{"id":10096,"date":"2012-12-19T16:17:08","date_gmt":"2012-12-19T14:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=10096"},"modified":"2012-12-19T16:17:08","modified_gmt":"2012-12-19T14:17:08","slug":"ii-r-38-09-schaetzung-der-ertragsaussichten-im-stuttgarter-verfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-38-09-schaetzung-der-ertragsaussichten-im-stuttgarter-verfahren\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;38\/09 &#8211; Sch&auml;tzung der Ertragsaussichten im Stuttgarter Verfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.1.2011, II R 38\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Sch&auml;tzung der Ertragsaussichten im Stuttgarter Verfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) erhielt von seinem Vater mit notariell beurkundetem Vertrag vom 28. Juni 2000 dessen 60-prozentige Beteiligung an einer GmbH gegen Zahlung einer j&auml;hrlichen Leibrente in H&ouml;he von 162.500 DM &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte f&uuml;r den Erwerb des Gesch&auml;ftsanteils gegen den Kl&auml;ger mit &Auml;nderungsbescheid vom 13. Oktober 2006 Schenkungsteuer in H&ouml;he von 156.783 EUR fest. Bei der Anteilsbewertung nach dem Stuttgarter Verfahren (R 96 ff. der im Jahr 2000 geltenden Erbschaftsteuer-Richtlinien &#8211;ErbStR&#8211; 1999 vom 21. Dezember 1998, BStBl I 1998, Sondernummer 2, S. 2) ging das FA zur Ermittlung des Ertragshundertsatzes (R 99 ErbStR 1999) von einem k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen von 550.766 DM f&uuml;r das Jahr 1997, von 347.973 DM f&uuml;r das Jahr 1998 und von .\/. 378.244 DM f&uuml;r das Jahr 1999 aus und nahm verschiedene Hinzurechnungen und Abz&uuml;ge vor. U.a. rechnete es die Einkommensminderung aus sich auf mehr als 50 % des Nennkapitals belaufenden Beteiligungen an anderen Kapitalgesellschaften hinzu und zog die Einkommenserh&ouml;hungen aus derartigen Beteiligungen ab (R 103 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 und 2 ErbStR 1999). F&uuml;r das Jahr 1999 zog es den Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft von 11.700.000 DM (13.200.000 DM abz&uuml;glich Buchwert von 1.500.000 DM) ab und rechnete die Anschaffungskosten f&uuml;r die von der GmbH am 23. Dezember 1999 zu einem St&uuml;ckpreis von 765 DM netto (ohne Umsatzsteuer) erworbenen und f&uuml;r etwa viereinhalb Jahre an den Verk&auml;ufer zur&uuml;ckverleasten Decoderboxen hinzu. Die GmbH hatte die Anschaffungskosten von insgesamt 12.704.355 DM nach &sect; 8 Abs. 1 Satz 1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes i.V.m. &sect; 6 Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes in der im Jahr 1999 geltenden Fassung (EStG) in voller H&ouml;he als Betriebsausgaben abgezogen, da sie unter der damaligen Grenze f&uuml;r &quot;geringwertige Wirtschaftsg&uuml;ter&quot; von 800 DM je St&uuml;ck lagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Vornahme der Hinzurechnungen und Abz&uuml;ge ergaben sich Betriebsergebnisse von 400.313 DM f&uuml;r 1997, von 504.529 DM f&uuml;r 1998 und von .\/. 5.520 DM f&uuml;r 1999. Aufgrund der in R 99 Abs. 3 ErbStR 1999 getroffenen Regelungen errechnete sich f&uuml;r diese Jahre ein durchschnittlicher Jahresertrag von 232.135 DM. Dieser durchschnittliche Jahresertrag bildete die Grundlage f&uuml;r die Ermittlung des Ertragshundertsatzes nach R 99 Abs. 4 ErbStR 1999.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der nach erfolglosem Einspruch erhobenen Klage, mit der sich der Kl&auml;ger gegen die Hinzurechnung der Anschaffungskosten f&uuml;r die Decoderboxen wandte, mit der Begr&uuml;ndung statt, der Erwerb der Decoderboxen sei kein au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Gesch&auml;ftsvorfall, der zu einem offensichtlich unrichtigen Sch&auml;tzergebnis f&uuml;hre und deshalb korrigiert werden m&uuml;sse, sondern eine freie unternehmerische Investitionsentscheidung. Die Vorentscheidung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1626 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA Verletzung des &sect; 11 Abs. 2 Satz 2 des Bewertungsgesetzes in der im Jahr 2000 geltenden Fassung (BewG). Das FG habe zu Unrecht angenommen, die Anschaffungskosten f&uuml;r die Decoderboxen seien dem im Jahr 1999 erzielten k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen der GmbH nicht hinzuzurechnen. Die Hinzurechnungstatbest&auml;nde seien in R 99 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 ErbStR 1999 nicht abschlie&szlig;end aufgez&auml;hlt. Es seien alle Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle zu neutralisieren, die im Rahmen der unternehmerischen T&auml;tigkeit der Kapitalgesellschaft als au&szlig;ergew&ouml;hnlich anzusehen seien. Dies treffe f&uuml;r die Investition in die Decoderboxen zu, da sie das Betriebsergebnis im Jahr 1999 stark beeinflusst habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Hinzurechnung der Anschaffungskosten f&uuml;r die Decoderboxen zum k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen sei in den Verwaltungsvorschriften &uuml;ber die Ermittlung des gemeinen Werts von nichtnotierten Anteilen an Kapitalgesellschaften nicht vorgesehen und daher unzul&auml;ssig. Es stelle zudem einen Wertungswiderspruch dar, wenn die Decoderboxen zwar bei der Ermittlung des Verm&ouml;genswerts au&szlig;er Betracht blieben, ihre Anschaffungskosten aber bei der Bestimmung des Betriebsergebnisses ber&uuml;cksichtigt w&uuml;rden. Jedenfalls d&uuml;rfe es nicht bei einer punktuellen Abweichung von den allgemeinen Bewertungsregeln bleiben. Vielmehr m&uuml;sse beachtet werden, dass aus der im Jahr 1999 ver&auml;u&szlig;erten, besonders ertragsstarken Tochtergesellschaft nach deren Verkauf keine Ertr&auml;ge mehr erzielt werden k&ouml;nnten und dies zu einer Minderung der Betriebsergebnisse der Folgejahre f&uuml;hre.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Entgegen der Auffassung des FG durfte das FA die Anschaffungskosten f&uuml;r die Decoderboxen dem k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen der GmbH des Jahres 1999 hinzurechnen. Das FA h&auml;tte jedoch die normalen Absetzungen f&uuml;r Abnutzung (AfA) f&uuml;r Dezember 1999 gew&auml;hren m&uuml;ssen. Da das FG die f&uuml;r die Berechnung der AfA erforderliche betriebsgew&ouml;hnliche Nutzungsdauer der Decoderboxen noch nicht festgestellt hat, war die Vorentscheidung aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Sind Gegenstand einer freigebigen Zuwendung unter Lebenden (&sect; 7 Abs. 1 Nr. 1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes in der im Jahr 2000 geltenden Fassung &#8211;ErbStG&#8211;) Anteile an einer Kapitalgesellschaft, die keinen Kurswert i.S. des &sect; 11 Abs. 1 BewG haben, so sind diese gem&auml;&szlig; &sect; 12 Abs. 1 ErbStG i.V.m. &sect; 11 Abs. 2 Satz 1 BewG mit ihrem gemeinen Wert anzusetzen. Liegen &#8211;wie im Streitfall&#8211; zeitnahe Verk&auml;ufe, aus denen der gemeine Wert abgeleitet werden k&ouml;nnte, nicht vor, so ist der gemeine Wert unter Ber&uuml;cksichtigung des Verm&ouml;gens und der Ertragsaussichten der Gesellschaft zu sch&auml;tzen (&sect; 11 Abs. 2 Satz 2 BewG). Ma&szlig;geblicher Zeitpunkt f&uuml;r die Anteilsbewertung ist, wie sich schon aus &sect; 11 ErbStG ergibt, der Zeitpunkt der Entstehung der Steuer (&sect; 12 Abs. 2 Satz 1 ErbStG). Diese Vorschriften sind trotz der vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) durch Beschluss vom 7. November 2006&nbsp;&nbsp;1 BvL 10\/02 (BVerfGE 117, 1, BStBl II 2007, 192) festgestellten Verfassungsverst&ouml;&szlig;e aufgrund der vom BVerfG getroffenen Weitergeltungsanordnung f&uuml;r Bewertungsstichtage bis zum 31. Dezember 2008 und damit auch im Streitfall anzuwenden (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 1. Februar 2007 II R 19\/05, BFHE 215, 508, BStBl II 2007, 635).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FA durfte die Anschaffungskosten bei der Ermittlung des Ertragshundertsatzes dem k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen des Jahres 1999 hinzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das vom FA der Bewertung zugrunde gelegte Stuttgarter Verfahren ist ein auch f&uuml;r die Erbschaft- und Schenkungsteuer geeignetes, wenn auch die Gerichte nicht bindendes, Sch&auml;tzungsverfahren (BFH-Urteil in BFHE 215, 508, BStBl II 2007, 635, m.w.N.). Mit R&uuml;cksicht auf die Gleichm&auml;&szlig;igkeit der Besteuerung und die Praktikabilit&auml;t ist von diesem grob typisierenden Sch&auml;tzverfahren nur abzuweichen, wenn es in Ausnahmef&auml;llen aus besonderen Gr&uuml;nden des Einzelfalls zu nicht tragbaren, d.h. offensichtlich unrichtigen Ergebnissen f&uuml;hrt (BFH-Urteil in BFHE 215, 508, BStBl II 2007, 635, m.w.N.). Da es auf die Umst&auml;nde des Einzelfalles ankommt, ist insoweit eine weitere abstrakte Konkretisierung weder m&ouml;glich noch aus verfassungsrechtlichen Gr&uuml;nden geboten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Stuttgarter Verfahren ist bei der Regelbewertung der gemeine Wert unter Ber&uuml;cksichtigung des Verm&ouml;genswerts (R 98 ErbStR 1999) und des Ertragshundertsatzes der Kapitalgesellschaft (R 99 ErbStR 1999) zu ermitteln (R 96 Abs. 2 Satz 1 ErbStR 1999). Die Ertragsaussichten der Gesellschaft bestimmen sich nach dem k&uuml;nftigen aussch&uuml;ttungsf&auml;higen Ertrag. Die Anteilsbewertung nach dem Stuttgarter Verfahren geht davon aus, dass der Betrieb in wirtschaftlich gleichem Umfang weitergef&uuml;hrt wird. Dies rechtfertigt im Allgemeinen den Schluss, dass sich auch die Ertragslage in den n&auml;chsten Jahren nicht wesentlich &auml;ndern wird (BFH-Urteile vom 18. Dezember 1968 III R 135\/67, BFHE 95, 266, BStBl II 1969, 370, und in BFHE 215, 508, BStBl II 2007, 635). Bei der Sch&auml;tzung des voraussichtlichen k&uuml;nftigen Jahresertrags kann daher der in der Vergangenheit tats&auml;chlich erzielte, nach R 99 Abs. 3 ErbStR 1999 gewichtete Durchschnittsertrag als wichtige Beurteilungsgrundlage herangezogen werden (R 99 Abs. 1 Satz 2 ErbStR 1999). Er ist m&ouml;glichst aus den Betriebsergebnissen der letzten drei vor dem Besteuerungszeitpunkt abgelaufenen Wirtschaftsjahre herzuleiten (Satz 3 der Vorschrift). Zur Ermittlung der Betriebsergebnisse ist jeweils von dem der K&ouml;rperschaftsteuer unterliegenden zu versteuernden Einkommen der Gesellschaft auszugehen (Satz 4 der Vorschrift), das nach den Vorgaben des Satzes 5 der Vorschrift durch Hinzurechnungen und Abz&uuml;ge korrigiert wird. Zu den hinzuzurechnenden Betr&auml;gen geh&ouml;ren u.a. Sonderabschreibungen, erh&ouml;hte Absetzungen, Bewertungsabschl&auml;ge, Zuf&uuml;hrungen zu steuerfreien R&uuml;cklagen sowie Teilwertabschreibungen, ferner Absetzungen auf den Gesch&auml;fts- oder Firmenwert oder firmenwert&auml;hnliche Wirtschaftsg&uuml;ter, Verlustabz&uuml;ge, einmalige Ver&auml;u&szlig;erungsverluste, steuerfreie Verm&ouml;gensmehrungen und Investitionszulagen. Abzuziehen sind demgegen&uuml;ber einmalige Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne, gewinnerh&ouml;hende Aufl&ouml;sungsbetr&auml;ge steuerfreier R&uuml;cklagen und ertragsteuerrechtlich nicht abziehbare Ausgaben. Die Zurechnungs- und Abrechnungsbetr&auml;ge haben insgesamt das Ziel, den nachhaltig erzielbaren Jahresertrag frei von Sondereinfl&uuml;ssen zu ermitteln, die f&uuml;r das Betriebsergebnis keine Aussagekraft haben (Mannek in G&uuml;rsching\/Stenger, Bewertungsrecht, &sect; 11 BewG Rz 227).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieses ungeachtet der vorgesehenen Korrekturen und Gewichtung recht grobe Sch&auml;tzungsverfahren muss (bei Bewertungsstichtagen bis zum Ablauf des Jahres 2008) in Kauf genommen werden, weil die Finanz&auml;mter die den k&uuml;nftigen Ertrag im Einzelfall beeinflussenden Umst&auml;nde weder im Allgemeinen &uuml;bersehen noch in ihrer Bedeutung gegeneinander abw&auml;gen k&ouml;nnen (BFH-Urteil in BFHE 95, 266, BStBl II 1969, 370).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine von der Anordnung in R 99 Abs. 1 Satz 3 ErbStR 1999 abweichende andere Sch&auml;tzung der Ertragsaussichten kann nur geboten sein, wenn es nach den Verh&auml;ltnissen des Stichtags offensichtlich ist, dass in Zukunft ein erheblich niedrigerer oder h&ouml;herer Ertrag zu erwarten ist (BFH-Urteile in BFHE 95, 266, BStBl II 1969, 370, und in BFHE 215, 508, BStBl II 2007, 635). Dabei k&ouml;nnen Verh&auml;ltnisse und Gegebenheiten ber&uuml;cksichtigt werden, die im Bewertungszeitpunkt zwar noch nicht eingetreten, aber so hinreichend konkretisiert sind, dass mit ihnen zu diesem Zeitpunkt objektiv als Tatsachen zu rechnen ist (BFH-Urteile vom 26. Juni 1996 II R 64\/93, BFH\/NV 1997, 157, und in BFHE 215, 508, BStBl II 2007, 635).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FA durfte danach bei der Ermittlung des Ertragshundertsatzes die Anschaffungskosten f&uuml;r die Decoderboxen dem k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen des Jahres 1999 hinzurechnen. Ein ausdr&uuml;cklich geregelter Hinzurechnungstatbestand ist zwar nicht gegeben; denn die Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsg&uuml;ter nach &sect; 6 Abs. 2 Satz 1 EStG ist insbesondere weder eine Sonderabschreibung noch eine erh&ouml;hte Absetzung i.S. des &sect; 7a EStG, die nach R 99 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. a ErbStR 1999 hinzuzurechnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den Verh&auml;ltnissen des Stichtags (&sect; 12 Abs. 2 Satz 1 ErbStG) war es aber offensichtlich, dass in Zukunft ein erheblich h&ouml;herer Ertrag als &quot;Null&quot; zu erwarten war. Bei dem Leasinggesch&auml;ft handelte es sich nach den eigenen Ausf&uuml;hrungen des Kl&auml;gers um ein Gesch&auml;ftsmodell mit attraktiven Renditen. Es ging nicht um die laufende Anschaffung geringwertiger Wirtschaftsg&uuml;ter zur tats&auml;chlichen Verwendung im Betrieb der GmbH, sondern um eine ertragreiche Kapitalanlage, die offensichtlich auch zur Kompensation des zu versteuernden Gewinns aus der Ver&auml;u&szlig;erung der Tochtergesellschaft diente.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Umst&auml;nde berechtigten das FA zu einer von der Anordnung in R 99 Abs. 1 Satz 3 bis 5 ErbStR 1999 abweichenden anderen Sch&auml;tzung der Ertragsaussichten. Die Korrektur des in der Vergangenheit tats&auml;chlich erzielten gewichteten Durchschnittsertrags musste dabei entgegen der Ansicht des Kl&auml;gers nicht durch eine Sch&auml;tzung der k&uuml;nftigen Ertr&auml;ge unter Einbeziehung der Leasingraten geschehen. Vielmehr konnte das FA die Korrektur abgesehen davon, dass die AfA f&uuml;r Dezember 1999 abzuziehen sind, in der Weise vornehmen, dass die als Betriebsausgaben abgezogenen Anschaffungskosten der Decoderboxen dem k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen hinzugerechnet wurden. Die auf diese Art und Weise erfolgte Korrektur entspricht der Grundregel, nach der die Betriebsergebnisse der letzten drei vor dem Besteuerungszeitpunkt abgelaufenen Wirtschaftsjahre ma&szlig;gebend und lediglich in bestimmten Punkten durch Hinzurechnungen und Abz&uuml;ge abzu&auml;ndern sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Ansicht des Kl&auml;gers, bei der Ermittlung des Ertragshundertsatzes m&uuml;sse der Wegfall der Ertr&auml;ge aus der im Jahr 1999 ver&auml;u&szlig;erten Tochtergesellschaft ber&uuml;cksichtigt werden, geht fehl. Die von der GmbH erzielten Ertr&auml;ge aus den Gewinnaussch&uuml;ttungen der Tochtergesellschaft wurden n&auml;mlich bereits vom FA nach R 103 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Satz 3 ErbStR 1999 aus den Betriebsergebnissen der GmbH ausgesondert und haben sich daher auf den vom FA ermittelten gemeinen Wert der GmbH ohnehin nicht ausgewirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Meinung des Kl&auml;gers kann daraus, dass die Decoderboxen bei der Ermittlung des Verm&ouml;genswerts der GmbH unber&uuml;cksichtigt geblieben sind, nicht abgeleitet werden, dass ihre Anschaffungskosten bei der Ermittlung des Ertragshundertsatzes dem k&ouml;rperschaftsteuerlichen Einkommen der GmbH f&uuml;r das Jahr 1999 nicht hinzugerechnet werden d&uuml;rften. Eine solche Kumulation von Steuerverg&uuml;nstigungen ist nicht vorgeschrieben und w&uuml;rde den vom BVerfG mit dem Beschluss in BVerfGE 117, 1, BStBl II 2007, 192 festgestellten Versto&szlig; der weitgehenden &Uuml;bernahme der Steuerbilanzwerte bei der Bewertung des Betriebsverm&ouml;gens f&uuml;r Zwecke der Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes noch weiter vertiefen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Da das FG von einer anderen Ansicht ausgegangen ist, war die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FA hat &uuml;bersehen, dass zumindest die normalen AfA zu gew&auml;hren sind (R 99 Abs. 1 Satz 5 Nr. 1 Buchst. a S&auml;tze 2 und 3 ErbStR 1999). Dies schlie&szlig;t die degressive AfA nach &sect; 7 Abs. 2 EStG mit ein (Mannek in G&uuml;rsching\/Stenger, a.a.O., &sect; 11 BewG Rz 231). Das FG hat die f&uuml;r die Berechnung der AfA erforderliche betriebsgew&ouml;hnliche Nutzungsdauer der Decoderboxen noch nicht festgestellt. Sie ist durch Sch&auml;tzung zu ermitteln (BFH-Urteil vom 8. April 2008 VIII R 64\/06, BFH\/NV 2008, 1660, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anweisung in R 44 Abs. 2 Satz 3 der Einkommensteuer-Richtlinien 1999 zur Inanspruchnahme von Halbjahresabschreibungen ist insoweit nicht anzuwenden. Sie ist f&uuml;r die Gerichte nicht bindend, wenn sie zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung f&uuml;hren w&uuml;rde (BFH-Urteil vom 10. August 2005 VIII R 78\/02, BFHE 211, 137, BStBl II 2006, 58). Dies trifft im Streitfall zu, da die Decoderboxen erst Ende Dezember 1999 erworben wurden und die Anschaffungskosten einen erheblichen Umfang hatten. Das FG wird daher nur die auf den Dezember 1999 entfallenden AfA zu ber&uuml;cksichtigen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.1.2011, II R 38\/09 Sch&auml;tzung der Ertragsaussichten im Stuttgarter Verfahren Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) erhielt von seinem Vater mit notariell beurkundetem Vertrag vom 28. Juni 2000 dessen 60-prozentige Beteiligung an einer GmbH gegen Zahlung einer j&auml;hrlichen Leibrente in H&ouml;he von 162.500 DM &uuml;bertragen. 2&nbsp; Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-38-09-schaetzung-der-ertragsaussichten-im-stuttgarter-verfahren\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;38\/09 &#8211; Sch&auml;tzung der Ertragsaussichten im Stuttgarter Verfahren<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-10096","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10096","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10096"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10096\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}