{"id":79089,"date":"2026-02-01T15:52:42","date_gmt":"2026-02-01T13:52:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79089"},"modified":"2026-02-01T15:52:42","modified_gmt":"2026-02-01T13:52:42","slug":"bfh-zur-aenderung-bestandskraeftiger-einkommensteuerbescheide-gemaess-%c2%a7-175-abs-1-satz-1-nr-2-ao-im-fall-der-umwandlung-einer-lebenspartnerschaft-in-eine-ehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-aenderung-bestandskraeftiger-einkommensteuerbescheide-gemaess-%c2%a7-175-abs-1-satz-1-nr-2-ao-im-fall-der-umwandlung-einer-lebenspartnerschaft-in-eine-ehe\/","title":{"rendered":"BFH zur \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Einkommensteuerbescheide gem\u00e4\u00df \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO im Fall der Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Umwandlung als r\u00fcckwirkendes Ereignis \u2013 aber \u00dcbergangsregelung setzt zeitliche Grenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 16.10.2025 (Az. III R 18\/23) entschieden, dass die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe zwar ein r\u00fcckwirkendes Ereignis darstellt, das grunds\u00e4tzlich zur \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Steuerbescheide berechtigt. Allerdings schlie\u00dft eine verfassungsgem\u00e4\u00dfe \u00dcbergangsregelung dies f\u00fcr Umwandlungen nach dem 31.12.2019 und Antr\u00e4ge nach dem 31.12.2020 aus.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Leits\u00e4tze des BFH<\/h2>\n\n\n\n<h3>1. Umwandlung als r\u00fcckwirkendes Ereignis<\/h3>\n\n\n\n<p>Die durch \u00a7 20a des Lebenspartnerschaftsgesetzes (LPartG) erm\u00f6glichte Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe stellt ein r\u00fcckwirkendes Ereignis im Sinne des \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO dar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bedeutung:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen bestandskr\u00e4ftige Steuerbescheide ge\u00e4ndert werden, um eine nachtr\u00e4gliche Zusammenveranlagung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h3>2. Zeitliche Grenzen durch \u00dcbergangsregelung<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach Art. 97 \u00a7 9 Abs. 5 EGAO kommt eine auf \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO gest\u00fctzte \u00c4nderung eines bestandskr\u00e4ftigen Einkommensteuerbescheids zum Zwecke der Zusammenveranlagung nicht mehr in Betracht, wenn:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Umwandlung der Lebenspartnerschaft in die Ehe <strong>nach dem 31.12.2019<\/strong> erfolgt ist, <strong>oder<\/strong><\/li><li>Der Antrag auf \u00c4nderung des Bescheids <strong>erst nach dem 31.12.2020<\/strong> gestellt wurde<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>3. Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der \u00dcbergangsregelung<\/h3>\n\n\n\n<p>Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der \u00dcbergangsvorschrift des Art. 97 \u00a7 9 Abs. 5 EGAO bestehen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konsequenz:<\/strong> Die gesetzliche Begrenzung der \u00c4nderungsm\u00f6glichkeit ist mit dem Grundgesetz vereinbar.<\/p>\n\n\n\n<h2>Rechtlicher Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<h3>Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Historische Entwicklung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Bis 2001:<\/strong> Keine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften<\/li><li><strong>2001:<\/strong> Einf\u00fchrung der eingetragenen Lebenspartnerschaft<\/li><li><strong>Bis 2013:<\/strong> Steuerrechtlich keine Gleichstellung mit Ehepaaren<\/li><li><strong>2013:<\/strong> BVerfG-Entscheidung zur verfassungswidrigen Ungleichbehandlung<\/li><li><strong>2017:<\/strong> \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partner (&#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220;)<\/li><li><strong>Seit 2017:<\/strong> M\u00f6glichkeit der Umwandlung nach \u00a7 20a LPartG<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Steuerliche Zusammenveranlagung<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Vorteile der Zusammenveranlagung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Anwendung des Splittingtarifs<\/li><li>G\u00fcnstigere Besteuerung bei unterschiedlich hohen Einkommen<\/li><li>H\u00f6here Freibetr\u00e4ge und Pauschbetr\u00e4ge<\/li><li>Vereinfachte Veranlagung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Voraussetzung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Beide Partner m\u00fcssen unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig sein<\/li><li>Rechtlich g\u00fcltige Ehe oder Lebenspartnerschaft<\/li><li>Gemeinsamer Antrag<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>R\u00fcckwirkendes Ereignis nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Regelungsinhalt:<\/strong> Ein Steuerbescheid ist zu \u00e4ndern, soweit ein Ereignis eintritt, das steuerliche Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit hat (r\u00fcckwirkendes Ereignis).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beispiele:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Anerkennung der Vaterschaft<\/li><li>Eheschlie\u00dfung mit R\u00fcckwirkung<\/li><li>Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Die \u00dcbergangsregelung des Art. 97 \u00a7 9 Abs. 5 EGAO<\/h2>\n\n\n\n<h3>Wortlaut und Zweck<\/h3>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbergangsvorschrift begrenzt die \u00c4nderungsm\u00f6glichkeit zeitlich, um Rechtssicherheit und Verwaltungspraktikabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ziel der Regelung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Verhinderung unbegrenzter R\u00fcckwirkung<\/li><li>Schutz der Bestandskraft von Steuerbescheiden<\/li><li>Planungssicherheit f\u00fcr Finanzverwaltung<\/li><li>Begrenzung des Verwaltungsaufwands<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Die beiden Ausschlussgr\u00fcnde<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>1. Umwandlung nach dem 31.12.2019:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Stichtag f\u00fcr die Umwandlung<\/li><li>Danach: Keine \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Bescheide mehr m\u00f6glich<\/li><li>Nur noch laufende Veranlagungszeitr\u00e4ume betroffen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2. Antragstellung nach dem 31.12.2020:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Stichtag f\u00fcr \u00c4nderungsantr\u00e4ge<\/li><li>Auch bei fr\u00fcherer Umwandlung: Antrag musste bis Ende 2020 gestellt sein<\/li><li>Ausschlussfrist f\u00fcr die Geltendmachung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>\u00dcbergangszeit und Vertrauensschutz<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Zeitlicher Ablauf:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Gesetz vom 18.12.2018 (BGBl I 2019, S. 2639)<\/li><li>Ver\u00f6ffentlichung: Anfang 2019<\/li><li>\u00dcbergangsfrist: Fast 2 Jahre bis 31.12.2020 f\u00fcr Antragstellung<\/li><li>Umwandlungsfrist: 1 Jahr bis 31.12.2019<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Gro\u00dfz\u00fcgige \u00dcbergangszeit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ausreichend Zeit zur Information<\/li><li>Gen\u00fcgend Gelegenheit zur Antragstellung<\/li><li>Ber\u00fccksichtigung von Lebenspartnern, die bereits umgewandelt hatten<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Verfassungsrechtliche W\u00fcrdigung<\/h2>\n\n\n\n<h3>Pr\u00fcfungsma\u00dfstab<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH pr\u00fcfte die \u00dcbergangsregelung anhand folgender verfassungsrechtlicher Ma\u00dfst\u00e4be:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Art. 3 Abs. 1 GG \u2013 Allgemeiner Gleichheitssatz:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ungleichbehandlung von Lebenspartnern je nach Zeitpunkt<\/li><li>Rechtfertigung durch legitimen Zweck erforderlich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Art. 6 Abs. 1 GG \u2013 Schutz von Ehe und Familie:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Besonderer Schutz der Ehe<\/li><li>Gilt auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Ehen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG \u2013 Diskriminierungsverbot:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Verbot der Benachteiligung wegen sexueller Identit\u00e4t<\/li><li>Strenge Pr\u00fcfung erforderlich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Rechtfertigung der Ungleichbehandlung<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Legitimer Zweck:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Rechtssicherheit und Rechtsfrieden<\/li><li>Bestandskraft von Verwaltungsakten<\/li><li>Verwaltungspraktikabilit\u00e4t<\/li><li>Verhinderung unbegrenzter R\u00fcckwirkung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Geeignetheit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Stichtagsregelung erreicht diese Ziele<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Erforderlichkeit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Keine milderen, gleich wirksamen Mittel ersichtlich<\/li><li>Gro\u00dfz\u00fcgige \u00dcbergangsfristen gew\u00e4hrt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Angemessenheit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ausgewogenes Verh\u00e4ltnis zwischen Bestandsschutz und \u00c4nderungsinteresse<\/li><li>Lange \u00dcbergangsfristen mildern H\u00e4rten<\/li><li>Betrifft nur Altf\u00e4lle, nicht laufende Veranlagungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Besonderheit: Keine echte R\u00fcckwirkung<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH betont, dass die \u00dcbergangsregelung keine echte R\u00fcckwirkung enth\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Regelung galt ab Inkrafttreten<\/li><li>Keine \u00c4nderung bereits entstandener Rechtspositionen<\/li><li>Lediglich Begrenzung k\u00fcnftiger \u00c4nderungsm\u00f6glichkeiten<\/li><li>Daher geringere verfassungsrechtliche Anforderungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Praktische Auswirkungen<\/h2>\n\n\n\n<h3>Betroffene Fallgruppen<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>1. Umwandlung bis 31.12.2019 und Antrag bis 31.12.2020:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u2705 \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Bescheide m\u00f6glich<\/li><li>Zusammenveranlagung kann r\u00fcckwirkend beantragt werden<\/li><li>\u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO anwendbar<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2. Umwandlung bis 31.12.2019, aber Antrag erst nach 31.12.2020:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u274c Keine \u00c4nderung mehr m\u00f6glich<\/li><li>Frist verpasst<\/li><li>Einzelveranlagung bleibt bestehen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3. Umwandlung nach 31.12.2019:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u274c Keine \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Bescheide m\u00f6glich<\/li><li>Unabh\u00e4ngig vom Antragszeitpunkt<\/li><li>Nur laufende Veranlagungen betroffen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>4. Laufende Veranlagungszeitr\u00e4ume:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u2705 Zusammenveranlagung m\u00f6glich<\/li><li>Normale Antragstellung innerhalb der Veranlagungsfristen<\/li><li>Keine Besonderheiten<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Beispielf\u00e4lle<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel 1 \u2013 Erfolgreiche \u00c4nderung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Lebenspartnerschaft seit 2010<\/li><li>Umwandlung in Ehe am 15.06.2019<\/li><li>\u00c4nderungsantrag am 20.09.2020<\/li><li><strong>Ergebnis:<\/strong> Bestandskr\u00e4ftige Bescheide 2010-2019 k\u00f6nnen ge\u00e4ndert werden, Zusammenveranlagung m\u00f6glich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel 2 \u2013 Verpasste Frist:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Lebenspartnerschaft seit 2012<\/li><li>Umwandlung in Ehe am 10.11.2019<\/li><li>\u00c4nderungsantrag erst am 15.03.2021<\/li><li><strong>Ergebnis:<\/strong> Keine \u00c4nderung m\u00f6glich, Antragsfrist verpasst<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel 3 \u2013 Zu sp\u00e4te Umwandlung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Lebenspartnerschaft seit 2015<\/li><li>Umwandlung in Ehe am 20.02.2020<\/li><li>\u00c4nderungsantrag am 10.10.2020<\/li><li><strong>Ergebnis:<\/strong> Keine \u00c4nderung m\u00f6glich, Umwandlung nach Stichtag<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Beispiel 4 \u2013 Laufende Veranlagung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Lebenspartnerschaft seit 2018<\/li><li>Umwandlung in Ehe am 05.03.2023<\/li><li>Steuererkl\u00e4rung 2023 mit Zusammenveranlagung<\/li><li><strong>Ergebnis:<\/strong> Zusammenveranlagung problemlos m\u00f6glich, keine Altf\u00e4lle betroffen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Verfahrensrechtliche Hinweise<\/h2>\n\n\n\n<h3>\u00c4nderungsantrag nach \u00a7 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Formelle Anforderungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Schriftlicher Antrag erforderlich<\/li><li>An zust\u00e4ndiges Finanzamt<\/li><li>Angabe der betroffenen Veranlagungszeitr\u00e4ume<\/li><li>Nachweis der Umwandlung (Umwandlungsbescheinigung)<\/li><li>Gemeinsamer Antrag beider Partner<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Materielle Voraussetzungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wirksame Umwandlung nach \u00a7 20a LPartG<\/li><li>R\u00fcckwirkendes Ereignis<\/li><li>Bestandskr\u00e4ftiger Bescheid liegt vor<\/li><li>Fristen des Art. 97 \u00a7 9 Abs. 5 EGAO gewahrt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Rechtsbehelfe<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Bei Ablehnung des \u00c4nderungsantrags:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Einspruch innerhalb eines Monats<\/li><li>Klage zum Finanzgericht<\/li><li>Revision zum BFH (nur bei grunds\u00e4tzlicher Bedeutung)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Bei verpassten Fristen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand m\u00f6glich<\/li><li>Stichtagsregelungen sind absolut<\/li><li>Nur Verfassungsbeschwerde theoretisch denkbar (nach BFH-Urteil aussichtslos)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Vergleich: Eheschlie\u00dfung vs. Umwandlung<\/h2>\n\n\n\n<h3>Unterschiede in der Behandlung<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Eheschlie\u00dfung zwischen verschiedengeschlechtlichen Partnern:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Zusammenveranlagung ab Eheschlie\u00dfung<\/li><li>R\u00fcckwirkende \u00c4nderung bei Heirat w\u00e4hrend des Jahres<\/li><li>Keine zeitliche Begrenzung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Umwandlung Lebenspartnerschaft in Ehe:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Grunds\u00e4tzlich gleiches Recht auf Zusammenveranlagung<\/li><li>Aber: Zeitliche Begrenzung durch Art. 97 \u00a7 9 Abs. 5 EGAO<\/li><li>Nur f\u00fcr Altf\u00e4lle relevant<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Neugr\u00fcndung einer gleichgeschlechtlichen Ehe:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Seit 2017 m\u00f6glich<\/li><li>Vollst\u00e4ndige Gleichbehandlung mit verschiedengeschlechtlichen Ehen<\/li><li>Keine Besonderheiten<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Handlungsempfehlungen<\/h2>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr Betroffene mit verpassten Fristen<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Realistische Einsch\u00e4tzung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>BFH h\u00e4lt \u00dcbergangsregelung f\u00fcr verfassungsgem\u00e4\u00df<\/li><li>Verfassungsbeschwerde wahrscheinlich aussichtslos<\/li><li>Keine \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Bescheide mehr m\u00f6glich<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Alternative Gestaltungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Pr\u00fcfung, ob andere \u00c4nderungsgr\u00fcnde vorliegen (\u00a7 173, \u00a7 174 AO)<\/li><li>F\u00fcr laufende Jahre: Regul\u00e4re Zusammenveranlagung<\/li><li>Ggf. Anpassung der Steuerplanung f\u00fcr die Zukunft<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>F\u00fcr Steuerberater<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Mandantenberatung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Klare Information \u00fcber Rechtslage nach BFH-Urteil<\/li><li>Keine falschen Hoffnungen wecken<\/li><li>Bei verpassten Fristen: Fokus auf Zukunft<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Dokumentation:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Beratung dokumentieren<\/li><li>Auf Fristen hinweisen<\/li><li>Haftungsrisiken vermeiden<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Bedeutung f\u00fcr die Zukunft<\/h2>\n\n\n\n<h3>Abgeschlossenes Kapitel<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit dieser Entscheidung ist die Rechtslage f\u00fcr Altf\u00e4lle gekl\u00e4rt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>\u00dcbergangsregelungen sind verfassungsgem\u00e4\u00df<\/li><li>Keine \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Bescheide mehr m\u00f6glich<\/li><li>Nur noch historische Bedeutung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Aktuelle Rechtslage<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Seit 2017:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Vollst\u00e4ndige Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft<\/li><li>Wahlrecht: Umwandlung oder Beibehaltung der Lebenspartnerschaft<\/li><li>Keine steuerlichen Unterschiede mehr<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Praktische Relevanz:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>F\u00fcr neue F\u00e4lle keine Probleme<\/li><li>Altf\u00e4lle sind durch Fristen erledigt<\/li><li>Rechtssicherheit f\u00fcr alle Beteiligten<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung des BFH bringt Rechtssicherheit und best\u00e4tigt die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der \u00dcbergangsregelung. W\u00e4hrend die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe grunds\u00e4tzlich ein r\u00fcckwirkendes Ereignis darstellt, hat der Gesetzgeber aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden zeitliche Grenzen gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Betroffene, die die Fristen verpasst haben, m\u00fcssen dies hinnehmen. Die gro\u00dfz\u00fcgig bemessenen \u00dcbergangsfristen und die klare gesetzliche Regelung rechtfertigen diese Einschr\u00e4nkung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zukunft gilt: Gleichgeschlechtliche Ehen werden steuerlich vollst\u00e4ndig wie verschiedengeschlechtliche Ehen behandelt. Die historischen Unterschiede bei Lebenspartnerschaften spielen nur noch f\u00fcr abgeschlossene Altf\u00e4lle eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof, Urteil vom 16.10.2025, Az. III R 18\/23 (LEXinform-Dokument Nr. 0954805)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle steuerrechtliche Beratung. Bei Fragen zur Zusammenveranlagung sprechen Sie uns gerne an.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umwandlung als r\u00fcckwirkendes Ereignis \u2013 aber \u00dcbergangsregelung setzt zeitliche Grenzen Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 16.10.2025 (Az. III R 18\/23) entschieden, dass die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe zwar ein r\u00fcckwirkendes Ereignis darstellt, das grunds\u00e4tzlich zur \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Steuerbescheide berechtigt. 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