{"id":79764,"date":"2026-07-09T17:56:44","date_gmt":"2026-07-09T15:56:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=79764"},"modified":"2026-07-09T17:57:21","modified_gmt":"2026-07-09T15:57:21","slug":"bfh-kein-analoger-lohnsteuer-erstattungsanspruch-des-arbeitnehmers-in-lohnsteuerfaellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-kein-analoger-lohnsteuer-erstattungsanspruch-des-arbeitnehmers-in-lohnsteuerfaellen\/","title":{"rendered":"BFH: Kein analoger Lohnsteuer-Erstattungsanspruch des Arbeitnehmers in Lohnsteuerf\u00e4llen"},"content":{"rendered":"<p><!-- SEO-Felder f\u00fcr WordPress\/SEO-Plugin --><\/p>\n<p><strong style=\"font-size: revert; color: initial;\">BFH-Entscheidung:<\/strong><span style=\"font-size: revert; color: initial;\"> BFH, Urteil vom 09.04.2026 \u2013 VI R 12\/24, ECLI:DE:BFH:2026:U.090426.VIR12.24.0<\/span><\/p>\n<article class=\"kanzlei-blogbeitrag\">\n<header>Der <strong>BFH Lohnsteuer-Erstattungsanspruch<\/strong> nach \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. analog ist f\u00fcr neue Lohnsteuerf\u00e4lle deutlich eingeschr\u00e4nkt: Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Arbeitnehmer zu Unrecht einbehaltene und abgef\u00fchrte Lohnsteuer nicht mehr \u00fcber eine analoge Anwendung dieser Vorschrift zur\u00fcckfordern k\u00f6nnen, wenn der Arbeitgeber abkommenswidrig oder trotz fehlender beschr\u00e4nkter Steuerpflicht Lohnsteuer einbehalten hat.<\/p>\n<div class=\"share-box\" style=\"border: 1px solid #e5e7eb; padding: 14px; border-radius: 10px; margin: 18px 0;\">\n<p>Das Urteil ist besonders wichtig f\u00fcr <strong>grenz\u00fcberschreitende Arbeitsverh\u00e4ltnisse<\/strong>, <strong>DBA-F\u00e4lle<\/strong>, <strong>Grenzg\u00e4nger<\/strong>, <strong>entsandte Arbeitnehmer<\/strong> und Arbeitgeber mit internationalem Mitarbeitereinsatz.<\/p>\n<\/div>\n<\/header>\n<section class=\"summary-box\" style=\"background: #f8fafc; border-left: 5px solid #1d4ed8; padding: 16px; margin: 22px 0;\">\n<h2>Worum geht es in der Entscheidung?<\/h2>\n<p>Bislang konnten sich Arbeitnehmer in bestimmten DBA-F\u00e4llen auf eine BFH-Rechtsprechung berufen, nach der ein Erstattungsanspruch analog \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. m\u00f6glich war. Diese Linie gibt der VI. Senat nun f\u00fcr die Zukunft auf. Entscheidend ist: <strong>Ein blo\u00dfer Erstattungsantrag reicht k\u00fcnftig regelm\u00e4\u00dfig nicht mehr aus<\/strong>. Stattdessen muss gepr\u00fcft werden, ob die Lohnsteuer-Anmeldung des Arbeitgebers angefochten oder ge\u00e4ndert werden kann.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Was hat der BFH konkret entschieden?<\/h2>\n<p>Der BFH stellt in seinem Urteil zwei zentrale Grunds\u00e4tze auf:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Keine Analogie mehr:<\/strong> Auch wenn der Arbeitgeber materiell-rechtlich zu Unrecht Lohnsteuer einbeh\u00e4lt und abf\u00fchrt, steht dem Arbeitnehmer kein Erstattungsanspruch analog \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. zu.<\/li>\n<li><strong>Vertrauensschutz:<\/strong> Die bisherige Rechtsprechung bleibt aus Gr\u00fcnden des Vertrauensschutzes anwendbar, wenn der Erstattungsanspruch bis zum Ablauf des Tages der Ver\u00f6ffentlichung der Entscheidung beim Finanzamt geltend gemacht wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Entscheidung wurde am <strong>09.07.2026<\/strong> ver\u00f6ffentlicht. Damit ist dieser Tag f\u00fcr Altf\u00e4lle praktisch entscheidend: Wer den entsprechenden Erstattungsanspruch bis dahin beim Finanzamt geltend gemacht hatte, kann sich weiterhin auf die bisherigen Grunds\u00e4tze berufen.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Welcher Sachverhalt lag dem Urteil zugrunde?<\/h2>\n<p>Der Kl\u00e4ger wohnte seit 2016 in der Schweiz und war im Streitjahr 2018 bei einer inl\u00e4ndischen GmbH als leitender Angestellter besch\u00e4ftigt. Das Arbeitsverh\u00e4ltnis wurde durch Aufhebungsvertrag zum 31.12.2018 beendet. Ab dem 18.05.2018 war der Kl\u00e4ger unter Fortzahlung seiner Bez\u00fcge unwiderruflich freigestellt.<\/p>\n<p>Vor der Freistellung arbeitete der Kl\u00e4ger an <strong>47 Arbeitstagen in Deutschland<\/strong>. Daneben gab es unter anderem Homeoffice-Tage in der Schweiz, Urlaub, Elternzeit und eine Freistellungsphase. Der Arbeitgeber f\u00fchrte f\u00fcr das Jahr 2018 Lohnsteuer ab. Der Arbeitnehmer beantragte sp\u00e4ter die Erstattung der Lohnsteuer, weil er sich auf das DBA-Schweiz und die Grenzg\u00e4ngerregelung berief.<\/p>\n<p>Der BFH gab dem Kl\u00e4ger nur teilweise Recht: Deutschland durfte den Arbeitslohn besteuern, der auf die 47 in Deutschland ausge\u00fcbten Arbeitstage entfiel. F\u00fcr dar\u00fcber hinausgehende Lohnbestandteile bestand zwar materiell-rechtlich grunds\u00e4tzlich kein deutsches Besteuerungsrecht. Ein allgemeiner Erstattungsanspruch analog \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. bestand aber nach der neuen BFH-Linie nicht mehr.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Warum scheitert der Erstattungsanspruch nach \u00a7 37 AO?<\/h2>\n<p>Der BFH begr\u00fcndet dies verfahrensrechtlich: Die Lohnsteuer-Anmeldung des Arbeitgebers steht nach \u00a7 168 Satz 1 AO einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung gleich. Solange diese Steueranmeldung als Rechtsgrund besteht, ist die abgef\u00fchrte Lohnsteuer nicht \u201eohne rechtlichen Grund\u201c im Sinne des \u00a7 37 Abs. 2 AO gezahlt.<\/p>\n<p>Der Arbeitnehmer kann die ihn betreffende Lohnsteuer-Anmeldung zwar aus eigenem Recht angreifen oder eine \u00c4nderung beantragen. Ein isolierter Antrag auf Erstattung ist aber nicht dasselbe wie eine Anfechtung oder ein \u00c4nderungsantrag. Genau das wurde dem Kl\u00e4ger im Streitfall grunds\u00e4tzlich zum Problem.<\/p>\n<div class=\"warning-box\" style=\"background: #fff7ed; border-left: 5px solid #f97316; padding: 16px; margin: 22px 0;\">\n<h3>Achtung \/ H\u00e4ufiger Fehler<\/h3>\n<p>Ein Schreiben mit dem Inhalt \u201eBitte erstatten Sie die zu viel einbehaltene Lohnsteuer\u201c kann nach der BFH-Entscheidung zu kurz greifen. In neuen F\u00e4llen sollte ausdr\u00fccklich gepr\u00fcft werden, ob die Lohnsteuer-Anmeldung angefochten oder nach \u00a7 164 Abs. 2 AO ge\u00e4ndert werden kann. Fristen und Bestandskraft sind dabei entscheidend.<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Warum gibt der BFH die bisherige Rechtsprechung auf?<\/h2>\n<p>Der VI. Senat sieht keine planwidrige Regelungsl\u00fccke. \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. regelte seinem Wortlaut und System nach Erstattungen bei bestimmten Quellensteuerf\u00e4llen, insbesondere Kapitalertragsteuer und Steuerabzug nach \u00a7 50a EStG. Eine ausdr\u00fcckliche gesetzliche Grundlage f\u00fcr die Erstattung von Lohnsteuer ohne vorherige Korrektur der Lohnsteuer-Anmeldung enth\u00e4lt die Vorschrift nicht.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des BFH h\u00e4tte der Gesetzgeber eine solche Lohnsteuer-Erstattungsregelung ausdr\u00fccklich schaffen k\u00f6nnen. Dass er dies nicht getan hat, spricht gegen eine analoge Anwendung. Hinzu kommt: Arbeitnehmer k\u00f6nnen die Lohnsteuer-Anmeldung grunds\u00e4tzlich aus eigenem Recht angreifen. Deshalb fehlt es nach Auffassung des BFH an der f\u00fcr eine Analogie erforderlichen planwidrigen L\u00fccke.<\/p>\n<div class=\"tip-box\" style=\"background: #ecfdf5; border-left: 5px solid #16a34a; padding: 16px; margin: 22px 0;\">\n<h3>Steuer-Tipp<\/h3>\n<p>Bei grenz\u00fcberschreitenden Lohnsteuerf\u00e4llen sollte fr\u00fchzeitig gekl\u00e4rt werden, ob Deutschland nach innerstaatlichem Recht und nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen \u00fcberhaupt besteuern darf. Je fr\u00fcher der Fehler erkannt wird, desto eher kommen Korrekturen im Lohnsteuerabzug, eine \u00c4nderung der Lohnsteuer-Anmeldung oder eine Veranlagungsl\u00f6sung in Betracht.<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Was bedeutet der Vertrauensschutz?<\/h2>\n<p>Der BFH wendet die neue Rechtsprechung nur f\u00fcr die Zukunft an. F\u00fcr bereits geltend gemachte Anspr\u00fcche bleibt die bisherige Linie anwendbar, wenn der Erstattungsanspruch bis zum Ablauf des Ver\u00f6ffentlichungstags der Entscheidung beim Finanzamt gestellt wurde.<\/p>\n<p>Da die Entscheidung am <strong>09.07.2026<\/strong> ver\u00f6ffentlicht wurde, sollten offene F\u00e4lle genau darauf gepr\u00fcft werden, ob der Erstattungsantrag rechtzeitig und inhaltlich ausreichend gestellt wurde.<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse; margin: 22px 0;\">\n<thead>\n<tr>\n<th style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px; text-align: left;\">Fallgruppe<\/th>\n<th style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px; text-align: left;\">Praktische Folge<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Erstattungsantrag bis einschlie\u00dflich 09.07.2026 gestellt<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Bisherige Grunds\u00e4tze k\u00f6nnen aus Vertrauensschutz weiter anwendbar sein.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Erstattungsantrag erst nach dem 09.07.2026<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Analoge Anwendung von \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. tr\u00e4gt nach der BFH-Entscheidung grunds\u00e4tzlich nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Lohnsteuer-Anmeldung noch \u00e4nderbar<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Anfechtung oder \u00c4nderungsantrag pr\u00fcfen, insbesondere \u00a7 168 AO und \u00a7 164 Abs. 2 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Arbeitgeber kann Lohnsteuerabzug noch korrigieren<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #d1d5db; padding: 10px;\">Korrektur nach \u00a7 41c EStG pr\u00fcfen; nach \u00dcbermittlung der Lohnsteuerbescheinigung gelten enge Grenzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Welche Rolle spielte die Freistellung im Streitfall?<\/h2>\n<p>F\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2018 entschied der BFH: W\u00e4hrend der unwiderruflichen Freistellung lag keine Arbeitsaus\u00fcbung oder Arbeitsverwertung im Inland vor. Auch ein im Aufhebungsvertrag geregeltes Wettbewerbsverbot \u00e4nderte daran im Streitfall nichts, weil hierf\u00fcr keine gesonderte Verg\u00fctung vereinbart war.<\/p>\n<p>Wichtig: Der BFH weist zugleich auf die seit dem Veranlagungszeitraum 2024 geltende Neuregelung in \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. f EStG hin. Danach k\u00f6nnen Verg\u00fctungen f\u00fcr Zeiten einer widerruflichen oder unwiderruflichen Arbeitsfreistellung im Zusammenhang mit der Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses unter bestimmten Voraussetzungen zu beschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Eink\u00fcnften f\u00fchren.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Praxisbeispiel: Wie wird der steuerpflichtige Arbeitslohn aufgeteilt?<\/h2>\n<p><strong>Beispiel:<\/strong> Ein in der Schweiz ans\u00e4ssiger Arbeitnehmer erh\u00e4lt f\u00fcr ein Jahr 120.000 Euro Arbeitslohn. Nach Abzug von Urlaub, Wochenenden, Feiertagen und anderen arbeitsfreien Tagen ergeben sich 240 regul\u00e4re Arbeitstage. Davon wurden 47 Tage in Deutschland ausge\u00fcbt.<\/p>\n<p><strong>Berechnung:<\/strong> 120.000 Euro \u00d7 47 \/ 240 = 23.500 Euro.<\/p>\n<p>In diesem vereinfachten Beispiel entf\u00e4llt ein Arbeitslohnanteil von 23.500 Euro auf die in Deutschland ausge\u00fcbten Arbeitstage. Ob und in welcher H\u00f6he Deutschland diesen Anteil besteuern darf, h\u00e4ngt zus\u00e4tzlich vom jeweiligen DBA, der Ans\u00e4ssigkeit, der Grenzg\u00e4ngereigenschaft und den konkreten Arbeitstagen ab.<\/p>\n<\/section>\n<section>Infografik: Was ist nach dem BFH-Urteil zu pr\u00fcfen?<\/p>\n<p>Die wichtigsten Pr\u00fcfschritte: DBA-Fehler erkennen, Ver\u00f6ffentlichungsdatum pr\u00fcfen, Vertrauensschutz bewerten und den richtigen Verfahrensweg w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>1. DBA-\/Lohnsteuerfehler<br \/>\nWurde Lohnsteuer<br \/>\nzu Unrecht einbehalten?<\/p>\n<p>2. Antrag bis 09.07.2026?<br \/>\nNur dann kommt<br \/>\nVertrauensschutz in Betracht<\/p>\n<p>3. Richtiger Rechtsweg<br \/>\nAnfechtung\/\u00c4nderung<br \/>\nder Lohnsteuer-Anmeldung<\/p>\n<p>Kernaussage des BFH<br \/>\nEin isolierter Erstattungsantrag analog \u00a7 50d EStG a. F.<br \/>\ntr\u00e4gt f\u00fcr neue Lohnsteuerf\u00e4lle grunds\u00e4tzlich nicht mehr.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Checkliste: Was sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber jetzt tun?<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Offene Erstattungsf\u00e4lle pr\u00fcfen:<\/strong> Wurde der Antrag bis einschlie\u00dflich 09.07.2026 gestellt?<\/li>\n<li><strong>Verfahrensstand kl\u00e4ren:<\/strong> Ist die Lohnsteuer-Anmeldung noch unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung?<\/li>\n<li><strong>Richtigen Antrag formulieren:<\/strong> Nicht nur R\u00fcckzahlung beantragen, sondern Anfechtung oder \u00c4nderung der Lohnsteuer-Anmeldung pr\u00fcfen.<\/li>\n<li><strong>DBA-Unterlagen sichern:<\/strong> Ans\u00e4ssigkeitsbescheinigungen, Arbeitstagekalender, Homeoffice-Nachweise und Reisedokumentation bereithalten.<\/li>\n<li><strong>Freistellungsphasen gesondert pr\u00fcfen:<\/strong> Seit dem Veranlagungszeitraum 2024 kann \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. f EStG relevant sein.<\/li>\n<li><strong>Payroll-Prozesse anpassen:<\/strong> Arbeitgeber sollten grenz\u00fcberschreitende Lohnsteuerf\u00e4lle vor der Abrechnung steuerlich pr\u00fcfen lassen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/section>\n<section class=\"cta-box\" style=\"background: #eff6ff; border: 1px solid #bfdbfe; padding: 18px; border-radius: 12px; margin: 24px 0;\">\n<h2>Unsere Einsch\u00e4tzung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n<p>Das Urteil verschiebt den Fokus von der materiellen Steuerpflicht auf das Verfahrensrecht. Selbst wenn Deutschland nach DBA oder innerstaatlichem Recht zu viel Lohnsteuer erhalten hat, ist der Erstattungsweg nicht automatisch er\u00f6ffnet. F\u00fcr Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedeutet das: <strong>Fristen, Lohnsteuer-Anmeldungen und der richtige Antrag werden entscheidend.<\/strong><\/p>\n<p>Gerne pr\u00fcfen wir f\u00fcr Sie, ob in Ihrem Fall noch eine Erstattung, \u00c4nderung oder Korrektur der Lohnsteuer m\u00f6glich ist.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>FAQ zum BFH-Urteil VI R 12\/24<\/h2>\n<h3>1. Was hat der BFH zur Lohnsteuer-Erstattung entschieden?<\/h3>\n<p>Der BFH hat entschieden, dass Arbeitnehmer in Lohnsteuerf\u00e4llen keinen Erstattungsanspruch analog \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. haben, wenn der Arbeitgeber zu Unrecht Lohnsteuer einbehalten und abgef\u00fchrt hat.<\/p>\n<h3>2. Gilt das auch bei einem DBA-Fehler?<\/h3>\n<p>Ja. Die Entscheidung betrifft ausdr\u00fccklich F\u00e4lle, in denen der Arbeitgeber abkommenswidrig Lohnsteuer einbehalten hat, also obwohl das Besteuerungsrecht nach einem Doppelbesteuerungsabkommen nicht oder nicht vollst\u00e4ndig Deutschland zustand.<\/p>\n<h3>3. Was gilt f\u00fcr bereits gestellte Erstattungsantr\u00e4ge?<\/h3>\n<p>F\u00fcr bis zum Ablauf des Ver\u00f6ffentlichungstags der Entscheidung gestellte Erstattungsantr\u00e4ge gelten die bisherigen Grunds\u00e4tze aus Vertrauensschutzgr\u00fcnden weiter. Ma\u00dfgeblich ist hier der 09.07.2026.<\/p>\n<h3>4. Reicht k\u00fcnftig ein Antrag nach \u00a7 37 AO?<\/h3>\n<p>In der Regel nicht. Besteht die Lohnsteuer-Anmeldung als Rechtsgrund fort, fehlt es nach der BFH-Argumentation an einer Zahlung ohne rechtlichen Grund. Zu pr\u00fcfen ist daher vor allem die Anfechtung oder \u00c4nderung der Lohnsteuer-Anmeldung.<\/p>\n<h3>5. K\u00f6nnen Arbeitnehmer die Lohnsteuer-Anmeldung des Arbeitgebers anfechten?<\/h3>\n<p>Ja, der BFH best\u00e4tigt, dass Arbeitnehmer die sie betreffende Lohnsteuer-Anmeldung aus eigenem Recht angreifen oder eine \u00c4nderung beantragen k\u00f6nnen. Ob das noch m\u00f6glich ist, h\u00e4ngt vom konkreten Verfahrensstand und von Fristen ab.<\/p>\n<h3>6. Was bedeutet das Urteil f\u00fcr Arbeitgeber?<\/h3>\n<p>Arbeitgeber mit grenz\u00fcberschreitenden Arbeitnehmern sollten DBA-Fragen fr\u00fchzeitig vor dem Lohnsteuerabzug pr\u00fcfen. Wird zu viel Lohnsteuer einbehalten, kann eine sp\u00e4tere Korrektur verfahrensrechtlich schwierig werden.<\/p>\n<h3>7. Welche Bedeutung hat die Freistellung bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses?<\/h3>\n<p>Im Streitjahr 2018 sah der BFH w\u00e4hrend der unwiderruflichen Freistellung keine Arbeitsaus\u00fcbung oder Arbeitsverwertung im Inland. Seit dem Veranlagungszeitraum 2024 ist jedoch \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. f EStG zu beachten.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Weitere Infos<\/h2>\n<ul>\n<li>Internationale Mitarbeitereins\u00e4tze und Doppelbesteuerungsabkommen<\/li>\n<li>Lohnsteuer bei Grenzg\u00e4ngern und beschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern<\/li>\n<li>Aufhebungsvertrag, Freistellung und Abfindung steuerlich pr\u00fcfen<\/li>\n<\/ul>\n<\/section>\n<section class=\"disclaimer\" style=\"font-size: 0.95em; color: #475569; border-top: 1px solid #e2e8f0; margin-top: 28px; padding-top: 16px;\"><strong>Disclaimer:<\/strong> Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespr\u00e4ch mit einem Steuerberater.<\/p>\n<\/section>\n<section>\n<h2>Quellenverzeichnis<\/h2>\n<ol>\n<li>BFH, Urteil vom 09.04.2026 \u2013 VI R 12\/24, ECLI:DE:BFH:2026:U.090426.VIR12.24.0, ver\u00f6ffentlicht am 09.07.2026.<\/li>\n<li>BFH, Leits\u00e4tze zu VI R 12\/24: Kein Erstattungsanspruch analog \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F.; Vertrauensschutz f\u00fcr bis zum Ver\u00f6ffentlichungstag gestellte Antr\u00e4ge.<\/li>\n<li>BFH, Urteil vom 21.10.2009 \u2013 I R 70\/08, BFHE 226, 529, BStBl II 2012, 493; bisherige Rechtsprechung zur analogen Anwendung in Lohnsteuerf\u00e4llen.<\/li>\n<li>FG M\u00fcnchen, Urteil vom 15.03.2024 \u2013 8 K 883\/23, Vorinstanz.<\/li>\n<li>\u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F.; \u00a7 50c Abs. 3 Satz 1 EStG; \u00a7 37 Abs. 2 AO; \u00a7 38 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG; \u00a7 41a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 EStG; \u00a7 164 Abs. 2 AO; \u00a7 168 Satz 1 AO; \u00a7 218 AO.<\/li>\n<li>Art. 15 und Art. 15a DBA-Schweiz 1971\/2010; \u00a7 15 Satz 4 KonsVerCHEV.<\/li>\n<li>BMF-Schreiben vom 27.06.2022 \u2013 IV B 8 &#8211; S 2301\/13\/10002, DOK2022\/0063809, BStBl I 2022, 956, DBA-rechtliche Lohnsteuererstattung bei zu Unrecht einbehaltener Lohnsteuer.<\/li>\n<li>LStH 2026, H 41c.1 \u201eErstattungsantrag\u201c und R 41c.1 zur \u00c4nderung des Lohnsteuerabzugs.<\/li>\n<\/ol>\n<\/section>\n<\/article>\n<p><script type=\"application\/ld+json\"><br \/>\n{<br \/>\n  \"@context\": \"https:\/\/schema.org\",<br \/>\n  \"@type\": \"FAQPage\",<br \/>\n  \"mainEntity\": [<br \/>\n    {<br \/>\n      \"@type\": \"Question\",<br \/>\n      \"name\": \"Was hat der BFH zur Lohnsteuer-Erstattung entschieden?\",<br \/>\n      \"acceptedAnswer\": {<br \/>\n        \"@type\": \"Answer\",<br \/>\n        \"text\": \"Der BFH hat entschieden, dass Arbeitnehmer in Lohnsteuerf\u00e4llen keinen Erstattungsanspruch analog \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. haben, wenn der Arbeitgeber zu Unrecht Lohnsteuer einbehalten und abgef\u00fchrt hat.\"<br \/>\n      }<br \/>\n    },<br \/>\n    {<br \/>\n      \"@type\": \"Question\",<br \/>\n      \"name\": \"Gilt das auch bei einem DBA-Fehler?\",<br \/>\n      \"acceptedAnswer\": {<br \/>\n        \"@type\": \"Answer\",<br \/>\n        \"text\": \"Ja. 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Ma\u00dfgeblich ist hier der 09.07.2026.\"<br \/>\n      }<br \/>\n    },<br \/>\n    {<br \/>\n      \"@type\": \"Question\",<br \/>\n      \"name\": \"Reicht k\u00fcnftig ein Antrag nach \u00a7 37 AO?\",<br \/>\n      \"acceptedAnswer\": {<br \/>\n        \"@type\": \"Answer\",<br \/>\n        \"text\": \"In der Regel nicht. Besteht die Lohnsteuer-Anmeldung als Rechtsgrund fort, fehlt es nach der BFH-Argumentation an einer Zahlung ohne rechtlichen Grund. Zu pr\u00fcfen ist daher die Anfechtung oder \u00c4nderung der Lohnsteuer-Anmeldung.\"<br \/>\n      }<br \/>\n    },<br \/>\n    {<br \/>\n      \"@type\": \"Question\",<br \/>\n      \"name\": \"K\u00f6nnen Arbeitnehmer die Lohnsteuer-Anmeldung des Arbeitgebers anfechten?\",<br \/>\n      \"acceptedAnswer\": {<br \/>\n        \"@type\": \"Answer\",<br \/>\n        \"text\": \"Ja. Der BFH best\u00e4tigt, dass Arbeitnehmer die sie betreffende Lohnsteuer-Anmeldung aus eigenem Recht angreifen oder eine \u00c4nderung beantragen k\u00f6nnen. Ob dies noch m\u00f6glich ist, h\u00e4ngt vom konkreten Verfahrensstand und von Fristen ab.\"<br \/>\n      }<br \/>\n    },<br \/>\n    {<br \/>\n      \"@type\": \"Question\",<br \/>\n      \"name\": \"Was bedeutet das Urteil f\u00fcr Arbeitgeber?\",<br \/>\n      \"acceptedAnswer\": {<br \/>\n        \"@type\": \"Answer\",<br \/>\n        \"text\": \"Arbeitgeber mit grenz\u00fcberschreitenden Arbeitnehmern sollten DBA-Fragen fr\u00fchzeitig vor dem Lohnsteuerabzug pr\u00fcfen. Wird zu viel Lohnsteuer einbehalten, kann eine sp\u00e4tere Korrektur verfahrensrechtlich schwierig werden.\"<br \/>\n      }<br \/>\n    },<br \/>\n    {<br \/>\n      \"@type\": \"Question\",<br \/>\n      \"name\": \"Welche Bedeutung hat die Freistellung bei Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses?\",<br \/>\n      \"acceptedAnswer\": {<br \/>\n        \"@type\": \"Answer\",<br \/>\n        \"text\": \"Im Streitjahr 2018 sah der BFH w\u00e4hrend der unwiderruflichen Freistellung keine Arbeitsaus\u00fcbung oder Arbeitsverwertung im Inland. Seit dem Veranlagungszeitraum 2024 ist jedoch \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 Buchst. f EStG zu beachten.\"<br \/>\n      }<br \/>\n    }<br \/>\n  ]<br \/>\n}<br \/>\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Entscheidung: BFH, Urteil vom 09.04.2026 \u2013 VI R 12\/24, ECLI:DE:BFH:2026:U.090426.VIR12.24.0 Der BFH Lohnsteuer-Erstattungsanspruch nach \u00a7 50d Abs. 1 Satz 2 EStG a. F. analog ist f\u00fcr neue Lohnsteuerf\u00e4lle deutlich eingeschr\u00e4nkt: Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Arbeitnehmer zu Unrecht einbehaltene und abgef\u00fchrte Lohnsteuer nicht mehr \u00fcber eine analoge Anwendung dieser Vorschrift zur\u00fcckfordern k\u00f6nnen, wenn der Arbeitgeber &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-kein-analoger-lohnsteuer-erstattungsanspruch-des-arbeitnehmers-in-lohnsteuerfaellen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH: Kein analoger Lohnsteuer-Erstattungsanspruch des Arbeitnehmers in Lohnsteuerf\u00e4llen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79764"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79764\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}