{"id":79342,"date":"2026-04-18T12:35:48","date_gmt":"2026-04-18T10:35:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79342"},"modified":"2026-04-18T12:35:48","modified_gmt":"2026-04-18T10:35:48","slug":"umsatzsteuer-bruchteilsgemeinschaften-als-unternehmer-bmf-schafft-endlich-klarheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/umsatzsteuer-bruchteilsgemeinschaften-als-unternehmer-bmf-schafft-endlich-klarheit\/","title":{"rendered":"Umsatzsteuer: Bruchteilsgemeinschaften als Unternehmer \u2013 BMF schafft endlich Klarheit"},"content":{"rendered":"\n<p>BMF-Schreiben vom 09.04.2026 \u00b7 III C 2 &#8211; S 7104\/00030\/006\/041<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem koordinierten L\u00e4ndererlass vom 9. April 2026 hat das Bundesministerium der Finanzen die umsatzsteuerliche Behandlung von Bruchteilsgemeinschaften und anderen nicht rechtsf\u00e4higen Wirtschaftsgebilden neu geregelt. Das Schreiben setzt die seit dem Jahressteuergesetz 2022 geltende Gesetzeslage verbindlich um \u2013 und beendet damit eine jahrelange Unsicherheit in der Beratungspraxis.<\/p>\n\n\n\n<h2>Der Hintergrund: BFH contra Verwaltung<\/h2>\n\n\n\n<p>2018\/2020 \u2013&nbsp;Der BFH entschied in den Urteilen V R 65\/17 und V R 1\/18, dass Bruchteilsgemeinschaften mangels Rechtsf\u00e4higkeit nicht Unternehmer i.S.d. UStG sein k\u00f6nnen. Dies widersprach der bis dahin geltenden Verwaltungspraxis.<\/p>\n\n\n\n<p>01.01.2023 \u2013&nbsp;Der Gesetzgeber reagierte mit dem Jahressteuergesetz 2022 und \u00e4nderte \u00a7 2 Abs. 1 Satz 1 UStG: Die Unternehmereigenschaft besteht seitdem ausdr\u00fccklich unabh\u00e4ngig von der Rechtsf\u00e4higkeit nach anderen Vorschriften.<\/p>\n\n\n\n<p>09.04.2026 \u2013&nbsp;Das BMF-Schreiben setzt die Neuregelung verwaltungsseitig um, erg\u00e4nzt den UStAE (Abschnitt 2.1 und 15.2b) und regelt den \u00dcbergangszeitraum vor 2023.<\/p>\n\n\n\n<h2>Was gilt ab sofort?<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Bruchteilsgemeinschaft kann Unternehmerin i.S.d. \u00a7 2 UStG sein, sofern sie eine gewerbliche oder berufliche T\u00e4tigkeit selbst\u00e4ndig aus\u00fcbt. Da die Gemeinschaft selbst keine eigene Handlungsf\u00e4higkeit besitzt, wird ihr die T\u00e4tigkeit ihrer Teilhaber zugerechnet \u2013 sofern diese gemeinschaftlich nach au\u00dfen auftreten, etwa durch den Abschluss eines gemeinsamen Mietvertrags.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Praxisbeispiel:<\/strong>&nbsp;Mehrere Miteigent\u00fcmer einer Immobilie schlie\u00dfen gemeinsam einen Mietvertrag mit einem Gewerbetreibenden ab. Dieses gemeinschaftliche Auftreten nach au\u00dfen begr\u00fcndet die Unternehmereigenschaft der Bruchteilsgemeinschaft \u2013 mit der Folge, dass Umsatzsteuer abzuf\u00fchren und ein Vorsteuerabzug m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Bruchteilsgemeinschaften erfasst das Schreiben auch&nbsp;British Limiteds, die in Deutschland zivilrechtlich nicht rechtsf\u00e4hig sind, aber selbst\u00e4ndig wirtschaftlich t\u00e4tig werden. Sie m\u00fcssen sich bei Ums\u00e4tzen in Deutschland umsatzsteuerlich registrieren lassen \u2013 es sei denn, es greifen ausschlie\u00dflich Reverse-Charge-Regelungen (\u00a7 13b Abs. 5 UStG) oder Einfuhrtatbest\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<h2>R\u00fcckwirkung und Vertrauensschutz<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Grunds\u00e4tze des BMF-Schreibens gelten ab dem 1. Januar 2023. F\u00fcr Zeitr\u00e4ume davor wird es nicht beanstandet, die bisherige Verwaltungsauffassung (Unternehmereigenschaft bejaht) weiter anzuwenden. Die BFH-Urteile aus 2018 und 2020 d\u00fcrfen f\u00fcr Altjahre nur dann herangezogen werden, wenn kein widerspr\u00fcchliches Verhalten vorliegt und die Gemeinschafter getrennte Umsatzsteuererkl\u00e4rungen eingereicht haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wichtig f\u00fcr die Beratungspraxis:<\/strong>&nbsp;Mandanten, die f\u00fcr Zeitr\u00e4ume vor 2023 die BFH-Rechtsprechung anwenden wollen (Bruchteilsgemeinschaft = kein Unternehmer), m\u00fcssen konsequent gewesen sein \u2013 d.h. getrennte USt-Erkl\u00e4rungen der einzelnen Gemeinschafter. Widerspr\u00fcchliches Verhalten schlie\u00dft diese Option aus.<\/p>\n\n\n\n<h2>Handlungsbedarf in der Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p>Steuerberater sollten jetzt pr\u00fcfen, ob bei Mandanten mit Bruchteilsgemeinschaften (insbesondere Grundst\u00fccksgemeinschaften, Erbengemeinschaften mit gemeinschaftlicher Vermietung) die umsatzsteuerliche Erfassung korrekt erfolgt ist. Bestehende Vertr\u00e4ge und die Rechnungsstellung sind auf die Unternehmereigenschaft der Gemeinschaft hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Auch das Vorsteuerabzugsrecht (vgl. Abschnitt 15.2b UStAE) verdient besondere Aufmerksamkeit, wenn eine Gemeinschaft zwar selbst nicht unternehmerisch t\u00e4tig ist, ihre Mitglieder aber Unternehmer sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Quelle: BMF-Schreiben vom 09.04.2026, III C 2 &#8211; S 7104\/00030\/006\/041 (koordinierter L\u00e4ndererlass) \u00b7 Ver\u00f6ffentlichung im Bundessteuerblatt Teil I vorgesehen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BMF-Schreiben vom 09.04.2026 \u00b7 III C 2 &#8211; S 7104\/00030\/006\/041 Mit dem koordinierten L\u00e4ndererlass vom 9. April 2026 hat das Bundesministerium der Finanzen die umsatzsteuerliche Behandlung von Bruchteilsgemeinschaften und anderen nicht rechtsf\u00e4higen Wirtschaftsgebilden neu geregelt. 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