{"id":79144,"date":"2026-02-19T12:59:21","date_gmt":"2026-02-19T10:59:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79144"},"modified":"2026-02-19T12:59:21","modified_gmt":"2026-02-19T10:59:21","slug":"bfh-steuerliche-anerkennung-von-arbeitnehmerfinanzierten-pensionszusagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-steuerliche-anerkennung-von-arbeitnehmerfinanzierten-pensionszusagen\/","title":{"rendered":"BFH: Steuerliche Anerkennung von arbeitnehmerfinanzierten Pensionszusagen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH-Urteil vom 19.11.2025 \u2013 I R 50\/22 | Pressemitteilung Nr. 9\/26 vom 19.02.2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit seinem Urteil vom 19. November 2025 (Az.: I R 50\/22) wichtige Klarstellungen zur steuerlichen Behandlung von arbeitnehmerfinanzierten Pensionszusagen f\u00fcr angestellte Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer GmbH getroffen. Das Urteil erleichtert die steuerliche Anerkennung in wesentlichen Punkten \u2013 setzt aber zugleich klare Grenzen, deren Beachtung in der Praxis unerl\u00e4sslich ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Sachverhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Geklagt hatte eine Unternehmergesellschaft (UG, eine Sonderform der GmbH), die ihrem alleinigen Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer \u2013 einem Arzt \u2013 eine Pensionszusage in Form einer Direktzusage erteilt hatte. Die Versorgungsbeitr\u00e4ge leistete ausschlie\u00dflich der Arzt durch monatliche Gehaltsumwandlung. Die Gesellschaft bildete in den Streitjahren 2012 bis 2017 entsprechende Pensionsr\u00fcckstellungen, die den steuerlichen Gewinn minderten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt versagte die Anerkennung der R\u00fcckstellungen mit der Begr\u00fcndung, die Pensionszusage sei dem Arzt erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres erteilt worden \u2013 er habe die Pension daher nicht mehr \u201eerdienen&#8220; k\u00f6nnen. Die Zuf\u00fchrungen zu den Pensionsr\u00fcckstellungen wurden als verdeckte Gewinnaussch\u00fcttungen (vGA) behandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Der BFH hob das FG-Urteil jedoch auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Kernaussagen des BFH<\/h2>\n\n\n\n<h3>Erleichterungen bei rein arbeitnehmerfinanzierter Zusage<\/h3>\n\n\n\n<p>Wird die Pensionszusage ausschlie\u00dflich durch Umwandlung eines Teils des angemessenen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrergehalts finanziert (Entgeltumwandlung), und entstehen f\u00fcr das Unternehmen keine signifikanten Risiko- oder Kostensteigerungen, so gelten folgende Erleichterungen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Keine Probezeit erforderlich:<\/strong> Eine Probezeit muss nicht eingehalten werden.<\/li><li><strong>Kein Mindestabstand zur Gr\u00fcndung:<\/strong> Die Zusage kann auch unmittelbar oder kurz nach Neugr\u00fcndung der Gesellschaft erteilt werden.<\/li><li><strong>Keine altersabh\u00e4ngige Erdienbarkeit:<\/strong> Das Alter des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers ist irrelevant. Dies hatte der BFH bereits im Urteil vom 07.03.2018 (I R 89\/15) entschieden; die neue Entscheidung best\u00e4tigt und konkretisiert diese Linie.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3>Ma\u00dfgebliche Voraussetzungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die genannten Erleichterungen gelten jedoch nur, wenn f\u00fcr den Arbeitgeber (die Gesellschaft) kein signifikantes Risiko besteht, die k\u00fcnftigen Versorgungsleistungen mitfinanzieren zu m\u00fcssen. Dieses Risiko kann z. B. entstehen durch:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Vereinbarung einer Garantieverzinsung, die \u00fcber dem risikoarmen Marktzins liegt, oder<\/li><li>sonstige Konstruktionen, die eine faktische Mitfinanzierung durch die Gesellschaft begr\u00fcnden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr die Zur\u00fcckverweisung<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH sah den Sachverhalt noch nicht als abschlie\u00dfend aufgekl\u00e4rt an und verwies die Sache aus folgenden Gr\u00fcnden zur\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Fehlende Insolvenzabsicherung:<\/strong> Eine auf Entgeltumwandlung beruhende Direktzusage zugunsten eines Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers ist grunds\u00e4tzlich nicht ernstlich vereinbart und damit steuerlich nicht anzuerkennen, wenn die k\u00fcnftigen Versorgungsanspr\u00fcche nicht insolvenzgesichert sind.<\/li><li><strong>Pr\u00fcfung der wirtschaftlichen Finanzierungsstruktur:<\/strong> Da die Pensionszusage zeitlich nahe an der erstmaligen Gehaltsgew\u00e4hrung lag, ist zu pr\u00fcfen, ob bei wirtschaftlicher Betrachtung \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung der angemessenen Gesamtausstattung \u2013 tats\u00e4chlich eine rein arbeitnehmerfinanzierte Zusage vorliegt oder ob faktisch eine (Mit-)Finanzierung durch den Arbeitgeber gegeben ist.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Praxishinweise<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Beratungsmandate ergeben sich folgende konkrete Handlungsempfehlungen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Insolvenzabsicherung sicherstellen:<\/strong> Bei Direktzusagen auf Basis von Entgeltumwandlung muss eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Insolvenzsicherung (z. B. \u00fcber den PSVaG oder entsprechende R\u00fcckdeckungsversicherungen mit Verpf\u00e4ndung) vereinbart und nachgewiesen sein.<\/li><li><strong>Gesamtausstattung im Blick behalten:<\/strong> Insbesondere wenn Pensionszusage und erstmalige Gehaltsgew\u00e4hrung zeitlich zusammenfallen, ist eine Dokumentation erforderlich, die belegt, dass die Zusage tats\u00e4chlich durch Gehaltsumwandlung und nicht (teilweise) durch Arbeitgeberbeitr\u00e4ge finanziert wird.<\/li><li><strong>Garantiezinsvereinbarungen pr\u00fcfen:<\/strong> \u00dcbernimmt die Gesellschaft eine Zinsgarantie oberhalb des risikoarmen Marktzinses, entsteht ein signifikantes Finanzierungsrisiko \u2013 mit der Folge, dass die Erleichterungen nicht greifen und die Zusage als vGA behandelt werden kann.<\/li><li><strong>Bestehende Zusagen \u00fcberpr\u00fcfen:<\/strong> Bei bereits erteilten arbeitnehmerfinanzierten Pensionszusagen sollte gepr\u00fcft werden, ob die vom BFH aufgestellten Anforderungen erf\u00fcllt sind \u2013 insbesondere zur Insolvenzabsicherung und zur Finanzierungsstruktur.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Weitere BFH-Urteile zur Pensionszusage (19.11.2025)<\/h2>\n\n\n\n<p>Zeitgleich wurden zwei weitere Urteile des BFH zur steuerlichen Anerkennung von Betriebsausgaben im Zusammenhang mit Pensionszusagen ver\u00f6ffentlicht: BFH, Urteil vom 19.11.2025 \u2013 I R 48\/22 (NV) sowie BFH, Urteil vom 19.11.2025 \u2013 I R 4\/23 (V). Mit dieser Urteilsserie hat der BFH dem f\u00fcr die Unternehmenspraxis bedeutsamen Themenkreis der Pensionszusagen weitere Konturen verliehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Bundesfinanzhof, Pressemitteilung Nr. 9\/26 vom 19.02.2026 zum Urteil I R 50\/22 vom 19.11.2025. Volltext: LEXinform-Dokument Nr. 0954511 (in K\u00fcrze verf\u00fcgbar). Weitere relevante Rechtsprechung: BFH, Urteil vom 07.03.2018 \u2013 I R 89\/15.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil vom 19.11.2025 \u2013 I R 50\/22 | Pressemitteilung Nr. 9\/26 vom 19.02.2026 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit seinem Urteil vom 19. November 2025 (Az.: I R 50\/22) wichtige Klarstellungen zur steuerlichen Behandlung von arbeitnehmerfinanzierten Pensionszusagen f\u00fcr angestellte Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer GmbH getroffen. 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