{"id":79304,"date":"2026-04-12T17:56:38","date_gmt":"2026-04-12T15:56:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79304"},"modified":"2026-04-12T17:56:38","modified_gmt":"2026-04-12T15:56:38","slug":"klagen-gegen-grundsteuerbescheide-abgewiesen-warum-sie-das-falsche-gericht-teuer-zu-stehen-kommen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/klagen-gegen-grundsteuerbescheide-abgewiesen-warum-sie-das-falsche-gericht-teuer-zu-stehen-kommen-kann\/","title":{"rendered":"Klagen gegen Grundsteuerbescheide abgewiesen: Warum Sie das \u201efalsche\u201c Gericht teuer zu stehen kommen kann"},"content":{"rendered":"\n<p>Seit 2025 gilt die neue Grundsteuer \u2013 in Hessen nach dem sogenannten Fl\u00e4chen-Faktor-Verfahren. Dass die Reform bei vielen Immobilienbesitzern auf Widerstand st\u00f6\u00dft, zeigen zahlreiche Klageverfahren. Doch ein aktuelles Urteil des <strong>Verwaltungsgerichts (VG) Wiesbaden<\/strong> vom 2. M\u00e4rz 2026 (Az. 1 K 653\/25.WI u. a.) macht deutlich: Wer an der falschen Stelle klagt, hat keine Chance.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht wies mehrere Klagen gegen kommunale Grundsteuerbescheide ab. F\u00fcr Sie als Eigent\u00fcmer steckt darin eine wichtige Lehre \u00fcber das deutsche Steuersystem.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Der Fall: Streit um die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Eigent\u00fcmer aus dem Landkreis Limburg-Weilburg und dem Rheingau-Taunus-Kreis wehrten sich gegen ihre Grundsteuerbescheide f\u00fcr das Jahr 2025. Ihr Hauptargument: Das hessische Berechnungsmodell versto\u00dfe gegen den Grundsatz der Steuergleichheit und sei verfassungswidrig. Zudem hielten sie die Hebes\u00e4tze der Gemeinden (bis zu 715 %) f\u00fcr zu hoch.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung: Formale Trennung von \u201eGrundlage\u201c und \u201eFolge\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Verwaltungsgericht wies die Klagen nicht etwa ab, weil es das neue Gesetz f\u00fcr perfekt h\u00e4lt, sondern weil es schlicht <strong>nicht zust\u00e4ndig<\/strong> f\u00fcr die inhaltliche Pr\u00fcfung der Steuerberechnung ist.<\/p>\n\n\n\n<h3>1. Die Bindungswirkung (\u00a7 351 AO)<\/h3>\n\n\n\n<p>Das deutsche Steuerrecht trennt strikt zwischen zwei Bescheiden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Der Grundlagenbescheid:<\/strong> Das Finanzamt stellt den <em>Grundsteuermessbetrag<\/em> fest. Hier wird entschieden, wie viel Ihr Grundst\u00fcck \u201ewert\u201c ist.<\/li><li><strong>Der Folgebescheid:<\/strong> Die Gemeinde nimmt diesen Messbetrag, multipliziert ihn mit ihrem <em>Hebesatz<\/em> und schickt Ihnen die Rechnung (den Grundsteuerbescheid).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das VG Wiesbaden stellte klar: Wer die Berechnungsmethode oder die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit angreifen will, muss den <strong>Grundlagenbescheid des Finanzamts<\/strong> anfechten. Ein Einspruch gegen den Bescheid der Gemeinde ist daf\u00fcr der falsche Weg. Die Gemeinde ist an die Vorgaben des Finanzamts gebunden und darf diese gar nicht pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<h3>2. Hebes\u00e4tze bis 715 % sind rechtens<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Richter sahen in den kommunalen Hebes\u00e4tzen von bis zu 715 % keine Rechtsverletzung. Solange die Steuer keine \u201eerdrosselnde Wirkung\u201c hat (also den wirtschaftlichen Ruin bedeutet), haben die Gemeinden hier einen weiten Spielraum. In einigen der entschiedenen F\u00e4lle war die Steuerlast sogar niedriger als im Vorjahr.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Was bedeutet das f\u00fcr Sie als Immobilieneigent\u00fcmer?<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Urteil ist ein wichtiger Leitfaden f\u00fcr Ihr weiteres Vorgehen gegen die Grundsteuer:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Pr\u00fcfen Sie den Messbescheid:<\/strong> Wenn Sie Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit oder der Fl\u00e4chenberechnung haben, m\u00fcssen Sie gegen den Bescheid des <strong>Finanzamts<\/strong> vorgehen. Klagen hierzu geh\u00f6ren vor das <strong>Finanzgericht<\/strong>, nicht vor das Verwaltungsgericht.<\/li><li><strong>Fristen einhalten:<\/strong> Ein Einspruch gegen den Gemeindebescheid heilt keine Fehler, die bereits im Bescheid des Finanzamts gemacht wurden. Wenn der Messbescheid bestandskr\u00e4ftig ist, kann die Gemeinde (und das Verwaltungsgericht) daran nichts mehr \u00e4ndern.<\/li><li><strong>Ruhen des Verfahrens:<\/strong> Viele Einspr\u00fcche gegen Grundsteuermessbescheide ruhen derzeit, bis die obersten Gerichte (z. B. der Bundesfinanzhof oder das Bundesverfassungsgericht) endg\u00fcltig \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Reform entschieden haben.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Fazit: Den Instanzenzug beachten<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Protest gegen die Grundsteuerreform ist weiterhin in vollem Gange, doch die Strategie muss stimmen. Das VG Wiesbaden hat lediglich best\u00e4tigt, dass die Kommunen nur ausf\u00fchren, was die Finanz\u00e4mter vorgeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie Fragen zu Ihrem Grundsteuerbescheid oder zum Stand der verfassungsrechtlichen Pr\u00fcfung des hessischen Fl\u00e4chen-Faktor-Verfahrens? Wir unterst\u00fctzen Sie dabei, die richtigen Rechtsbehelfe an der richtigen Stelle einzulegen, um Ihre Rechte zu wahren. Sprechen Sie uns an!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: VG Wiesbaden, Pressemitteilung vom 31.03.2026 zu den Urteilen vom 02.03.2026.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2025 gilt die neue Grundsteuer \u2013 in Hessen nach dem sogenannten Fl\u00e4chen-Faktor-Verfahren. Dass die Reform bei vielen Immobilienbesitzern auf Widerstand st\u00f6\u00dft, zeigen zahlreiche Klageverfahren. Doch ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichts (VG) Wiesbaden vom 2. M\u00e4rz 2026 (Az. 1 K 653\/25.WI u. a.) macht deutlich: Wer an der falschen Stelle klagt, hat keine Chance. 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