{"id":79148,"date":"2026-02-19T13:02:39","date_gmt":"2026-02-19T11:02:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79148"},"modified":"2026-02-19T13:02:39","modified_gmt":"2026-02-19T11:02:39","slug":"pensionszusagen-an-gesellschafter-wie-hoch-darf-der-zinssatz-bei-entgeltumwandlung-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/pensionszusagen-an-gesellschafter-wie-hoch-darf-der-zinssatz-bei-entgeltumwandlung-sein\/","title":{"rendered":"Pensionszusagen an Gesellschafter: Wie hoch darf der Zinssatz bei Entgeltumwandlung sein?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Urteil vom 17.12.2025 \u2013 I R 4\/23 | Pressemitteilung Nr. 8\/26 vom 19.02.2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 17. Dezember 2025 (Az.: I R 4\/23) eine praxisrelevante Frage zur steuerlichen Anerkennung von Pensionszusagen an Gesellschafter-Arbeitnehmer entschieden: Ein Zinssatz von 6 % p. a. bei entgeltumwandlungsfinanzierten Versorgungszusagen f\u00fchrt nicht automatisch zu einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung \u2013 ma\u00dfgeblich ist die Angemessenheit der Gesamtausstattung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Sachverhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwei bei einer GmbH angestellte Gesellschafter verzichteten zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung auf Teile ihres Arbeitslohns (Urlaubs- und Weihnachtsgeld). Die GmbH verpflichtete sich, den so aufgebauten Kapitalstock mit <strong>6 % p. a.<\/strong> zu verzinsen. Ein gesellschaftsfremder Arbeitnehmer erhielt f\u00fcr seine arbeitgeberfinanzierte Pensionszusage lediglich <strong>3 % p. a.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt wertete die Differenz \u2013 also die Verzinsung oberhalb von 3 % \u2013 als \u00fcberh\u00f6ht und behandelte die darauf entfallenden R\u00fcckstellungen als verdeckte Gewinnaussch\u00fcttungen (vGA).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Entscheidung des BFH<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH folgte dem Finanzamt nicht. Er entwickelte dabei eine differenzierte Argumentation in zwei Schritten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schritt 1 \u2013 Einordnung als \u201emischfinanzierte&#8220; Zusage:<\/strong> Der BFH best\u00e4tigt, dass eine auf Entgeltumwandlung beruhende Pensionszusage, bei der der Kapitalstock mit einem den risikoarmen Marktzins \u00fcbersteigenden Satz verzinst wird, nicht mehr als ausschlie\u00dflich arbeitnehmerfinanziert gilt. Der Arbeitgeber tr\u00e4gt in diesem Fall wirtschaftlich ein Zins\u00e4nderungsrisiko \u2013 die Zusage wird damit zur sogenannten \u201emischfinanzierten&#8220; Versorgungszusage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schritt 2 \u2013 Anerkennung bei angemessener Gesamtausstattung:<\/strong> Auch mischfinanzierte Versorgungszusagen sind nach Auffassung des BFH grunds\u00e4tzlich steuerlich anzuerkennen, sofern die <strong>Gesamtausstattung<\/strong> der beg\u00fcnstigten Arbeitnehmer angemessen ist. Zur Gesamtausstattung z\u00e4hlen insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>der monatliche Arbeitslohn,<\/li><li>die Rentenanwartschaften aus der Pensionszusage,<\/li><li>sonstige arbeitgeberseitige Zuwendungen (z. B. die \u00dcberlassung eines Dienstwagens zur privaten Nutzung).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Da das vorinstanzliche Finanzgericht die Angemessenheit der Gesamtausstattung nicht hinreichend gepr\u00fcft hatte, verwies der BFH die Sache zur erneuten Verhandlung zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Praxishinweise<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>Kein starres Zinslimit:<\/strong> Ein Zinssatz von 6 % p. a. bei entgeltumwandlungsfinanzierten Pensionszusagen ist nicht per se als vGA zu qualifizieren. Entscheidend ist, ob die Gesamtausstattung des Beg\u00fcnstigten \u2013 unter Einschluss der Versorgungsanwartschaft \u2013 insgesamt angemessen ist.<\/li><li><strong>Gesamtausstattungsanalyse zwingend erforderlich:<\/strong> Bei der Gestaltung und Pr\u00fcfung solcher Zusagen muss die vollst\u00e4ndige Verg\u00fctungsstruktur des Beg\u00fcnstigten dokumentiert und auf ihre Fremd\u00fcblichkeit hin analysiert werden. Eine isolierte Betrachtung des Zinssatzes reicht nicht aus.<\/li><li><strong>\u00dcberschreitung des risikoarmen Marktzinses hat Konsequenzen:<\/strong> Sobald der vereinbarte Zinssatz den risikoarmen Marktzins \u00fcbersteigt, wechselt die Zusage von der rein arbeitnehmerfinanzierten in die mischfinanzierte Kategorie. Die damit verbundenen Erleichterungen (keine Probezeit, keine Erdienbarkeit, kein Gr\u00fcndungsabstand \u2013 vgl. BFH I R 50\/22) gelten dann nicht mehr ohne Weiteres.<\/li><li><strong>Vergleich mit gesellschaftsfremden Arbeitnehmern:<\/strong> Der Vergleich mit der Verzinsung f\u00fcr gesellschaftsfremde Arbeitnehmer (hier: 3 %) ist zwar ein Indiz, aber kein allein ausschlaggebendes Kriterium f\u00fcr die Beurteilung der Angemessenheit.<\/li><li><strong>Dokumentation:<\/strong> F\u00fcr die steuerliche Anerkennung empfiehlt sich eine zeitnahe und vollst\u00e4ndige Dokumentation der Gesamtausstattung, die alle Verg\u00fctungsbestandteile einschlie\u00dflich Sachleistungen erfasst.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Einordnung in die BFH-Urteilsserie vom 19.02.2026<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Urteil ist Teil einer Urteilsserie, mit der der BFH dem Themenkreis der Pensionszusagen weitere Konturen verliehen hat. Zeitgleich ver\u00f6ffentlicht wurden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>BFH, Urteil vom 19.11.2025 \u2013 I R 50\/22 (V):<\/strong> Grundsatzentscheidung zur steuerlichen Anerkennung arbeitnehmerfinanzierter Pensionszusagen; Erleichterungen bei Probezeit, Gr\u00fcndungsabstand und Erdienbarkeit, aber Insolvenzabsicherungspflicht.<\/li><li><strong>BFH, Urteil vom 19.11.2025 \u2013 I R 48\/22 (NV):<\/strong> Weitere Entscheidung zu Betriebsausgaben im Zusammenhang mit Pensionszusagen (nicht zur Ver\u00f6ffentlichung bestimmt).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die drei Urteile sind in ihrer Gesamtschau zu lesen und bilden den aktuellen Rahmen f\u00fcr die steuerliche Gestaltung und Pr\u00fcfung von Pensionszusagen an Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Bundesfinanzhof, Pressemitteilung Nr. 8\/26 vom 19.02.2026 zum Urteil I R 4\/23 vom 17.12.2025. Volltext: LEXinform-Dokument Nr. 0954564 (in K\u00fcrze verf\u00fcgbar).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 17.12.2025 \u2013 I R 4\/23 | Pressemitteilung Nr. 8\/26 vom 19.02.2026 Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 17. 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