{"id":10028,"date":"2012-12-06T17:37:21","date_gmt":"2012-12-06T15:37:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=10028"},"modified":"2012-12-06T17:37:21","modified_gmt":"2012-12-06T15:37:21","slug":"x-b-153-10-hinzuschaetzung-von-einkuenften-bei-verletzung-der-mitwirkungspflicht-verletzung-der-sachaufklaerungspflicht-durch-unterlassene-beiziehung-der-strafakten-umfang-der-mitwirkungspflichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-153-10-hinzuschaetzung-von-einkuenften-bei-verletzung-der-mitwirkungspflicht-verletzung-der-sachaufklaerungspflicht-durch-unterlassene-beiziehung-der-strafakten-umfang-der-mitwirkungspflichten\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;153\/10 &#8211; Hinzusch&auml;tzung von Eink&uuml;nften bei Verletzung der Mitwirkungspflicht &#8211; Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht durch unterlassene Beiziehung der Strafakten &#8211; Umfang der Mitwirkungspflichten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.3.2011, X B 153\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Hinzusch&auml;tzung von Eink&uuml;nften bei Verletzung der Mitwirkungspflicht &#8211; Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht durch unterlassene Beiziehung der Strafakten &#8211; Umfang der Mitwirkungspflichten<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der von den Kl&auml;gern und Beschwerdef&uuml;hrern (Kl&auml;ger) ger&uuml;gte Verfahrensmangel der mangelnden Sachaufkl&auml;rung f&uuml;hrt nicht zur Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO), da ein etwaiger Mangel im Beschwerdeverfahren nicht mehr geltend gemacht werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Finanzgericht (FG) kann zwar durch eine unterlassene Beiziehung der Strafakten seine Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect; 76 Abs. 1 FGO) verletzt haben (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 31. Mai 2001 III B 50\/00, BFH\/NV 2001, 1439). Im Verfahren vor dem BFH kann jedoch ein Verfahrensmangel nicht mehr mit Erfolg geltend gemacht werden, wenn er eine Verfahrensvorschrift betrifft, auf deren Beachtung die fachkundigen Prozessbeteiligten verzichten k&ouml;nnen und verzichtet haben (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung). Zu diesen verzichtbaren M&auml;ngeln geh&ouml;rt auch das &Uuml;bergehen eines Beweisantrages (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 26. Januar 2007 VIII B 74\/06, BFH\/NV 2007, 1146). Eine schl&uuml;ssige Verfahrensr&uuml;ge setzt deshalb den Vortrag voraus, dass der Beschwerdef&uuml;hrer &#8211;zumindest wenn er im finanzgerichtlichen Verfahren fachkundig vertreten war&#8211; den behaupteten Verfahrenversto&szlig; in der Vorinstanz ger&uuml;gt hat bzw. aus welchen entschuldbaren Gr&uuml;nden er an einer derartigen R&uuml;ge vor dem FG gehindert gewesen sein soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die bereits im finanzgerichtlichen Verfahren von ihrem jetzigen Prozessbevollm&auml;chtigten vertretenen Kl&auml;ger haben zwar in der Klagebegr&uuml;ndungsschrift vom 2. August 2007 die Beiziehung der Strafakten beantragt, jedoch &#8211;obwohl das erstinstanzliche Urteil erst im Juli 2010 ergangen ist&#8211; zu keinem Zeitpunkt ger&uuml;gt, dass das FG diesem Beweisantrag nicht nachgekommen ist. Dazu h&auml;tte insbesondere nach der Einstellung des Verfahrens gegen den Kl&auml;ger nach &sect; 153a der Strafprozessordnung (StPO) im Berufungsverfahren Anfang 2010 besondere Veranlassung bestanden. Dass das FG bis zu diesem Zeitpunkt die Strafakten nicht beigezogen hat, musste den Kl&auml;gern wegen der fehlenden Benachrichtigung durch das Gericht &#8211;nach &sect; 96 Abs. 2 FGO darf das Urteil nur auf Tatsachen und Beweisergebnisse gest&uuml;tzt werden, zu denen sich die Beteiligten &auml;u&szlig;ern konnten&#8211; bekannt sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Auch das weitere Vorbringen der Kl&auml;ger, das FG habe die Best&auml;tigung der Neuen X-Bank als wertlos bezeichnet und damit in ihr Gegenteil verkehrt, begr&uuml;ndet keinen Verfahrensfehler, auf dem das FG-Urteil beruht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hierbei kann dahinstehen, ob es sich bei der Annahme des FG, die Bescheinigung sei wertlos, nicht lediglich um einen dem materiellen Recht zuzuordnenden Rechtsanwendungsfehler handelt, der im Revisionszulassungsverfahren grunds&auml;tzlich unbeachtlich ist. Denn jedenfalls beruht das Urteil nicht auf einer verfahrensfehlerhaften Feststellung, weil das FG seine Entscheidung, der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) habe zu Recht in den Jahren 1997 und 1999 die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus Gewerbebetrieb dem Grunde und der H&ouml;he nach erh&ouml;ht und f&uuml;r das Jahr 1995 eine verdeckte Gewinnaussch&uuml;ttung angenommen, auf eine Vielzahl von Punkten gest&uuml;tzt hat. Es hat darauf abgestellt, dass nach dem Vertrag zwischen der S-GmbH und der Z-AG, die dem Kl&auml;ger die EDV-Beratung zugewiesen hatte, ein Stundensatz von 180 DM vereinbart worden sei und die Z-AG gegen&uuml;ber dem Auftraggeber auch so abgerechnet habe. Da dem Kl&auml;ger bekannt gewesen sei, dass die Z-AG ihren Kunden zus&auml;tzlich zum vereinbarten Honorar 5 DM pro Stunde in Rechnung gestellt habe und er, der Kl&auml;ger, verpflichtet gewesen sei, jeweils 7 % des vereinbarten Honorarsatzes als Verwaltungspauschale an die Z-AG abzuf&uuml;hren, sei unverst&auml;ndlich, dass der Kl&auml;ger der Z-AG f&uuml;r seine T&auml;tigkeit nur einen Stundensatz von 100 DM bzw. 110 DM in Rechnung gestellt und nicht das ihm zustehende Honorar (180 DM abz&uuml;glich der vereinbarten Abz&uuml;ge) verlangt habe. Der Kl&auml;ger habe seit mindestens Anfang der achtziger Jahre gr&ouml;&szlig;ere EDV-Projekte betreut. Es sei daher nicht vorstellbar, dass er die auf dem Markt &uuml;blichen und durchsetzbaren Preise f&uuml;r EDV-Beraterleistungen nicht gekannt habe. Dies ergebe sich auch daraus, dass er mindestens bei einem inl&auml;ndischen Kunden 1998 und 1999 Nettostundens&auml;tze von zwischen 150 DM und 175 DM verlangt habe. Auch f&uuml;r die un&uuml;bliche Art der Rechnungsstellung &#8211;der Kl&auml;ger habe der Z-AG am Ende des Monats die gearbeiteten Stunden mitgeteilt, die Z-AG habe auf dieser Grundlage mit den Kunden abgerechnet und wenige Tage sp&auml;ter habe der Kl&auml;ger dann gegen&uuml;ber der Z-AG abgerechnet&#8211; sei kein nachvollziehbarer Grund vorgetragen worden. &Uuml;blich w&auml;re die Erteilung einer Rechnung durch den EDV-Berater unter Angabe des Stundensatzes und des sich daraus ergebenden Honorars an seinen Vertragspartner und die anschlie&szlig;ende Weiterberechnung durch diesen an seine Kunden. Das FG hat seine Entscheidung auf die Einlassung des gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Gesellschafters der Z-AG gegen&uuml;ber der Kantonspolizei des Kantons Y gest&uuml;tzt, ferner darauf, dass andere EDV-Berater &#8211;wie dessen Prozessvertreter einger&auml;umt habe&#8211; Rechnungen h&auml;tten aufteilen und Zahlungen auf zwei Konten h&auml;tten splitten lassen. Nur in diesem Zusammenhang f&uuml;hrt das FG an, die Best&auml;tigung der X-Bank sei wertlos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Selbst wenn &#8211;wie die Kl&auml;ger in der Beschwerdebegr&uuml;ndung vortragen&#8211; im Strafverfahren geringere nicht der Besteuerung unterworfene Betr&auml;ge angesetzt worden sein sollten als im finanzgerichtlichen Verfahren, ist nicht ersichtlich, gegen welche Verfahrensvorschrift das FG versto&szlig;en haben sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gem&auml;&szlig; &sect; 393 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung (AO) richten sich die Rechte und Pflichten der Steuerpflichtigen und der Finanzbeh&ouml;rde im Besteuerungsverfahren und im Strafverfahren nach den f&uuml;r das jeweilige Verfahren geltenden Vorschriften; d.h. f&uuml;r das Besteuerungsverfahren gilt die AO, f&uuml;r das Strafverfahren die StPO. Beide Verfahren stehen von Gesetzes wegen unabh&auml;ngig und gleichrangig nebeneinander (Beschl&uuml;sse des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Oktober 1990&nbsp;&nbsp;2 BvR 385\/87, Zeitschrift f&uuml;r Wirtschafts- und Steuerstrafrecht 1991, 175; vom 15. Oktober 2004&nbsp;&nbsp;2 BvR 1316\/04, BFH\/NV 2005, Beilage 2, 108). Im Besteuerungsverfahren wird der Amtsermittlungsgrundsatz durch die (erweiterten) Mitwirkungspflichten der Beteiligten begrenzt. Zwar m&uuml;ssen auch im Besteuerungsverfahren die subjektiven und objektiven Voraussetzungen der Steuerhinterziehung dem Grunde nach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit festzustellen sein (BFH-Urteil vom 7. November 2006 VIII R 81\/04, BFHE 215, 66, BStBl II 2007, 364); hinsichtlich der H&ouml;he der hinterzogenen Eink&uuml;nfte hat das FG jedoch bei einer Verletzung der Mitwirkungspflicht eine eigene Sch&auml;tzungsbefugnis. Im Strafverfahren gilt hingegen auch insoweit der Grundsatz &quot;in dubio pro reo&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) haben die Kl&auml;ger nicht entsprechend den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO dargelegt. In ihrer Beschwerdebegr&uuml;ndung fehlen Ausf&uuml;hrungen, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr&uuml;nden die aufgeworfenen Rechtsfragen umstritten sind (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 10. Februar 2010 III B 112\/09, BFH\/NV 2010, 881, m.w.N.). Zudem haben sie sich nicht mit den in Rechtsprechung und Literatur vertretenen Auffassungen auseinandergesetzt (vgl. BFH-Beschluss vom 10. Juni 2010 IX B 14\/10, BFH\/NV 2010, 1654).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch w&auml;re die von ihnen aufgeworfene Rechtsfrage, welche konkreten Mitwirkungspflichten Steuerpflichtigen bei Auslandssachverhalten obliegen, in einem Revisionsverfahren nicht kl&auml;rbar. Welche Mitwirkungspflichten erforderlich, m&ouml;glich, zumutbar und verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sind (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 2. Dezember 2004 III R 49\/03, BFHE 208, 531, BStBl II 2005, 483), ist stets eine Frage des Einzelfalles.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.3.2011, X B 153\/10 Hinzusch&auml;tzung von Eink&uuml;nften bei Verletzung der Mitwirkungspflicht &#8211; Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht durch unterlassene Beiziehung der Strafakten &#8211; Umfang der Mitwirkungspflichten Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde hat keinen Erfolg. 2&nbsp; 1. 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