{"id":79414,"date":"2026-05-07T12:21:46","date_gmt":"2026-05-07T10:21:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79414"},"modified":"2026-05-07T12:21:46","modified_gmt":"2026-05-07T10:21:46","slug":"neue-groessenklassen-fuer-betriebspruefungen-ab-2027","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/neue-groessenklassen-fuer-betriebspruefungen-ab-2027\/","title":{"rendered":"Neue Gr\u00f6\u00dfenklassen f\u00fcr Betriebspr\u00fcfungen ab 2027"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BMF legt neue Abgrenzungsmerkmale nach \u00a7 3 BpO 2000 fest<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundesministerium der Finanzen hat mit Schreiben vom <strong>27. April 2026<\/strong> die neuen Abgrenzungsmerkmale f\u00fcr die Einordnung von Betrieben in Gr\u00f6\u00dfenklassen nach <strong>\u00a7 3 Betriebspr\u00fcfungsordnung 2000 (BpO 2000)<\/strong> ver\u00f6ffentlicht. Die neuen Werte gelten ab dem <strong>1. Januar 2027<\/strong> f\u00fcr den <strong>25. Pr\u00fcfungsturnus<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund: Warum sind Gr\u00f6\u00dfenklassen wichtig?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Zwecke der steuerlichen Au\u00dfenpr\u00fcfung werden Betriebe in verschiedene Gr\u00f6\u00dfenklassen eingeteilt. Nach \u00a7 3 BpO 2000 unterscheidet die Finanzverwaltung zwischen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Gro\u00dfbetrieben (G)<\/strong><\/li><li><strong>Mittelbetrieben (M)<\/strong><\/li><li><strong>Kleinbetrieben (K)<\/strong><\/li><li><strong>Kleinstbetrieben (Kst)<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einordnung ist f\u00fcr die Praxis bedeutsam, weil sie Einfluss darauf hat, wie intensiv und in welchen Abst\u00e4nden ein Betrieb typischerweise gepr\u00fcft wird. Bei Gro\u00dfbetrieben soll der Pr\u00fcfungszeitraum grunds\u00e4tzlich an den vorhergehenden Pr\u00fcfungszeitraum anschlie\u00dfen. Bei anderen Betrieben soll der Pr\u00fcfungszeitraum regelm\u00e4\u00dfig nicht mehr als drei zusammenh\u00e4ngende Besteuerungszeitr\u00e4ume umfassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neue Abgrenzungsmerkmale ab 2027<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuen Gr\u00f6\u00dfenklassenmerkmale gelten ab dem <strong>1. Januar 2027<\/strong>. Ma\u00dfgeblich sind insbesondere Umsatzerl\u00f6se oder steuerlicher Gewinn. Wird eines der jeweiligen Merkmale \u00fcberschritten, kann dies zur Einordnung in die entsprechende Gr\u00f6\u00dfenklasse f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th>Betriebsart<\/th><th>Gro\u00dfbetrieb ab Umsatzerl\u00f6sen \u00fcber<\/th><th>Gro\u00dfbetrieb ab steuerlichem Gewinn \u00fcber<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Handelsbetriebe<\/td><td>14.700.000 \u20ac<\/td><td>840.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Fertigungsbetriebe<\/td><td>12.600.000 \u20ac<\/td><td>997.500 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Freie Berufe<\/td><td>12.600.000 \u20ac<\/td><td>1.470.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Andere Leistungsbetriebe<\/td><td>14.700.000 \u20ac<\/td><td>1.260.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Land- und forstwirtschaftliche Betriebe<\/td><td>6.300.000 \u20ac<\/td><td>498.750 \u20ac<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Kreditinstituten, Versicherungsunternehmen, Unterst\u00fctzungskassen und bestimmten sonstigen Fallarten gelten besondere Erfassungsmerkmale. So werden etwa bedeutende steuerbeg\u00fcnstigte K\u00f6rperschaften und Berufsverb\u00e4nde bei Einnahmen von mehr als <strong>6.000.000 \u20ac<\/strong> als Gro\u00dfbetriebe erfasst. F\u00e4lle mit bedeutenden Eink\u00fcnften werden bei positiven Eink\u00fcnften nach \u00a7 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 bis 7 EStG von mehr als <strong>750.000 \u20ac<\/strong> als Mittelbetriebe erfasst; eine Verrechnung mit negativen Eink\u00fcnften erfolgt hierbei nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mittel- und Kleinbetriebe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben den Schwellenwerten f\u00fcr Gro\u00dfbetriebe enth\u00e4lt die Anlage auch die Abgrenzungsmerkmale f\u00fcr Mittel- und Kleinbetriebe. Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th>Betriebsart<\/th><th>Mittelbetrieb ab Umsatzerl\u00f6sen \u00fcber<\/th><th>Kleinbetrieb ab Umsatzerl\u00f6sen \u00fcber<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Handelsbetriebe<\/td><td>8.600.000 \u20ac<\/td><td>1.100.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Fertigungsbetriebe<\/td><td>5.200.000 \u20ac<\/td><td>610.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Freie Berufe<\/td><td>5.600.000 \u20ac<\/td><td>990.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Andere Leistungsbetriebe<\/td><td>6.700.000 \u20ac<\/td><td>910.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Land- und forstwirtschaftliche Betriebe<\/td><td>2.600.000 \u20ac<\/td><td>610.000 \u20ac<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier ist jeweils zus\u00e4tzlich der steuerliche Gewinn als alternatives Abgrenzungsmerkmal zu beachten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anwendung erst nach Aufstellung der Betriebskartei<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das BMF weist ausdr\u00fccklich darauf hin, dass die neuen Merkmale <strong>erst nach Aufstellung der Betriebskartei<\/strong> anzuwenden sind. Die Betriebskartei ist die verwaltungsinterne Grundlage, anhand derer die Finanzverwaltung Betriebe f\u00fcr Zwecke der Au\u00dfenpr\u00fcfung erfasst und einordnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der BpO werden die Betriebe grunds\u00e4tzlich nach den Ergebnissen der Veranlagung, hilfsweise nach den Angaben in den Steuererkl\u00e4rungen, in die Gr\u00f6\u00dfenklassen eingeordnet. Die Einordnung gilt in der Regel f\u00fcr die Dauer von drei Jahren; Fehler k\u00f6nnen jederzeit berichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr Unternehmen und Freiberufler<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einordnung in eine h\u00f6here Gr\u00f6\u00dfenklasse bedeutet nicht automatisch, dass sofort eine Betriebspr\u00fcfung angeordnet wird. Sie erh\u00f6ht aber regelm\u00e4\u00dfig die Pr\u00fcfungsrelevanz. Besonders bei Gro\u00dfbetrieben ist mit einer deutlich h\u00f6heren Pr\u00fcfungsdichte zu rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betroffen sein k\u00f6nnen insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>wachstumsstarke Handelsunternehmen,<\/li><li>Produktionsbetriebe,<\/li><li>gr\u00f6\u00dfere Dienstleistungsunternehmen,<\/li><li>freiberufliche Praxen und Kanzleien,<\/li><li>land- und forstwirtschaftliche Betriebe,<\/li><li>Kapitalgesellschaften mit hohen Ums\u00e4tzen oder Gewinnen,<\/li><li>Unternehmen mit besonderen steuerlichen Risikomerkmalen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praxishinweis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unternehmen sollten fr\u00fchzeitig pr\u00fcfen, ob sie nach den neuen Schwellenwerten ab 2027 in eine h\u00f6here Gr\u00f6\u00dfenklasse fallen k\u00f6nnten. Das gilt insbesondere dann, wenn Ums\u00e4tze oder Gewinne in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Empfehlenswert ist insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>aktuelle Umsatzerl\u00f6se und steuerliche Gewinne mit den neuen Schwellenwerten vergleichen,<\/li><li>Verfahrensdokumentation und GoBD-Konformit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcfen,<\/li><li>Buchhaltung, Kassenf\u00fchrung und digitale Belegablage auf Ordnungsm\u00e4\u00dfigkeit pr\u00fcfen,<\/li><li>steuerliche Dauerthemen wie Verrechnungspreise, Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer-Verg\u00fctung, Reisekosten, Bewirtung, Kfz-Nutzung und R\u00fcckstellungen dokumentieren,<\/li><li>bei Gro\u00dfbetriebsn\u00e4he mit erh\u00f6hter Pr\u00fcfungswahrscheinlichkeit rechnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem BMF-Schreiben vom <strong>27. April 2026<\/strong> werden die Gr\u00f6\u00dfenklassen f\u00fcr Betriebspr\u00fcfungen ab dem <strong>1. Januar 2027<\/strong> neu festgelegt. Die Einordnung nach \u00a7 3 BpO 2000 ist f\u00fcr Unternehmen nicht nur eine verwaltungsinterne Formalie, sondern hat praktische Bedeutung f\u00fcr die Pr\u00fcfungsdichte und die Vorbereitung auf steuerliche Au\u00dfenpr\u00fcfungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unternehmen, die aufgrund gestiegener Ums\u00e4tze oder Gewinne k\u00fcnftig als Gro\u00df- oder Mittelbetrieb eingeordnet werden k\u00f6nnten, sollten ihre steuerlichen Prozesse rechtzeitig \u00fcberpr\u00fcfen und eine pr\u00fcfungssichere Dokumentation sicherstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> BMF-Schreiben vom 27.04.2026, Az. IV D 2 &#8211; S 1450\/00014\/005\/012, \u201eEinordnung in Gr\u00f6\u00dfenklassen gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Betriebspr\u00fcfungsordnung 2000 (BpO 2000)\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BMF legt neue Abgrenzungsmerkmale nach \u00a7 3 BpO 2000 fest Das Bundesministerium der Finanzen hat mit Schreiben vom 27. April 2026 die neuen Abgrenzungsmerkmale f\u00fcr die Einordnung von Betrieben in Gr\u00f6\u00dfenklassen nach \u00a7 3 Betriebspr\u00fcfungsordnung 2000 (BpO 2000) ver\u00f6ffentlicht. Die neuen Werte gelten ab dem 1. Januar 2027 f\u00fcr den 25. Pr\u00fcfungsturnus. 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