{"id":79117,"date":"2026-02-06T12:50:43","date_gmt":"2026-02-06T10:50:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79117"},"modified":"2026-02-06T12:50:43","modified_gmt":"2026-02-06T10:50:43","slug":"bfh-zur-grundsteuer-bodenrichtwert-bei-entwicklungszustand-land-und-forstwirtschaft-ii-b-50-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-grundsteuer-bodenrichtwert-bei-entwicklungszustand-land-und-forstwirtschaft-ii-b-50-25\/","title":{"rendered":"BFH zur Grundsteuer: Bodenrichtwert bei Entwicklungszustand \u201eLand- und Forstwirtschaft\u201c (II B 50\/25)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Beschluss vom <strong>20.01.2026 \u2013 II B 50\/25<\/strong> hat der Bundesfinanzhof wichtige Leitplanken f\u00fcr die <strong>Bodenrichtwert-Anwendung im Bundesmodell der Grundsteuer<\/strong> gesetzt \u2013 insbesondere f\u00fcr F\u00e4lle, in denen Gutachteraussch\u00fcsse <strong>\u00fcberlagernde Bodenrichtwertzonen<\/strong> ausweisen (z. B. \u201eLand- und Forstwirtschaft\u201c <strong>und<\/strong> \u201ebaureifes Land\u201c) und die Finanzverwaltung bzw. Steuerpflichtige \u00fcber den <strong>richtigen Entwicklungszustand<\/strong> streiten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1) Kernaussage Nr. 1: Unterschiedliche Entwicklungszust\u00e4nde sind nur relevant, wenn <strong>kein g\u00fcltiger Bodenrichtwert<\/strong> existiert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Unterschiede<\/strong> zwischen dem <strong>Entwicklungszustand des Bodenrichtwertgrundst\u00fccks<\/strong> und dem <strong>zu bewertenden Grundst\u00fcck<\/strong> (\u00a7 247 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BewG) d\u00fcrfen <strong>nur dann<\/strong> ber\u00fccksichtigt werden, wenn <strong>kein g\u00fcltiger Bodenrichtwert<\/strong> nach \u00a7 247 Abs. 1 Satz 1 BewG vorliegt.<\/li><li><strong>Gibt es einen Bodenrichtwert f\u00fcr den relevanten Entwicklungszustand<\/strong>, ist <strong>dieser<\/strong> ma\u00dfgeblich \u2013 eine \u201eKorrektur\u201c wegen abweichender Merkmale l\u00e4uft dann grunds\u00e4tzlich nicht \u00fcber Nr. 1.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beratungskonsequenz:<\/strong> In der Praxis scheitern viele Einwendungen daran, dass zwar argumentiert wird \u201emein Grundst\u00fcck ist doch nicht landwirtschaftlich\u201c, aber <strong>f\u00fcr genau diesen Entwicklungszustand<\/strong> ein <strong>g\u00fcltiger Bodenrichtwert<\/strong> existiert. Dann ist die Stellschraube eher die <strong>richtige Zuordnung<\/strong> (Zone\/\u00dcberlagerung\/Nutzungsart) \u2013 nicht eine \u201eAnpassung\u201c nach Bauchgef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2) Kernaussage Nr. 2: \u201eLand- und Forstwirtschaft\u201c kn\u00fcpft an <strong>Nutzbarkeit<\/strong>, nicht an <strong>tats\u00e4chliche Nutzung<\/strong> an<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders praxisrelevant ist die zweite Leitsatzlinie:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Bei der Festlegung eines Bodenrichtwerts f\u00fcr den Entwicklungszustand <strong>\u201eLand- und Forstwirtschaft\u201c<\/strong> in <strong>deckungsgleich \u00fcberlagernden Bodenrichtwertzonen<\/strong> ist die (Grund-)Definition der <strong>ImmoWertV<\/strong> zu beachten:<br \/>\u201eFl\u00e4chen der Land- oder Forstwirtschaft\u201c sind Fl\u00e4chen, die <strong>ohne<\/strong> Bauerwartungsland, Rohbauland oder baureifes Land zu sein, <strong>land- oder forstwirtschaftlich nutzbar<\/strong> sind.<\/li><li>Es kommt <strong>nicht<\/strong> darauf an, ob das Grundst\u00fcck <strong>tats\u00e4chlich<\/strong> land- oder forstwirtschaftlich genutzt wird \u2013 entscheidend ist die <strong>Nutzungsm\u00f6glichkeit<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Typischer Anwendungsfall:<\/strong><br \/>Ein Grundst\u00fcck wird faktisch \u201eungenutzt\u201c, als Wiese\/Garten genutzt oder ist \u201eim Au\u00dfenbereich\u201c gelegen \u2013 aber <strong>planungsrechtlich<\/strong> und vom Markt her (noch) <strong>nicht<\/strong> Bauerwartungsland\/Rohbauland\/baureifes Land. Dann kann der L+F-Entwicklungszustand f\u00fcr die Bodenrichtwertbildung relevant sein, auch wenn niemand Landwirtschaft betreibt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3) Kernaussage Nr. 3: \u00a7 232 BewG hilft hier regelm\u00e4\u00dfig nicht weiter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH grenzt ausdr\u00fccklich ab:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>\u00a7 232 Abs. 1 BewG<\/strong> definiert \u201eLand- und Forstwirtschaft\u201c f\u00fcr die <strong>Bewertung des land- und forstwirtschaftlichen Verm\u00f6gens<\/strong>.<\/li><li>Diese Definition betrifft <strong>nicht<\/strong> den <strong>Entwicklungszustand<\/strong> nach \u00a7 247 BewG f\u00fcr die <strong>Bewertung unbebauter Grundst\u00fccke<\/strong> im Grundverm\u00f6gen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum wichtig?<\/strong><br \/>In der Argumentation wird h\u00e4ufig versucht, \u00fcber \u00a7 232 BewG (\u201edauerhaft der Land- und Forstwirtschaft zu dienen bestimmt\u201c) eine strengere Tatsachenpr\u00fcfung zu erzwingen. Der BFH macht deutlich: F\u00fcr den <strong>Entwicklungszustand<\/strong> z\u00e4hlt die <strong>ImmoWertV-Systematik<\/strong> (Nutzbarkeit), nicht die \u00a7-232-Begriffspr\u00e4gung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4) \u00dcberlagernde Bodenrichtwertzonen: Auswahlregeln und Pr\u00fcfprogramm<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH kn\u00fcpft an die Systematik des \u00a7 247 BewG an: Wenn ein Grundst\u00fcck in einer Bodenrichtwertzone liegt, f\u00fcr die <strong>verschiedene Bodenrichtwerte<\/strong> ausgewiesen sind (\u00dcberlagerung), kommt es auf die <strong>Zuordnungsregeln<\/strong> und die <strong>Abgrenzungsvorgaben<\/strong> der ImmoWertV an. Der BFH verweist insoweit u. a. auf Anforderungen, dass die Zuordnung grunds\u00e4tzlich <strong>eindeutig<\/strong> bleiben muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praktischer Pr\u00fcfpfad f\u00fcr Einspruch\/\u00dcberpr\u00fcfung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Liegt eine \u00dcberlagerung vor?<\/strong> (mehrere BRW f\u00fcr denselben r\u00e4umlichen Bereich)<\/li><li><strong>Welche Merkmale steuern die Auswahl?<\/strong> (Entwicklungszustand \/ Nutzungsart) \u2013 vgl. Verwaltungsauffassung in den Grundsteuer-Hinweisen.<\/li><li><strong>Ist der gew\u00e4hlte Bodenrichtwert \u201ef\u00fcr den relevanten Entwicklungszustand\u201c tats\u00e4chlich ausgewiesen?<\/strong><\/li><li><strong>Ist die \u00dcberlagerung methodisch zul\u00e4ssig ausgestaltet?<\/strong> (Zuordnung muss grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich bleiben)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5) Bedeutung f\u00fcr die Grundsteuer-Praxis 2025\/2026: Wo die Entscheidung \u201ezieht\u201c<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">A) Au\u00dfenbereichsgrundst\u00fccke \/ \u00dcbergangslagen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei Grundst\u00fccken, die <strong>noch nicht<\/strong> Bauland sind, aber \u201enach Lage und Umfeld\u201c schon Begehrlichkeiten wecken, ist die Abgrenzung <strong>L+F vs. Bauerwartungsland vs. Rohbauland vs. baureifes Land<\/strong> der zentrale Hebel. Der BFH st\u00e4rkt hier die <strong>typisierende Bodenrichtwertlogik<\/strong> und d\u00e4mpft \u201eEinzelfall-Anpassungen\u201c \u00fcber \u00a7 247 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 BewG, wenn ein passender Bodenrichtwert existiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">B) Argument \u201eIch nutze das nicht landwirtschaftlich\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach II B 50\/25 ist dieses Argument allein regelm\u00e4\u00dfig <strong>nicht tragf\u00e4hig<\/strong>, wenn die Fl\u00e4che <strong>land-\/forstwirtschaftlich nutzbar<\/strong> ist und der Gutachterausschuss daf\u00fcr einen Bodenrichtwert ausgewiesen hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">C) Verweis auf \u00a7 232 BewG<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Entwicklungszustand bei \u00a7 247 BewG ist \u00a7 232 BewG nach BFH <strong>nicht<\/strong> der richtige Ma\u00dfstab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6) Praxistipps f\u00fcr Einspruch und Beratung<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Bodenrichtwert-Nachweis sichern:<\/strong> Auszug aus BORIS\/BRW-Karte mit Entwicklungszustand\/Nutzungsart und Datum (Stichtag).<\/li><li><strong>Planungsrechtliche Einordnung dokumentieren:<\/strong> Bauleitplanung, Au\u00dfenbereich, Erschlie\u00dfung, konkrete Bebaubarkeit \u2013 das ist oft entscheidend f\u00fcr die Einordnung als Bauerwartungsland\/Rohbauland\/baureifes Land.<\/li><li><strong>\u00dcberlagerung gezielt angreifen (wenn m\u00f6glich):<\/strong> Nicht \u201eich bin aber keine Landwirtschaft\u201c, sondern: <em>Ist die \u00dcberlagerung sachgerecht und ist die Zuordnung nach den Regeln der ImmoWertV \u00fcberhaupt belastbar?<\/em><\/li><li><strong>Realit\u00e4tscheck zur Nutzbarkeit:<\/strong> Auch ohne tats\u00e4chliche Nutzung kann Nutzbarkeit vorliegen \u2013 aber wenn objektiv <strong>keine<\/strong> land-\/forstwirtschaftliche Nutzbarkeit besteht (z. B. faktische\/\u00f6ffentlich-rechtliche Hindernisse), muss das sauber belegt werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH (II B 50\/25) bringt f\u00fcr die Grundsteuerbewertung mehr Klarheit:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Existiert ein Bodenrichtwert f\u00fcr den relevanten Entwicklungszustand<\/strong>, ist <strong>dieser<\/strong> anzusetzen; Abweichungen der Entwicklungszust\u00e4nde spielen nur eine Rolle, wenn <strong>kein<\/strong> g\u00fcltiger Bodenrichtwert vorhanden ist.<\/li><li>\u201eLand- und Forstwirtschaft\u201c im Sinne des Entwicklungszustands kn\u00fcpft an <strong>Nutzbarkeit<\/strong>, nicht an <strong>tats\u00e4chliche Nutzung<\/strong> an.<\/li><li>\u00a7 232 BewG ist <strong>kein<\/strong> geeigneter Ma\u00dfstab f\u00fcr den Entwicklungszustand bei der Bewertung unbebauter Grundst\u00fccke nach \u00a7 247 BewG.<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Beschluss vom 20.01.2026 \u2013 II B 50\/25 hat der Bundesfinanzhof wichtige Leitplanken f\u00fcr die Bodenrichtwert-Anwendung im Bundesmodell der Grundsteuer gesetzt \u2013 insbesondere f\u00fcr F\u00e4lle, in denen Gutachteraussch\u00fcsse \u00fcberlagernde Bodenrichtwertzonen ausweisen (z. 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