{"id":79065,"date":"2026-01-26T12:44:46","date_gmt":"2026-01-26T10:44:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79065"},"modified":"2026-01-26T12:44:46","modified_gmt":"2026-01-26T10:44:46","slug":"bfh-verfassungsmaessigkeit-des-neuen-bewertungsrechts-zur-grundsteuer-im-bundesmodell-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-verfassungsmaessigkeit-des-neuen-bewertungsrechts-zur-grundsteuer-im-bundesmodell-iii\/","title":{"rendered":"BFH: Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des neuen Bewertungsrechts zur Grundsteuer im Bundesmodell (III)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Urteil vom 12.11.2025 \u2013 II R 31\/24<\/strong><br \/><strong>Hinweis:<\/strong> Teilweise inhaltsgleich mit BFH, Urteil vom 12.11.2025 \u2013 II R 3\/25.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beitrag weiter\u00adempfehlen:<\/strong><br \/>Facebook Icon \u00b7 LinkedIn Icon \u00b7 E-Mail Icon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>1. Einordnung: Was ist in \u201eTeil III\u201c neu?<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Grundsatzpunkte zur Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit (Kompetenz des Bundes, Typisierung, Bodenrichtwerte etc.) im Wesentlichen der Linie aus II R 3\/25 folgen, enth\u00e4lt II R 31\/24 einen <strong>zus\u00e4tzlichen, f\u00fcr die Praxis sehr wichtigen Baustein<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><strong>Zur wirtschaftlichen Einheit des Wohnungseigentums (\u00a7 249 Abs. 1 Nr. 4 BewG) geh\u00f6rt auch ein Tiefgaragenstellplatz<\/strong>, wenn der Wohnungseigent\u00fcmer ihn aufgrund eines <strong>Sondernutzungsrechts<\/strong> nutzt \u2013 auch dann, wenn kein Sondereigentum am Stellplatz besteht.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Aussage ist in vielen F\u00e4llen unmittelbar bescheidrelevant, weil Stellpl\u00e4tze in WEG-Anlagen h\u00e4ufig \u00fcber Sondernutzungsrechte und nicht \u00fcber eigenst\u00e4ndiges Sondereigentum zugeordnet sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>2. Kernaussagen des BFH (Grundsatzteil)<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH best\u00e4tigt erneut:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Formelle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit<\/strong> des Grundsteuer-Reformgesetzes (Gesetzgebungskompetenz des Bundes aus <strong>Art. 105 Abs. 2 Satz 1 GG<\/strong>).<\/li><li><strong>Materielle Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit<\/strong> der Vorschriften <strong>\u00a7\u00a7 252\u2013257 BewG<\/strong> zur Bewertung von Wohnungseigentum ab <strong>01.01.2022<\/strong>.<\/li><li><strong>Belastungsgrund<\/strong> der Grundsteuer im Bundesmodell: M\u00f6glichkeit ertragbringender Nutzung (Sollertrag) als Ausdruck objektiver Leistungsf\u00e4higkeit.<\/li><li><strong>Typisierte Nettokaltmieten<\/strong> nach <strong>\u00a7 254 BewG i. V. m. Anlage 39 BewG<\/strong> versto\u00dfen nicht gegen <strong>Art. 3 Abs. 1 GG<\/strong>.<\/li><li><strong>Vorhersehbarkeit der Abgabenlast:<\/strong> Kein Verfassungsversto\u00df, obwohl die konkrete Grundsteuer erst mit Festsetzung feststeht.<\/li><li><strong>Bodenrichtwerte:<\/strong> Finanzgerichte d\u00fcrfen Bodenrichtwerte grunds\u00e4tzlich ohne weitere Sachaufkl\u00e4rung \u00fcbernehmen; gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung nur bei substanziierten Einwendungen oder konkreten Anhaltspunkten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>3. Der zus\u00e4tzliche Leitsatz: Tiefgaragenstellplatz mit Sondernutzungsrecht als Teil der wirtschaftlichen Einheit<\/h3>\n\n\n\n<h4>3.1 Inhalt der Aussage<\/h4>\n\n\n\n<p>Der BFH stellt klar: Ein Tiefgaragenstellplatz, den der Wohnungseigent\u00fcmer aufgrund eines <strong>Sondernutzungsrechts<\/strong> nutzt, ist Bestandteil der <strong>wirtschaftlichen Einheit \u201eWohnungseigentum\u201c<\/strong>. Entscheidend ist die funktionale Zuordnung zur Einheit \u2013 nicht, ob am Stellplatz selbst <strong>Sondereigentum<\/strong> begr\u00fcndet wurde.<\/p>\n\n\n\n<h4>3.2 Typische Praxisf\u00e4lle<\/h4>\n\n\n\n<p>Das betrifft insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>WEG-Anlagen, bei denen Stellpl\u00e4tze der Gemeinschaft geh\u00f6ren, aber einzelnen Wohnungen per Teilungserkl\u00e4rung\/Zuordnung ein <strong>Sondernutzungsrecht<\/strong> einger\u00e4umt ist.<\/li><li>F\u00e4lle, in denen Stellpl\u00e4tze im Grundbuch nicht als eigenst\u00e4ndiges Sondereigentum gef\u00fchrt werden, sondern als Sondernutzungsrecht (z. B. \u201eSN-Recht an Stellplatz Nr. \u2026\u201c).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4>3.3 Konsequenz f\u00fcr die Grundsteuerbewertung<\/h4>\n\n\n\n<p>Praktisch bedeutet das:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der Stellplatz ist bei der wirtschaftlichen Einheit mit zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>Streitpotenzial entsteht vor allem dort, wo Stellpl\u00e4tze <strong>unvollst\u00e4ndig erfasst<\/strong>, <strong>falsch zugeordnet<\/strong> oder <strong>doppelt<\/strong> (bei Wohnung und separat) ber\u00fccksichtigt wurden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>4. Beratungspraxis: Pr\u00fcfpunkte im Bescheid (insbesondere bei WEG\/Tiefgarage)<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>A) Datenabgleich mit Teilungserkl\u00e4rung \/ Aufteilungsplan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Besteht ein Sondernutzungsrecht am Stellplatz?<\/li><li>Ist der Stellplatz eindeutig der Wohnung zugeordnet (Nummer\/Plan\/Zuordnung)?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>B) Plausibilit\u00e4tspr\u00fcfung in den Grundsteuerwert-\/Messbetragsbescheiden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wurde der Stellplatz bei der wirtschaftlichen Einheit ber\u00fccksichtigt?<\/li><li>Wurde er ggf. f\u00e4lschlich als eigenst\u00e4ndige Einheit behandelt?<\/li><li>Liegt eine Doppelber\u00fccksichtigung vor?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>C) Einspruchsstrategie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Erfolgversprechend<\/strong> sind konkrete Sachverhalts- und Zuordnungsfehler (z. B. Stellplatz fehlt \/ falscher Stellplatz \/ Doppelansatz).<\/li><li><strong>Weniger erfolgversprechend<\/strong> sind pauschale Verfassungsangriffe gegen das Bundesmodell (nach der BFH-Linie).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>5. Fazit (Teil III)<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH best\u00e4tigt im Urteil II R 31\/24 erneut die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Bewertungsrechts im Bundesmodell f\u00fcr Wohnungseigentum. Zus\u00e4tzlich stellt er f\u00fcr die Praxis klar: <strong>Ein Tiefgaragenstellplatz mit Sondernutzungsrecht geh\u00f6rt zur wirtschaftlichen Einheit des Wohnungseigentums<\/strong>. F\u00fcr Einspr\u00fcche und Bescheidpr\u00fcfungen gewinnt damit die korrekte <strong>Zuordnung und Erfassung von Stellpl\u00e4tzen<\/strong> erheblich an Bedeutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 12.11.2025 \u2013 II R 31\/24Hinweis: Teilweise inhaltsgleich mit BFH, Urteil vom 12.11.2025 \u2013 II R 3\/25. Beitrag weiter\u00adempfehlen:Facebook Icon \u00b7 LinkedIn Icon \u00b7 E-Mail Icon 1. Einordnung: Was ist in \u201eTeil III\u201c neu? 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