{"id":79152,"date":"2026-02-19T13:07:29","date_gmt":"2026-02-19T11:07:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79152"},"modified":"2026-02-19T13:07:29","modified_gmt":"2026-02-19T11:07:29","slug":"eu-steuerregeln-zeigen-wirkung-sind-aber-hochkomplex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/eu-steuerregeln-zeigen-wirkung-sind-aber-hochkomplex\/","title":{"rendered":"EU-Steuerregeln zeigen Wirkung \u2013 sind aber hochkomplex"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>ZEW Mannheim \/ Universit\u00e4t Mannheim \/ Ernst &amp; Young, Studie ver\u00f6ffentlicht am 19.02.2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim, der Universit\u00e4t Mannheim und Ernst &amp; Young (EY) analysiert erstmals systematisch, wie die Anti-Steuervermeidungsregeln der EU in den 27 Mitgliedstaaten umgesetzt wurden \u2013 und kommt zu einem ambivalenten Befund: Die Ma\u00dfnahmen wirken, erzeugen aber erhebliche Komplexit\u00e4t und regulatorische Fragmentierung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Hintergrund und Methodik<\/h2>\n\n\n\n<p>Die EU hat in den vergangenen Jahren ihr Instrumentarium zur Bek\u00e4mpfung von Steuervermeidung deutlich ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen die <strong>Anti Tax Avoidance Directive (ATAD)<\/strong>, die <strong>EU-Blacklist<\/strong> nicht kooperativer Steuerhoheitsgebiete sowie die seit Kurzem geltende <strong>globale Mindeststeuer (Pillar Two)<\/strong>. Die Studie untersucht auf Basis einer umfassenden Befragung lokaler Steuerexpertinnen und -experten in allen 27 EU-Mitgliedstaaten, wie diese Instrumente national umgesetzt wurden und wie sie miteinander interagieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Kernbefunde<\/h2>\n\n\n\n<h3>Umsetzung der ATAD: Mindeststandards \u00fcberall \u2013 aber erhebliche Unterschiede in der Ausgestaltung<\/h3>\n\n\n\n<p>Alle EU-Mitgliedstaaten haben die ATAD-Vorgaben zwar fl\u00e4chendeckend umgesetzt. Die konkrete Ausgestaltung variiert jedoch erheblich \u2013 insbesondere bei:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>der <strong>Hinzurechnungsbesteuerung<\/strong> (Controlled Foreign Company Rules),<\/li><li>den <strong>Zinsschrankenregelungen<\/strong>,<\/li><li>sowie den jeweiligen <strong>Ausnahmen und Schwellenwerten<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Viele Mitgliedstaaten gehen dabei \u00fcber die EU-Mindestanforderungen hinaus. Das Ergebnis ist eine zunehmende <strong>regulatorische Fragmentierung<\/strong> innerhalb des EU-Binnenmarkts, die f\u00fcr international t\u00e4tige Unternehmen Rechtsunsicherheit und erheblichen administrativen Aufwand erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<h3>Wechselwirkungen mit der globalen Mindeststeuer<\/h3>\n\n\n\n<p>Die globale Mindeststeuer \u00fcberschneidet sich in vielen F\u00e4llen mit bereits bestehenden ATAD-Ma\u00dfnahmen und nationalen Anti-Steuervermeidungsregeln. Insbesondere in L\u00e4ndern mit bereits sehr umfassender Gesetzgebung kann es zu parallelen oder mehrfachen Belastungen desselben Sachverhalts kommen \u2013 ein Effekt, der weder rechtssicher noch wirtschaftlich sinnvoll ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Einsch\u00e4tzungen der Studienautoren<\/h2>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Christoph Spengel, Professor f\u00fcr Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Universit\u00e4t Mannheim, kommentiert: Viele Mitgliedstaaten gingen \u00fcber die EU-Mindestvorgaben hinaus \u2013 das k\u00f6nne Steuervermeidung zwar erschweren, f\u00fchre aber zu \u00dcberschneidungen, Doppelregulierungen und mehr B\u00fcrokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Sophia Wickel, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich \u201eUnternehmensbesteuerung und \u00d6ffentliche Finanzwirtschaft&#8220;, hebt hervor, dass die EU zwar ein dichtes Netz an Ma\u00dfnahmen gegen aggressive Steuerplanung gekn\u00fcpft habe, die Vielfalt nationaler Ausgestaltungen in der Praxis jedoch zu erheblicher Komplexit\u00e4t f\u00fchre.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Politikempfehlung der Studie<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studie gelangt zu einer klaren Handlungsempfehlung: Die EU sollte die <strong>globale Mindeststeuer wieder aufheben<\/strong> und stattdessen ihren Fokus auf eine <strong>konsolidierte Weiterentwicklung der ATAD<\/strong> sowie auf koordinierte nationale Ma\u00dfnahmen legen. Ziel sollte ein koh\u00e4renter, einheitlicher europ\u00e4ischer Steuerrahmen sein, der Steuervermeidung wirksam bek\u00e4mpft, ohne dabei durch Mehrfachregulierung neue B\u00fcrokratielasten zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Einordnung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr international t\u00e4tige Unternehmen und deren steuerliche Berater ergibt sich aus den Studienergebnissen ein konkreter Handlungsbedarf:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die <strong>l\u00e4nderspezifischen Abweichungen<\/strong> bei ATAD-Umsetzung, Hinzurechnungsbesteuerung und Zinsschranken m\u00fcssen in grenz\u00fcberschreitenden Strukturen sorgf\u00e4ltig analysiert werden \u2013 eine einheitliche Bewertung auf Basis der EU-Mindeststandards allein reicht nicht aus.<\/li><li>Die <strong>Wechselwirkungen zwischen Pillar Two und nationalen ATAD-Regelungen<\/strong> k\u00f6nnen zu unerwarteten Doppelbelastungen f\u00fchren und sind bei der Steuerplanung und im Compliance-Management zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>Die <strong>regulatorische Fragmentierung<\/strong> d\u00fcrfte mittelfristig weiter zunehmen, solange eine politische Einigung auf eine st\u00e4rkere Harmonisierung ausbleibt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: ZEW Mannheim, Pressemitteilung vom 19.02.2026. Gemeinsame Studie von ZEW Mannheim, Universit\u00e4t Mannheim und Ernst &amp; Young. Weitere Informationen auf der Homepage des ZEW.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZEW Mannheim \/ Universit\u00e4t Mannheim \/ Ernst &amp; Young, Studie ver\u00f6ffentlicht am 19.02.2026 Eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim, der Universit\u00e4t Mannheim und Ernst &amp; Young (EY) analysiert erstmals systematisch, wie die Anti-Steuervermeidungsregeln der EU in den 27 Mitgliedstaaten umgesetzt wurden \u2013 und kommt zu einem ambivalenten Befund: Die Ma\u00dfnahmen wirken, erzeugen aber erhebliche Komplexit\u00e4t &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/eu-steuerregeln-zeigen-wirkung-sind-aber-hochkomplex\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">EU-Steuerregeln zeigen Wirkung \u2013 sind aber hochkomplex<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79152"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79152"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79152\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}