{"id":79111,"date":"2026-02-06T12:12:57","date_gmt":"2026-02-06T10:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79111"},"modified":"2026-02-06T12:12:57","modified_gmt":"2026-02-06T10:12:57","slug":"bfh-erstattungszinsen-zur-gewerbesteuer-sind-steuerpflichtige-betriebseinnahmen-urteil-vom-26-09-2025-iv-r-16-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-erstattungszinsen-zur-gewerbesteuer-sind-steuerpflichtige-betriebseinnahmen-urteil-vom-26-09-2025-iv-r-16-23\/","title":{"rendered":"BFH: Erstattungszinsen zur Gewerbesteuer sind steuerpflichtige Betriebseinnahmen (Urteil vom 26.09.2025 \u2013 IV R 16\/23)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom <strong>26.09.2025 \u2013 IV R 16\/23<\/strong> entschieden, dass <strong>Erstattungszinsen nach \u00a7 233a AO<\/strong>, die auf eine <strong>Gewerbesteuer-Erstattung<\/strong> entfallen, <strong>bei der Gewinnermittlung als Betriebseinnahmen zu erfassen<\/strong> sind. Zudem sieht der BFH <strong>keinen Versto\u00df gegen Art. 3 Abs. 1 GG<\/strong>, obwohl <strong>Nachzahlungszinsen<\/strong> steuerlich <strong>nicht abziehbar<\/strong> sind, <strong>Erstattungszinsen<\/strong> aber <strong>zu versteuern<\/strong> sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1) Ausgangsproblem: \u201eAsymmetrie\u201c bei Zinsen zur Gewerbesteuer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele F\u00e4lle entstehen so:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Gewerbesteuer ist nach <strong>\u00a7 4 Abs. 5b EStG<\/strong> <strong>keine Betriebsausgabe<\/strong>.<\/li><li>Entsprechend sind <strong>Nachzahlungszinsen<\/strong> zur Gewerbesteuer (Nebenleistungen) ebenfalls <strong>nicht abziehbar<\/strong> (Praxis: h\u00e4ufig \u201efrustrierend\u201c).<\/li><li>Die Frage war: Muss dann spiegelbildlich auch gelten, dass <strong>Erstattungszinsen<\/strong> zur Gewerbesteuer <strong>nicht<\/strong> steuerbar bzw. nicht gewinnerh\u00f6hend sind?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Antwort des BFH:<\/strong> Nein. Erstattungszinsen sind <strong>steuerpflichtig<\/strong> und als <strong>Betriebseinnahme<\/strong> zu erfassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2) Leits\u00e4tze des BFH (Kernaussagen)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH formuliert zwei tragende Punkte:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Erstattungszinsen f\u00fcr Gewerbesteuer (\u00a7 233a AO) sind Betriebseinnahmen.<\/strong><\/li><li>Die unterschiedliche Behandlung \u2013 <strong>Nachzahlungszinsen nicht abziehbar<\/strong>, <strong>Erstattungszinsen steuerpflichtig<\/strong> \u2013 <strong>verst\u00f6\u00dft nicht<\/strong> gegen den <strong>Gleichheitssatz<\/strong> (Art. 3 Abs. 1 GG).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3) Was war der Streitfall?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im entschiedenen Fall ging es um eine <strong>GbR<\/strong>, die ihren Gewinn durch <strong>Betriebsverm\u00f6gensvergleich<\/strong> ermittelte und <strong>Erstattungszinsen zur Gewerbesteuer<\/strong> zwar handels-\/bilanziell als Ertrag erfasste, diese aber <strong>au\u00dferbilanziell wieder abzog<\/strong> \u2013 mit der Argumentation, \u00a7 4 Abs. 5b EStG ordne Gewerbesteuer (und Nebenleistungen) dem \u201enichtsteuerbaren Bereich\u201c zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt (gest\u00fctzt u. a. auf eine Au\u00dfenpr\u00fcfung) korrigierte dies und behandelte die Zinsen als <strong>steuerpflichtige Betriebseinnahmen<\/strong>; FG D\u00fcsseldorf gab dem Finanzamt Recht. Der BFH hat diese Sicht best\u00e4tigt und die Revision zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4) Begr\u00fcndungslogik in der Praxis (vereinfacht)<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">a) \u00a7 4 Abs. 5b EStG ist <strong>kein \u201eNichtsteuerbarkeits\u201c-Tatbestand<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt klar, dass \u00a7 4 Abs. 5b EStG (Gewerbesteuer \u201ekeine Betriebsausgabe\u201c) <strong>nicht automatisch<\/strong> dazu f\u00fchrt, dass <strong>Erstattungen oder Erstattungszinsen<\/strong> \u201eaus dem steuerlichen Bereich herausfallen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">b) Erstattungszinsen sind betrieblich veranlasst<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstattungszinsen nach \u00a7 233a AO kn\u00fcpfen an Steuerzahlungen an, die im betrieblichen Kontext entstehen (bei Gewerbetreibenden: objektsteuerliche Ankn\u00fcpfung). Daher wirken sie sich im betrieblichen Bereich <strong>gewinnerh\u00f6hend<\/strong> aus. Das entsprach bereits der Linie der Vorinstanz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">c) Keine verfassungsrechtliche \u201eSymmetrie-Pflicht\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die h\u00e4ufig vorgetragene \u201eGerechtigkeitsintuition\u201c (\u201ewenn Nachzahlungszinsen nicht abziehbar sind, d\u00fcrfen Erstattungszinsen nicht steuerpflichtig sein\u201c) teilt der BFH nicht: Die Rechtslage sei vom Gesetzgeber so angelegt; ein Versto\u00df gegen Art. 3 Abs. 1 GG liegt nach Auffassung des BFH nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5) Konsequenzen f\u00fcr die Beratung und die Gewinnermittlung<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr Bilanzierer (\u00a7 4 Abs. 1, \u00a7 5 EStG)<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Erstattungszinsen sind <strong>als sonstiger betrieblicher Ertrag<\/strong> zu erfassen.<\/li><li><strong>Kein au\u00dferbilanzieller Abzug<\/strong> (genau das war der Streitpunkt).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr E\u00dcR (\u00a7 4 Abs. 3 EStG)<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Zufluss der Erstattungszinsen ist <strong>Betriebseinnahme<\/strong> im Zuflussjahr (klassische Behandlung nach dem Zuflussprinzip).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Au\u00dfenpr\u00fcfung \/ Verfahrensrisiko<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>F\u00e4lle mit \u201eau\u00dferbilanzieller Korrektur\u201c der Zinsertr\u00e4ge sind ein <strong>klassischer BP-Ansatzpunkt<\/strong> (im BFH-Fall ausdr\u00fccklich \u00fcber Au\u00dfenpr\u00fcfungen aufgerollt).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6) Kurzes Zahlenbeispiel<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Gewerbesteuererstattung: 20.000 \u20ac (selbst: steuerlich nicht als Betriebseinnahme aus Gewerbebetrieb? \u2013 je nach Systematik; hier geht es um die <strong>Zinsen<\/strong>)<\/li><li>Erstattungszinsen nach \u00a7 233a AO: 1.200 \u20ac<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Folge nach BFH:<\/strong><br \/>Die <strong>1.200 \u20ac<\/strong> sind <strong>steuerpflichtige Betriebseinnahmen<\/strong> und erh\u00f6hen den Gewinn.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7) Praxistipp: So pr\u00fcfen Sie schnell, ob Handlungsbedarf besteht<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Zinsbescheide<\/strong> nach \u00a7 233a AO (Gewerbesteuer) im Jahrseingang identifizieren.<\/li><li>In der FiBu\/Jahresabschlussabstimmung pr\u00fcfen, ob Zinsen ggf. \u201eneutralisiert\u201c wurden (z. B. \u00fcber au\u00dferbilanzielle K\u00fcrzung).<\/li><li>Bei strittigen Altf\u00e4llen: Verfahrensstand pr\u00fcfen (Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung, Einspruch offen, BP-Anpassung etc.).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit <strong>IV R 16\/23<\/strong> schafft der BFH klare Leitplanken:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Erstattungszinsen zur Gewerbesteuer sind steuerpflichtige Betriebseinnahmen<\/strong>.<\/li><li>Die <strong>Asymmetrie<\/strong> zu nicht abziehbaren Nachzahlungszinsen ist <strong>verfassungsrechtlich hinnehmbar<\/strong>.<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 26.09.2025 \u2013 IV R 16\/23 entschieden, dass Erstattungszinsen nach \u00a7 233a AO, die auf eine Gewerbesteuer-Erstattung entfallen, bei der Gewinnermittlung als Betriebseinnahmen zu erfassen sind. 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