{"id":79651,"date":"2026-06-11T13:03:00","date_gmt":"2026-06-11T11:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79651"},"modified":"2026-06-14T13:04:03","modified_gmt":"2026-06-14T11:04:03","slug":"gruenes-licht-vom-bfh-warum-ausfaelle-von-zinsforderungen-bei-gesellschafterdarlehen-steuerlich-abziehbar-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/gruenes-licht-vom-bfh-warum-ausfaelle-von-zinsforderungen-bei-gesellschafterdarlehen-steuerlich-abziehbar-bleiben\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcnes Licht vom BFH: Warum Ausf\u00e4lle von Zinsforderungen bei Gesellschafterdarlehen steuerlich abziehbar bleiben"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer innerhalb einer Unternehmensgruppe oder zwischen Schwestergesellschaften Kredite vergibt, kennt das Damoklesschwert des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes: Kann die darlehensnehmende Gesellschaft das Geld nicht zur\u00fcckzahlen, verweigert das Finanzamt der Geber-GmbH \u00fcber die strengen Vorschriften des <strong>\u00a7 8b KStG<\/strong> regelm\u00e4\u00dfig den steuerlichen Abzug dieses Verlusts. Die Abschreibung wird dem Gewinn au\u00dferbilanziell wieder hinzugerechnet \u2013 die Steuerlast steigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit einem aktuellen, hocherfreulichen Urteil vom 01.04.2026 (Az. I R 11\/24) f\u00fcr klare Grenzen gesorgt und die Rechte von mittelst\u00e4ndischen Unternehmensstrukturen massiv gest\u00e4rkt. Die Richter entschieden: Das steuerliche Abzugsverbot f\u00fcr Darlehensverluste erfasst <strong>keine Zinsforderungen<\/strong>. Zudem erteilte der BFH der ausufernden Auslegung des Begriffs \u201eNahestehen\u201c durch die Finanzverwaltung eine deutliche Absage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo zog der BFH die Grenze zwischen Darlehen und Zinsen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bislang vertrat die Finanzverwaltung h\u00e4ufig die Ansicht, dass im Rahmen des \u00a7 8b Abs. 3 Satz 4 KStG jede Form von Verlust im Zusammenhang mit einem Gesellschafterdarlehen steuerlich irrelevant sein muss \u2013 also auch ausstehende, uneinbringliche Zinsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat nun eine messerscharfe Trennung vorgenommen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Die Darlehenssumme (Hauptforderung):<\/strong> Wird das eigentliche Stammkapital des Darlehens abgeschrieben, greift das Abzugsverbot. Dieser Verlust bleibt steuerlich unber\u00fccksichtigt.<\/li><li><strong>Die Zinsforderung:<\/strong> Gewinnminderungen, die dadurch entstehen, dass Zinsanspr\u00fcche nicht bezahlt werden k\u00f6nnen oder erlassen werden, fallen <strong>nicht<\/strong> unter das Abzugsverbot des \u00a7 8b KStG. Sie d\u00fcrfen den steuerlichen Gewinn der Geber-GmbH als regul\u00e4re Betriebsausgabe mindern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Die \u201e\u00dcbersetzer-Regel\u201c f\u00fcr die Praxis:<\/strong> Wenn Ihre Holding-GmbH der Tochter-GmbH ein Darlehen \u00fcber 100.000 Euro plus 5.000 Euro Zinsen gew\u00e4hrt und die Tochter pleitegeht, sind die 100.000 Euro steuerlich \u201everlorenes Vergn\u00fcgen\u201c (nicht abziehbar). Die 5.000 Euro ausgefallene Zinsen d\u00fcrfen Sie jedoch steuermindernd geltend machen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was entschied der BFH zum \u201eNahestehen\u201c \u00fcber nat\u00fcrliche Personen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer kritischer Punkt in Konzernstrukturen ist das sogenannte \u201eNahestehen\u201c nach \u00a7 1 Abs. 2 des Au\u00dfensteuergesetzes (AStG). Das Finanzamt wendet die strengen Abzugsverbote f\u00fcr Darlehensverluste n\u00e4mlich auch dann an, wenn der Geldgeber zwar nicht selbst an der anderen GmbH beteiligt ist, aber eine <em>nahestehende Person<\/em> die F\u00e4den im Hintergrund zieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e4ufiges Szenario im Mittelstand: Eine nat\u00fcrliche Person (z. B. ein Handwerksmeister oder ein Investor) h\u00e4lt 100 % der Anteile an der A-GmbH und gleichzeitig 100 % an der B-GmbH. Leiht nun die A-GmbH der B-GmbH Geld, argumentierte der Fiskus bisher: \u201eDa der gemeinsame Gesellschafter eine nat\u00fcrliche Person ist, stehen sich die Firmen nahe \u2013 folglich gilt das Abzugsverbot f\u00fcr Darlehensverluste auch f\u00fcr die GmbHs.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hier sagt der BFH nun ganz klar: Nein!<\/strong> \u00a7 8b Abs. 3 Satz 5 KStG darf von der Finanzverwaltung nicht k\u00fcnstlich so ausgeweitet werden. Wenn eine nat\u00fcrliche Person die Verbindung (das Nahestehen) zwischen zwei Kapitalgesellschaften vermittelt, f\u00fchrt dies beim Zinsausfall oder der Inanspruchnahme von Sicherheiten <em>nicht<\/em> automatisch dazu, dass der Betriebsausgabenabzug bei der darlehensgebenden K\u00f6rperschaft blockiert wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Praxistipps ergeben sich f\u00fcr GmbH-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Urteil ist ein echter Gamechanger f\u00fcr die steuerliche Begleitung von Krisenunternehmen im Konzernverbund. Es rettet wertvolle Betriebsausgaben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unsere Handlungsempfehlungen f\u00fcr Ihre Unternehmensstruktur:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Offene Betriebspr\u00fcfungen checken:<\/strong> Befindet sich Ihr Unternehmen aktuell in einer Betriebspr\u00fcfung und der Pr\u00fcfer m\u00f6chte eine Teilwertabschreibung auf Zinsforderungen oder Verluste aus einer B\u00fcrgschafts\u00fcbernahme steuerlich neutralisieren? Berufen Sie sich sofort auf das BFH-Urteil vom 01.04.2026 (I R 11\/24) und halten Sie den Fall offen.<\/li><li><strong>Zinsen und Tilgung sauber trennen:<\/strong> Achten Sie in der Buchhaltung und bei der vertraglichen Ausgestaltung von Gesellschafterdarlehen peinlich genau darauf, dass Hauptforderungskonten und Zinsforderungskonten strikt getrennt gef\u00fchrt werden. Nur so l\u00e4sst sich im Ernstfall der abziehbare Zinsanteil glasklar nachweisen.<\/li><li><strong>Finanzierungsvertr\u00e4ge \u00fcberpr\u00fcfen:<\/strong> Bei der Gestaltung von Finanzierungen zwischen Schwestergesellschaften, hinter denen nat\u00fcrliche Personen als Gesellschafter stehen, bietet das Urteil erhebliche neue Spielr\u00e4ume zur rechtssicheren Steueroptimierung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Disclaimer:<\/strong> Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch mit einem Steuerberater. Insbesondere bei komplexen Konzernstrukturen ist eine Einzelfallpr\u00fcfung unerl\u00e4sslich.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Haben Sie Fragen zur steueroptimierten Gestaltung von Vertr\u00e4gen innerhalb Ihrer Unternehmensgruppe oder droht Ihnen die Streichung von Betriebsausgaben nach einer Betriebspr\u00fcfung? Vereinbaren Sie einen Beratungstermin mit unseren Experten f\u00fcr Konzernsteuerrecht!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer innerhalb einer Unternehmensgruppe oder zwischen Schwestergesellschaften Kredite vergibt, kennt das Damoklesschwert des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes: Kann die darlehensnehmende Gesellschaft das Geld nicht zur\u00fcckzahlen, verweigert das Finanzamt der Geber-GmbH \u00fcber die strengen Vorschriften des \u00a7 8b KStG regelm\u00e4\u00dfig den steuerlichen Abzug dieses Verlusts. Die Abschreibung wird dem Gewinn au\u00dferbilanziell wieder hinzugerechnet \u2013 die Steuerlast steigt. 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