{"id":81041,"date":"2026-10-26T16:55:24","date_gmt":"2026-10-26T14:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=81041"},"modified":"2026-10-26T16:55:24","modified_gmt":"2026-10-26T14:55:24","slug":"cum-ex-finanzgericht-bestaetigt-hinterziehungszinsen-in-millionenhoehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/cum-ex-finanzgericht-bestaetigt-hinterziehungszinsen-in-millionenhoehe\/","title":{"rendered":"Cum-Ex: Finanzgericht best\u00e4tigt Hinterziehungszinsen in Millionenh\u00f6he"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hinterziehungszinsen bei Cum-Ex-Gesch\u00e4ften k\u00f6nnen auch Jahre nach der urspr\u00fcnglichen Steueranrechnung erhebliche finanzielle Folgen haben.<\/strong> Das Finanzgericht Hamburg hat mit Urteil vom 23. September 2026 (Az. 6 K 44\/22) die Klage einer Bankengruppe gegen entsprechende Zinsfestsetzungen abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Streit standen Aktiengesch\u00e4fte aus den Jahren 2007 bis 2009, bei denen Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag in zweistelliger Millionenh\u00f6he angerechnet worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Finanzverwaltung hatte diese Anrechnungen sp\u00e4ter zur\u00fcckgenommen und zus\u00e4tzlich Hinterziehungszinsen festgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht best\u00e4tigte nun die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Zinsen. Dabei st\u00fctzte es sich sowohl auf die Bindungswirkung eines fr\u00fcheren rechtskr\u00e4ftigen Urteils als auch auf eine eigene W\u00fcrdigung der Voraussetzungen einer Steuerhinterziehung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung verdeutlicht, dass steuerlich unberechtigte Vorteile nicht nur zur\u00fcckgefordert werden k\u00f6nnen. Liegen die Voraussetzungen einer Steuerhinterziehung vor, kommt eine zus\u00e4tzliche Verzinsung nach \u00a7 235 Abgabenordnung (AO) in Betracht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Worum ging es vor dem Finanzgericht Hamburg?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Bank hatte in den Jahren 2007 bis 2009 umfangreiche au\u00dferb\u00f6rsliche Aktiengesch\u00e4fte rund um die Dividendenstichtage deutscher Aktiengesellschaften durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den gerichtlichen Feststellungen wurden die betreffenden Gesch\u00e4fte von zwei Rechtsanw\u00e4lten an die Bank herangetragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bank erwarb und ver\u00e4u\u00dferte dabei jeweils mehrere Millionen Aktien und erzielte Kapitalertr\u00e4ge in Millionenh\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie war steuerlich Organgesellschaft der sp\u00e4ter klagenden Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kapitalertr\u00e4ge wurden deshalb der Kl\u00e4gerin als Organtr\u00e4gerin zugerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen der urspr\u00fcnglichen K\u00f6rperschaftsteuerveranlagungen ber\u00fccksichtigte das Finanzamt Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag in zweistelliger Millionenh\u00f6he als anrechenbare Betr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im April 2020 nahm das Finanzamt diese Anrechnungen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die daraus resultierenden Steuerbescheide und R\u00fccknahmebescheide wurden Gegenstand eines ersten Gerichtsverfahrens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter setzte die Finanzverwaltung zus\u00e4tzlich Hinterziehungszinsen in zweistelliger Millionenh\u00f6he fest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen diese Zinsen richtete sich das nun entschiedene Verfahren 6 K 44\/22.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sind Cum-Ex-Gesch\u00e4fte?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei sogenannten Cum-Ex-Gesch\u00e4ften werden Aktien rund um den Dividendenstichtag gehandelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bezeichnungen stehen f\u00fcr Aktien mit Dividendenanspruch (\u201ecum\u201c) und Aktien ohne Dividendenanspruch (\u201eex\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In bestimmten historischen Cum-Ex-Gestaltungen f\u00fchrten die Gesch\u00e4fte dazu, dass eine Anrechnung oder Erstattung von Kapitalertragsteuer beansprucht wurde, obwohl die entsprechende Steuer nicht in der geltend gemachten Weise einbehalten worden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das steuerliche Kernproblem besteht darin, dass <strong>eine Steuer nicht mehrfach oder ohne entsprechende gesetzliche Grundlage angerechnet beziehungsweise erstattet werden darf<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist zwischen gew\u00f6hnlichen, rechtm\u00e4\u00dfigen Wertpapiergesch\u00e4ften und solchen Gestaltungen zu unterscheiden, bei denen unberechtigte Steueranrechnungen oder Steuererstattungen erlangt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil des FG Hamburg betrifft die konkrete steuerliche und rechtliche W\u00fcrdigung der dort durchgef\u00fchrten Gesch\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum wurden die Kapitalertragsteueranrechnungen zur\u00fcckgenommen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Streitfall war die Bank nach der Beurteilung des Finanzgerichts lediglich Eigent\u00fcmerin von Dividendenkompensationszahlungen geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer Dividendenkompensationszahlung handelt es sich um eine Zahlung, die wirtschaftlich an eine Dividende ankn\u00fcpft, aber nicht mit dem tats\u00e4chlichen Empfang der urspr\u00fcnglichen Dividende gleichgesetzt werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die im Streitfall ma\u00dfgeblichen Dividendenkompensationszahlungen war nach den Feststellungen des Gerichts keine Kapitalertragsteuer erhoben worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichwohl ergab sich aus den eingereichten Steuerunterlagen der Eindruck, dass anrechenbare Kapitalertragsteuer einbehalten worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Angaben waren nach Auffassung des Finanzgerichts unrichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt nahm deshalb die zuvor gew\u00e4hrten Steueranrechnungen zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was wurde bereits im ersten Verfahren entschieden?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin hatte schon die R\u00fccknahme der Kapitalertragsteueranrechnungen gerichtlich angegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht Hamburg wies diese Klage mit Urteil vom <strong>9. November 2023 (6 K 228\/20)<\/strong> ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof wies die dagegen gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde im Verfahren <strong>VIII B 17\/24<\/strong> zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch wurde das Urteil im ersten Verfahren rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses fr\u00fchere Urteil spielte f\u00fcr die Entscheidung \u00fcber die Hinterziehungszinsen eine zentrale Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn das Finanzgericht hatte sich bereits im Zusammenhang mit der steuerlichen Verj\u00e4hrung mit dem Vorliegen einer Steuerhinterziehung befasst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin meinte allerdings, diese Beurteilung d\u00fcrfe im neuen Zinsverfahren nicht als bindend behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht Hamburg sah dies anders.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum durfte das Finanzamt Hinterziehungszinsen verlangen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Rechtsgrundlage ist \u00a7 235 AO.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach sind hinterzogene Steuern zu verzinsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zinsschuldner ist grunds\u00e4tzlich die Person oder Gesellschaft, zu deren Vorteil die Steuern hinterzogen worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Festsetzung von Hinterziehungszinsen setzt voraus, dass die ma\u00dfgeblichen Voraussetzungen einer Steuerhinterziehung erf\u00fcllt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das umfasst insbesondere eine tatbestandsm\u00e4\u00dfige Steuerverk\u00fcrzung oder die Erlangung nicht gerechtfertigter Steuervorteile sowie den erforderlichen Vorsatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im entschiedenen Fall bejahte das Finanzgericht diese Voraussetzungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seiner Auffassung waren gegen\u00fcber den Finanzbeh\u00f6rden unrichtige oder unvollst\u00e4ndige Angaben gemacht worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch seien nicht gerechtfertigte Steuervorteile entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die subjektiven Voraussetzungen der Steuerhinterziehung sah das Gericht als erf\u00fcllt an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum spielte die Rechtskraft des fr\u00fcheren Urteils eine so gro\u00dfe Rolle?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach \u00a7 110 Abs. 1 Finanzgerichtsordnung (FGO) binden rechtskr\u00e4ftige Urteile die Beteiligten grunds\u00e4tzlich, soweit \u00fcber den Streitgegenstand entschieden worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im vorliegenden Fall hatte das Finanzgericht im fr\u00fcheren Verfahren bereits die steuerlichen Grundlagen der Cum-Ex-Gesch\u00e4fte beurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei war auch die Frage einer Steuerhinterziehung f\u00fcr die steuerliche Verj\u00e4hrung relevant gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht stellte im Zinsverfahren darauf ab, dass erhebliche tragende Feststellungen des ersten Urteils nicht erneut vollst\u00e4ndig zur Disposition standen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der wichtige Punkt:<\/strong> Bereits rechtskr\u00e4ftig entschiedene Fragen k\u00f6nnen f\u00fcr sp\u00e4tere Verfahren zwischen denselben Beteiligten eine erhebliche Bindungswirkung entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet allerdings nicht, dass jede einzelne Formulierung oder tats\u00e4chliche Erw\u00e4gung eines fr\u00fcheren Urteils automatisch jede sp\u00e4tere Streitfrage bindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend sind der jeweilige Streitgegenstand, die tragenden Feststellungen und die gesetzlichen Voraussetzungen des \u00a7 110 FGO.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hat das Finanzgericht die Steuerhinterziehung auch eigenst\u00e4ndig gepr\u00fcft?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht st\u00fctzte seine Entscheidung nicht ausschlie\u00dflich auf die Rechtskraft des fr\u00fcheren Urteils.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bejahte die Voraussetzungen der Steuerhinterziehung auch unabh\u00e4ngig davon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinen Feststellungen waren in den Steuererkl\u00e4rungen und Steuerbescheinigungen unrichtige oder unvollst\u00e4ndige Angaben zu steuerlich erheblichen Tatsachen enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Jahr 2009 kam eine Berufstr\u00e4gerbescheinigung hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unterlagen vermittelten den Eindruck, dass Kapitalertragsteuer in anrechenbarer Weise einbehalten worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung des Finanzgerichts war dies tats\u00e4chlich nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht stellte au\u00dferdem fest, dass die entsprechenden Vorg\u00e4nge vors\u00e4tzlich erfolgt seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit sah es die Voraussetzungen des \u00a7 370 AO als erf\u00fcllt an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie hoch sind Hinterziehungszinsen nach \u00a7 235 AO?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die H\u00f6he und Berechnung der Zinsen richten sich nach \u00a7 238 AO.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Hinterziehungszinsen betr\u00e4gt der gesetzliche Zinssatz grunds\u00e4tzlich <strong>0,5 Prozent pro vollem Monat<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das entspricht rechnerisch <strong>6 Prozent f\u00fcr zw\u00f6lf volle Monate<\/strong> bei einfacher Verzinsung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Unterscheidung zu den Nachzahlungszinsen nach \u00a7 233a AO.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr diese gilt seit dem 1. Januar 2019 ein anderer gesetzlicher Zinssatz von 0,15 Prozent pro Monat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><th>Zinsart<\/th><th>Gesetz<\/th><th>Zinssatz<\/th><\/tr><tr><td>Hinterziehungszinsen<\/td><td>\u00a7 235 i. V. m. \u00a7 238 Abs. 1 AO<\/td><td>0,5 % je vollem Monat<\/td><\/tr><tr><td>Nachzahlungszinsen ab 2019<\/td><td>\u00a7 233a i. V. m. \u00a7 238 Abs. 1a AO<\/td><td>0,15 % je Monat<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Herabsetzung des Zinssatzes f\u00fcr Nachzahlungszinsen darf daher nicht automatisch auf Hinterziehungszinsen \u00fcbertragen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die tats\u00e4chliche Zinsfestsetzung sind au\u00dferdem die gesetzlichen Regeln zu Zinsbeginn, Zinsende, Rundung und zur Vermeidung bestimmter Doppelbelastungen zu beachten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praxisbeispiel: Wie k\u00f6nnen Hinterziehungszinsen berechnet werden?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Unternehmen erlangt durch vors\u00e4tzlich unrichtige Steuerangaben einen nicht gerechtfertigten Steuervorteil von 200.000 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das vereinfachte Beispiel wird unterstellt, dass die Voraussetzungen des \u00a7 235 AO erf\u00fcllt sind und der ma\u00dfgebliche Zinslauf 24 volle Monate betr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><th>Berechnung<\/th><th>Betrag<\/th><\/tr><tr><td>Zu verzinsender Betrag<\/td><td>200.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Zinssatz pro vollem Monat<\/td><td>0,5 %<\/td><\/tr><tr><td>Dauer<\/td><td>24 volle Monate<\/td><\/tr><tr><td>Hinterziehungszinsen<\/td><td><strong>24.000 \u20ac<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Berechnung lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">200.000 Euro \u00d7 0,5 Prozent \u00d7 24 Monate = <strong>24.000 Euro<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich zur R\u00fcckzahlung des unberechtigt erlangten Steuervorteils erhebliche Zinsforderungen entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Beispiel ist frei gew\u00e4hlt. Es bildet weder die tats\u00e4chliche H\u00f6he noch den konkreten Zinslauf des Hamburger Cum-Ex-Verfahrens ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wann beginnen und enden Hinterziehungszinsen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach \u00a7 235 Abs. 2 AO beginnt der Zinslauf grunds\u00e4tzlich mit dem Eintritt der Steuerverk\u00fcrzung oder mit der Erlangung des nicht gerechtfertigten Steuervorteils.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4re die Steuer ohne die Hinterziehung erst sp\u00e4ter f\u00e4llig geworden, ist dieser sp\u00e4tere Zeitpunkt ma\u00dfgeblich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach \u00a7 235 Abs. 3 AO endet der Zinslauf grunds\u00e4tzlich mit der Zahlung der hinterzogenen Steuern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr bestimmte Zeitr\u00e4ume, in denen beispielsweise S\u00e4umniszuschl\u00e4ge entstanden sind oder die Vollziehung ausgesetzt war, sieht das Gesetz besondere Regeln vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb l\u00e4sst sich die genaue Zinsh\u00f6he nicht allein aus der urspr\u00fcnglichen Steueranrechnung und dem Jahr der sp\u00e4teren Steuerkorrektur ableiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die konkrete Berechnung erfordert eine Pr\u00fcfung der ma\u00dfgeblichen Ereignisse und Zeitr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer schuldet die Hinterziehungszinsen bei einer Organschaft?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Verfahren war die Bank Organgesellschaft einer anderen Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kapitalertr\u00e4ge wurden steuerlich der Kl\u00e4gerin als Organtr\u00e4gerin zugerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht stellte fest, dass die Kl\u00e4gerin die Hinterziehungszinsen schulde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei war entscheidend, dass die ungerechtfertigten steuerlichen Vorteile der Organgesellschaft im Rahmen der steuerlichen Zurechnung der Kl\u00e4gerin zugutekamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zinsschuldnerschaft nach \u00a7 235 AO ist daher nicht zwingend mit der Frage gleichzusetzen, wer die unrichtigen Steuerunterlagen pers\u00f6nlich erstellt oder eingereicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtig:<\/strong> Die Festsetzung von Hinterziehungszinsen gegen eine Gesellschaft bedeutet nicht automatisch, dass damit zugleich eine pers\u00f6nliche strafrechtliche Verurteilung bestimmter Organmitglieder ausgesprochen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die steuerliche Zinsschuld und die individuelle strafrechtliche Verantwortlichkeit sind rechtlich zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sind strafrechtliche Urteile f\u00fcr die Finanzgerichtsbarkeit verbindlich?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht ohne Weiteres.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin argumentierte im Verfahren unter anderem, dass Strafurteile zu Cum-Ex-Gesch\u00e4ften f\u00fcr die Beurteilung der Hinterziehungszinsen nicht herangezogen werden d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die steuerliche Beurteilung einer Hinterziehung sind die Finanzbeh\u00f6rden und Finanzgerichte grunds\u00e4tzlich zu einer eigenst\u00e4ndigen rechtlichen W\u00fcrdigung verpflichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie k\u00f6nnen im gesetzlichen Rahmen Feststellungen aus anderen Verfahren ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine strafrechtliche Verurteilung ist nicht in jedem Fall eine zwingende Voraussetzung f\u00fcr die Festsetzung von Hinterziehungszinsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt m\u00fcssen die objektiven und subjektiven Voraussetzungen der Steuerhinterziehung f\u00fcr die steuerliche Zinsfestsetzung hinreichend festgestellt sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im entschiedenen Fall bejahte das Finanzgericht diese Voraussetzungen ausdr\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Bedeutung hat das Urteil f\u00fcr Unternehmen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl der Fall besondere Cum-Ex-Aktiengesch\u00e4fte betrifft, sind mehrere Grunds\u00e4tze auch \u00fcber den Einzelfall hinaus relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens:<\/strong> Unberechtigte Steueranrechnungen k\u00f6nnen nicht nur R\u00fcckforderungen, sondern bei nachgewiesener Steuerhinterziehung auch Hinterziehungszinsen ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens:<\/strong> Die H\u00f6he der Zinsforderung kann bei langen Zeitr\u00e4umen erheblich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drittens:<\/strong> Die steuerliche Zinsschuld kann auch eine Gesellschaft treffen, zu deren Vorteil die Hinterziehung begangen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viertens:<\/strong> Fr\u00fchere rechtskr\u00e4ftige Gerichtsentscheidungen k\u00f6nnen sp\u00e4tere Steuer- und Zinsverfahren ma\u00dfgeblich beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade bei komplexen Konzernstrukturen und Kapitalmarktgesch\u00e4ften sollten deshalb die steuerlichen Grundlagen von Anrechnungsanspr\u00fcchen dokumentiert und rechtlich gepr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Steuer-Tipp: Steueranrechnungen und Nachweise fr\u00fchzeitig pr\u00fcfen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Kapitalertr\u00e4gen sollten Unternehmen sicherstellen, dass geltend gemachte Steueranrechnungen durch den zugrunde liegenden Sachverhalt und die gesetzlich erforderlichen Nachweise gedeckt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine formell vorhandene Steuerbescheinigung ersetzt nicht in jedem Fall die Pr\u00fcfung, ob die materiellen Anrechnungsvoraussetzungen tats\u00e4chlich vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Zweifeln sollte fr\u00fchzeitig steuerlicher und gegebenenfalls steuerstrafrechtlicher Rat eingeholt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Achtung: Steuerkorrektur und Hinterziehungszinsen sind unterschiedliche Fragen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein h\u00e4ufiger Fehler besteht darin, jede unrichtige Steuererkl\u00e4rung automatisch mit Steuerhinterziehung gleichzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede steuerliche Fehleinsch\u00e4tzung erf\u00fcllt den Tatbestand des \u00a7 370 AO.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine Steuerhinterziehung m\u00fcssen insbesondere die gesetzlichen objektiven und subjektiven Voraussetzungen vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits ist eine Hinterziehungszinsfestsetzung nicht bereits deshalb ausgeschlossen, weil kein strafrechtliches Urteil gegen eine bestimmte Person vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die steuerrechtliche Pr\u00fcfung muss deshalb sorgf\u00e4ltig zwischen einer fehlerhaften Steuerfestsetzung, einer vors\u00e4tzlichen Steuerhinterziehung und deren finanziellen Rechtsfolgen unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ist das Urteil des FG Hamburg rechtskr\u00e4ftig?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht lie\u00df die Revision zum Bundesfinanzhof nicht zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen die Nichtzulassung kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Rechtsstand 26. Oktober 2026 ist nicht verl\u00e4sslich best\u00e4tigt, dass die neue Entscheidung bereits rechtskr\u00e4ftig ist oder eine Nichtzulassungsbeschwerde anh\u00e4ngig gemacht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Davon zu unterscheiden ist das fr\u00fchere Urteil des FG Hamburg vom 9. November 2023 (6 K 228\/20), das nach der Zur\u00fcckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde durch den BFH rechtskr\u00e4ftig wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sollten Unternehmen bei streitigen Steueranrechnungen beachten?<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Checkliste<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Pr\u00fcfen Sie die materielle Berechtigung geltend gemachter Kapitalertragsteueranrechnungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Dokumentieren Sie die tats\u00e4chlichen Zahlungs- und Wertpapiergesch\u00e4fte.<\/li>\n\n\n\n<li>Stimmen Sie Steuererkl\u00e4rungen mit den ma\u00dfgeblichen Bescheinigungen ab.<\/li>\n\n\n\n<li>Kl\u00e4ren Sie m\u00f6gliche Unterschiede zwischen Dividenden und Dividendenkompensationszahlungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Untersuchen Sie bei Organschaften die steuerliche Zurechnung der Ertr\u00e4ge und Vorteile.<\/li>\n\n\n\n<li>Pr\u00fcfen Sie die Voraussetzungen einer m\u00f6glichen Steuerhinterziehung getrennt von der blo\u00dfen Steuerkorrektur.<\/li>\n\n\n\n<li>Kontrollieren Sie den Beginn und das Ende eines m\u00f6glichen Zinslaufs.<\/li>\n\n\n\n<li>Ber\u00fccksichtigen Sie fr\u00fchere rechtskr\u00e4ftige Entscheidungen in verbundenen Verfahren.<\/li>\n\n\n\n<li>Lassen Sie Zinsbescheide und Rechtsbehelfsfristen rechtzeitig pr\u00fcfen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Cum-Ex-Gesch\u00e4fte k\u00f6nnen hohe Hinterziehungszinsen ausl\u00f6sen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht Hamburg hat mit Urteil vom 23. September 2026 (6 K 44\/22) die Festsetzung von Hinterziehungszinsen in einem Cum-Ex-Verfahren best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Auffassung des Gerichts waren durch vors\u00e4tzlich unrichtige oder unvollst\u00e4ndige Angaben nicht gerechtfertigte Steueranrechnungen erlangt worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Voraussetzungen des \u00a7 370 AO waren damit erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich unterstrich das Gericht die Bedeutung des fr\u00fcheren rechtskr\u00e4ftigen Urteils und der Bindungswirkung nach \u00a7 110 FGO.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die entscheidende Erkenntnis:<\/strong> Neben der R\u00fcckforderung unberechtigter Steueranrechnungen k\u00f6nnen Hinterziehungszinsen nach \u00a7 235 AO entstehen \u2013 bei l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen auch in erheblicher H\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie m\u00f6chten die steuerliche Behandlung von Kapitalertr\u00e4gen, Anrechnungsanspr\u00fcchen oder einen Zinsbescheid \u00fcberpr\u00fcfen lassen?<\/strong> Wir unterst\u00fctzen Sie gerne bei der steuerlichen Einordnung und der Abstimmung mit einer spezialisierten steuerstrafrechtlichen Beratung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">H\u00e4ufige Fragen zu Cum-Ex und Hinterziehungszinsen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was sind Hinterziehungszinsen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinterziehungszinsen sind Zinsen auf hinterzogene Steuern nach \u00a7 235 AO. Sie sollen den durch die Steuerhinterziehung entstandenen zeitlichen Finanzierungsvorteil ausgleichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie hoch sind Hinterziehungszinsen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie betragen nach \u00a7 238 Abs. 1 AO grunds\u00e4tzlich 0,5 Prozent je vollem Monat. Die konkreten Berechnungsregeln ergeben sich aus \u00a7\u00a7 235 und 238 AO.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wann entstehen Hinterziehungszinsen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie kommen in Betracht, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen einer Steuerhinterziehung erf\u00fcllt sind. Der Zinslauf beginnt grunds\u00e4tzlich mit der Steuerverk\u00fcrzung oder der Erlangung eines nicht gerechtfertigten Steuervorteils.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Muss f\u00fcr Hinterziehungszinsen eine strafrechtliche Verurteilung vorliegen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine strafrechtliche Verurteilung ist keine allgemeine zwingende Voraussetzung f\u00fcr die steuerliche Festsetzung. Die Voraussetzungen der Steuerhinterziehung m\u00fcssen jedoch im Zinsverfahren hinreichend festgestellt sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnen auch Gesellschaften Hinterziehungszinsen schulden?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Nach \u00a7 235 AO ist grunds\u00e4tzlich derjenige Zinsschuldner, zu dessen Vorteil Steuern hinterzogen wurden. Dies kann auch eine Gesellschaft sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was hat das FG Hamburg am 23. September 2026 entschieden?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht hat im Verfahren 6 K 44\/22 die Klage gegen Hinterziehungszinsen aus Cum-Ex-Gesch\u00e4ften der Jahre 2007 bis 2009 abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Rolle spielte das fr\u00fchere Urteil 6 K 228\/20?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das fr\u00fchere Urteil zur R\u00fccknahme der Steueranrechnungen war rechtskr\u00e4ftig. Das Finanzgericht ber\u00fccksichtigte die Bindungswirkung erheblicher tragender Feststellungen bei der Entscheidung \u00fcber die Hinterziehungszinsen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ist das Urteil 6 K 44\/22 bereits rechtskr\u00e4ftig?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Revision wurde nicht zugelassen. Eine Nichtzulassungsbeschwerde ist gesetzlich m\u00f6glich. Eine bereits eingetretene Rechtskraft ist zum Rechtsstand 26. Oktober 2026 nicht best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen und Rechtsgrundlagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 23.09.2026, Az. 6 K 44\/22; Pressemitteilung Nr. 7\/2026 vom 26.10.2026.<\/li>\n\n\n\n<li>Finanzgericht Hamburg, Urteil vom 09.11.2023, Az. 6 K 228\/20 \u2013 rechtskr\u00e4ftige Vorentscheidung zur R\u00fccknahme der Kapitalertragsteueranrechnungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Bundesfinanzhof, Beschluss im Verfahren VIII B 17\/24 \u2013 Zur\u00fcckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil 6 K 228\/20.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00a7 235 AO \u2013 Verzinsung hinterzogener Steuern.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00a7 238 Abs. 1 und 1a AO \u2013 Zinss\u00e4tze und Berechnung.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00a7 239 AO \u2013 Festsetzung von Zinsen.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00a7 370 Abs. 1 AO \u2013 Steuerhinterziehung.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00a7 110 FGO \u2013 Bindungswirkung rechtskr\u00e4ftiger finanzgerichtlicher Urteile.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00a7 116 FGO \u2013 Nichtzulassungsbeschwerde.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Rechtsstand: 26. Oktober 2026. Das Urteil betrifft Cum-Ex-Gesch\u00e4fte aus den Jahren 2007 bis 2009. Die Rechtskraft der neuen Entscheidung ist nicht best\u00e4tigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dieser Beitrag stellt keine individuelle steuerliche Beratung dar und ersetzt nicht das Gespr\u00e4ch mit einem Steuerberater.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinterziehungszinsen bei Cum-Ex-Gesch\u00e4ften k\u00f6nnen auch Jahre nach der urspr\u00fcnglichen Steueranrechnung erhebliche finanzielle Folgen haben. Das Finanzgericht Hamburg hat mit Urteil vom 23. September 2026 (Az. 6 K 44\/22) die Klage einer Bankengruppe gegen entsprechende Zinsfestsetzungen abgewiesen. Im Streit standen Aktiengesch\u00e4fte aus den Jahren 2007 bis 2009, bei denen Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag in zweistelliger Millionenh\u00f6he angerechnet &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/cum-ex-finanzgericht-bestaetigt-hinterziehungszinsen-in-millionenhoehe\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Cum-Ex: Finanzgericht best\u00e4tigt Hinterziehungszinsen in Millionenh\u00f6he<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-81041","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81041"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81042,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81041\/revisions\/81042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}