{"id":80788,"date":"2026-08-21T16:07:00","date_gmt":"2026-08-21T14:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=80788"},"modified":"2026-08-21T16:07:00","modified_gmt":"2026-08-21T14:07:00","slug":"bfh-abkommensrechtliche-sperrwirkung-fuer-den-formellen-fremdvergleich-bei-vga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-abkommensrechtliche-sperrwirkung-fuer-den-formellen-fremdvergleich-bei-vga\/","title":{"rendered":"BFH: Abkommensrechtliche Sperrwirkung f\u00fcr den formellen Fremdvergleich bei vGA"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>BFH-Urteil I R 57\/23: Art. 9 DBA-Zypern sperrt bei verdeckten Gewinnaussch\u00fcttungen den formellen Fremdvergleich. Was Unternehmen jetzt beachten m\u00fcssen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom <strong>24. Juni 2026 (Az. I R 57\/23)<\/strong> eine wichtige Entscheidung zur <strong>verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung (vGA) bei grenz\u00fcberschreitenden Konzernstrukturen<\/strong> getroffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit der sogenannte <strong>formelle Fremdvergleich bei beherrschenden Gesellschaftern<\/strong> durch ein Doppelbesteuerungsabkommen eingeschr\u00e4nkt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH best\u00e4tigt: <strong>Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern 2011 kann die Anwendung des formellen Fremdvergleichs sperren.<\/strong> Eine vGA darf damit in den vom Abkommen erfassten F\u00e4llen nicht allein deshalb angenommen werden, weil es beispielsweise an einer im Voraus getroffenen, klaren und eindeutigen Vereinbarung zwischen verbundenen Unternehmen fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung ist insbesondere f\u00fcr <strong>international t\u00e4tige GmbHs, Holdingstrukturen, Konzernunternehmen und grenz\u00fcberschreitende Leistungsbeziehungen zwischen nahestehenden Gesellschaften<\/strong> von erheblicher Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist der formelle Fremdvergleich bei einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach \u00a7 8 Abs. 3 Satz 2 KStG mindern verdeckte Gewinnaussch\u00fcttungen das Einkommen einer Kapitalgesellschaft nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem <strong>beherrschenden Gesellschafter<\/strong> gelten dabei traditionell besonders strenge Anforderungen. Leistungsbeziehungen zwischen Gesellschaft und Gesellschafter m\u00fcssen grunds\u00e4tzlich<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>im Voraus vereinbart,<\/li><li>klar und eindeutig geregelt,<\/li><li>zivilrechtlich wirksam und<\/li><li>entsprechend der getroffenen Vereinbarung tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fehlt es an diesen Voraussetzungen, kann bereits dieser <strong>formelle Mangel<\/strong> f\u00fcr eine gesellschaftsrechtliche Veranlassung und damit f\u00fcr die Annahme einer vGA sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davon zu unterscheiden ist der <strong>materielle Fremdvergleich<\/strong>. Hier geht es darum, ob der Inhalt und insbesondere die wirtschaftlichen Konditionen einer Vereinbarung dem entsprechen, was voneinander unabh\u00e4ngige Dritte unter vergleichbaren Umst\u00e4nden vereinbart h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung ist f\u00fcr das neue BFH-Urteil entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was regelt Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern enth\u00e4lt \u2013 entsprechend Art. 9 Abs. 1 OECD-Musterabkommen \u2013 den internationalen <strong>Fremdvergleichsgrundsatz (\u201edealing at arm&#8217;s length\u201c) f\u00fcr verbundene Unternehmen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach d\u00fcrfen Gewinne eines Unternehmens korrigiert werden, wenn zwischen verbundenen Unternehmen hinsichtlich ihrer kaufm\u00e4nnischen oder finanziellen Beziehungen Bedingungen vereinbart oder auferlegt werden, die von den Bedingungen zwischen unabh\u00e4ngigen Unternehmen abweichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorschrift soll damit gew\u00e4hrleisten, dass grenz\u00fcberschreitende Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen steuerlich grunds\u00e4tzlich so behandelt werden, als w\u00e4ren sie zwischen unabh\u00e4ngigen Dritten abgeschlossen worden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entscheidung des BFH: DBA sperrt den formellen Fremdvergleich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt nun ausdr\u00fccklich fest:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Bei einer vGA wird der formelle Fremdvergleich nach den Sonderbedingungen f\u00fcr beherrschende Gesellschafter und ihnen nahestehende Personen durch Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern 2011 gesperrt.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist steuerlich ausgesprochen relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Gewinnkorrektur kann im Anwendungsbereich des DBA damit <strong>nicht allein darauf gest\u00fctzt werden, dass die besonderen formellen Anforderungen des deutschen vGA-Rechts nicht eingehalten wurden<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist vielmehr der abkommensrechtliche Fremdvergleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Finanzverwaltung muss somit pr\u00fcfen, ob die tats\u00e4chlichen wirtschaftlichen oder finanziellen Bedingungen der Gesch\u00e4ftsbeziehung von denjenigen abweichen, die unabh\u00e4ngige Unternehmen vereinbart h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Formeller und materieller Fremdvergleich sind zu trennen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das BFH-Urteil bedeutet allerdings <strong>keinen generellen Schutz vor einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sperrwirkung betrifft den <strong>formellen Fremdvergleich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein <strong>materieller Fremdvergleich bleibt weiterhin erforderlich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet beispielsweise:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird einer deutschen GmbH von einem ausl\u00e4ndischen verbundenen Unternehmen eine Leistung zu einem deutlich \u00fcberh\u00f6hten Preis in Rechnung gestellt, kann weiterhin zu untersuchen sein, welcher Preis zwischen fremden Dritten vereinbart worden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die blo\u00dfe Tatsache, dass beispielsweise<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>keine schriftliche Vereinbarung vorliegt,<\/li><li>eine Vereinbarung nicht rechtzeitig abgeschlossen wurde oder<\/li><li>bestimmte innerstaatliche Formerfordernisse f\u00fcr beherrschende Gesellschafter nicht eingehalten wurden,<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">kann dagegen im Anwendungsbereich des Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern nicht ohne Weiteres die Einkommenskorrektur tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits das FG Berlin-Brandenburg hatte in der Vorinstanz darauf hingewiesen, dass Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern den abkommensrechtlichen \u201edealing at arm&#8217;s length\u201c-Grundsatz enth\u00e4lt und weitergehende innerstaatliche Korrekturm\u00f6glichkeiten innerhalb seines Anwendungsbereichs begrenzen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der zugrunde liegende Fall<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Verfahren lag eine grenz\u00fcberschreitende Konzernstruktur zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin war eine deutsche GmbH. Ihre Gesellschafterin war eine in Zypern ans\u00e4ssige Limited, die wiederum zu einer ebenfalls in Zypern ans\u00e4ssigen Konzernstruktur geh\u00f6rte. Im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Immobilie wurden der deutschen Gesellschaft Leistungen aus dem Konzern in Rechnung gestellt. F\u00fcr diese Leistungen bestanden teilweise keine im Voraus abgeschlossenen Vereinbarungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Finanzverwaltung behandelte einen Teil der Zahlungen beziehungsweise Aufwendungen als verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG Berlin-Brandenburg sah demgegen\u00fcber hinsichtlich des formellen Fremdvergleichs eine <strong>Sperrwirkung des Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern<\/strong>. Auch die Tatsache, dass die Leistungsbeziehung zu einer in Deutschland belegenen Zweigniederlassung bestand, \u00e4nderte nach Auffassung des Finanzgerichts daran grunds\u00e4tzlich nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat die zentrale abkommensrechtliche Aussage nun best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wichtige Einschr\u00e4nkung: Es muss sich um \u201eUnternehmen\u201c im Sinne des DBA handeln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig ist der zweite Leitsatz des BFH.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sperrwirkung des Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern greift n\u00e4mlich nur, wenn tats\u00e4chlich <strong>abkommensrechtliche Unternehmen im Sinne von Art. 3 Abs. 1 Buchst. f und g DBA-Zypern<\/strong> beteiligt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellt ausdr\u00fccklich klar:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine rein verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit reicht hierf\u00fcr nicht aus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die deutschen gesetzlichen Gewerblichkeitsfiktionen helfen nicht weiter. Nach dem BFH sind insbesondere<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u00a7 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG und<\/li><li>\u00a7 8 Abs. 2 KStG<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">f\u00fcr die Bestimmung des abkommensrechtlichen Unternehmensbegriffs nicht ma\u00dfgebend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit trennt der BFH konsequent zwischen dem <strong>innerstaatlichen deutschen Steuerrecht<\/strong> und der <strong>eigenst\u00e4ndigen abkommensrechtlichen Qualifikation<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beispiel: Holding oder verm\u00f6gensverwaltende Gesellschaft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unterscheidung kann erhebliche praktische Auswirkungen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angenommen, eine deutsche GmbH steht in einer Leistungsbeziehung mit einer ausl\u00e4ndischen Gesellschaft, die ausschlie\u00dflich Beteiligungen oder anderes Verm\u00f6gen h\u00e4lt und keinerlei dar\u00fcber hinausgehende unternehmerische T\u00e4tigkeit entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allein die Tatsache, dass diese Gesellschaft nach deutschem Steuerrecht aufgrund ihrer Rechtsform oder einer gesetzlichen Fiktion als gewerblich behandelt w\u00fcrde, reicht nach dem BFH nicht zwingend aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst muss gepr\u00fcft werden, ob sie tats\u00e4chlich als <strong>\u201eUnternehmen\u201c im abkommensrechtlichen Sinne<\/strong> anzusehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist dies nicht der Fall, kann bereits der Anwendungsbereich des Art. 9 DBA und damit auch die Sperrwirkung gegen\u00fcber dem formellen Fremdvergleich entfallen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was bedeutet das Urteil f\u00fcr die Praxis?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil ist insbesondere bei grenz\u00fcberschreitenden Leistungsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen von Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Formm\u00e4ngel f\u00fchren nicht automatisch zur vGA<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Anwendung eines Art. 9 OECD-MA entsprechenden DBA kann die Finanzverwaltung eine vGA nicht ohne Weiteres ausschlie\u00dflich auf die besonderen formellen Anforderungen f\u00fcr beherrschende Gesellschafter st\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Der materielle Fremdvergleich bleibt entscheidend<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unternehmen sollten daraus keinesfalls ableiten, dass Vertr\u00e4ge zwischen verbundenen Unternehmen steuerlich unproblematisch w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Preise, Verg\u00fctungen und sonstige Konditionen m\u00fcssen weiterhin <strong>fremd\u00fcblich<\/strong> sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Management Fees,<\/li><li>Beratungsleistungen,<\/li><li>Darlehen,<\/li><li>Lizenzzahlungen,<\/li><li>Immobiliengesch\u00e4ften,<\/li><li>Kostenumlagen und<\/li><li>sonstigen konzerninternen Dienstleistungen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">bleibt eine nachvollziehbare Fremdvergleichsdokumentation von erheblicher Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Unternehmensbegriff des DBA zuerst pr\u00fcfen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einer Berufung auf die Sperrwirkung muss gepr\u00fcft werden, ob auf beiden Seiten \u00fcberhaupt <strong>Unternehmen im abkommensrechtlichen Sinne<\/strong> beteiligt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei reinen Holding- und Verm\u00f6gensverwaltungsgesellschaften kann dies zum entscheidenden Streitpunkt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Deutsche Gewerblichkeitsfiktionen reichen nicht aus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Gesellschaft kann nach deutschem Steuerrecht als gewerblich gelten, ohne deshalb automatisch ein Unternehmen im Sinne des jeweiligen DBA zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die abkommensrechtliche Pr\u00fcfung muss eigenst\u00e4ndig erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr Betriebspr\u00fcfungen und Einspruchsverfahren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders interessant ist das Urteil f\u00fcr bereits laufende <strong>Betriebspr\u00fcfungen, Einspruchs- und Klageverfahren<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat das Finanzamt eine vGA bei einem grenz\u00fcberschreitenden Sachverhalt im Wesentlichen deshalb angenommen, weil<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>kein Vertrag vor Beginn der Leistung vorlag,<\/li><li>die Vereinbarung nicht hinreichend eindeutig formuliert war oder<\/li><li>die Vereinbarung nicht exakt wie vereinbart durchgef\u00fchrt wurde,<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">sollte gepr\u00fcft werden, ob ein einschl\u00e4giges Doppelbesteuerungsabkommen eine mit Art. 9 Abs. 1 OECD-MA vergleichbare Regelung enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist dies der Fall, kann das BFH-Urteil <strong>I R 57\/23<\/strong> ein wichtiger Ansatzpunkt gegen eine allein auf den formellen Fremdvergleich gest\u00fctzte Einkommenskorrektur sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich darf jedoch der zweite Pr\u00fcfungsschritt nicht \u00fcbersehen werden: Die tats\u00e4chlichen Konditionen m\u00fcssen weiterhin einem <strong>materiellen Fremdvergleich<\/strong> standhalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das BFH-Urteil vom <strong>24.06.2026 \u2013 I R 57\/23<\/strong> st\u00e4rkt die Bedeutung des Abkommensrechts bei grenz\u00fcberschreitenden Leistungsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern sperrt den besonderen formellen Fremdvergleich des deutschen vGA-Rechts f\u00fcr beherrschende Gesellschafter.<\/strong> Eine verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung kann daher im Anwendungsbereich der Vorschrift nicht allein daraus hergeleitet werden, dass die besonderen deutschen Anforderungen an vorherige, klare und eindeutige Vereinbarungen nicht erf\u00fcllt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung hat jedoch eine wichtige Grenze: <strong>Art. 9 DBA greift nur bei Unternehmen im abkommensrechtlichen Sinne. Rein verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeiten gen\u00fcgen nicht; nationale Gewerblichkeitsfiktionen k\u00f6nnen den erforderlichen Unternehmenscharakter nicht ersetzen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Beratungspraxis ergibt sich damit eine klare Pr\u00fcfungsreihenfolge:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Ist das einschl\u00e4gige Doppelbesteuerungsabkommen anwendbar?<\/li><li>Liegen auf beiden Seiten Unternehmen im abkommensrechtlichen Sinne vor?<\/li><li>Beruht die vom Finanzamt angenommene vGA lediglich auf dem formellen Fremdvergleich?<\/li><li>Sind die vereinbarten Preise und sonstigen Konditionen materiell fremd\u00fcblich?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei internationalen Konzern-, Holding- und Gesellschafterstrukturen sollte diese Pr\u00fcfung k\u00fcnftig fester Bestandteil der steuerlichen Verteidigung gegen vGA-Korrekturen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof, Urteil vom 24.06.2026 \u2013 I R 57\/23; Vorinstanz: FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.09.2023 \u2013 8 K 8171\/21.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH-Urteil I R 57\/23: Art. 9 DBA-Zypern sperrt bei verdeckten Gewinnaussch\u00fcttungen den formellen Fremdvergleich. 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