{"id":10088,"date":"2012-12-06T17:42:56","date_gmt":"2012-12-06T15:42:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=10088"},"modified":"2012-12-06T17:42:56","modified_gmt":"2012-12-06T15:42:56","slug":"vi-r-64-09-keine-bindungswirkung-der-anrufungsauskunft-fuer-das-veranlagungsverfahren-keine-beschraenkung-des-vorbehalts-der-nachpruefung-durch-hinweise-zu-fehlenden-unterlagen-prinzip-der-abschnittsb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-64-09-keine-bindungswirkung-der-anrufungsauskunft-fuer-das-veranlagungsverfahren-keine-beschraenkung-des-vorbehalts-der-nachpruefung-durch-hinweise-zu-fehlenden-unterlagen-prinzip-der-abschnittsb\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;64\/09 &#8211; Keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; keine Beschr&auml;nkung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung durch Hinweise zu fehlenden Unterlagen &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.1.2011, VI R 64\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; keine Beschr&auml;nkung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung durch Hinweise zu fehlenden Unterlagen &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Angestellter der A-GmbH. Er wurde im Streitjahr 2006 zusammen mit seiner Ehefrau (Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin &#8211;Kl&auml;gerin&#8211;) zur Einkommensteuer veranlagt. Der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2006 wurde am 4. April 2007 erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; erlassen. Der Bescheid erging unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung (&sect; 164 Abs. 1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). In den Erl&auml;uterungen bat der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) um Stellungnahme zur H&ouml;he der gewerblichen Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die A-GmbH war zun&auml;chst Mitglied der Zusatzversorgungskasse (ZVK) der Stadt X. Mit der Mitgliedschaft verfolgte sie den Zweck, ihren Arbeitnehmern beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis einen zus&auml;tzlichen Versorgungsanspruch zu verschaffen. Entsprechend einer am 10. Januar 2001 abgeschlossenen Vereinbarung &uuml;bernahm die Zusatzversorgungskasse Y (YZVK) das Verm&ouml;gen der ZVK. Die bisherigen Mitglieder der ZVK wurden mit Wirkung ab 1. Januar 2001 Mitglieder der YZVK. Sie hatten an die YZVK zum Ausgleich der mit der &Uuml;bernahme f&uuml;r die YZVK verbundenen Nachteile eine Ausgleichszahlung zu leisten. Der Nachteilsausgleich belief sich f&uuml;r die A-GmbH auf 49 Mio. DM. Der Betrag war ab 2001 in 15 gleichen Raten zu zahlen. Die A-GmbH behandelte die Zahlungen des Nachteilsausgleichs als erh&ouml;hte Umlage und erhob die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz gem&auml;&szlig; &sect; 40b des Einkommensteuergesetzes (EStG). Soweit die Zahlungen die Pauschalierungsgrenze &uuml;berstiegen, unterwarf die A-GmbH die entsprechenden Betr&auml;ge dem Regelbesteuerungsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an die Entscheidung des Senats vom 14. September 2005 VI R 148\/98 (BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532) teilte die A-GmbH dem zust&auml;ndigen Betriebsst&auml;ttenfinanzamt mit Schreiben vom 6. Dezember 2005 mit, dass sie eine &quot;Stornierung der zu Unrecht versteuerten geldwerten Vorteile aus Nachteilsausgleichszahlungen der Jahre 2002 &#8211; 2005&quot; beabsichtige. Sie beantragte eine Auskunft gem&auml;&szlig; &sect; 42e EStG beim Betriebsst&auml;ttenfinanzamt in der Weise, s&auml;mtliche zu Unrecht versteuerten Nachteilsausgleichszahlungen im laufenden Lohnzahlungszeitraum in Form negativer Einnahmen korrigieren zu d&uuml;rfen. Diesem Antrag entsprach das zust&auml;ndige Finanzamt im Juni 2006. Die A-GmbH machte in der Lohnabrechnung f&uuml;r September 2006 von der Zusage Gebrauch und verrechnete die laufenden Bruttoarbeitsl&ouml;hne ihrer Mitarbeiter mit negativen Einnahmen im Umfang der jeweils auf die Nachteilsausgleichszahlungen abgef&uuml;hrten Lohnsteuer. Im September 2006 wurde diese Anrufungsauskunft widerrufen. Die dagegen von der A-GmbH erhobene Klage war letztlich erfolgreich (BFH-Urteil vom 2. September 2010 VI R 3\/09, BFHE 230, 500) und der Widerruf der Anrufungsauskunft wurde aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im November 2008 erhielt das FA eine Kontrollmitteilung der Zentralen Au&szlig;enpr&uuml;fungsstelle Lohnsteuer (ZALST). Die ZALST informierte das FA dar&uuml;ber, dass die A-GmbH als Arbeitgeberin des Kl&auml;gers im Lohnzeitraum September 2006 den Bruttoarbeitslohn des Kl&auml;gers um 1.925,90 EUR gemindert hat. Die A-GmbH sei von negativen Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit in dieser H&ouml;he ausgegangen. Allerdings entspreche dieser Betrag der Summe, welche die A-GmbH f&uuml;r den Kl&auml;ger in den Jahren 2001 bis 2005 zu Unrecht als Arbeitslohn erfasst habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA erlie&szlig; am 16. Dezember 2008 einen nach &sect; 164 Abs. 2 AO ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid 2006 f&uuml;r die Kl&auml;ger und erh&ouml;hte den Bruttoarbeitslohn des Kl&auml;gers um 1.925,90 EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung formellen und materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>1. das Urteil des FG D&uuml;sseldorf, ergangen aufgrund m&uuml;ndlicher Verhandlung vom 5. November 2009 unter dem Az. 11 K 1577\/09 E, aufzuheben,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>2. den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2006 vom 16. Dezember 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 24. M&auml;rz 2009 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. a) Die im Schriftsatz der Kl&auml;ger vom 18. Februar 2010 erhobene R&uuml;ge, das FG habe den Sachverhalt im Hinblick auf den Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung und dessen Reichweite nicht ausreichend ermittelt, f&uuml;hrt nicht zum Erfolg. Das FG ist dieser aus &sect; 76 FGO folgenden Pflicht hinreichend nachgekommen. Denn es hat festgestellt, dass der zu &auml;ndernde Bescheid unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stand und in den Erl&auml;uterungen zum Bescheid das FA um erg&auml;nzende Angaben gebeten habe. Es ist weder ersichtlich, dass der Sachverhalt unvollst&auml;ndig ist, noch haben die Kl&auml;ger in der Revisionsschrift dargetan, in welcher Weise weitere Ermittlungen notwendig gewesen w&auml;ren. Im Kern wenden sich die Kl&auml;ger gegen die vom FG vorgenommene rechtliche W&uuml;rdigung, dass der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung uneingeschr&auml;nkt bestehe. Damit wird indes kein Verfahrensfehler, sondern ein materiell-rechtlicher Fehler ger&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der von den Kl&auml;gern in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ge&auml;u&szlig;erten Ansicht ist auch ihr Anspruch auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs nicht verletzt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) gew&auml;hrleistet den Beteiligten eines gerichtlichen Verfahrens das Recht, vor Gericht Antr&auml;ge zu stellen und Ausf&uuml;hrungen zu machen. Dem entspricht die Pflicht des Gerichts, die Ausf&uuml;hrungen der Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und bei seiner Entscheidung in Erw&auml;gung zu ziehen, sofern das Vorbringen nicht nach den Prozessvorschriften ausnahmsweise unber&uuml;cksichtigt bleiben muss oder kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Grunds&auml;tzlich ist davon auszugehen, dass das Gericht das von ihm entgegengenommene Vorbringen eines Beteiligten auch zur Kenntnis genommen und in Erw&auml;gung gezogen hat, wenngleich es nach Art. 103 Abs. 1 GG nicht verpflichtet ist, sich mit jedem Vorbringen in der Begr&uuml;ndung seiner Entscheidung ausdr&uuml;cklich zu befassen. Der Umstand allein, dass sich die Entscheidungsgr&uuml;nde mit einem bestimmten Gesichtspunkt nicht ausdr&uuml;cklich auseinandersetzen, rechtfertigt grunds&auml;tzlich nicht die Annahme, das Gericht habe den Gesichtspunkt unter Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r &uuml;bergangen. Dieses Recht wird auch nicht dadurch verletzt, dass das Gericht der Rechtsansicht eines Beteiligten nicht folgt. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r liegt daher nur dann vor, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des einzelnen Falles deutlich ergibt, dass das Gericht ein tats&auml;chliches Vorbringen entweder &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei seiner Entscheidung ersichtlich nicht in Erw&auml;gung gezogen hat. Das ist hier nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Zutreffend hat das FG entschieden, dass die vom FA vorgenommene &Auml;nderung des Einkommensteuerbescheids der Kl&auml;ger f&uuml;r 2006 nach &sect; 164 Abs. 2 EStG rechtm&auml;&szlig;ig war. Nach dieser Vorschrift kann eine Steuerfestsetzung ge&auml;ndert werden, solange der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung wirksam besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zu Recht hat das FG &sect; 164 Abs. 2 AO als Rechtsgrundlage f&uuml;r die &Auml;nderung angewendet. Der ge&auml;nderte Einkommensteuerbescheid der Kl&auml;ger vom 4. April 2007 erging unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung. Dieser Vorbehalt war entgegen der Auffassung der Kl&auml;ger wirksam und nicht eingeschr&auml;nkt. Die von den Kl&auml;gern in der Revisionsbegr&uuml;ndung angef&uuml;hrte Passage aus den Erl&auml;uterungen zum Einkommensteuerbescheid bezieht sich eindeutig nur auf die Vorl&auml;ufigkeit nach &sect; 165 AO. Der Bescheid stand nicht nur unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung, sondern war im Hinblick auf anh&auml;ngige Verfahren auch teilweise vorl&auml;ufig. Diese Beschr&auml;nkungen der Vorl&auml;ufigkeit lassen die Reichweite des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung unber&uuml;hrt. Auch der Hinweis des FA auf noch beizubringende Unterlagen schr&auml;nkt den Umfang des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung nicht ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die vom FA vorgenommene Erh&ouml;hung des Bruttoarbeitlohns des Kl&auml;gers um 1.925,90 EUR war materiell zutreffend. Die von der A-GmbH vorgenommene Verrechnung des Bruttoarbeitslohns mit negativen Einnahmen in dieser H&ouml;he war rechtswidrig. Der Kl&auml;ger hatte im Veranlagungsjahr 2006 weder negative Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit noch Werbungskosten. Beide Tatbest&auml;nde setzen voraus, dass beim Arbeitnehmer G&uuml;ter abflie&szlig;en oder Aufwendungen entstehen (Senatsurteile vom 12. November 2009 VI R 20\/07, BFHE 227, 435, BStBl II 2010, 845; vom 17. September 2009 VI R 17\/08, BFHE 226, 317, BStBl II 2010, 299; Senatsbeschluss vom 10. August 2010 VI R 1\/08, BFHE 230, 173, BStBl II 2010, 1074). Beim Kl&auml;ger war dies nach den Feststellungen des FG im Jahr 2006 nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Auffassung der Revision ist der tats&auml;chliche Abfluss von G&uuml;tern auch nicht deshalb entbehrlich, weil die Besteuerung der Zusatzbeitr&auml;ge in den Vorjahren auf fiktiven Einnahmen beruht habe. Die Auffassung der Kl&auml;ger basiert auf der Annahme, dass zu Unrecht versteuerte Einnahmen bei sp&auml;terer (besserer) Erkenntnis zu Ausgaben oder negativen Einnahmen desselben Steuerpflichtigen f&uuml;hren m&uuml;ssen. Dies w&uuml;rde ein allgemeines Korrespondenzprinzip voraussetzen, welches eine von Zu- und Abfluss losgel&ouml;ste Gesamtbetrachtung eines Vorganges erm&ouml;glichen m&uuml;sste. Indes ist ein solches generelles Korrespondenzprinzip dem Einkommensteuergesetz im Allgemeinen (BFH-Urteil vom 26. Februar 2002 IX R 20\/98, BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796) und zur Beurteilung von Arbeitslohn im Besonderen fremd (Senatsbeschluss vom 19. Februar 2004 VI B 146\/02, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2004, 560). Das Prinzip der Abschnittsbesteuerung erfordert eine Jahresbetrachtung. Enthalten Bescheide aus vorangegangenen Veranlagungszeitr&auml;umen materielle Fehler, k&ouml;nnen diese keinesfalls dadurch korrigiert werden, dass in dem n&auml;chsten noch offenen Jahr ein weiterer materieller Fehler &#8211;als Ausgleich&#8211; bewusst eingearbeitet wird (BFH-Urteil in BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796). Die Abgabenordnung regelt mit ihren &Auml;nderungsvorschriften, wann der materiellen Gerechtigkeit Vorrang vor dem Rechtsfrieden einzur&auml;umen ist. Kann eine &Auml;nderung bestandskr&auml;ftiger Bescheide nicht mehr erfolgen, so mag dies unbillig erscheinen. Jedoch rechtfertigt dies keinen neuen materiellen Fehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Anrufungsauskunft nach &sect; 42e EStG, die der A-GmbH vom zust&auml;ndigen Betriebsst&auml;ttenfinanzamt erteilt wurde, steht einer &Auml;nderung des bisher falschen Ansatzes des Bruttoarbeitslohns durch das FA nicht entgegen. Denn das FA ist an die Inhalte dieser Anrufungsauskunft nicht gebunden. Die Anrufungsauskunft nach &sect; 42e EStG, die nach der neueren Senatsrechtsprechung ein feststellender Verwaltungsakt ist (Urteil vom 30. April 2009 VI R 54\/07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996), bindet ausschlie&szlig;lich das erteilende Betriebsst&auml;ttenfinanzamt im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens (Senatsurteil vom 9. Oktober 1992 VI R 97\/90, BFHE 169, 202, BStBl II 1993, 166; Senatsbeschluss vom 22. Mai 2007 VI B 143\/06, BFH\/NV 2007, 1658). Hieran &auml;ndert die Qualifikation der Anrufungsauskunft als Verwaltungsakt nichts (vgl. Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect; 42e EStG Rz 30, 38). Auch als Verwaltungsakt wird die Anrufungsauskunft ohne Mitwirkung des Wohnsitzfinanzamts erteilt. H&auml;tte der Gesetzgeber eine &uuml;ber das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt hinausgehende Bindungswirkung herbeif&uuml;hren wollen, dann h&auml;tte er entweder die f&uuml;r die Arbeitnehmer zust&auml;ndigen Wohnsitzfinanz&auml;mter in das Verfahren der Anrufungsauskunft einbeziehen oder die Anrufungsauskunft selbst als Grundlagenbescheid ausgestalten m&uuml;ssen. Zudem ist das Lohnsteuerabzugsverfahren ein Vorauszahlungsverfahren (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. April 1997&nbsp;&nbsp;2 BvL 77\/92, BVerfGE 96, 1), dessen Besonderheiten und Regelungen nicht in das Veranlagungsverfahren hineinwirken (Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 38 Rz A 7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Schlie&szlig;lich steht &sect; 42d Abs. 3 Satz 4 EStG der &Auml;nderung nicht entgegen. Nach dieser Vorschrift kann ein Arbeitnehmer f&uuml;r seine Lohnsteuer nur in bestimmten F&auml;llen als Gesamtschuldner neben dem Arbeitgeber in Anspruch genommen werden. Es kann offenbleiben, ob der Kl&auml;ger vorliegend als Gesamtschuldner in Anspruch genommen werden k&ouml;nnte. Denn der Senat hat bereits entschieden, dass diese Vorschrift trotz ihres irref&uuml;hrenden Wortlauts keine Auswirkungen auf das Veranlagungsverfahren hat (Urteil vom 17. Mai 1985 VI R 137\/82, BFHE 144, 217, BStBl II 1985, 660). Es handelt sich um eine Regelung des Lohnsteuerabzugsverfahrens. Damit gelten die Beschr&auml;nkungen f&uuml;r eine Inanspruchnahme des Arbeitnehmers nur innerhalb dieses Verfahrens. Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass der Gesetzgeber diesen Grundsatz durchbrechen wollte und die Vorschrift zur gesamtschuldnerischen Inanspruchnahme des Arbeitnehmers lediglich systematisch unzutreffend eingeordnet hat, sind nicht erkennbar. Daher kann der Arbeitnehmer im Veranlagungsverfahren uneingeschr&auml;nkt in Anspruch genommen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Zu Recht ging das FG auch davon aus, dass das FA nicht wegen Versto&szlig;es gegen den Grundsatz von Treu und Glauben an einer &Auml;nderung nach &sect; 164 Abs. 2 AO gehindert war. Der Grundsatz von Treu und Glauben, der auch im Steuerrecht anzuwenden ist, kann zwar einer Steuernachforderung und damit auch einer &Auml;nderung zu Lasten eines Steuerpflichtigen entgegenstehen. Dies setzt aber voraus, dass die Nachforderung dem vorausgegangenen Verhalten der Verwaltung widerspricht und der Steuerpflichtige im berechtigten Vertrauen auf dieses Verhalten verm&ouml;gensrechtliche Dispositionen getroffen hat, die sich nicht mehr r&uuml;ckg&auml;ngig machen lassen (BFH-Urteile vom 5. Februar 1980 VII R 101\/77, BFHE 130, 90; vom 11. August 1972 VI R 262\/69, BFHE 107, 127, BStBl II 1973, 35). Solche Dispositionen haben die Kl&auml;ger nicht getroffen. Sie haben auch keinen Verm&ouml;gensschaden dadurch erlitten, dass sie nachtr&auml;glich zu der gesetzlich geschuldeten Steuer herangezogen wurden (Senatsurteil vom 10. Juli 1964 VI 299\/63 U, BFHE 80, 314, BStBl III 1964, 587).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall fehlt es bereits an einem vom FA gesetzten Vertrauenstatbestand. Denn das FA hat nicht zu erkennen gegeben, dass es die Einkommensteuerfestsetzung der Kl&auml;ger sp&auml;ter nicht noch einmal &auml;ndern wird. Auch das Verhalten der OFD, die den Sachverhalt nicht aufgekl&auml;rt und die Wohnsitzfinanz&auml;mter nicht entsprechend informiert hat, begr&uuml;ndet keinen Vertrauenstatbestand, auf den sich die Kl&auml;ger gegen&uuml;ber dem FA berufen k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.1.2011, VI R 64\/09 Keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; keine Beschr&auml;nkung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung durch Hinweise zu fehlenden Unterlagen &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Angestellter der A-GmbH. Er wurde im Streitjahr 2006 zusammen mit seiner &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-64-09-keine-bindungswirkung-der-anrufungsauskunft-fuer-das-veranlagungsverfahren-keine-beschraenkung-des-vorbehalts-der-nachpruefung-durch-hinweise-zu-fehlenden-unterlagen-prinzip-der-abschnittsb\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;64\/09 &#8211; Keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; keine Beschr&auml;nkung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung durch Hinweise zu fehlenden Unterlagen &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-10088","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10088"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10088\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}