{"id":79071,"date":"2026-01-26T12:53:58","date_gmt":"2026-01-26T10:53:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79071"},"modified":"2026-01-26T12:53:58","modified_gmt":"2026-01-26T10:53:58","slug":"bfh-alleiniges-antragsrecht-des-insolvenzverwalters-auf-veranlagung-in-steuererstattungsfaellen-von-arbeitnehmern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-alleiniges-antragsrecht-des-insolvenzverwalters-auf-veranlagung-in-steuererstattungsfaellen-von-arbeitnehmern\/","title":{"rendered":"BFH: Alleiniges Antragsrecht des Insolvenzverwalters auf Veranlagung in Steuererstattungsf\u00e4llen von Arbeitnehmern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BFH, Urteil vom 20.11.2025 \u2013 VI R 5\/23<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Kernaussage des Urteils<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Ist mit einem Steuererstattungsanspruch des Insolvenzschuldners zu rechnen, der zur Insolvenzmasse geh\u00f6rt, steht das Antragsrecht auf Durchf\u00fchrung einer Einkommensteuerveranlagung nach \u00a7 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG allein dem Insolvenzverwalter zu.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wird das Antragsrecht bei Arbeitnehmern, die grunds\u00e4tzlich nicht veranlagungspflichtig sind und die Veranlagung <strong>auf Antrag<\/strong> durchf\u00fchren (Antragsveranlagung), in bestimmten Konstellationen eindeutig dem Insolvenzverwalter zugeordnet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Hintergrund: Warum ist das relevant?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Arbeitnehmern erfolgt die Einkommensteuer regelm\u00e4\u00dfig durch <strong>Lohnsteuerabzug<\/strong>. Eine Einkommensteuerveranlagung wird dann h\u00e4ufig <strong>freiwillig<\/strong> beantragt \u2013 typischerweise, weil eine <strong>Erstattung<\/strong> zu erwarten ist (z. B. Werbungskosten, Sonderausgaben, au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen, Steuerklassenwechsel, unterj\u00e4hriger Arbeitsbeginn\/Arbeitslosigkeit).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommt es jedoch zur <strong>Insolvenz<\/strong> und ist absehbar, dass eine Steuererstattung entsteht, stellt sich die Frage, <strong>wem<\/strong> dieses \u201eGestaltungs- bzw. Antragsrecht\u201c zusteht. Der BFH beantwortet dies f\u00fcr den Regelfall eindeutig: <strong>dem Insolvenzverwalter<\/strong>, sofern der Erstattungsanspruch <strong>zur Masse<\/strong> geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Was bedeutet \u201ezur Insolvenzmasse geh\u00f6rend\u201c praktisch?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Dreh- und Angelpunkt ist, ob der (zu erwartende) Erstattungsanspruch <strong>massenzugeh\u00f6rig<\/strong> ist. Ist das der Fall, wird die Steuererstattung wirtschaftlich als Verm\u00f6gensposition behandelt, die der Insolvenzverwalter zu sichern und zu realisieren hat. Daraus leitet der BFH das <strong>alleinige Antragsrecht<\/strong> auf Durchf\u00fchrung der Veranlagung nach <strong>\u00a7 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG<\/strong> ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Praxisfolgen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Arbeitnehmer\/Insolvenzschuldner kann die Antragsveranlagung in diesen F\u00e4llen <strong>nicht wirksam selbst beantragen<\/strong>.<\/li><li>Finanzamt und Berater m\u00fcssen bei entsprechender Aktenlage damit rechnen, dass Antr\u00e4ge des Schuldners <strong>zur\u00fcckgewiesen<\/strong> oder als <strong>unbeachtlich<\/strong> behandelt werden.<\/li><li>Die Steuererstattung ist (bei Massenzugeh\u00f6rigkeit) konsequent an den Insolvenzverwalter auszukehren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Konsequenzen f\u00fcr die Beratungspraxis<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4.1 F\u00fcr Arbeitnehmer (Insolvenzschuldner)<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wenn eine Erstattung zu erwarten ist, sollten Sie <strong>nicht eigenst\u00e4ndig<\/strong> \u201eauf gut Gl\u00fcck\u201c eine Antragsveranlagung stellen, sofern der Erstattungsanspruch der Masse zuzurechnen ist.<\/li><li>Sinnvoll ist stattdessen die <strong>Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter<\/strong> (oder dessen Kanzlei), damit der Antrag korrekt gestellt und die Veranlagung geordnet durchgef\u00fchrt wird.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4.2 F\u00fcr Insolvenzverwalter<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Der Insolvenzverwalter sollte Erstattungsf\u00e4lle aktiv identifizieren (z. B. durch Lohnsteuerbescheinigungen, Hinweise auf Werbungskosten\/ Sonderausgaben, Steuerklassenwechsel, Kurzarbeit, Krankengeld\/Arbeitslosengeld).<\/li><li>Der Antrag nach <strong>\u00a7 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG<\/strong> sollte <strong>durch den Insolvenzverwalter<\/strong> gestellt bzw. autorisiert werden.<\/li><li>In der Kommunikation mit dem Finanzamt ist es zweckm\u00e4\u00dfig, die <strong>Massenrelevanz<\/strong> des Erstattungsanspruchs kurz zu dokumentieren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4.3 F\u00fcr Steuerberater\/Lohnsteuerhilfe\/Arbeitgeberumfeld<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>In der Mandatsannahme und beim Jahresabschluss der privaten Steuerangelegenheiten ist eine <strong>Insolvenzabfrage<\/strong> (Insolvenzverfahren er\u00f6ffnet? Insolvenzverwalter benannt?) praktisch zwingend, wenn eine Erstattung wahrscheinlich ist.<\/li><li><strong>Vollmacht &amp; Unterschrift<\/strong>: Der Antrag\/ die Erkl\u00e4rung sollte durch den Insolvenzverwalter (oder mit dessen eindeutiger Zustimmung) erfolgen, um formale Angriffsfl\u00e4chen zu vermeiden.<\/li><li><strong>Haftungspr\u00e4vention<\/strong>: Wenn der Schuldner selbst anweist \u201ebitte schnell abgeben\u201c, ist ein kurzer schriftlicher Hinweis sinnvoll, dass das Antragsrecht in Erstattungsf\u00e4llen der Masse dem Insolvenzverwalter zustehen kann (BFH VI R 5\/23).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Kurz-Checkliste: So pr\u00fcfen Sie den Fall strukturiert<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Liegt ein Insolvenzverfahren vor?<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Er\u00f6ffnetes Verfahren \/ benannter Insolvenzverwalter<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"2\"><li><strong>Ist eine Steuererstattung wahrscheinlich?<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Typische Indikatoren: hohe Werbungskosten, Sonderausgaben, doppelte Haushaltsf\u00fchrung, Pendlerpauschale, Steuerklassenwechsel, unterj\u00e4hriger Arbeitsbeginn, Progressionsvorbehalt-Konstellationen mit hoher Lohnsteuer etc.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"3\"><li><strong>Geh\u00f6rt der Erstattungsanspruch zur Insolvenzmasse?<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Praktisch: Wenn die Erstattung wirtschaftlich dem schuldnerischen Verm\u00f6gen zuzuordnen ist und der Insolvenzverwalter sie beansprucht, ist besondere Vorsicht geboten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"4\"><li><strong>Wer stellt den Antrag nach \u00a7 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG?<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>In den vom BFH adressierten Erstattungsf\u00e4llen: <strong>Insolvenzverwalter<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"5\"><li><strong>Dokumentation\/Kommunikation<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kurzvermerk zur Einordnung + Abstimmung mit Verwalter + saubere Vollmachtslage<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Urteil <strong>VI R 5\/23<\/strong> schafft der BFH klare Zust\u00e4ndigkeiten: <strong>Erwartete Steuererstattungen, die zur Insolvenzmasse geh\u00f6ren, sind vom Insolvenzverwalter zu \u201eziehen\u201c<\/strong> \u2013 und dazu geh\u00f6rt auch das <strong>alleinige Antragsrecht<\/strong> auf Einkommensteuerveranlagung nach <strong>\u00a7 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG<\/strong>. F\u00fcr die Praxis bedeutet das vor allem: <strong>Insolvenzstatus fr\u00fch pr\u00fcfen, Erstattungsf\u00e4lle erkennen, Antragstellung richtig adressieren und sauber dokumentieren.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 20.11.2025 \u2013 VI R 5\/23 1. 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