{"id":79154,"date":"2026-02-19T13:09:25","date_gmt":"2026-02-19T11:09:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79154"},"modified":"2026-02-19T13:09:25","modified_gmt":"2026-02-19T11:09:25","slug":"keine-beruecksichtigung-eines-mehrvergleichs-bei-der-einigungsgebuehr-nach-nr-1003-i-v-m-nr-1002-vv-rvg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/keine-beruecksichtigung-eines-mehrvergleichs-bei-der-einigungsgebuehr-nach-nr-1003-i-v-m-nr-1002-vv-rvg\/","title":{"rendered":"Keine Ber\u00fccksichtigung eines Mehrvergleichs bei der Einigungsgeb\u00fchr nach Nr. 1003 i. V. m. Nr. 1002 VV RVG"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>FG Niedersachsen, Beschluss vom 13.01.2026 \u2013 3 V 251\/24<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht Niedersachsen hat in einem Kostenfestsetzungsverfahren klargestellt, dass ein sogenannter Mehrvergleich \u2013 also die Mitregelung von Streitgegenst\u00e4nden, die nicht Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens waren \u2013 bei der Bemessung des Gegenstandswerts f\u00fcr die anwaltliche Erledigungsgeb\u00fchr nach Nr. 1003 i. V. m. Nr. 1002 VV RVG nicht zu ber\u00fccksichtigen ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Sachverhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach einer Betriebspr\u00fcfung \u00e4nderte das Finanzamt mehrere Steuerbescheide zulasten des Steuerpflichtigen, darunter die Einkommensteuerbescheide f\u00fcr 2020 und 2021. Der Steuerpflichtige legte gegen s\u00e4mtliche \u00c4nderungsbescheide Einspruch ein und beantragte zugleich die Aussetzung der Vollziehung (AdV). Da das Finanzamt die AdV verweigerte, stellte der Antragsteller entsprechende Antr\u00e4ge nach \u00a7 69 Abs. 3 FGO beim Finanzgericht \u2013 unter anderem bez\u00fcglich der Einkommensteuerbescheide 2020 und 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines gerichtlichen Er\u00f6rterungstermins einigten sich die Beteiligten inhaltlich auf eine \u00c4nderung der im Einspruchsverfahren befindlichen Einkommensteuerbescheide. Damit erledigten sich zugleich die gerichtlich anh\u00e4ngigen AdV-Antr\u00e4ge. Die Verfahrenskosten wurden zu 2\/3 dem Finanzamt und zu 1\/3 dem Antragsteller auferlegt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Streitpunkte im Kostenfestsetzungsverfahren<\/h2>\n\n\n\n<p>Im nachfolgenden Kostenfestsetzungsverfahren wurden zwei Fragen streitig:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens<\/strong> war umstritten, ob der Prozessbevollm\u00e4chtigte eine Einigungs- oder Erledigungsgeb\u00fchr verdient hatte. Das Gericht verneinte im Erinnerungsverfahren eine Einigungsgeb\u00fchr, erkannte jedoch eine <strong>Erledigungsgeb\u00fchr nach Nr. 1003 i. V. m. Nr. 1002 VV RVG<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens<\/strong> beantragte der Prozessbevollm\u00e4chtigte die Festsetzung eines erh\u00f6hten Gegenstandswerts nach \u00a7 33 Abs. 1 RVG. Begr\u00fcndung: Im Rahmen der Einigung seien auch die noch nicht gerichtlich anh\u00e4ngigen Einspruchsverfahren mit erledigt worden, sodass deren Streitwert bei der Geb\u00fchrenbemessung zu ber\u00fccksichtigen sei (sogenannter Mehrvergleich).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Entscheidung des FG Niedersachsen<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Gericht folgte dem Antrag auf erh\u00f6hten Gegenstandswert nicht. F\u00fcr die Bemessung der anwaltlichen Erledigungsgeb\u00fchr ist ausschlie\u00dflich der Gegenstandswert der <strong>gerichtlich anh\u00e4ngigen Verfahren<\/strong> ma\u00dfgeblich. Die Mitregelung au\u00dfergerichtlich anh\u00e4ngiger Einspr\u00fcche im Rahmen der Einigung begr\u00fcndet keinen erh\u00f6hten Gegenstandswert im Sinne eines Mehrvergleichs.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Praxishinweise<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>Abgrenzung Einigungs- vs. Erledigungsgeb\u00fchr:<\/strong> Das Gericht hat die Erledigungsgeb\u00fchr nach Nr. 1003 i. V. m. Nr. 1002 VV RVG anerkannt, die Einigungsgeb\u00fchr hingegen abgelehnt. In der Praxis ist die Abgrenzung sorgf\u00e4ltig zu pr\u00fcfen: Die Einigungsgeb\u00fchr setzt einen gegenseitigen Nachlass im Sinne eines Vergleichs voraus, w\u00e4hrend die Erledigungsgeb\u00fchr auch ohne f\u00f6rmlichen Vergleich entstehen kann, wenn das Verfahren durch eine Einigung der Beteiligten beendet wird.<\/li><li><strong>Mehrvergleich im finanzgerichtlichen Verfahren:<\/strong> Anders als im Zivilprozess, wo ein Mehrvergleich nach \u00a7 36 Abs. 1 RVG ausdr\u00fccklich zu einem erh\u00f6hten Gegenstandswert f\u00fchren kann, erkennt das FG Niedersachsen eine entsprechende Erweiterung im finanzgerichtlichen Kostenfestsetzungsverfahren nicht an. Die Mitregelung au\u00dfergerichtlicher Einspr\u00fcche bleibt bei der Gegenstandswertbemessung f\u00fcr die Erledigungsgeb\u00fchr unber\u00fccksichtigt.<\/li><li><strong>Strategische \u00dcberlegung:<\/strong> Sollen im Rahmen einer gerichtlichen Einigung auch au\u00dfergerichtliche Einspruchsverfahren mitgeregelt werden, ist dies geb\u00fchrenrechtlich f\u00fcr den Prozessbevollm\u00e4chtigten nach dieser Entscheidung ohne zus\u00e4tzlichen Verg\u00fctungseffekt. Berater sollten dies bei der Mandatsf\u00fchrung und der Geb\u00fchrenvereinbarung ber\u00fccksichtigen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht, Mitteilung vom 18.02.2026 zum Beschluss 3 V 251\/24 vom 13.01.2026, Newsletter 3\/2026.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Niedersachsen, Beschluss vom 13.01.2026 \u2013 3 V 251\/24 Das Finanzgericht Niedersachsen hat in einem Kostenfestsetzungsverfahren klargestellt, dass ein sogenannter Mehrvergleich \u2013 also die Mitregelung von Streitgegenst\u00e4nden, die nicht Gegenstand des gerichtlichen Verfahrens waren \u2013 bei der Bemessung des Gegenstandswerts f\u00fcr die anwaltliche Erledigungsgeb\u00fchr nach Nr. 1003 i. V. m. 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