{"id":10056,"date":"2012-12-06T17:37:24","date_gmt":"2012-12-06T15:37:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=10056"},"modified":"2012-12-06T17:37:24","modified_gmt":"2012-12-06T15:37:24","slug":"ii-b-110-10-keine-entsprechende-anwendung-von-par-126-abs-4-fgo-im-nichtzulassungsbeschwerdeverfahren-bei-verletzung-des-rechts-auf-gesetzlichen-richter-bekanntgabe-des-uebertragungsbeschlusses-richti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-110-10-keine-entsprechende-anwendung-von-par-126-abs-4-fgo-im-nichtzulassungsbeschwerdeverfahren-bei-verletzung-des-rechts-auf-gesetzlichen-richter-bekanntgabe-des-uebertragungsbeschlusses-richti\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;110\/10 &#8211; Keine entsprechende Anwendung von &sect; 126 Abs. 4 FGO im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren bei Verletzung des Rechts auf gesetzlichen Richter &#8211; Bekanntgabe des &Uuml;bertragungsbeschlusses &#8211; Richtiger Beklagter beim Begehren auf die Feststellung des Nichtbestehens eines Rechtsverh&auml;ltnisses"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 3.3.2011, II B 110\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine entsprechende Anwendung von &sect; 126 Abs. 4 FGO im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren bei Verletzung des Rechts auf gesetzlichen Richter &#8211; Bekanntgabe des &Uuml;bertragungsbeschlusses &#8211; Richtiger Beklagter beim Begehren auf die Feststellung des Nichtbestehens eines Rechtsverh&auml;ltnisses<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist Halter eines Personenkraftwagens. Wegen Nichtzahlung der f&uuml;r dieses Fahrzeug vom FA G festgesetzten Kraftfahrzeugsteuer f&uuml;r den Entrichtungszeitraum 31. M&auml;rz 2009 bis 30. M&auml;rz 2010 versuchte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die offene Steuerforderung beizutreiben. Mit seiner vor dem Finanzgericht (FG) erhobenen Feststellungsklage begehrte der Kl&auml;ger die Feststellung, dass der der Steuerforderung zugrunde liegende Kraftfahrzeugsteuerbescheid wegen fehlender Bekanntgabe unwirksam sei und eine Kraftfahrzeugsteuerschuld nicht bestehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch Beschluss vom 22. Juni 2010&nbsp;&nbsp;8 K 1253\/10 Verk &uuml;bertrug das FG das Verfahren dem zust&auml;ndigen Berichterstatter als Einzelrichter zur Entscheidung. Der Beschluss wurde mit einfachem Brief zur Post gegeben. Ebenfalls durch einfaches Schreiben vom 23. Juni 2010 teilte die Gesch&auml;ftsstelle des FG dem Kl&auml;ger auf richterliche Anordnung mit, es sei beabsichtigt, &uuml;ber die Klage nach &sect; 94a Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ohne m&uuml;ndliche Verhandlung zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch das angefochtene Urteil des Einzelrichters verwarf das FG die Klage ohne m&uuml;ndliche Verhandlung als unzul&auml;ssig. Das Urteil wurde dem Kl&auml;ger am 10. August 2010 zugestellt. Dieser r&uuml;gte mit Schreiben vom 18. August 2010 gegen&uuml;ber dem FG, ihm sei weder der Beschluss &uuml;ber die Einzelrichter&uuml;bertragung noch die Belehrung &uuml;ber die M&ouml;glichkeit einer Entscheidung ohne m&uuml;ndliche Verhandlung zugegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des FG wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Beschwerde, mit welcher er einen Verfahrensmangel i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO geltend macht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet; das angefochtene Urteil wird gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 6 FGO aufgehoben und der Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen. Durch die nicht wirksam erfolgte Bekanntgabe des Beschlusses des FG &uuml;ber die &Uuml;bertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter ist das Recht des Kl&auml;gers auf den gesetzlichen Richter verletzt (Versto&szlig; gegen &sect; 119 Nr. 1 und 2 FGO, Art. 101 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Recht auf eine Entscheidung durch den gesetzlichen Richter wird verletzt, wenn ein Einzelrichter entscheidet, obwohl ihm der Rechtsstreit nicht wirksam nach &sect; 6 Abs. 1 FGO &uuml;bertragen wurde (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 16. Dezember 1997 IX R 22\/95, BFH\/NV 1998, 720, m.w.N.). Zur wirksamen &Uuml;bertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter ist es erforderlich, dass der &Uuml;bertragungsbeschluss den Beteiligten wirksam bekannt gegeben wird (vgl. BFH-Beschluss vom 14. Juni 2006 V B 193\/05, BFH\/NV 2006, 1854). Zwar braucht er den Beteiligten nicht zugestellt werden, da er unanfechtbar ist (&sect; 6 Abs. 4 FGO); erforderlich ist aber zumindest eine formlose Bekanntgabe (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 329 Abs. 2 Satz 1 der Zivilprozessordnung; BFH-Beschluss vom 10. August 1994 II R 29\/94, BFHE 175, 19, BStBl II 1994, 862, m.w.N.). An einer solchen fehlt es nach den unwiderlegten Einlassungen des Kl&auml;gers im Streitfall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nichts anderes folgt aus &sect; 126 Abs. 4 FGO. Zwar ist die Norm im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde entsprechend anwendbar (BFH-Beschl&uuml;sse vom 5. Juni 1997 III B 296\/95, BFH\/NV 1998, 35; vom 27. Juli 1999 VII B 342\/98, BFH\/NV 2000, 194; vom 11. Juni 2003 IV B 21\/02, BFH\/NV 2003, 1431; vom 17. Februar 2005 X B 178\/03, BFH\/NV 2005, 1121; vom 19. Dezember 2005 IV B 120\/04, BFH\/NV 2006, 727), dies gilt aber grunds&auml;tzlich dann nicht, wenn ein Verfahrensmangel i.S. des &sect; 119 FGO vorliegt (vgl. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 126 Rz 9, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r angezeigt, nach &sect; 116 Abs. 6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wird bei seiner erneuten Entscheidung &uuml;ber den Rechtsstreit zu ber&uuml;cksichtigen haben, dass der Kl&auml;ger seine Klage gegen den falschen Beklagten erhoben hat. Dies ergibt sich &#8211;wie das FG auch bereits im angefochtenen Urteil ausgef&uuml;hrt hat&#8211; daraus, dass er im Klageverfahren feststellen lassen will, dass ihm ein Kraftfahrzeugsteuerbescheid des FA G nicht wirksam bekannt gegeben geworden sei. Dieses Begehren richtet sich auf die Feststellung des Nichtbestehens eines Rechtsverh&auml;ltnisses gegen&uuml;ber derjenigen Beh&ouml;rde, die den Bescheid erlassen hat (vgl. BFH-Urteil vom 25. Februar 1999 IV R 36\/98, BFH\/NV 1999, 1117), wie sich dies eindeutig aus &sect; 63 Abs. 1 Nr. 3 FGO ergibt. Ein Beklagtenwechsel auf Grund der zwangsweisen Beitreibung der dem Bescheid zugrunde liegenden Forderung durch eine andere Finanzbeh&ouml;rde findet insoweit nicht statt, weil sich diese Beitreibung auf das Bestehen oder Nichtbestehen des vorgenannten Rechtsverh&auml;ltnisses in Form der wirksamen Bekanntgabe des Kraftfahrzeugsteuerbescheids nicht auswirken kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 3.3.2011, II B 110\/10 Keine entsprechende Anwendung von &sect; 126 Abs. 4 FGO im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren bei Verletzung des Rechts auf gesetzlichen Richter &#8211; Bekanntgabe des &Uuml;bertragungsbeschlusses &#8211; Richtiger Beklagter beim Begehren auf die Feststellung des Nichtbestehens eines Rechtsverh&auml;ltnisses Tatbestand 1&nbsp; I. 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