{"id":79212,"date":"2026-04-12T14:16:09","date_gmt":"2026-04-12T12:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79212"},"modified":"2026-04-12T14:16:09","modified_gmt":"2026-04-12T12:16:09","slug":"kein-vorsteuerabzug-ohne-echten-forderungseinzug-fg-duesseldorf-zum-begriff-des-factoring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-vorsteuerabzug-ohne-echten-forderungseinzug-fg-duesseldorf-zum-begriff-des-factoring\/","title":{"rendered":"Kein Vorsteuerabzug ohne echten Forderungseinzug \u2013 FG D\u00fcsseldorf zum Begriff des Factoring"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine Factoringleistung im umsatzsteuerlichen Sinne setzt voraus, dass der Zessionar den Zedenten tats\u00e4chlich vom Forderungseinzug entlastet. \u00dcbernimmt eine Schwestergesellschaft zwar das Ausfallrisiko, \u00fcbertr\u00e4gt den Einzug aber sogleich per Servicevertrag zur\u00fcck, liegt nach Auffassung des FG D\u00fcsseldorf kein Factoring vor \u2013 mit der Folge: Vorsteuerabzug gek\u00fcrzt, Revision zugelassen (BFH V R 47\/25).<\/p>\n\n\n\n<h2>Der Sachverhalt<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin betrieb klassisches Factoring: Sie kaufte Forderungen, \u00fcbernahm das Ausfallrisiko sowie den Einzug und erzielte daraus steuerpflichtige Factoringgeb\u00fchren. Zur Refinanzierung ver\u00e4u\u00dferte sie einen Teil der Forderungen an ihre niederl\u00e4ndische Schwestergesellschaft (B.V.) \u2013 auf Basis zweier Vertr\u00e4ge:<\/p>\n\n\n\n<p>Forderungskaufvertrag<\/p>\n\n\n\n<p>B.V. kauft Forderungen, \u00fcbernimmt Ausfallrisiko, verpflichtet sich zu Mahn- und Rechtsverfolgung<\/p>\n\n\n\n<p>\u2192<\/p>\n\n\n\n<p>Separater Servicevertrag<\/p>\n\n\n\n<p>B.V. \u00fcbertr\u00e4gt tats\u00e4chlichen Einzug, Mahnwesen und Debitorenbuchhaltung zur\u00fcck an Kl\u00e4gerin<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin behandelte die Leistungen der B.V. als steuerpflichtige Factoringleistungen und machte den vollen Vorsteuerabzug aus den Eingangsleistungen geltend.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Kernfrage<\/h2>\n\n\n\n<p>Erbringt ein Forderungserwerber eine umsatzsteuerliche Factoringleistung, wenn er das Ausfallrisiko \u00fcbernimmt, den tats\u00e4chlichen Forderungseinzug aber vertraglich auf den Zedenten zur\u00fcckdelegiert?<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf<\/h2>\n\n\n\n<p>Kein Factoring ohne tats\u00e4chliche Einziehungsleistung<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Factoringleistung setzt voraus, dass der Zessionar den Zedenten von der&nbsp;<em>tats\u00e4chlichen<\/em>&nbsp;Einziehung der Forderungen entlastet. Der blo\u00dfe Forderungserwerb unter \u00dcbernahme des Ausfallrisikos gen\u00fcgt nicht. Da die B.V. den Einzug per Servicevertrag unmittelbar an die Kl\u00e4gerin zur\u00fcck\u00fcbertragen hatte, fehlte es an dieser konstitutiven Voraussetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Steuerfreies Forderungsgesch\u00e4ft gem. \u00a7 4 Nr. 8c UStG<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht qualifizierte die Forderungsabtretungen als steuerfreie Gesch\u00e4fte mit Forderungen im Sinne des \u00a7 4 Nr. 8c UStG. Die Ums\u00e4tze w\u00e4ren im Inland steuerfrei gewesen \u2013 mit der Folge, dass der Vorsteuerabzug aus den damit zusammenh\u00e4ngenden Eingangsleistungen anteilig zu k\u00fcrzen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine nicht steuerbare Sicherheitengestellung<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin hatte hilfsweise geltend gemacht, die Forderungsabtretungen seien als nicht steuerbare Sicherheitengestellung zu werten. Dem folgte das Gericht nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a7 43 Nr. 1 UStDV nicht anwendbar<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vereinfachungsregelung des \u00a7 43 Nr. 1 UStDV, die den Vorsteuerabzug nach dem Verh\u00e4ltnis steuerpflichtiger zu steuerfreier Ums\u00e4tze erlaubt, setzt voraus, dass den abgetretenen Forderungen eigene Ums\u00e4tze des Zedenten zugrunde liegen. Da die Kl\u00e4gerin die Forderungen ihrerseits von Dritten erworben hatte, fehlte es daran.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufteilungsschl\u00fcssel sachgerecht<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt hatte die Vorsteuer nach dem Verh\u00e4ltnis der ver\u00e4u\u00dferten Forderungen zum Gesamtbestand gek\u00fcrzt. Das Gericht best\u00e4tigte diesen Schl\u00fcssel als sachgerecht. Den von der Kl\u00e4gerin begehrten Margenschl\u00fcssel lehnte es ab: Dieser sei auf ein Factoringunternehmen strukturell nicht \u00fcbertragbar.<\/p>\n\n\n\n<h2>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p>Abgrenzung: echtes Factoring vs. steuerfreies Forderungsgesch\u00e4ft<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil sch\u00e4rft die umsatzsteuerliche Trennlinie: Entscheidend ist nicht allein die Risiko\u00fcbernahme, sondern die tats\u00e4chliche operative Entlastung des Zedenten beim Einzug. Modelle, bei denen Ausfallrisiko und Einzugst\u00e4tigkeit vertraglich voneinander getrennt und auf verschiedene Einheiten aufgeteilt werden, laufen Gefahr, als steuerfreies Forderungsgesch\u00e4ft eingestuft zu werden \u2013 mit entsprechend negativen Konsequenzen f\u00fcr den Vorsteuerabzug.<\/p>\n\n\n\n<p>Gestaltungshinweis bei Refinanzierungsstrukturen<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Ausgestaltung konzerninterne Refinanzierungsstrukturen \u00fcber Forderungsverk\u00e4ufe ist besonderes Augenmerk auf die tats\u00e4chliche Lastenverteilung beim Forderungseinzug zu legen. R\u00fcckdelegationen per Servicevertrag k\u00f6nnen \u2013 wie der vorliegende Fall zeigt \u2013 die umsatzsteuerliche Qualifikation der Gesamtstruktur kippen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig. Der BFH hat die Revision unter dem Aktenzeichen V R 47\/25 angenommen \u2013 ausdr\u00fccklich zur Grundsatzfrage und zur Fortbildung des Rechtsbegriffs \u201eFactoring&#8220;. Betroffene Steuerpflichtige sollten vergleichbare Bescheide offenhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: FG D\u00fcsseldorf, Mitteilung vom 10.03.2026 zum Urteil 5 K 125\/24 U vom 27.06.2025 \u00b7 BFH-Az.: V R 47\/25 \u00b7 nicht rechtskr\u00e4ftig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Factoringleistung im umsatzsteuerlichen Sinne setzt voraus, dass der Zessionar den Zedenten tats\u00e4chlich vom Forderungseinzug entlastet. \u00dcbernimmt eine Schwestergesellschaft zwar das Ausfallrisiko, \u00fcbertr\u00e4gt den Einzug aber sogleich per Servicevertrag zur\u00fcck, liegt nach Auffassung des FG D\u00fcsseldorf kein Factoring vor \u2013 mit der Folge: Vorsteuerabzug gek\u00fcrzt, Revision zugelassen (BFH V R 47\/25). 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