{"id":79076,"date":"2026-02-01T15:37:42","date_gmt":"2026-02-01T13:37:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79076"},"modified":"2026-02-01T15:37:42","modified_gmt":"2026-02-01T13:37:42","slug":"verfassungsmaessigkeit-der-durch-%c2%a7-1-blngrstmg-erhoehten-grundsteuermesszahl-fuer-nichtwohngrundstuecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/verfassungsmaessigkeit-der-durch-%c2%a7-1-blngrstmg-erhoehten-grundsteuermesszahl-fuer-nichtwohngrundstuecke\/","title":{"rendered":"Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der durch \u00a7 1 BlnGrStMG erh\u00f6hten Grundsteuermesszahl f\u00fcr Nichtwohngrundst\u00fccke"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>FG Berlin-Brandenburg best\u00e4tigt h\u00f6here Grundsteuer f\u00fcr Nichtwohngrundst\u00fccke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat mit Urteil vom 14.01.2026 (Az. 3 K 3156\/25) entschieden, dass die unterschiedlichen Steuermesszahlen f\u00fcr Wohn- und Nichtwohngrundst\u00fccke nach \u00a7 1 BlnGrStMG verfassungsgem\u00e4\u00df sind. Die Entscheidung hat weitreichende Bedeutung f\u00fcr Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<h2>Der Sachverhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4ger sind Eigent\u00fcmer eines Grundst\u00fccks mit einem etwa 30 m\u00b2 gro\u00dfen Wochenendhaus, das nicht zur F\u00fchrung eines selbstst\u00e4ndigen Haushalts geeignet ist. Obwohl die Eigent\u00fcmer eine Bebauung mit einem selbstgenutzten Einfamilienhaus planten, stufte das Finanzamt das Grundst\u00fcck bestandskr\u00e4ftig als &#8222;sonstiges bebautes Grundst\u00fcck&#8220; gem\u00e4\u00df \u00a7 249 Abs. 1 Nr. 8, Abs. 9 BewG ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Einordnung hatte erhebliche steuerliche Folgen: Als Nichtwohngrundst\u00fcck wurde bei der Festsetzung des Grundsteuermessbetrags eine Steuermesszahl von 0,45 Promille angewendet \u2013 deutlich h\u00f6her als die 0,31 Promille f\u00fcr Wohngrundst\u00fccke gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 3 BlnGrStMG.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Rechtsauffassung der Kl\u00e4ger<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4ger sahen in der unterschiedlichen Behandlung einen Versto\u00df gegen den allgemeinen Gleichheitssatz nach Art. 3 Abs. 1 GG und Art. 10 VvB. Ihrer Ansicht nach sei die h\u00f6here Belastung nicht gerechtfertigt, insbesondere angesichts ihrer konkreten Bebauungsabsicht.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung des Finanzgerichts<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht wies die Klage ab und best\u00e4tigte die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Regelung. Die Begr\u00fcndung st\u00fctzt sich auf mehrere tragende S\u00e4ulen:<\/p>\n\n\n\n<h3>Legitimer gesetzgeberischer Zweck<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Differenzierung zwischen Wohn- und Nichtwohngrundst\u00fccken verfolgt nach Auffassung des Gerichts den legitimen Zweck, bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Dieser Zweck ist verfassungsrechtlich in Art. 1, 20 GG sowie Art. 28 VvB fundiert. Die geringere Belastung von Wohngrundst\u00fccken soll helfen, die Wohnkosten f\u00fcr B\u00fcrger nicht zus\u00e4tzlich zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Regelung<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Gericht pr\u00fcfte die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme und kam zu dem Ergebnis, dass die Regelung:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>geeignet<\/strong> ist, den verfolgten Zweck zu erreichen<\/li><li><strong>erforderlich<\/strong> ist, da keine milderen Mittel ersichtlich sind<\/li><li><strong>angemessen<\/strong> ist im engeren Sinne<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Keine Ber\u00fccksichtigung geplanter Bebauung<\/h3>\n\n\n\n<p>Besonders bedeutsam ist die Feststellung des Gerichts, dass eine geplante k\u00fcnftige Wohnnutzung nicht zu ber\u00fccksichtigen ist. Das Gericht sieht hierin eine zul\u00e4ssige Typisierung durch den Gesetzgeber. Der Gesetzgeber bewegt sich nach Ansicht des Finanzgerichts im Rahmen seiner Typisierungskompetenz, wenn er auf den tats\u00e4chlichen Bestand und nicht auf Planungen abstellt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Praktische Bedeutung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung verdeutlicht, dass Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer sich nicht auf geplante Nutzungs\u00e4nderungen berufen k\u00f6nnen, um eine g\u00fcnstigere Steuermesszahl zu erhalten. Ma\u00dfgeblich ist die tats\u00e4chliche Bebauung zum Bewertungsstichtag und deren rechtliche Einordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Eigent\u00fcmer von Wochenendh\u00e4usern oder anderen Grundst\u00fccken, die als &#8222;sonstige bebaute Grundst\u00fccke&#8220; einzuordnen sind, bedeutet dies eine dauerhaft h\u00f6here Grundsteuerbelastung \u2013 auch wenn konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Wohnbebauung bestehen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Wie geht es weiter?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. Es bleibt abzuwarten, ob die Kl\u00e4ger diesen Rechtsbehelf einlegen und wie das h\u00f6chste deutsche Finanzgericht die verfassungsrechtlichen Fragen beurteilen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zu einer m\u00f6glichen anderslautenden Entscheidung des BFH bleibt die unterschiedliche Behandlung von Wohn- und Nichtwohngrundst\u00fccken bei der Grundsteuer in Berlin rechtm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht Berlin-Brandenburg, Pressemitteilung vom 28.01.2026 zum Urteil 3 K 3156\/25 vom 14.01.2026<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung. Bei Fragen zur Grundsteuer f\u00fcr Ihr Grundst\u00fcck sprechen Sie uns gerne an.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Berlin-Brandenburg best\u00e4tigt h\u00f6here Grundsteuer f\u00fcr Nichtwohngrundst\u00fccke Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hat mit Urteil vom 14.01.2026 (Az. 3 K 3156\/25) entschieden, dass die unterschiedlichen Steuermesszahlen f\u00fcr Wohn- und Nichtwohngrundst\u00fccke nach \u00a7 1 BlnGrStMG verfassungsgem\u00e4\u00df sind. Die Entscheidung hat weitreichende Bedeutung f\u00fcr Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer in Berlin. 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