{"id":10105,"date":"2012-12-06T17:42:58","date_gmt":"2012-12-06T15:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=10105"},"modified":"2012-12-06T17:42:58","modified_gmt":"2012-12-06T15:42:58","slug":"vi-r-61-09-keine-zurechnung-von-kenntnissen-der-oberbehoerde-im-rahmen-des-par-173-abs-1-ao-keine-bindungswirkung-der-anrufungsauskunft-fuer-das-veranlagungsverfahren-bekanntwerden-einer-tatsache-is-d","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-61-09-keine-zurechnung-von-kenntnissen-der-oberbehoerde-im-rahmen-des-par-173-abs-1-ao-keine-bindungswirkung-der-anrufungsauskunft-fuer-das-veranlagungsverfahren-bekanntwerden-einer-tatsache-is-d\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;61\/09 &#8211; Keine Zurechnung von Kenntnissen der Oberbeh&ouml;rde im Rahmen des &sect; 173 Abs. 1 AO &#8211; keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; Bekanntwerden einer Tatsache i.S. des &sect; 173 AO &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.1.2011, VI R 61\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Zurechnung von Kenntnissen der Oberbeh&ouml;rde im Rahmen des &sect; 173 Abs. 1 AO &#8211; keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; Bekanntwerden einer Tatsache i.S. des &sect; 173 AO &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Kenntnisse einer weisungsbefugten Oberbeh&ouml;rde &uuml;ber eine dem Veranlagungsfinanzamt bei der Steuerfestsetzung nicht bekannte Tatsache muss sich dieses im Rahmen des &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO nicht zurechnen lassen.<\/p>\n<p>2. Der Inhalt einer im Lohnsteuerabzugsverfahren dem Arbeitgeber erteilten Anrufungsauskunft bindet die Wohnsitzfinanz&auml;mter bei der Einkommensteuerveranlagung der Arbeitnehmer nicht.<\/p>\n<p>3. Die Beschr&auml;nkung der Arbeitnehmerhaftung im Lohnsteuerabzugsverfahren nach &sect; 42d Abs. 3 Satz 4 EStG steht der Inanspruchnahme des Arbeitnehmers im Veranlagungsverfahren nicht entgegen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob das Wohnsitzfinanzamt den Einkommensteuerbescheid eines Arbeitnehmers nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 der Abgabenordnung (AO) &auml;ndern darf, obwohl eine positive Anrufungsauskunft im Lohnsteuerabzugsverfahren die Vorgehensweise des Arbeitgebers erlaubte, und ob sich das Wohnsitzfinanzamt Kenntnisse seiner vorgesetzten Beh&ouml;rde oder einer zentralen Au&szlig;enpr&uuml;fungsstelle zurechnen lassen muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Angestellter der A-GmbH. Er wurde im Streitjahr 2006 zusammen mit seiner Ehefrau zur Einkommensteuer veranlagt. Der Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2006 wurde am 16. Juli 2007 erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die A-GmbH war zun&auml;chst Mitglied der Zusatzversorgungskasse (ZVK) der Stadt X. Mit der Mitgliedschaft verfolgte sie den Zweck, ihren Arbeitnehmern beim Ausscheiden aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis einen zus&auml;tzlichen Versorgungsanspruch zu verschaffen. Entsprechend einer am 10. Januar 2001 abgeschlossenen Vereinbarung &uuml;bernahm die Zusatzversorgungskasse Y (YZVK) das Verm&ouml;gen der ZVK. Die bisherigen Mitglieder der ZVK wurden mit Wirkung ab 1. Januar 2001 Mitglieder der YZVK. Sie hatten an die YZVK zum Ausgleich der mit der &Uuml;bernahme f&uuml;r die YZVK verbundenen Nachteile eine Ausgleichszahlung zu leisten. Der Nachteilsausgleich belief sich f&uuml;r die A-GmbH auf 49 Mio. DM. Der Betrag war ab 2001 in 15 gleichen Raten zu zahlen. Die A-GmbH behandelte die Zahlungen des Nachteilsausgleichs als erh&ouml;hte Umlage und erhob die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz gem&auml;&szlig; &sect; 40b des Einkommensteuergesetzes (EStG). Soweit die Zahlungen die Pauschalierungsgrenze &uuml;berstiegen, unterwarf die A-GmbH die entsprechenden Betr&auml;ge dem Regelbesteuerungsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an die Entscheidung des Senats vom 14. September 2005 VI R 148\/98 (BFHE 210, 443, BStBl II 2006, 532) teilte die A-GmbH dem zust&auml;ndigen Betriebsst&auml;ttenfinanzamt mit Schreiben vom 6. Dezember 2005 mit, dass sie eine &quot;Stornierung der zu Unrecht versteuerten geldwerten Vorteile aus Nachteilsausgleichszahlungen der Jahre 2002 &#8211; 2005&quot; beabsichtige. Sie beantragte eine Auskunft gem&auml;&szlig; &sect; 42e EStG beim Betriebsst&auml;ttenfinanzamt in der Weise, dass es ihr, der A-GmbH, erlaubt sei, s&auml;mtliche zu Unrecht versteuerten Nachteilsausgleichszahlungen im laufenden Lohnzahlungszeitraum in Form negativer Einnahmen zu korrigieren. Diesem Antrag entsprach das zust&auml;ndige Finanzamt im Juni 2006. Die A-GmbH machte in der Lohnabrechnung f&uuml;r September 2006 von der Zusage Gebrauch und verrechnete die laufenden Bruttoarbeitsl&ouml;hne ihrer Mitarbeiter mit negativen Einnahmen im Umfang der jeweils auf die Nachteilsausgleichszahlungen abgef&uuml;hrten Lohnsteuer. Im September 2006 wurde diese Anrufungsauskunft widerrufen. Die dagegen von der A-GmbH erhobene Klage war letztlich erfolgreich (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 2. September 2010 VI R 3\/09, BFHE 230, 500) und der Widerruf der Anrufungsauskunft wurde aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im November 2008 erhielt der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), das Wohnsitzfinanzamt des Kl&auml;gers, eine Kontrollmitteilung der Zentralen Au&szlig;enpr&uuml;fungsstelle Lohnsteuer (ZALST). Die ZALST informierte das FA dar&uuml;ber, dass die A-GmbH als Arbeitgeberin des Kl&auml;gers im Lohnzeitraum September 2006 den Bruttoarbeitslohn des Kl&auml;gers um 5.035,23 EUR gemindert habe. Die A-GmbH sei von negativen Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit in dieser H&ouml;he ausgegangen. Allerdings entspreche dieser Betrag der Summe, welche die A-GmbH f&uuml;r den Kl&auml;ger in den Jahren 2001 bis 2005 zu Unrecht als Arbeitslohn erfasst habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA erlie&szlig; daraufhin am 2. Januar 2009 einen nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2006 und erh&ouml;hte den Bruttoarbeitslohn des Kl&auml;gers um 5.035,23 EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>1. das Urteil des FG D&uuml;sseldorf, ergangen aufgrund m&uuml;ndlicher Verhandlung vom 5. November 2009 unter dem Az. 11 K 832\/09 E, aufzuheben,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>2. den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2006 vom 2. Januar 2009 in Gestalt der Teileinspruchsentscheidung vom 5. Februar 2009, i.d.F. vom 5. November 2009, aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des Kl&auml;gers ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Zu Recht hat das FG entschieden, dass eine &Auml;nderung des Einkommensteuerbescheids 2006 nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO rechtm&auml;&szlig;ig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO sind Steuerbescheide aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachtr&auml;glich bekannt werden, die zu einer h&ouml;heren Steuer f&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zutreffend gehen die Beteiligten davon aus, dass die Abweichung des von der A-GmbH auf der Lohnsteuerbescheinigung des Kl&auml;gers ausgewiesenen Bruttoarbeitslohns zu den tats&auml;chlich zugeflossenen Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit eine Tatsache i.S. des &sect; 173 Abs. 1 AO ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der Auffassung der Revision ist diese Tatsache der Eintragung eines zu geringen Bruttoarbeitslohns in der Lohnsteuerbescheinigung dem FA erst nachtr&auml;glich bekannt geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Eine Tatsache ist nachtr&auml;glich bekannt geworden, wenn sie das FA bei Erlass des zu &auml;ndernden Steuerbescheids noch nicht kannte (BFH-Urteil vom 13. September 2001 IV R 79\/99, BFHE 196, 195, BStBl II 2002, 2, m.w.N.). Ma&szlig;geblicher Zeitpunkt f&uuml;r den Kenntnisstand ist die abschlie&szlig;ende Zeichnung des f&uuml;r die Steuerfestsetzung zust&auml;ndigen Beamten (BFH-Urteil vom 27. November 2001 VIII R 3\/01, BFH\/NV 2002, 473). Daher wird eine Tatsache der Finanzbeh&ouml;rde bekannt, wenn diejenigen Personen, die innerhalb der zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde organisationsm&auml;&szlig;ig f&uuml;r die Bearbeitung des Steuerfalls berufen sind bzw. die den zu &auml;ndernden Steuerbescheid erlassen haben, positive Kenntnis dar&uuml;ber erlangen (BFH-Urteil vom 28. April 1998 IX R 49\/96, BFHE 185, 370, BStBl II 1998, 458; BFH-Beschluss vom 16. Januar 2002 VIII B 96\/01, BFH\/NV 2002, 621, m.w.N.). Hierbei handelt es sich um den Vorsteher, den Sachgebietsleiter und den Sachbearbeiter, weil nur diese Personen die Finanzbeh&ouml;rde gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen repr&auml;sentieren und den Steuerbescheid verantworten (BFH-Urteil in BFHE 185, 370, BStBl II 1998, 458). Bekannt sind der zust&auml;ndigen Dienststelle jedoch neben dem Inhalt der dort gef&uuml;hrten Akten auch s&auml;mtliche Informationen, die dem Sachbearbeiter von vorgesetzten Dienststellen &uuml;ber ein elektronisches Informationssystem zur Verf&uuml;gung gestellt werden, ohne dass es insoweit auf die individuelle Kenntnis des jeweiligen Bearbeiters ankommt (vgl. BFH-Urteil vom 20. Juni 1985 IV R 114\/82, BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492, und die dort erw&auml;hnte Rechtsprechung). Wissen eines Au&szlig;enpr&uuml;fers f&uuml;hrt nicht zu eigenen Kenntnissen der zust&auml;ndigen Veranlagungsdienststelle, wenn der Au&szlig;enpr&uuml;fer nicht selbst die Steuern festsetzt (BFH-Urteil vom 3. Mai 1991 V R 36\/90, BFH\/NV 1992, 221). Kennt eine andere als die f&uuml;r die Bearbeitung des Steuerfalls zust&auml;ndige Dienststelle die betreffende Tatsache, so ist sie deswegen nicht auch der zust&auml;ndigen Dienststelle als bekannt zuzurechnen (BFH-Urteil in BFHE 143, 520, BStBl II 1985, 492).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach diesen Grunds&auml;tzen ist dem FA die Tatsache der Eintragung eines zu geringen Bruttoarbeitslohns in der Lohnsteuerbescheinigung des Kl&auml;gers nachtr&auml;glich bekannt geworden. Die f&uuml;r die Veranlagung der Einkommensteuer des Kl&auml;gers zust&auml;ndige Dienststelle selbst hatte nach den Feststellungen des FG zum Zeitpunkt der abschlie&szlig;enden Zeichnung der Erstveranlagung keine positive Kenntnis von der Fehlerhaftigkeit der Lohnsteuerbescheinigung. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass sich diese Dienststelle fallbezogene elektronische Informationen als bekannt zurechnen lassen m&uuml;sste. Denn es ist weder vorgetragen noch ersichtlich, dass im elektronischen Informationssystem der Finanzverwaltung zum Zeitpunkt der Erstveranlagung Bearbeiterhinweise oder Anweisungen f&uuml;r den Sachbearbeiter in Bezug auf die falschen Lohnsteuerbescheinigungen der A-GmbH abrufbar gewesen w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem hat das FG zutreffend entschieden, dass m&ouml;gliche Kenntnisse der ZALST oder der Oberfinanzdirektion (OFD) &uuml;ber die fehlerhafte Lohnsteuerbescheinigung des Kl&auml;gers am Tag der abschlie&szlig;enden Zeichnung dem FA nicht zugerechnet werden k&ouml;nnen. F&uuml;r eventuelle Kenntnisse der ZALST entf&auml;llt eine Zurechnung schon deswegen, weil diese nicht f&uuml;r die Veranlagung der Einkommensteuer der einzelnen Arbeitnehmer zust&auml;ndig ist. Unterstellte Kenntnisse der OFD sind der Veranlagungsdienststelle deshalb nicht zuzurechnen, weil die OFD organisationsm&auml;&szlig;ig gerade nicht zur Bearbeitung konkreter Steuerf&auml;lle berufen ist. Gegen&uuml;ber dem Steuerpflichtigen handelt auch dann nur das zust&auml;ndige Veranlagungsfinanzamt, wenn die OFD von ihrem Recht, sich in die Bearbeitung bestimmter Einzelf&auml;lle einzuschalten (&sect; 13 Abs. 3 i.V.m. &sect;&sect; 7 Abs. 2, 9 Abs. 2 des Landesorganisationsgesetzes &#8211;LOG NRW&#8211;), Gebrauch macht. Die OFD hat die Inhalte eines Steuerbescheids gegen&uuml;ber einem Steuerpflichtigen nicht zu verantworten. Rechtsmittelgegner ist und bleibt das FA, auch wenn die OFD interne Weisungen im Einzelfall erteilt hat. Dann aber ist es sachgerecht, dass sich das FA eine etwaige Kenntnis der OFD nicht zurechnen lassen muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach alledem kann das Vorbringen der Revision, dass sich das FA nach dem Grundsatz von Treu und Glauben nicht auf die nachtr&auml;gliche Kenntnis von Tatsachen berufen k&ouml;nne, weil die Unkenntnis nur auf ein pflichtwidriges Verhalten der OFD zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sei, nicht durchgreifen. Wenn sich das FA positive Kenntnisse der OFD nicht zurechnen lassen muss, kann eine auf pflichtwidrigem Unterlassen beruhende Unkenntnis der OFD nicht &uuml;ber den Grundsatz von Treu und Glauben zu einer Kenntniszurechnung beim FA f&uuml;hren. Selbst wenn daher die OFD verpflichtet gewesen w&auml;re, den Sachverhalt zeitnah aufzukl&auml;ren und die Wohnsitzfinanz&auml;mter vor den ersten Veranlagungen zu informieren, k&ouml;nnte dies nicht dazu f&uuml;hren, dass dem FA eine Berufung auf die nachtr&auml;glich bekannt gewordene Tatsache verwehrt w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die nachtr&auml;glich bekannt gewordene Tatsache war rechtserheblich f&uuml;r die fehlerhafte Erstveranlagung. Rechtserheblich ist eine Tatsache dann, wenn das FA bei Kenntnis zum Zeitpunkt der urspr&uuml;nglichen Festsetzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine h&ouml;here Steuer festgesetzt h&auml;tte (Beschluss des Gro&szlig;en Senats vom 23. November 1987 GrS 1\/86, BFHE 151, 495, BStBl II 1988, 180). Grunds&auml;tzlich ist davon auszugehen, dass das FA bei rechtzeitiger Kenntnis der Tatsache zutreffend entschieden h&auml;tte (Senatsurteil vom 11. Februar 2010 VI R 65\/08, BFHE 228, 421, BStBl II 2010, 628).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In Anwendung dieser Grunds&auml;tze ist das FG zu Recht von der Rechtserheblichkeit der nachtr&auml;glich bekannt gewordenen Tatsache der fehlerhaften Lohnsteuerbescheinigung des Kl&auml;gers ausgegangen. Das FA h&auml;tte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die von der A-GmbH verrechneten negativen Einnahmen den Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit hinzugerechnet und damit eine h&ouml;here Steuer festgesetzt. Die von der A-GmbH vorgenommene Verrechnung des Bruttoarbeitslohns mit negativen Einnahmen war rechtswidrig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Weder die der A-GmbH erteilte Anrufungsauskunft noch die Vorschrift des &sect; 42d Abs. 3 Satz 4 EStG standen einer &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Kl&auml;ger hatte im Veranlagungsjahr 2006 weder negative Einnahmen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit noch Werbungskosten. Beide Tatbest&auml;nde setzen voraus, dass beim Arbeitnehmer G&uuml;ter abflie&szlig;en oder Aufwendungen entstehen (Senatsurteile vom 12. November 2009 VI R 20\/07, BFHE 227, 435, BStBl II 2010, 845; vom 17. September 2009 VI R 17\/08, BFHE 226, 317, BStBl II 2010, 299; Senatsbeschluss vom 10. August 2010 VI R 1\/08, BFHE 230, 173, BStBl II 2010, 1074). Beim Kl&auml;ger war dies nach den Feststellungen des FG im Jahr 2006 nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Auffassung der Revision ist der tats&auml;chliche Abfluss von G&uuml;tern auch nicht deshalb entbehrlich, weil die Besteuerung der Zusatzbeitr&auml;ge in den Vorjahren auf fiktiven Einnahmen beruht habe. Die Auffassung des Kl&auml;gers beruht auf der Annahme, dass zu Unrecht versteuerte Einnahmen bei sp&auml;terer (besserer) Erkenntnis zu Ausgaben oder negativen Einnahmen desselben Steuerpflichtigen f&uuml;hren m&uuml;ssen. Dies w&uuml;rde ein allgemeines Korrespondenzprinzip voraussetzen, welches eine von Zu- und Abfluss losgel&ouml;ste Gesamtbetrachtung eines Vorganges erm&ouml;glichen m&uuml;sste. Indes ist ein solches generelles Korrespondenzprinzip dem Einkommensteuergesetz im Allgemeinen (BFH-Urteil vom 26. Februar 2002 IX R 20\/98, BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796) und zur Beurteilung von Arbeitslohn im Besonderen fremd (Senatsbeschluss vom 19. Februar 2004 VI B 146\/02, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2004, 560). Das Prinzip der Abschnittsbesteuerung erfordert eine Jahresbetrachtung. Enthalten Bescheide aus vorangegangenen Veranlagungszeitr&auml;umen materielle Fehler, k&ouml;nnen diese keinesfalls dadurch korrigiert werden, dass in dem n&auml;chsten noch offenen Jahr ein weiterer materieller Fehler &#8211;als Ausgleich&#8211; bewusst eingearbeitet wird (BFH-Urteil in BFHE 198, 425, BStBl II 2002, 796). Die Abgabenordnung regelt mit ihren &Auml;nderungsvorschriften, wann der materiellen Gerechtigkeit Vorrang vor dem Rechtsfrieden einzur&auml;umen ist. Kann eine &Auml;nderung bestandskr&auml;ftiger Bescheide nicht mehr erfolgen, so mag dies unbillig erscheinen. Jedoch rechtfertigt dies keinen neuen materiellen Fehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch die Anrufungsauskunft nach &sect; 42e EStG, die der A-GmbH vom zust&auml;ndigen Betriebsst&auml;ttenfinanzamt erteilt wurde, steht einer &Auml;nderung des bisher falschen Ansatzes des Bruttoarbeitslohns durch das FA nicht entgegen. Denn das FA ist an die Inhalte dieser Anrufungsauskunft nicht gebunden. Die Anrufungsauskunft nach &sect; 42e EStG, die nach der neueren Senatsrechtsprechung ein feststellender Verwaltungsakt ist (Urteil vom 30. April 2009 VI R 54\/07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996), bindet ausschlie&szlig;lich das erteilende Betriebsst&auml;ttenfinanzamt im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens (Senatsurteil vom 9. Oktober 1992 VI R 97\/90, BFHE 169, 202, BStBl II 1993, 166; Senatsbeschluss vom 22. Mai 2007 VI B 143\/06, BFH\/NV 2007, 1658). Hieran &auml;ndert die Qualifikation der Anrufungsauskunft als Verwaltungsakt nichts (vgl. Bl&uuml;mich\/Heuermann, &sect; 42e EStG Rz 30, 38). Auch als Verwaltungsakt wird die Anrufungsauskunft ohne Mitwirkung des Wohnsitzfinanzamts erteilt. H&auml;tte der Gesetzgeber eine &uuml;ber das Betriebsst&auml;ttenfinanzamt hinausgehende Bindungswirkung herbeif&uuml;hren wollen, dann h&auml;tte er entweder die f&uuml;r die Arbeitnehmer zust&auml;ndigen Wohnsitzfinanz&auml;mter in das Verfahren der Anrufungsauskunft einbeziehen oder die Anrufungsauskunft selbst als Grundlagenbescheid ausgestalten m&uuml;ssen. Zudem ist das Lohnsteuerabzugsverfahren ein Vorauszahlungsverfahren (Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. April 1997&nbsp;&nbsp;2 BvL 77\/92, BVerfGE 96, 1), dessen Besonderheiten und Regelungen nicht in das Veranlagungsverfahren hineinwirken (Trzaskalik, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 38 Rz A 7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Schlie&szlig;lich steht &sect; 42d Abs. 3 Satz 4 EStG der &Auml;nderung nicht entgegen. Nach dieser Vorschrift kann ein Arbeitnehmer f&uuml;r seine Lohnsteuer nur in bestimmten F&auml;llen als Gesamtschuldner neben dem Arbeitgeber in Anspruch genommen werden. Es kann offenbleiben, ob der Kl&auml;ger vorliegend als Gesamtschuldner in Anspruch genommen werden k&ouml;nnte. Denn der Senat hat bereits entschieden, dass diese Vorschrift trotz ihres irref&uuml;hrenden Wortlauts keine Auswirkungen auf das Veranlagungsverfahren hat (Urteil vom 17. Mai 1985 VI R 137\/82, BFHE 144, 217, BStBl II 1985, 660). Es handelt sich um eine Regelung des Lohnsteuerabzugsverfahrens. Damit gelten die Beschr&auml;nkungen f&uuml;r eine Inanspruchnahme des Arbeitnehmers nur innerhalb dieses Verfahrens. Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass der Gesetzgeber diesen Grundsatz durchbrechen wollte und die Vorschrift zur gesamtschuldnerischen Inanspruchnahme des Arbeitnehmers lediglich systematisch unzutreffend eingeordnet hat, sind nicht erkennbar. Daher kann der Arbeitnehmer im Veranlagungsverfahren uneingeschr&auml;nkt in Anspruch genommen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Zu Recht ging das FG auch davon aus, dass das FA nicht wegen Versto&szlig;es gegen den Grundsatz von Treu und Glauben an einer &Auml;nderung nach &sect; 173 Abs. 1 Nr. 1 AO gehindert war. Der Grundsatz von Treu und Glauben, der auch im Steuerrecht anzuwenden ist, kann zwar einer Steuernachforderung und damit auch einer &Auml;nderung zu Lasten eines Steuerpflichtigen entgegenstehen. Dies setzt aber voraus, dass die Nachforderung dem vorausgegangenen Verhalten der Verwaltung widerspricht und der Steuerpflichtige im berechtigten Vertrauen auf dieses Verhalten verm&ouml;gensrechtliche Dispositionen getroffen hat, die sich nicht mehr r&uuml;ckg&auml;ngig machen lassen (BFH-Urteile vom 5. Februar 1980 VII R 101\/77, BFHE 130, 90; vom 11. August 1972 VI R 262\/69, BFHE 107, 127, BStBl II 1973, 35). Solche Dispositionen hat der Kl&auml;ger nicht getroffen. Er hat auch keinen Verm&ouml;gensschaden dadurch erlitten, dass er nachtr&auml;glich zu der gesetzlich geschuldeten Steuer herangezogen wurde (Senatsurteil vom 10. Juli 1964 VI 299\/63 U, BFHE 80, 314, BStBl III 1964, 587).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall fehlt es bereits an einem vom FA gesetzten Vertrauenstatbestand. Denn das FA hat nicht zu erkennen gegeben, dass es die Einkommensteuerfestsetzung des Kl&auml;gers sp&auml;ter nicht noch einmal &auml;ndern wird. Auch das Verhalten der OFD, die den Sachverhalt nicht aufgekl&auml;rt und die Wohnsitzfinanz&auml;mter nicht entsprechend informiert hat, begr&uuml;ndet keinen Vertrauenstatbestand, auf den sich der Kl&auml;ger gegen&uuml;ber dem FA berufen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.1.2011, VI R 61\/09 Keine Zurechnung von Kenntnissen der Oberbeh&ouml;rde im Rahmen des &sect; 173 Abs. 1 AO &#8211; keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; Bekanntwerden einer Tatsache i.S. des &sect; 173 AO &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren Leits&auml;tze 1. Kenntnisse einer weisungsbefugten Oberbeh&ouml;rde &uuml;ber eine dem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-61-09-keine-zurechnung-von-kenntnissen-der-oberbehoerde-im-rahmen-des-par-173-abs-1-ao-keine-bindungswirkung-der-anrufungsauskunft-fuer-das-veranlagungsverfahren-bekanntwerden-einer-tatsache-is-d\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;61\/09 &#8211; Keine Zurechnung von Kenntnissen der Oberbeh&ouml;rde im Rahmen des &sect; 173 Abs. 1 AO &#8211; keine Bindungswirkung der Anrufungsauskunft f&uuml;r das Veranlagungsverfahren &#8211; Bekanntwerden einer Tatsache i.S. des &sect; 173 AO &#8211; Prinzip der Abschnittsbesteuerung &#8211; Lohnsteuerabzugsverfahren als Vorauszahlungsverfahren<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-10105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10105\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}