{"id":79085,"date":"2026-02-01T15:45:42","date_gmt":"2026-02-01T13:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79085"},"modified":"2026-02-01T15:45:42","modified_gmt":"2026-02-01T13:45:42","slug":"bfh-zum-besitz-im-kaffeesteuerrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zum-besitz-im-kaffeesteuerrecht\/","title":{"rendered":"BFH zum Besitz im Kaffeesteuerrecht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Unmittelbare Sachherrschaft entscheidet \u00fcber Steuerschuldnerschaft bei Durchfuhr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 14.10.2025 (Az. VII R 13\/23) gekl\u00e4rt, wer bei der Durchfuhr von R\u00f6stkaffee durch das Steuergebiet als Besitzer gilt und damit Steuerschuldner wird. Entscheidend ist die unmittelbare Sachherrschaft \u00fcber den Kaffee.<\/p>\n\n\n\n<h2>Der Leitsatz<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Fall der Durchfuhr von R\u00f6stkaffee durch das Steuergebiet h\u00e4lt derjenige den Kaffee in Besitz und wird Steuerschuldner nach \u00a7 17 Abs. 2 Satz 3 KaffeeStG (in der bis 31.10.2022 geltenden Fassung), der die unmittelbare Sachherrschaft \u00fcber den Kaffee aus\u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Hintergrund: Kaffeesteuer bei Durchfuhr<\/h2>\n\n\n\n<h3>Regelung des \u00a7 17 Abs. 2 Satz 3 KaffeeStG a.F.<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach der bis Ende Oktober 2022 geltenden Fassung des Kaffeesteuergesetzes entsteht die Kaffeesteuer auch dann, wenn Kaffee durch das deutsche Steuergebiet durchgef\u00fchrt wird, ohne dass er in den steuerrechtlich freien Verkehr \u00fcberf\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Steuerschuldner<\/strong> ist in diesem Fall der Besitzer des Kaffees.<\/p>\n\n\n\n<h3>Praktische Bedeutung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Frage der Besitzstellung ist von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung, da:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Kaffee h\u00e4ufig auf dem Transportweg durch Deutschland bewegt wird<\/li><li>Verschiedene Beteiligte (Versender, Spediteur, Empf\u00e4nger, Lagerhalter) in Betracht kommen<\/li><li>Die Steuerschuld erhebliche finanzielle Auswirkungen haben kann<\/li><li>Bei internationalen Warenstr\u00f6men die Verantwortlichkeiten oft unklar sind<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung des BFH<\/h2>\n\n\n\n<h3>Ma\u00dfgeblichkeit der unmittelbaren Sachherrschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH stellt klar, dass f\u00fcr die Besitzstellung im Sinne des Kaffeesteuerrechts die <strong>unmittelbare Sachherrschaft<\/strong> \u00fcber den Kaffee entscheidend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Besitzer ist, wer:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die tats\u00e4chliche Gewalt \u00fcber den Kaffee aus\u00fcbt<\/li><li>Die unmittelbare faktische Verf\u00fcgungsmacht \u00fcber die Ware hat<\/li><li>Den Kaffee physisch beherrscht<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Nicht ausreichend ist:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Blo\u00dfes rechtliches Eigentum ohne faktische Sachherrschaft<\/li><li>Mittelbare Verf\u00fcgungsmacht durch vertragliche Beziehungen<\/li><li>Wirtschaftliches Interesse an der Ware<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Abgrenzung zu zivilrechtlichen Begriffen<\/h3>\n\n\n\n<p>Der steuerrechtliche Besitzbegriff im Kaffeesteuerrecht orientiert sich am zivilrechtlichen Besitzbegriff des \u00a7 854 BGB, wonach Besitz durch Erlangung der tats\u00e4chlichen Gewalt \u00fcber eine Sache erworben wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wichtig:<\/strong> Auch wenn im Zivilrecht zwischen Eigenbesitz, Fremdbesitz, unmittelbarem und mittelbarem Besitz unterschieden wird, kommt es im Kaffeesteuerrecht auf die unmittelbare Sachherrschaft an.<\/p>\n\n\n\n<h2>Praktische Auswirkungen<\/h2>\n\n\n\n<h3>Typische Konstellationen bei Durchfuhr<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Spediteur\/Frachtf\u00fchrer:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Hat regelm\u00e4\u00dfig die unmittelbare Sachherrschaft w\u00e4hrend des Transports<\/li><li>Wird typischerweise Steuerschuldner bei Durchfuhr<\/li><li>Auch wenn er nicht Eigent\u00fcmer ist<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Versender\/Empf\u00e4nger:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Haben ohne eigene Sachherrschaft keine Besitzstellung<\/li><li>Werden nicht Steuerschuldner, solange Dritte den Transport durchf\u00fchren<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Lagerhalter:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Erlangt Besitz bei Einlagerung<\/li><li>Wird Steuerschuldner, wenn Kaffee im Lager im Steuergebiet ist<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Zwischenh\u00e4ndler:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Nur Besitzer, wenn tats\u00e4chliche Sachherrschaft ausge\u00fcbt wird<\/li><li>Blo\u00dfe wirtschaftliche Verf\u00fcgungsmacht reicht nicht<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Risikoverteilung in der Lieferkette<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung hat Auswirkungen auf die vertragliche Risikoverteilung:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Transportvertr\u00e4ge:<\/strong> Klarstellung erforderlich, wer Kaffeesteuerrisiko bei Durchfuhr tr\u00e4gt<\/li><li><strong>Versicherungen:<\/strong> Absicherung des Kaffeesteuerrisikos bei internationalen Transporten<\/li><li><strong>Haftung:<\/strong> Regress zwischen Beteiligten bei ungeplanter Steuerpflicht<\/li><li><strong>Compliance:<\/strong> Pr\u00fcfung, ob Durchfuhren kaffeesteuerrechtlich relevant sind<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2>Konsequenzen f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr Spediteure und Frachtf\u00fchrer<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Besondere Vorsicht geboten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Pr\u00fcfung der Route auf Ber\u00fchrung des deutschen Steuergebiets<\/li><li>Dokumentation zur Durchfuhr und Weitertransport<\/li><li>Kenntnis \u00fcber kaffeesteuerrechtliche Pflichten<\/li><li>Ggf. Anmeldung beim Hauptzollamt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Vertragsgestaltung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Klare Regelungen zur \u00dcbernahme von Steuerpflichten<\/li><li>Freistellungsklauseln gegen\u00fcber Auftraggebern<\/li><li>Versicherung des Steuerrisikos<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr Kaffeeimporteure und -h\u00e4ndler<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Planung von Warenstr\u00f6men:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Vermeidung unn\u00f6tiger Durchfuhren durch das Steuergebiet<\/li><li>Alternative Transportrouten pr\u00fcfen<\/li><li>Nutzung von Steueraussetzungsverfahren wo m\u00f6glich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Vertragliche Absicherung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Regelung der Steuerschuldnerschaft in Liefervertr\u00e4gen<\/li><li>Klarstellung, wer Transport organisiert und Sachherrschaft aus\u00fcbt<\/li><li>Dokumentationspflichten f\u00fcr Durchfuhren<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr die Zollverwaltung<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Pr\u00fcfungskriterien:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Feststellung der tats\u00e4chlichen Sachherrschaft<\/li><li>Untersuchung der faktischen Abl\u00e4ufe<\/li><li>Dokumentation der Besitzverh\u00e4ltnisse<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Durchsetzung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Klare Zuordnung der Steuerschuld<\/li><li>Einheitliche Verwaltungspraxis<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Bedeutung der Gesetzes\u00e4nderung<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH bezieht sich auf die bis 31.10.2022 geltende Fassung des \u00a7 17 Abs. 2 Satz 3 KaffeeStG. Zum Zeitpunkt des Urteils war diese Vorschrift bereits ge\u00e4ndert worden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu beachten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Grunds\u00e4tze zur Besitzstellung d\u00fcrften auch f\u00fcr die neue Rechtslage relevant sein<\/li><li>Pr\u00fcfung erforderlich, ob aktuelle Gesetzeslage abweichende Regelungen enth\u00e4lt<\/li><li>Altf\u00e4lle sind nach der alten Rechtslage zu beurteilen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Rechtsschutz und Verfahrensfragen<\/h2>\n\n\n\n<h3>Bei unklarer Besitzstellung<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ma\u00dfnahmen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Vorabkl\u00e4rung mit dem zust\u00e4ndigen Hauptzollamt<\/li><li>Verbindliche Auskunft zu Besitzfragen einholen<\/li><li>Dokumentation der tats\u00e4chlichen Abl\u00e4ufe<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Im Streitfall:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Darlegung der tats\u00e4chlichen Sachherrschaftsverh\u00e4ltnisse<\/li><li>Nachweis, wer unmittelbare Gewalt aus\u00fcbte<\/li><li>Ggf. Zeugenbeweis durch Beteiligte<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Vermeidung von Haftungsrisiken<\/h3>\n\n\n\n<ol><li><strong>Transparenz:<\/strong> Offenlegung aller Beteiligten und ihrer Rollen<\/li><li><strong>Dokumentation:<\/strong> L\u00fcckenlose Nachweise \u00fcber Besitzverh\u00e4ltnisse<\/li><li><strong>Compliance:<\/strong> Schulung der Mitarbeiter zu kaffeesteuerrechtlichen Pflichten<\/li><li><strong>Vorsorge:<\/strong> R\u00fcckstellungen f\u00fcr m\u00f6gliche Steuerforderungen<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2>Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung des BFH schafft Klarheit \u00fcber den ma\u00dfgeblichen Besitzbegriff im Kaffeesteuerrecht. Die unmittelbare Sachherrschaft ist das entscheidende Kriterium f\u00fcr die Steuerschuldnerschaft bei Durchfuhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen, die in die Bef\u00f6rderung von R\u00f6stkaffee eingebunden sind, sollten:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ihre Rolle in der Lieferkette genau analysieren<\/li><li>Vertr\u00e4ge auf kaffeesteuerrechtliche Risiken pr\u00fcfen<\/li><li>Geeignete Absicherungsma\u00dfnahmen treffen<\/li><li>Im Zweifel fachlichen Rat einholen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof, Urteil vom 14.10.2025, Az. VII R 13\/23 (LEXinform-Dokument Nr. 0954836)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle steuer- und zollrechtliche Beratung. Bei Fragen zum Kaffeesteuerrecht sprechen Sie uns gerne an.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unmittelbare Sachherrschaft entscheidet \u00fcber Steuerschuldnerschaft bei Durchfuhr Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 14.10.2025 (Az. VII R 13\/23) gekl\u00e4rt, wer bei der Durchfuhr von R\u00f6stkaffee durch das Steuergebiet als Besitzer gilt und damit Steuerschuldner wird. Entscheidend ist die unmittelbare Sachherrschaft \u00fcber den Kaffee. 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