{"id":79760,"date":"2026-07-09T15:27:18","date_gmt":"2026-07-09T13:27:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79760"},"modified":"2026-07-09T15:27:18","modified_gmt":"2026-07-09T13:27:18","slug":"kindergeld-nach-brexit-bfh-grenzt-anwendung-des-eu-koordinierungsrechts-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kindergeld-nach-brexit-bfh-grenzt-anwendung-des-eu-koordinierungsrechts-ein\/","title":{"rendered":"Kindergeld nach Brexit: BFH grenzt Anwendung des EU-Koordinierungsrechts ein"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtsstand: 09.07.2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 18.03.2026 entschieden, wann in Kindergeldf\u00e4llen mit Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich nach dem Brexit weiterhin europ\u00e4isches Koordinierungsrecht gilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung ist besonders wichtig f\u00fcr Eltern, bei denen ein Elternteil oder das Kind einen Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich hat. Denn seit dem Ende des Brexit-\u00dcbergangszeitraums am 31.12.2020 ist nicht mehr automatisch klar, ob die bekannten EU-Regeln zur Koordinierung von Familienleistungen weiter anwendbar sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Wichtigste auf einen Blick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Entscheidung<\/strong>: BFH, Urteil vom 18.03.2026 \u2013 III R 10\/25<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pressemitteilung<\/strong>: BFH, Pressemitteilung Nr. 39\/26 vom 09.07.2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kernaussage<\/strong>: Nach Ablauf des Brexit-\u00dcbergangszeitraums gilt das EU-Koordinierungsrecht bei Kindergeldf\u00e4llen mit UK-Bezug nur noch in bestimmten Fallgruppen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders <strong>wichtig<\/strong>: Art. 32 Abs. 1 Buchst. d des Austrittsabkommens sch\u00fctzt bestimmte bestehende Anspr\u00fcche auf Familienleistungen. Er f\u00fchrt aber nicht dazu, dass das EU-Koordinierungsrecht in allen Kindergeldf\u00e4llen mit UK-Bezug weitergilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praxisfolge<\/strong>: Familienkassen und Finanzgerichte m\u00fcssen genau pr\u00fcfen, welche Person sich wann in welcher grenz\u00fcberschreitenden Situation befand und welche Staatsangeh\u00f6rigkeit die beteiligten Personen haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Worum ging es im BFH-Fall?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin ist deutsche Staatsangeh\u00f6rige. Sie lebt seit Oktober 2019 zusammen mit ihrem im Vereinigten K\u00f6nigreich geborenen minderj\u00e4hrigen Kind in Deutschland. Auch das Kind besitzt die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Streit ging es um Kindergeld f\u00fcr den Zeitraum M\u00e4rz bis August 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin beantragte in Deutschland Kindergeld. In ihrem Antrag gab sie an, dass der Vater des Kindes im Vereinigten K\u00f6nigreich lebt und dort seit etwa dem Jahr 2000 in der Gastronomie besch\u00e4ftigt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Familienkasse zahlte der Kl\u00e4gerin jedoch nicht das volle deutsche Kindergeld. Sie gew\u00e4hrte nur sogenanntes Differenzkindergeld. Das bedeutet: Die Familienkasse ging davon aus, dass das Vereinigte K\u00f6nigreich wegen der Besch\u00e4ftigung des Kindsvaters vorrangig f\u00fcr Familienleistungen zust\u00e4ndig sei. Deutschland sollte deshalb nur den Unterschiedsbetrag zwischen der britischen Leistung und dem h\u00f6heren deutschen Kindergeld zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere Anfragen im Vereinigten K\u00f6nigreich brachten allerdings kein klares Ergebnis dazu, ob dort tats\u00e4chlich ein Anspruch auf Familienleistungen bestand oder warum ein solcher Anspruch nicht bestehen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht M\u00fcnster gab der Kl\u00e4gerin zun\u00e4chst Recht und sprach ihr ungek\u00fcrztes deutsches Kindergeld zu.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was entschied der BFH?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hob das Urteil des Finanzgerichts auf und verwies den Fall zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist: Der BFH hat nicht abschlie\u00dfend entschieden, dass die Kl\u00e4gerin kein volles Kindergeld erh\u00e4lt. Er hat aber klargestellt, dass das Finanzgericht die Anwendbarkeit des europ\u00e4ischen Koordinierungsrechts nicht ausreichend gepr\u00fcft hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung des BFH erf\u00fcllt die Kl\u00e4gerin zwar die Voraussetzungen f\u00fcr einen Kindergeldanspruch nach deutschem Recht. Unklar war aber, ob und in welcher Form europ\u00e4isches oder altes europ\u00e4isches Koordinierungsrecht nach dem Brexit noch anzuwenden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht muss nun weitere Tatsachen feststellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum ist der Brexit f\u00fcr das Kindergeld so wichtig?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor dem Brexit wurden Kindergeldf\u00e4lle mit Bezug zu mehreren EU-Staaten regelm\u00e4\u00dfig nach der Verordnung (EG) Nr. 883\/2004 und der Durchf\u00fchrungsverordnung (EG) Nr. 987\/2009 koordiniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Regeln bestimmen unter anderem:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>welcher Staat vorrangig f\u00fcr Familienleistungen zust\u00e4ndig ist,<\/li><li>ob ein anderer Staat nur einen Unterschiedsbetrag zahlen muss,<\/li><li>wie Antr\u00e4ge zwischen den Beh\u00f6rden zu behandeln sind,<\/li><li>und wie Doppelzahlungen vermieden werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Vereinigte K\u00f6nigreich ist jedoch zum 01.02.2020 aus der Europ\u00e4ischen Union ausgetreten. Das EU-Recht galt nur noch w\u00e4hrend des \u00dcbergangszeitraums bis zum 31.12.2020 fort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr sp\u00e4tere Zeitr\u00e4ume \u2013 wie hier M\u00e4rz bis August 2022 \u2013 gelten die EU-Regeln daher nicht mehr automatisch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wann gilt das EU-Koordinierungsrecht nach dem Brexit weiter?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem BFH kommt eine Weitergeltung insbesondere dann in Betracht, wenn eine Person bereits am Ende des \u00dcbergangszeitraums in einer vom Austrittsabkommen gesch\u00fctzten grenz\u00fcberschreitenden Situation war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist daher nicht nur, dass irgendwann einmal ein Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich bestand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist vielmehr:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wer war am 31.12.2020 betroffen?<\/li><li>Wo wohnte diese Person?<\/li><li>Wo arbeitete diese Person?<\/li><li>Welche Staatsangeh\u00f6rigkeit hatte diese Person?<\/li><li>Bestand die grenz\u00fcberschreitende Situation ohne relevante Unterbrechung fort?<\/li><li>Geht es um einen Elternteil oder nur um das Kind als Familienangeh\u00f6rigen?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH betont damit: Kindergeldf\u00e4lle mit UK-Bezug m\u00fcssen nach dem Brexit deutlich genauer gepr\u00fcft werden als fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet Art. 32 Abs. 1 Buchst. d des Austrittsabkommens?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Art. 32 Abs. 1 Buchst. d des Austrittsabkommens ordnet f\u00fcr bestimmte F\u00e4lle die Weiteranwendung der Art. 67, 68 und 69 der Verordnung (EG) Nr. 883\/2004 an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Vorschrift schafft nach dem BFH einen Bestandsschutz f\u00fcr Familienleistungen, auf die am Ende des \u00dcbergangszeitraums bereits ein Anspruch bestand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie erfasst insbesondere F\u00e4lle, in denen sich nur das Kind beziehungsweise ein Familienangeh\u00f6riger in einer grenz\u00fcberschreitenden Situation zwischen der EU und dem Vereinigten K\u00f6nigreich befand, nicht aber der Elternteil, von dem der Anspruch abgeleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist f\u00fcr viele Familien wichtig, bei denen das Kind in einem anderen Staat lebt oder geboren wurde, w\u00e4hrend ein Elternteil in einem anderen Staat arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum war die Staatsangeh\u00f6rigkeit des Kindsvaters entscheidend?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im BFH-Fall war nicht ausreichend festgestellt, welche Staatsangeh\u00f6rigkeit der Kindsvater hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben der Kl\u00e4gerin bestand die M\u00f6glichkeit, dass er nur die Staatsangeh\u00f6rigkeit eines Drittstaats besitzt. Dann kann eine Besonderheit greifen: Bei Drittstaatsangeh\u00f6rigen kann nach Art. 31 Abs. 3 des Austrittsabkommens nicht ohne Weiteres auf das neue Koordinierungsrecht nach der Verordnung (EG) Nr. 883\/2004 und der Verordnung (EG) Nr. 987\/2009 abgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stattdessen kann auf das fr\u00fchere Koordinierungsrecht verwiesen werden, also auf die Verordnung (EWG) Nr. 1408\/71 und die Verordnung (EWG) Nr. 574\/72.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann erhebliche Folgen haben. Denn das alte Koordinierungsrecht enth\u00e4lt nicht in jedem Punkt entsprechende Regelungen. Fehlt eine entsprechende Vorschrift, l\u00e4uft die Verweisung ins Leere.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Achtung: Nicht jeder UK-Bezug reicht aus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein h\u00e4ufiger Fehler besteht darin, jeden Kindergeldfall mit Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich weiterhin wie einen klassischen EU-Fall zu behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist nach dem BFH zu pauschal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Ende des \u00dcbergangszeitraums muss zuerst gekl\u00e4rt werden, ob das Austrittsabkommen \u00fcberhaupt eine Weitergeltung des Koordinierungsrechts anordnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst wenn diese Frage bejaht wird, stellt sich die n\u00e4chste Frage: Welcher Staat ist vorrangig zust\u00e4ndig und darf Deutschland das Kindergeld ganz oder teilweise k\u00fcrzen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praxisbeispiel: Differenzkindergeld nach dem Brexit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angenommen, ein Kind lebt mit der Mutter in Deutschland. Der Vater arbeitet im Vereinigten K\u00f6nigreich. Die Familienkasse geht davon aus, dass im Vereinigten K\u00f6nigreich ein Anspruch auf Familienleistungen besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kann sie nicht einfach automatisch deutsches Kindergeld k\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuerst muss gepr\u00fcft werden, ob f\u00fcr den Streitzeitraum nach dem Brexit \u00fcberhaupt noch Koordinierungsrecht anwendbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist das nicht der Fall, richtet sich der Anspruch st\u00e4rker nach deutschem Kindergeldrecht. Ist Koordinierungsrecht anwendbar, muss zus\u00e4tzlich gepr\u00fcft werden, welcher Staat vorrangig zust\u00e4ndig ist und ob ausl\u00e4ndische Leistungen tats\u00e4chlich zu ber\u00fccksichtigen sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Steuer-Tipp: Bescheide bei UK-Bezug genau pr\u00fcfen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eltern mit UK-Bezug sollten Kindergeldbescheide genau pr\u00fcfen lassen, wenn die Familienkasse nur Differenzkindergeld zahlt oder ausl\u00e4ndische Familienleistungen anrechnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig sind folgende Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>F\u00fcr welchen Zeitraum wurde Kindergeld gek\u00fcrzt?<\/li><li>Liegt der Zeitraum vor oder nach dem 31.12.2020?<\/li><li>Wer hatte am Ende des \u00dcbergangszeitraums einen Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich?<\/li><li>Bestand dieser Bezug ohne Unterbrechung fort?<\/li><li>Welche Staatsangeh\u00f6rigkeit haben Elternteil und Kind?<\/li><li>Wurde im Vereinigten K\u00f6nigreich tats\u00e4chlich eine Familienleistung gezahlt oder nur vermutet?<\/li><li>Hat die Familienkasse das Koordinierungsverfahren ordnungsgem\u00e4\u00df durchgef\u00fchrt?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei vorl\u00e4ufigen Bescheiden, \u00c4nderungsbescheiden und Einspruchsentscheidungen lohnt sich eine sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet die Entscheidung f\u00fcr Familien?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die BFH-Entscheidung bringt keine einfache Faustregel, aber wichtige Klarheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Brexit reicht ein blo\u00dfer UK-Bezug nicht aus, um automatisch die europ\u00e4ischen Koordinierungsregeln anzuwenden. Familienkassen m\u00fcssen genauer pr\u00fcfen, ob das Austrittsabkommen die Weitergeltung dieser Regeln im konkreten Fall wirklich anordnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Eltern kann das entscheidend sein. Denn die Frage, ob Deutschland das volle Kindergeld zahlen muss oder nur Differenzkindergeld, h\u00e4ngt oft von diesen Details ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Checkliste f\u00fcr Betroffene<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pr\u00fcfen Sie bei Kindergeldf\u00e4llen mit UK-Bezug insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Lebte oder arbeitete ein Elternteil am 31.12.2020 im Vereinigten K\u00f6nigreich?<\/li><li>Lebte das Kind am 31.12.2020 in Deutschland, der EU oder im Vereinigten K\u00f6nigreich?<\/li><li>Welche Staatsangeh\u00f6rigkeit besitzen Eltern und Kind?<\/li><li>Ging es um einen Anspruch vor oder nach dem Brexit-\u00dcbergangszeitraum?<\/li><li>Hat die Familienkasse nur Differenzkindergeld gezahlt?<\/li><li>Wurden britische Leistungen tats\u00e4chlich gezahlt oder lediglich angerechnet?<\/li><li>Gibt es Schreiben der britischen Beh\u00f6rde HM Revenue &amp; Customs?<\/li><li>Ist der Bescheid vorl\u00e4ufig oder endg\u00fcltig?<\/li><li>Wurde fristgerecht Einspruch eingelegt?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">FAQ zum Kindergeld nach Brexit<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gilt EU-Koordinierungsrecht nach dem Brexit noch f\u00fcr Kindergeldf\u00e4lle?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, aber nur in bestimmten Fallgruppen. Nach dem BFH gilt das EU-Koordinierungsrecht nach Ablauf des \u00dcbergangszeitraums nicht mehr automatisch. Es muss gepr\u00fcft werden, ob das Austrittsabkommen eine Weitergeltung anordnet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum ist der 31.12.2020 so wichtig?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 31.12.2020 war das Ende des Brexit-\u00dcbergangszeitraums. F\u00fcr sp\u00e4tere Kindergeldzeitr\u00e4ume kommt es entscheidend darauf an, ob am Ende dieses \u00dcbergangszeitraums eine gesch\u00fctzte grenz\u00fcberschreitende Situation bestand.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist Differenzkindergeld?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Differenzkindergeld bedeutet, dass Deutschland nicht das volle Kindergeld zahlt, sondern nur den Unterschied zwischen einer ausl\u00e4ndischen Familienleistung und dem h\u00f6heren deutschen Kindergeld.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Darf die Familienkasse britische Leistungen anrechnen, obwohl nichts ausgezahlt wurde?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das h\u00e4ngt vom Einzelfall ab. Zuerst ist zu pr\u00fcfen, ob \u00fcberhaupt Koordinierungsrecht anwendbar ist. Danach ist zu pr\u00fcfen, ob ein vorrangiger Anspruch im Vereinigten K\u00f6nigreich bestand und wie das Koordinierungsverfahren durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was passiert, wenn der andere Elternteil Drittstaatsangeh\u00f6riger ist?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kann nach Art. 31 Abs. 3 des Austrittsabkommens das alte Koordinierungsrecht nach der Verordnung (EWG) Nr. 1408\/71 und der Verordnung (EWG) Nr. 574\/72 relevant werden. Das kann zu anderen Ergebnissen f\u00fchren als das neue Koordinierungsrecht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hat der BFH der Mutter das volle Kindergeld zugesprochen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Der BFH hat das Urteil des Finanzgerichts aufgehoben und den Fall zur\u00fcckverwiesen. Das Finanzgericht muss weitere Tatsachen feststellen und anschlie\u00dfend neu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt klar: Nach dem Brexit gelten die europ\u00e4ischen Koordinierungsregeln f\u00fcr Kindergeldf\u00e4lle mit Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich nicht mehr automatisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Eltern, Familienkassen und Berater kommt es auf die genaue Fallgruppe an. Entscheidend sind insbesondere der Zeitraum, die grenz\u00fcberschreitende Situation am 31.12.2020, die Staatsangeh\u00f6rigkeit der Beteiligten und die Frage, ob neues oder altes Koordinierungsrecht anwendbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer einen Kindergeldbescheid mit K\u00fcrzung wegen angeblicher britischer Familienleistungen erh\u00e4lt, sollte den Bescheid daher nicht ungepr\u00fcft hinnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespr\u00e4ch mit einem Steuerberater.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Passende interne Themen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Kindergeld und <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/Steuerrechner\/Familienlastenausgleich.html\">Familienleistungen<\/a> im Steuerrecht<\/li><li><a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/Einspruch-Klage-Finanzgericht.html\">Einspruch<\/a> gegen Kindergeldbescheide<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>BFH, Urteil vom 18.03.2026 \u2013 III R 10\/25, ECLI:DE:BFH:2026:U.180326.IIIR10.25.0<\/li><li>BFH, Pressemitteilung Nr. 39\/26 vom 09.07.2026<\/li><li>Finanzgericht M\u00fcnster, Urteil vom 20.02.2025 \u2013 10 K 2123\/22 Kg, Vorinstanz<\/li><li>Art. 30, Art. 31 Abs. 3 und Art. 32 Abs. 1 Buchst. d des Abkommens \u00fcber den Austritt des Vereinigten K\u00f6nigreichs Gro\u00dfbritannien und Nordirland aus der Europ\u00e4ischen Union und der Europ\u00e4ischen Atomgemeinschaft<\/li><li>Art. 67, Art. 68 und Art. 69 der Verordnung (EG) Nr. 883\/2004<\/li><li>Art. 60 der Verordnung (EG) Nr. 987\/2009<\/li><li>Verordnung (EWG) Nr. 1408\/71 und Verordnung (EWG) Nr. 574\/72<\/li><li>\u00a7 62 EStG, \u00a7 63 EStG, \u00a7 64 EStG und \u00a7 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechtsstand: 09.07.2026 Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 18.03.2026 entschieden, wann in Kindergeldf\u00e4llen mit Bezug zum Vereinigten K\u00f6nigreich nach dem Brexit weiterhin europ\u00e4isches Koordinierungsrecht gilt. 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