{"id":79292,"date":"2026-04-12T17:52:17","date_gmt":"2026-04-12T15:52:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79292"},"modified":"2026-04-12T17:52:17","modified_gmt":"2026-04-12T15:52:17","slug":"steuererleichterung-fuer-die-seeschifffahrt-bfh-staerkt-gewerbesteuerliche-kuerzung-bei-charterschiffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/steuererleichterung-fuer-die-seeschifffahrt-bfh-staerkt-gewerbesteuerliche-kuerzung-bei-charterschiffen\/","title":{"rendered":"Steuererleichterung f\u00fcr die Seeschifffahrt: BFH st\u00e4rkt gewerbesteuerliche K\u00fcrzung bei Charterschiffen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die deutsche Seeschifffahrt profitiert von speziellen steuerlichen Regelungen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu k\u00f6nnen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die gewerbesteuerliche K\u00fcrzung nach <strong>\u00a7 9 Nr. 3 GewStG<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Zeit war strittig, ob diese Beg\u00fcnstigung auch dann greift, wenn ein Unternehmen keine eigenen Schiffe besitzt, sondern Kapazit\u00e4ten auf fremden Schiffen anmietet. Mit seinem Urteil vom 12. Februar 2026 (Az. IV R 30\/23) hat der <strong>Bundesfinanzhof (BFH)<\/strong> nun f\u00fcr Klarheit gesorgt \u2013 und zwar zugunsten der Steuerpflichtigen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Der Kern des Streits: Eigenbesitz vs. Charter<\/h2>\n\n\n\n<p>Normalerweise sieht das Gewerbesteuergesetz vor, dass Gewinne aus dem Betrieb von Handelsschiffen im internationalen Verkehr gek\u00fcrzt werden, um die Steuerlast zu senken. Die Finanzverwaltung war bisher oft der Ansicht, dass dies nur f\u00fcr \u201eechte\u201c Reedereien gilt, die die Schiffe selbst betreiben oder per Zeitcharter kontrollieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im aktuellen Fall ging es um Ertr\u00e4ge aus:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Reisecharter:<\/strong> Anmietung eines Schiffes f\u00fcr eine bestimmte Reise.<\/li><li><strong>Slotcharter:<\/strong> Anmietung einzelner Stellpl\u00e4tze (Slots) auf einem Containerschiff.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung des BFH: Der Zweck heiligt die Mittel<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH hat entschieden, dass die K\u00fcrzungsvorschrift weit auszulegen ist.<\/p>\n\n\n\n<h3>1. Einbeziehung von Reise- und Slotcharter<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Richter stellten klar, dass \u00a7 9 Nr. 3 Satz 2 und 3 GewStG auch dann anzuwenden ist, wenn Schiffe lediglich im Wege der Reise- oder Slotcharter eingechartert werden. Entscheidend ist nicht das rechtliche Eigentum oder die umfassende Kontrolle \u00fcber das Schiff, sondern dass der Gewinn aus dem <strong>internationalen Seeschiffsverkehr<\/strong> stammt.<\/p>\n\n\n\n<h3>2. Kein Versto\u00df gegen EU-Beihilferecht<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein weiterer wichtiger Punkt des Urteils: Die Richter pr\u00fcften, ob diese steuerliche Beg\u00fcnstigung eine verbotene staatliche Beihilfe nach EU-Recht darstellt. Der BFH verneinte dies. Die Regelung ist mit dem Unionsrecht vereinbar, was f\u00fcr die Branche Planungssicherheit bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Was bedeutet das f\u00fcr Ihr Unternehmen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Urteil bietet erhebliche steuerliche Chancen f\u00fcr Unternehmen in der maritimen Logistik:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Erweiterter Anwendungsbereich:<\/strong> Nicht nur Reeder, sondern auch Befrachtungsunternehmen oder Logistiker, die Kapazit\u00e4ten im internationalen Verkehr anmieten und weitervermarkten, k\u00f6nnen die gewerbesteuerliche K\u00fcrzung pr\u00fcfen.<\/li><li><strong>Liquidit\u00e4tsvorteil:<\/strong> Durch die K\u00fcrzung des Gewerbeertrags sinkt die effektive Steuerbelastung f\u00fcr Gewinne aus dem internationalen Seeverkehr deutlich.<\/li><li><strong>R\u00fcckwirkung f\u00fcr offene F\u00e4lle:<\/strong> Da der BFH die Rechtslage klargestellt hat, k\u00f6nnen Unternehmen in allen noch offenen Steuerf\u00e4llen unter Berufung auf dieses Urteil die K\u00fcrzung geltend machen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Unser Fazit: Maritimes Steuerrecht ist Detailarbeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil des BFH ist ein wichtiges Signal zur St\u00e4rkung des Schifffahrtsstandortes Deutschland. Es zeigt jedoch auch, wie komplex die Abgrenzung zwischen beg\u00fcnstigten und nicht beg\u00fcnstigten Ertr\u00e4gen sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sind Sie im Bereich der internationalen Schifffahrt t\u00e4tig oder nutzen Sie Charterkapazit\u00e4ten f\u00fcr Ihre Transporte? Wir pr\u00fcfen f\u00fcr Sie, ob Ihre Ertr\u00e4ge unter die neue BFH-Rechtsprechung fallen und wie Sie Ihre Gewerbesteuerlast rechtssicher minimieren k\u00f6nnen. Sprechen Sie uns an!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: BFH, Urteil IV R 30\/23 vom 12.02.2026.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Seeschifffahrt profitiert von speziellen steuerlichen Regelungen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu k\u00f6nnen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die gewerbesteuerliche K\u00fcrzung nach \u00a7 9 Nr. 3 GewStG. 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