{"id":79675,"date":"2026-06-25T08:32:59","date_gmt":"2026-06-25T06:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79675"},"modified":"2026-06-25T08:32:59","modified_gmt":"2026-06-25T06:32:59","slug":"grundsteuer-niedersachsen-finanzgericht-bestaetigt-flaechen-lage-modell-was-eigentuemer-jetzt-beachten-sollten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/grundsteuer-niedersachsen-finanzgericht-bestaetigt-flaechen-lage-modell-was-eigentuemer-jetzt-beachten-sollten\/","title":{"rendered":"Grundsteuer Niedersachsen: Finanzgericht best\u00e4tigt Fl\u00e4chen-Lage-Modell \u2013 was Eigent\u00fcmer jetzt beachten sollten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Grundsteuer Niedersachsen<\/strong> bleibt vorerst auf Kurs: Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht hat im Musterverfahren <strong>1 K 38\/24<\/strong> entschieden, dass das 2021 neu gefasste Nieders\u00e4chsische Grundsteuergesetz nicht verfassungswidrig ist. Die Klage einer Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin wurde abgewiesen. F\u00fcr Eigent\u00fcmer, Vermieter und Unternehmen ist das Urteil wichtig \u2013 endg\u00fcltig abgeschlossen ist die Diskussion aber noch nicht, denn das Gericht hat die <strong>Revision zum Bundesfinanzhof<\/strong> zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Worum ging es in dem Musterverfahren zur Grundsteuer Niedersachsen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Verfahren vor dem Nieders\u00e4chsischen Finanzgericht wandte sich eine Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin gegen die neue Grundsteuerberechnung in Niedersachsen. Sie hielt das <strong>Fl\u00e4chen-Lage-Modell<\/strong> f\u00fcr verfassungswidrig und sah insbesondere ihre Gewerbeimmobilie gegen\u00fcber anderen Grundst\u00fccken \u00fcberm\u00e4\u00dfig belastet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Nach Auffassung des 1. Senats war das Nieders\u00e4chsische Grundsteuergesetz nicht dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen, weil das Gericht nicht von dessen Verfassungswidrigkeit \u00fcberzeugt war. Au\u00dferdem habe das Finanzamt die gesetzlichen Regelungen zutreffend angewendet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum h\u00e4lt das Gericht das Fl\u00e4chen-Lage-Modell f\u00fcr zul\u00e4ssig?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht betonte den weiten Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers. Bei Massenverfahren wie der Grundsteuer darf der Gesetzgeber typisieren, pauschalieren und sich am Regelfall orientieren. Nicht jede Besonderheit eines einzelnen Grundst\u00fccks muss im Gesetz exakt abgebildet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ansicht des Gerichts verst\u00f6\u00dft das nieders\u00e4chsische Modell nicht gegen den allgemeinen Gleichheitssatz aus <strong>Art. 3 Abs. 1 GG<\/strong>. Es sei zul\u00e4ssig, die Grundsteuer am sogenannten <strong>\u00c4quivalenzprinzip<\/strong> auszurichten. Vereinfacht gesagt: Die Grundsteuer soll auch den Nutzen abbilden, den Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer aus kommunaler Infrastruktur und Leistungen der Daseinsvorsorge ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das Fl\u00e4chen-Lage-Modell einfach erkl\u00e4rt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niedersachsen nutzt nicht das Bundesmodell, sondern ein eigenes Landesmodell f\u00fcr die <strong>Grundsteuer B<\/strong>. Dieses Modell stellt im Kern auf drei Faktoren ab:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die <strong>Grundst\u00fccksfl\u00e4che<\/strong>,<\/li><li>bei bebauten Grundst\u00fccken zus\u00e4tzlich die <strong>Geb\u00e4udefl\u00e4che<\/strong>,<\/li><li>und einen <strong>Lage-Faktor<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Lage-Faktor vergleicht den Bodenrichtwert des einzelnen Grundst\u00fccks mit dem durchschnittlichen Bodenrichtwert der jeweiligen Gemeinde. Liegt der Wert dar\u00fcber, kann sich der Ausgangswert erh\u00f6hen; liegt er darunter, kann er sinken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht hielt auch diesen Lage-Faktor f\u00fcr verfassungsrechtlich zul\u00e4ssig. Die Verwendung von Bodenrichtwerten sei im steuerlichen Massenverfahren praktikabel und bereits aus anderen Bewertungszusammenh\u00e4ngen bekannt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum werden Wohnimmobilien g\u00fcnstiger behandelt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Streitpunkt war die Beg\u00fcnstigung der Wohnnutzung. In Niedersachsen wird die Grundsteuermesszahl f\u00fcr Wohnnutzung auf <strong>70 Prozent<\/strong> erm\u00e4\u00dfigt. Gewerbliche oder andere Nichtwohnnutzungen profitieren davon nicht in gleicher Weise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht sah auch darin keinen Verfassungsversto\u00df. Der Gesetzgeber d\u00fcrfe mit dieser Erm\u00e4\u00dfigung das Ziel verfolgen, Wohnen steuerlich zu f\u00f6rdern. F\u00fcr Eigent\u00fcmer von Gewerbeimmobilien bedeutet das allerdings: Eine h\u00f6here Belastung gegen\u00fcber reiner Wohnnutzung kann nach diesem Urteil grunds\u00e4tzlich gerechtfertigt sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ist die Entscheidung endg\u00fcltig?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Das Urteil ist ein wichtiges Signal, aber die Rechtslage bleibt teilweise <strong>in Schwebe<\/strong>. Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht hat die <strong>Revision zum Bundesfinanzhof<\/strong> wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung zugelassen. Damit kann der BFH die Rechtsfrage noch \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem sind beim Nieders\u00e4chsischen Finanzgericht nach dessen Angaben noch rund <strong>80 weitere Klagen<\/strong> gegen Bescheide \u00fcber Grundsteuer\u00e4quivalenzbetr\u00e4ge und Grundsteuermessbetr\u00e4ge nach dem neuen nieders\u00e4chsischen Grundsteuermodell anh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sollten Eigent\u00fcmer jetzt tun?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigent\u00fcmer sollten das Urteil nicht als Anlass nehmen, Grundsteuerbescheide ungepr\u00fcft zu akzeptieren. Die grunds\u00e4tzliche Best\u00e4tigung des Modells bedeutet nicht automatisch, dass jeder einzelne Bescheid richtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pr\u00fcfen Sie insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Stimmen <strong>Grundst\u00fccksfl\u00e4che, Wohnfl\u00e4che und Nutzfl\u00e4che<\/strong>?<\/li><li>Wurde die Nutzung richtig eingeordnet, etwa Wohnen oder Gewerbe?<\/li><li>Ist der angewandte <strong>Lage-Faktor<\/strong> plausibel?<\/li><li>Wurde der richtige <strong>Grundsteuermessbetrag<\/strong> \u00fcbernommen?<\/li><li>Hat die Gemeinde den zutreffenden <strong>Hebesatz<\/strong> angewendet?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist auch: \u00c4nderungen der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse, etwa durch Anbau, Nutzungs\u00e4nderung oder Fl\u00e4chen\u00e4nderung, m\u00fcssen dem Finanzamt grunds\u00e4tzlich angezeigt werden. Das Landesamt f\u00fcr Steuern Niedersachsen nennt als Beispiele unter anderem Bauma\u00dfnahmen, ge\u00e4nderte Nutzungen und ver\u00e4nderte Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praxistipp: Bescheide trotz Musterurteil sorgf\u00e4ltig pr\u00fcfen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil st\u00e4rkt zwar das nieders\u00e4chsische Fl\u00e4chen-Lage-Modell, ersetzt aber keine Einzelfallpr\u00fcfung. Gerade bei <strong>Gewerbeimmobilien<\/strong>, gemischt genutzten Geb\u00e4uden, gr\u00f6\u00dferen Grundst\u00fccken oder ungew\u00f6hnlichen Lagewerten kann eine genaue Pr\u00fcfung sinnvoll sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Tipp: Bewahren Sie die Bescheide \u00fcber den <strong>Grundsteuer\u00e4quivalenzbetrag<\/strong>, den <strong>Grundsteuermessbetrag<\/strong> und den eigentlichen <strong>Grundsteuerbescheid der Gemeinde<\/strong> gemeinsam auf. Nur im Zusammenspiel dieser Bescheide l\u00e4sst sich nachvollziehen, wie sich die endg\u00fcltige Grundsteuer zusammensetzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Grundsteuer in Niedersachsen vorerst best\u00e4tigt \u2013 BFH kann noch folgen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht h\u00e4lt das neue Grundsteuermodell des Landes f\u00fcr verfassungsgem\u00e4\u00df. F\u00fcr Eigent\u00fcmer bedeutet das: Das <strong>Fl\u00e4chen-Lage-Modell<\/strong> bleibt zun\u00e4chst die ma\u00dfgebliche Grundlage f\u00fcr die Grundsteuer B in Niedersachsen. Wegen der zugelassenen Revision ist die endg\u00fcltige h\u00f6chstrichterliche Kl\u00e4rung aber noch offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Kanzlei unterst\u00fctzt Sie bei der Pr\u00fcfung Ihrer Grundsteuerbescheide und hilft Ihnen einzusch\u00e4tzen, ob Handlungsbedarf besteht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Passend dazu: Interne Linkideen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Passend dazu:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/Steuerrechner\/Grundsteuer.html\">Unser Rechner zur Grundsteuerreform<\/a><br \/><strong>Mehr erfahren:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/immobiliensteuerrecht.html\">Immobilien steuerlich richtig verwalten<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht, Pressemitteilung vom 18. Juni 2026 zum Urteil <strong>1 K 38\/24<\/strong> vom 18. Juni 2026.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Disclaimer:<\/strong> Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespr\u00e4ch mit einem Steuerberater.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grundsteuer Niedersachsen bleibt vorerst auf Kurs: Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht hat im Musterverfahren 1 K 38\/24 entschieden, dass das 2021 neu gefasste Nieders\u00e4chsische Grundsteuergesetz nicht verfassungswidrig ist. Die Klage einer Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin wurde abgewiesen. 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