aktiv an der Konzeptentwicklung beteiligt gewesen sei. In diesem Fall k\u00f6nne \u00a7 15b EStG nicht greifen, da die Vorschrift die Passivit\u00e4t des Investors voraussetze.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entscheidung des BFH: Passivit\u00e4t ist entscheidend<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof hat dem Grundsatz nach der Kl\u00e4gerin Recht gegeben und die Sache zur weiteren Aufkl\u00e4rung an das Finanzgericht zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Kernaussagen des BFH<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Passivit\u00e4t als Voraussetzung<\/strong>: Das Eingreifen der Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkungen setzt voraus, dass der Investor bei der Entwicklung der Gesch\u00e4ftsidee und der Vertragsgestaltung passiv war. Das vorgefertigte Konzept muss von einer vom Steuerpflichtigen verschiedenen Person erstellt worden sein.<\/li><li><strong>Initiator kann anders behandelt werden<\/strong>: Auch wenn sich der Initiator formal zu denselben Bedingungen wie andere Anleger beteiligt, kann er von \u00a7 15b EStG ausgenommen sein, wenn er das Konzept nicht unwesentlich mitbestimmt hat.<\/li><li><strong>Auch Gr\u00fcndungsgesellschafter k\u00f6nnen betroffen sein<\/strong>: Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen auch Gr\u00fcndungsgesellschafter der Verrechnungsbeschr\u00e4nkung unterliegen \u2013 dies gilt aber nur, wenn sie passive Investoren sind.<\/li><li><strong>IAB f\u00e4llt unter \u00a7 15b EStG<\/strong>: Die Verrechnungsbeschr\u00e4nkung greift auch dann, wenn der Verlust teilweise aus der Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrags resultiert.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum wurde zur\u00fcckverwiesen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht hatte nicht ausreichend aufgekl\u00e4rt, ob die Gr\u00fcndungsgesellschafterin tats\u00e4chlich aktiv an der Konzeptentwicklung mitgewirkt hatte. Diese Tatsachenfrage muss nun nachgeholt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Entscheidend ist<\/strong>: Hat die Beigeladene das Konzept nicht unwesentlich mitbestimmt, fehlt es an der charakteristischen Passivit\u00e4t \u2013 dann greift \u00a7 15b EStG nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praktische Bedeutung der Entscheidung<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr Initiatoren von Beteiligungsmodellen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil bietet eine wichtige Abgrenzung: Wer selbst aktiv an der Entwicklung eines Investitionskonzepts mitgewirkt hat, kann unter Umst\u00e4nden nicht als passiver Investor im Sinne des \u00a7 15b EStG behandelt werden. Dies gilt selbst dann, wenn formal dieselben Vertragsbedingungen gelten wie f\u00fcr externe Anleger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtig<\/strong>: Die blo\u00dfe Gr\u00fcndungsgesellschafterstellung reicht nicht aus. Entscheidend ist die tats\u00e4chliche Mitwirkung an der Konzeption.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr passive Anleger<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Investoren, die ein fertiges Konzept pr\u00e4sentiert bekommen und diesem beitreten, \u00e4ndert sich nichts: Sie unterliegen weiterhin den strengen Beschr\u00e4nkungen des \u00a7 15b EStG, auch wenn sie Gr\u00fcndungsgesellschafter sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beweisfragen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil macht deutlich, wie wichtig die Dokumentation der Konzeptentwicklung ist. Wer sp\u00e4ter geltend machen m\u00f6chte, aktiv an der Gestaltung mitgewirkt zu haben, sollte dies nachweisen k\u00f6nnen durch:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Protokolle von Konzeptionsbesprechungen<\/li><li>E-Mail-Verkehr zur Vertragsgestaltung<\/li><li>Dokumentation eigener Beitr\u00e4ge zur Gesch\u00e4ftsidee<\/li><li>Gutachten oder Beratungsleistungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das f\u00fcr bestehende Beteiligungen?<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pr\u00fcfung alter F\u00e4lle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Investoren, bei denen das Finanzamt \u00a7 15b EStG angewendet hat, sollten pr\u00fcfen lassen, ob sie m\u00f6glicherweise aktiv an der Konzeptentwicklung beteiligt waren. In solchen F\u00e4llen k\u00f6nnte eine Korrektur der Steuerfestsetzungen in Betracht kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Achtung<\/strong>: Hier gelten die \u00fcblichen Festsetzungsfristen. Eine schnelle Pr\u00fcfung ist daher ratsam.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gestaltungshinweise f\u00fcr die Zukunft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Strukturierung von Beteiligungsmodellen sollte fr\u00fchzeitig gekl\u00e4rt werden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wer entwickelt das Konzept?<\/li><li>Wer wirkt an der Vertragsgestaltung mit?<\/li><li>Wie wird die Rolle der einzelnen Gesellschafter dokumentiert?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine klare Trennung zwischen Initiatoren\/Konzeptentwicklern und passiven Investoren kann helfen, sp\u00e4tere Streitigkeiten zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Investitionsabzugsbetrag im Fokus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil best\u00e4tigt, dass auch Verluste aus der Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbetr\u00e4gen unter \u00a7 15b EStG fallen k\u00f6nnen, wenn diese Teil eines modellhaften Konzepts sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praxistipp<\/strong>: Der IAB nach \u00a7 7g EStG ist ein legitimes Steuersparinstrument. Problematisch wird es nur, wenn seine Inanspruchnahme Teil eines vorgefertigten Steuerstundungsmodells ist, bei dem der Investor passiv bleibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einordnung und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil schafft wichtige Klarheit zur Frage, wann die Passivit\u00e4t eines Investors vorliegt. Es zeigt, dass nicht allein die formale Stellung als Gr\u00fcndungsgesellschafter entscheidend ist, sondern die tats\u00e4chliche Mitwirkung an der Konzeptentwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis bedeutet dies:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Mehr Einzelfallbetrachtung<\/strong>: Nicht jeder Gr\u00fcndungsgesellschafter wird automatisch gleich behandelt<\/li><li><strong>Dokumentation wird wichtiger<\/strong>: Die Rolle bei der Konzeptentwicklung sollte nachweisbar sein<\/li><li><strong>Beweislast beachten<\/strong>: Wer sich auf aktive Mitwirkung beruft, muss dies auch darlegen k\u00f6nnen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat mit diesem Urteil die Anwendung des \u00a7 15b EStG pr\u00e4zisiert. Die entscheidende Frage ist nicht, zu welchen Bedingungen sich jemand beteiligt, sondern ob er bei der Entwicklung des Konzepts passiv war oder aktiv mitgewirkt hat. Dies kann im Einzelfall zu unterschiedlichen steuerlichen Folgen f\u00fchren \u2013 selbst wenn alle Gesellschafter formal gleich behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Initiatoren von Beteiligungsmodellen, die selbst investieren, sollten ihre aktive Rolle dokumentieren. Passive Anleger hingegen m\u00fcssen weiterhin mit den Beschr\u00e4nkungen des \u00a7 15b EStG leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Haben Sie Fragen zu Beteiligungsmodellen oder zur Anwendung des \u00a7 15b EStG? Wir pr\u00fcfen Ihren Fall gerne im Detail!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Informationen und aktuelle Steuertipps finden Sie auf <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/\">www.steuerschroeder.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: BFH, Pressemitteilung Nr. 3\/26 vom 15.01.2026 zum Urteil IV R 14\/23 vom 02.10.2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 2. Oktober 2025 eine wichtige Entscheidung zu den Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkungen bei Steuerstundungsmodellen getroffen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Kann ein Initiator eines solchen Modells von der strengen Regelung des \u00a7 15b EStG ausgenommen sein, wenn er selbst aktiv an der Konzeptentwicklung mitgewirkt hat? 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