{"id":79061,"date":"2026-01-26T12:41:54","date_gmt":"2026-01-26T10:41:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79061"},"modified":"2026-01-26T12:41:54","modified_gmt":"2026-01-26T10:41:54","slug":"bfh-verfassungsmaessigkeit-des-neuen-bewertungsrechts-zur-grundsteuer-im-bundesmodell-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-verfassungsmaessigkeit-des-neuen-bewertungsrechts-zur-grundsteuer-im-bundesmodell-i\/","title":{"rendered":"BFH: Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des neuen Bewertungsrechts zur Grundsteuer im Bundesmodell (I)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BFH, Urteil vom 12.11.2025 \u2013 II R 3\/25<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Facebook Icon \u00b7 LinkedIn Icon \u00b7 E-Mail Icon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Ausgangslage: Warum dieses Urteil f\u00fcr Eigent\u00fcmer und Berater relevant ist<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Grundsteuerreform wurde die Bewertung von Grundst\u00fccken und insbesondere von <strong>Wohnungseigentum<\/strong> f\u00fcr Zwecke der Grundsteuer grundlegend neu geregelt. In der Praxis war (und ist) ein zentraler Angriffspunkt die Frage, ob die neuen Bewertungsregeln des <strong>Bundesmodells<\/strong> verfassungsrechtlich Bestand haben \u2013 insbesondere wegen Typisierungen (z. B. Nettokaltmieten) und der Rolle der Bodenrichtwerte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt mit dem Urteil II R 3\/25 wesentliche Leitplanken auf und best\u00e4tigt \u2013 bezogen auf Wohnungseigentum im Bundesmodell \u2013 sowohl die <strong>formelle<\/strong> als auch die <strong>materielle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit<\/strong> der ma\u00dfgeblichen Vorschriften.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Kernaussagen des BFH (kompakt)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH trifft im Leitsatz mehrere praxisrelevante Aussagen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Formelle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Grundsteuer-Reformgesetzes (GrStRefG)<\/strong><br \/>Das Grundsteuer-Reformgesetz vom 26.11.2019 ist formell verfassungsgem\u00e4\u00df. Insbesondere hatte der Bund die Gesetzgebungskompetenz aus <strong>Art. 105 Abs. 2 Satz 1 GG<\/strong>. Selbst wenn Gestaltungsspielr\u00e4ume nicht vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft worden sein sollten, entf\u00e4llt die Kompetenz dadurch nicht.<\/li><li><strong>Materielle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Bewertungsvorschriften f\u00fcr Wohnungseigentum<\/strong><br \/>Die Regelungen der <strong>\u00a7\u00a7 252 bis 257 BewG<\/strong> i. d. F. des GrStRefG zur Bewertung von Wohnungseigentum f\u00fcr Zwecke der Grundsteuer ab dem <strong>01.01.2022<\/strong> sind materiell verfassungsgem\u00e4\u00df.<\/li><li><strong>Belastungsgrund der Grundsteuer im Bundesmodell<\/strong><br \/>Belastungsgrund ist die durch Grundbesitz vermittelte M\u00f6glichkeit einer <strong>ertragbringenden Nutzung<\/strong>, die sich im <strong>Sollertrag<\/strong> widerspiegelt und eine <strong>objektive Leistungsf\u00e4higkeit<\/strong> vermittelt.<\/li><li><strong>Typisierte Nettokaltmieten sind zul\u00e4ssig<\/strong><br \/>Der Ansatz typisierter Nettokaltmieten je Quadratmeter Wohnfl\u00e4che nach <strong>\u00a7 254 BewG i. V. m. Anlage 39 BewG<\/strong> verst\u00f6\u00dft nicht wegen unzureichender Differenzierung nach Lage gegen <strong>Art. 3 Abs. 1 GG<\/strong>.<\/li><li><strong>Vorhersehbarkeit der Abgabenlast<\/strong><br \/>Kein Versto\u00df gegen den Grundsatz der Vorhersehbarkeit, obwohl die konkrete Grundsteuerh\u00f6he regelm\u00e4\u00dfig erst mit der <strong>Grundsteuerfestsetzung<\/strong> feststeht.<\/li><li><strong>Bodenrichtwerte und gerichtliche Kontrolle<\/strong><br \/>Das Finanzgericht kann die von Gutachteraussch\u00fcssen ermittelten <strong>Bodenrichtwerte<\/strong> grunds\u00e4tzlich ohne weitere Sachaufkl\u00e4rung zugrunde legen, ohne gegen die Amtsaufkl\u00e4rungspflicht zu versto\u00dfen. Eine (eingeschr\u00e4nkte) gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung kommt nur in Betracht, wenn <strong>substanziierte Einwendungen<\/strong> zur Ermittlung vorgetragen werden oder konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr Fehler bestehen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Was bedeutet das f\u00fcr die Beratungspraxis?<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.1 Einspr\u00fcche mit \u201eVerfassungswidrigkeit Bundesmodell\u201c als Hauptargument<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soweit Einspr\u00fcche im Schwerpunkt auf die generelle Verfassungswidrigkeit des Bundesmodells (Bewertung Wohnungseigentum nach \u00a7\u00a7 252\u2013257 BewG) gest\u00fctzt werden, ist die Argumentationsbasis durch dieses BFH-Urteil deutlich geschw\u00e4cht. In der Praxis ist damit zu rechnen, dass solche Einspr\u00fcche zunehmend als unbegr\u00fcndet behandelt werden, sofern keine besonderen Einzelfallfehler aufgezeigt werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.2 Fokus verlagert sich auf Einzelfallfehler statt Systemkritik<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sie Mandanten vertreten, wird k\u00fcnftig regelm\u00e4\u00dfig entscheidend sein, ob <strong>konkrete Bewertungsfehler<\/strong> oder <strong>Datenfehler<\/strong> vorliegen (z. B. falsche Fl\u00e4chen, unzutreffende Geb\u00e4udemerkmale, unpassende Grundst\u00fccksart, fehlerhafte Zuordnung in Mietenstufen\/Parameter \u2013 je nach Einzelfall). Die pauschale Systemkritik (\u201eBundesmodell insgesamt verfassungswidrig\u201c) tr\u00e4gt nach dieser BFH-Linie typischerweise nicht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.3 Bodenrichtwerte: Substanziierung ist der Schl\u00fcssel<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH setzt die H\u00fcrde f\u00fcr eine gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung von Bodenrichtwerten hoch: Ohne <strong>substanziierten Vortrag<\/strong> zu Fehlern bei der Ermittlung oder ohne konkrete Anhaltspunkte wird das Finanzgericht Bodenrichtwerte regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbernehmen. F\u00fcr die Praxis bedeutet das:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Reine Unzufriedenheit (\u201ezu hoch\/zu niedrig\u201c) gen\u00fcgt nicht.<\/li><li>Sie ben\u00f6tigen nachvollziehbare Ankn\u00fcpfungstatsachen (z. B. methodische Fehler, falsche Bodenrichtwertzone, evident unpassende Vergleichsgrundst\u00fccke, Widerspr\u00fcche zu nachvollziehbaren Marktdaten \u2013 stets einzelfallbezogen).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Handlungsempfehlungen: So gehen Sie jetzt strukturiert vor<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Checkliste f\u00fcr Eigent\u00fcmer und Berater (Wohnungseigentum im Bundesmodell):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Bescheiddaten pr\u00fcfen<\/strong><br \/>Fl\u00e4chen, Nutzungsart, Miteigentumsanteile, Baujahr, Geb\u00e4udemerkmale, Zuordnung der wirtschaftlichen Einheit.<\/li><li><strong>Bodenrichtwert plausibilisieren<\/strong><br \/>Richtwertzone, Stichtag, Lagezuordnung \u2013 und dokumentieren, wo genau der Fehler liegen soll (falls Einwendung).<\/li><li><strong>Einwendungen priorisieren<\/strong><ul><li><strong>Daten-\/Erfassungsfehler<\/strong> (h\u00e4ufigster und st\u00e4rkster Hebel)<\/li><li><strong>Bodenrichtwertfehler<\/strong> (nur mit Substanz)<\/li><li>Systemargumente nur erg\u00e4nzend und vorsichtig (nach BFH weniger erfolgversprechend)<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Beweisvorsorge<\/strong><br \/>Unterlagen (Teilungserkl\u00e4rung, Grundbuchauszug, Fl\u00e4chenberechnungen, Lagepl\u00e4ne, ggf. belastbare Vergleichsdaten) geordnet beif\u00fcgen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Fazit (Teil I)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH best\u00e4tigt im Urteil II R 3\/25 die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des neuen Bewertungsrechts zur Grundsteuer im Bundesmodell f\u00fcr Wohnungseigentum \u2013 sowohl formell (Kompetenz des Bundes) als auch materiell (Typisierung, Nettokaltmieten, Bodenrichtwerte, Vorhersehbarkeit). F\u00fcr die Praxis verschiebt sich der Schwerpunkt klar: Erfolgsaussichten liegen weniger in der Grundsatzkritik, sondern in <strong>konkreten, gut belegten Einzelfallfehlern<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 12.11.2025 \u2013 II R 3\/25 Facebook Icon \u00b7 LinkedIn Icon \u00b7 E-Mail Icon 1. Ausgangslage: Warum dieses Urteil f\u00fcr Eigent\u00fcmer und Berater relevant ist Mit der Grundsteuerreform wurde die Bewertung von Grundst\u00fccken und insbesondere von Wohnungseigentum f\u00fcr Zwecke der Grundsteuer grundlegend neu geregelt. 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