{"id":79087,"date":"2026-02-01T15:50:18","date_gmt":"2026-02-01T13:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79087"},"modified":"2026-02-01T15:50:18","modified_gmt":"2026-02-01T13:50:18","slug":"bfh-zum-sonderausgabenabzug-fuer-kinderbetreuungskosten-verfassungsmaessigkeit-des-kriteriums-der-haushaltszugehoerigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zum-sonderausgabenabzug-fuer-kinderbetreuungskosten-verfassungsmaessigkeit-des-kriteriums-der-haushaltszugehoerigkeit\/","title":{"rendered":"BFH zum Sonderausgabenabzug f\u00fcr Kinderbetreuungskosten: Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Kriteriums der Haushaltszugeh\u00f6rigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH h\u00e4lt an Haushaltszugeh\u00f6rigkeit fest \u2013 Zweifel an Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit bleiben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 27.11.2025 (Az. III R 8\/23) seine Rechtsprechung zur Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Kriteriums der Haushaltszugeh\u00f6rigkeit beim Sonderausgabenabzug f\u00fcr Kinderbetreuungskosten best\u00e4tigt. Obwohl das Gericht verfassungsrechtliche Zweifel \u00e4u\u00dfert, sieht es sich nicht zur Vorlage an das Bundesverfassungsgericht veranlasst.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die gesetzliche Regelung<\/h2>\n\n\n\n<h3>Voraussetzungen des Sonderausgabenabzugs<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG k\u00f6nnen Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben abgezogen werden, wenn:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Haushaltszugeh\u00f6rigkeit:<\/strong> Das Kind zum Haushalt des Steuerpflichtigen geh\u00f6rt<\/li><li><strong>Alter:<\/strong> Das Kind unter 14 Jahre alt ist<\/li><li><strong>Nachweis:<\/strong> Eine Rechnung vorliegt<\/li><li><strong>Zahlung:<\/strong> Keine Barzahlung, sondern \u00dcberweisung auf das Konto des Leistungserbringers erfolgt ist<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3>H\u00f6he des Abzugs<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ab Veranlagungszeitraum 2025:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>80 % der Kinderbetreuungskosten<\/li><li>H\u00f6chstens 4.800 Euro pro Jahr<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Bis Veranlagungszeitraum 2024:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Zwei Drittel der Aufwendungen<\/li><li>H\u00f6chstens 4.000 Euro pro Jahr<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>BEA-Freibetrag als Alternative<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Freibetrag f\u00fcr Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf betr\u00e4gt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Aktuell: 1.464 Euro pro Jahr<\/li><li>Im Streitjahr 2020: 1.320 Euro pro Jahr<\/li><li>Im Streitjahr 2018: 1.320 Euro pro Jahr<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Die Rechtsprechung des BFH<\/h2>\n\n\n\n<h3>Vorherige Entscheidung (III R 9\/22)<\/h3>\n\n\n\n<p>Bereits mit Urteil vom 11.05.2023 hatte der BFH entschieden, dass das Kriterium der Haushaltszugeh\u00f6rigkeit auf einer verfassungsrechtlich zul\u00e4ssigen Typisierung beruht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kernausz\u00fcge:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Kein Versto\u00df gegen die Steuerfreiheit des Existenzminimums<\/li><li>Kein Versto\u00df gegen den allgemeinen Gleichheitssatz<\/li><li>Jedenfalls dann verfassungsgem\u00e4\u00df, wenn die Betreuungsaufwendungen des nicht betreuenden Elternteils durch den BEA-Freibetrag abgedeckt werden<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Bundesverfassungsgericht hat die gegen dieses Urteil erhobene Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Aktuelle Entscheidung (III R 8\/23)<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit dem aktuellen Urteil vom 27.11.2025 best\u00e4tigt der BFH seine Rechtsprechung und schlie\u00dft auch die bisher offene Fallkonstellation ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neue Klarstellungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Best\u00e4tigung der Rechtsprechung:<\/strong> Das Kriterium der Haushaltszugeh\u00f6rigkeit bleibt verfassungsgem\u00e4\u00df<\/li><li><strong>Offene Fallkonstellation gekl\u00e4rt:<\/strong> Auch in bisher nicht entschiedenen F\u00e4llen keine \u00dcberzeugung von der Verfassungswidrigkeit<\/li><li><strong>Verfassungsrechtliche Zweifel:<\/strong> Der BFH sieht die Vorschrift als &#8222;verfassungsrechtlich zweifelhaft&#8220; an, soweit Kosten \u00fcber den BEA-Freibetrag hinaus bei keinem Elternteil abzugsf\u00e4hig sind<\/li><li><strong>Keine Vorlage ans BVerfG:<\/strong> Trotz Zweifeln keine ausreichende \u00dcberzeugung von der Verfassungswidrigkeit f\u00fcr eine Vorlage<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2>Die problematische Konstellation<\/h2>\n\n\n\n<h3>Das Dilemma getrennt lebender Eltern<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Beispielfall:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Eltern leben getrennt<\/li><li>Kind lebt im Haushalt der Mutter (betreuender Elternteil)<\/li><li>Vater (nicht betreuender Elternteil) tr\u00e4gt tats\u00e4chlich hohe Betreuungskosten<\/li><li>Kosten \u00fcbersteigen den BEA-Freibetrag von 1.464 Euro deutlich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Steuerliche Folgen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Mutter kann Kosten abziehen (Haushaltszugeh\u00f6rigkeit gegeben)<\/li><li>Vater kann Kosten <strong>nicht<\/strong> abziehen (keine Haushaltszugeh\u00f6rigkeit)<\/li><li>Wenn Vater die Kosten tr\u00e4gt, Mutter aber nicht abzieht: Kosten gehen steuerlich &#8222;verloren&#8220;<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Verfassungsrechtliche Bedenken<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH sieht Zweifel darin, dass:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Tats\u00e4chlich getragene Betreuungskosten bei keinem Elternteil abziehbar sein k\u00f6nnen<\/li><li>Die Kosten im \u00dcbrigen alle Voraussetzungen f\u00fcr den Abzug erf\u00fcllen<\/li><li>Die Kosten den BEA-Freibetrag \u00fcbersteigen<\/li><li>Damit m\u00f6glicherweise das Existenzminimum nicht steuerfrei bleibt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Begr\u00fcndung des BFH f\u00fcr Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit<\/h2>\n\n\n\n<h3>Typisierungsbefugnis des Gesetzgebers<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH verweist auf &#8222;gute Gr\u00fcnde&#8220; f\u00fcr das Kriterium der Haushaltszugeh\u00f6rigkeit:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sachliche Rechtfertigung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Frage externer Kinderbetreuung stellt sich prim\u00e4r f\u00fcr den betreuenden Elternteil<\/li><li>Im Haushalt dieses Elternteils lebt das Kind<\/li><li>Dieser organisiert typischerweise die Betreuung<\/li><li>Vereinfachung der Verwaltung durch klares Abgrenzungskriterium<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Typisierung zul\u00e4ssig:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Gesetzgeber darf generalisierende Regelungen treffen<\/li><li>Vermeidung von Einzelfallpr\u00fcfungen<\/li><li>Praktikabilit\u00e4t der Steuererhebung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Abmilderung durch BEA-Freibetrag<\/h3>\n\n\n\n<p>Der nicht betreuende Elternteil erh\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Den BEA-Freibetrag (aktuell 1.464 Euro)<\/li><li>Dieser deckt typische Betreuungsaufwendungen ab<\/li><li>Nur in Ausnahmef\u00e4llen h\u00f6here Kosten<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Praktische Auswirkungen<\/h2>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr getrennt lebende Eltern<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wichtige Konsequenzen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Haushaltszugeh\u00f6rigkeit entscheidend:<\/strong> Nur der Elternteil, in dessen Haushalt das Kind lebt, kann Betreuungskosten als Sonderausgaben abziehen<\/li><li><strong>Kosten\u00fcbernahme koordinieren:<\/strong> Eltern sollten vereinbaren, dass der betreuende Elternteil die Kosten tr\u00e4gt oder erstattet bekommt<\/li><li><strong>Nachweispflichten beachten:<\/strong> Rechnungen und \u00dcberweisungen m\u00fcssen auf den Namen des betreuenden Elternteils lauten<\/li><li><strong>BEA-Freibetrag nutzen:<\/strong> Der nicht betreuende Elternteil erh\u00e4lt den BEA-Freibetrag automatisch<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3>Gestaltungshinweise<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Optimale Vorgehensweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kostentragung durch betreuenden Elternteil:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Betreuender Elternteil zahlt Betreuungskosten direkt<\/li><li>Sonderausgabenabzug m\u00f6glich (bis zu 4.800 Euro)<\/li><li>Andere Elternteil leistet ggf. Ausgleichszahlung (steuerlich neutral)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Wenn nicht betreuender Elternteil zahlt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Zahlung als Unterhalt an betreuenden Elternteil<\/li><li>Betreuender Elternteil zahlt damit die Betreuungskosten<\/li><li>So wird Abzugsf\u00e4higkeit gesichert<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Unterhaltsvereinbarungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Klarstellung, dass Unterhalt auch Betreuungskosten abdeckt<\/li><li>Dokumentation der Zahlungsstr\u00f6me<\/li><li>Abstimmung mit steuerlichen Anforderungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Rechtliche Einordnung<\/h2>\n\n\n\n<h3>Vergleich mit Unterhaltsleistungen<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Unterscheidung wichtig:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Kinderbetreuungskosten nach \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG<\/li><li>Unterhaltsleistungen nach \u00a7 33a EStG<\/li><li>Verschiedene Voraussetzungen und H\u00f6chstbetr\u00e4ge<\/li><li>Keine Wahlrechte zwischen den Regelungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Verh\u00e4ltnis zum Kinderfreibetrag<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Systematik:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Kinderfreibetrag (aktuell 6.612 Euro) deckt sachlichen Existenzbedarf<\/li><li>BEA-Freibetrag (1.464 Euro) deckt Betreuungsbedarf<\/li><li>Sonderausgabenabzug als zus\u00e4tzliche Entlastung<\/li><li>G\u00fcnstigerpr\u00fcfung zwischen Kindergeld und Freibetr\u00e4gen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>M\u00f6glichkeit der Verfassungsbeschwerde<\/h2>\n\n\n\n<h3>Weiterer Rechtsweg<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH hat die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen. Dies bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fachgerichtlicher Rechtsweg ersch\u00f6pft:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Keine weitere Instanz in der Finanzgerichtsbarkeit<\/li><li>Kl\u00e4ger kann Verfassungsbeschwerde erheben<\/li><li>Bundesverfassungsgericht k\u00f6nnte endg\u00fcltig kl\u00e4ren<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Aussichten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>BFH selbst \u00e4u\u00dfert verfassungsrechtliche Zweifel<\/li><li>Fr\u00fchere Verfassungsbeschwerde wurde nicht angenommen<\/li><li>Ungewiss, ob BVerfG nun anders entscheidet<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Handlungsempfehlungen<\/h2>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr betroffene Eltern<\/h3>\n\n\n\n<ol><li><strong>Dokumentation:<\/strong> Sorgf\u00e4ltige Aufzeichnung aller Betreuungskosten und Zahlungen<\/li><li><strong>Vertragsgestaltung:<\/strong> Betreuungsvertr\u00e4ge auf Namen des haushaltsf\u00fchrenden Elternteils<\/li><li><strong>Zahlungsweg:<\/strong> Immer \u00dcberweisung (keine Barzahlung), vom betreuenden Elternteil<\/li><li><strong>Unterhaltsvereinbarung:<\/strong> Regelung, dass Unterhalt Betreuungskosten umfasst<\/li><li><strong>Steuerberatung:<\/strong> Individuelle Gestaltung mit fachkundiger Unterst\u00fctzung<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr Steuerberater<\/h3>\n\n\n\n<ol><li><strong>Mandantenberatung:<\/strong> Fr\u00fchzeitige Aufkl\u00e4rung \u00fcber Problematik bei Trennung<\/li><li><strong>Gestaltung:<\/strong> Optimale Zahlungsstr\u00f6me zwischen Elternteilen<\/li><li><strong>Einspruch:<\/strong> In begr\u00fcndeten Einzelf\u00e4llen Offenhaltung durch Einspruch erw\u00e4gen<\/li><li><strong>Verfassungsbeschwerde:<\/strong> Mandanten auf diese M\u00f6glichkeit hinweisen<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2>Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung l\u00e4sst wichtige Fragen offen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wird eine Verfassungsbeschwerde erhoben?<\/li><li>Wie wird das BVerfG entscheiden?<\/li><li>Passt der Gesetzgeber die Regelung an?<\/li><li>Welche Auswirkungen hat die Erh\u00f6hung auf 4.800 Euro ab 2025?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bis zu einer m\u00f6glichen gesetzlichen oder verfassungsgerichtlichen Kl\u00e4rung bleibt das Kriterium der Haushaltszugeh\u00f6rigkeit ma\u00dfgeblich. Betroffene Eltern sollten ihre Verh\u00e4ltnisse entsprechend gestalten, um steuerliche Nachteile zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof, Pressemitteilung Nr. 6\/26 vom 29.01.2026 zum Urteil III R 8\/23 vom 27.11.2025 (LEXinform-Dokument Nr. 0954596)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle steuerrechtliche Beratung. Bei Fragen zum Abzug von Kinderbetreuungskosten in Trennungssituationen sprechen Sie uns gerne an.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH h\u00e4lt an Haushaltszugeh\u00f6rigkeit fest \u2013 Zweifel an Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit bleiben Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 27.11.2025 (Az. 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