{"id":11176,"date":"2012-12-19T16:15:49","date_gmt":"2012-12-19T14:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11176"},"modified":"2012-12-19T16:15:49","modified_gmt":"2012-12-19T14:15:49","slug":"iv-r-5-10-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-bei-versaeumung-der-frist-zur-revisionsbegruendung-durch-das-finanzamt-anforderungen-an-die-postausgangskontrolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iv-r-5-10-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-bei-versaeumung-der-frist-zur-revisionsbegruendung-durch-das-finanzamt-anforderungen-an-die-postausgangskontrolle\/","title":{"rendered":"IV&nbsp;R&nbsp;5\/10 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Vers&auml;umung der Frist zur Revisionsbegr&uuml;ndung durch das Finanzamt &#8211; Anforderungen an die Postausgangskontrolle"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.12.2010, IV R 5\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Vers&auml;umung der Frist zur Revisionsbegr&uuml;ndung durch das Finanzamt &#8211; Anforderungen an die Postausgangskontrolle<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hat nach Zulassung durch das Finanzgericht (FG) am 11. Januar 2010 Revision gegen das am 15. Dezember 2009 zugestellte FG-Urteil eingelegt. Mit Schriftsatz vom 9. Februar 2010 hat das FA auf die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung verzichtet. Mit Schreiben vom 15. Februar 2010 (Eingang per Fax am 16. Februar 2010) hat das FA beantragt, die Begr&uuml;ndungsfrist &quot;wegen Erkrankung&quot; bis zum 31. M&auml;rz 2010 zu verl&auml;ngern. Nach gerichtlichem Hinweis auf die Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist und den versp&auml;teten Eingang des Fristverl&auml;ngerungsantrags hat das FA mit Schriftsatz vom 19. Februar 2010 (Eingang am 25. Februar 2010) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Vers&auml;umung der am 15. Februar 2010 abgelaufenen Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist beantragt. Wegen schuldloser Verhinderung des Vorstehers des FA sei die Revisionsbegr&uuml;ndung versp&auml;tet eingereicht worden. Der Vorsteher habe die Bearbeitung der Revision pers&ouml;nlich &uuml;bernommen und nicht an einen Sachbearbeiter der Rechtsbehelfsstelle delegiert. Er habe das Schreiben mit dem Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung erstellt. Am 8. Februar 2010 sei bei ihm nach Dienstschluss eine schwere Lungenentz&uuml;ndung diagnostiziert worden, weshalb er seine Dienstgesch&auml;fte nicht mehr habe wahrnehmen k&ouml;nnen. Am Morgen des 16. Februar 2010 habe der Vorsteher einen Vertreter bestellt. Dieser habe dann sofort per Fax um 11.16 Uhr Fristverl&auml;ngerung f&uuml;r die Revisionsbegr&uuml;ndung beantragt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unzul&auml;ssig und durch Beschluss zu verwerfen (&sect; 124 Abs. 1, &sect; 126 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FA hat die Frist f&uuml;r die Begr&uuml;ndung der Revision vers&auml;umt. Nach &sect; 120 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 1 FGO ist die Revision innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils zu begr&uuml;nden. Diese Frist lief im Streitfall am Montag, dem 15. Februar 2010, ab. Die Revisionsbegr&uuml;ndung des FA ist jedoch erst am 16. Februar 2010 beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect; 56 Abs. 1 FGO kann nicht gew&auml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten, so ist ihm gem&auml;&szlig; &sect; 56 Abs. 1 FGO auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren. In formeller Hinsicht setzt die Gew&auml;hrung der Wiedereinsetzung voraus, dass innerhalb einer Frist von einem Monat (&sect; 56 Abs. 2 Satz 1 Halbsatz 2 FGO) nach Wegfall des Hindernisses die vers&auml;umte Rechtshandlung nachgeholt und diejenigen Tatsachen vorgetragen und im Verfahren &uuml;ber den Antrag glaubhaft gemacht werden, aus denen sich die schuldlose Verhinderung ergeben soll. Die Tatsachen, die eine Wiedereinsetzung rechtfertigen k&ouml;nnen, sind innerhalb dieser Frist vollst&auml;ndig, substantiiert und in sich schl&uuml;ssig darzulegen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 24. Juni 2008 X R 38\/07, BFH\/NV 2008, 1517, und vom 11. Mai 2010 XI R 24\/08, BFH\/NV 2010, 1834, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach der Rechtsprechung des BFH gelten die Grunds&auml;tze &uuml;ber die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand f&uuml;r das FA in gleicher Weise wie f&uuml;r einen Steuerpflichtigen (vgl. BFH-Beschluss&nbsp;&nbsp;in BFH\/NV 2010, 1834, m.w.N.). Bei der Beurteilung, ob eine Beh&ouml;rde sich die Vers&auml;umung einer gesetzlichen Frist als schuldhaft anrechnen lassen muss, gelten grunds&auml;tzlich die gleichen Ma&szlig;st&auml;be, wie sie die Rechtsprechung f&uuml;r das Verschulden von Angeh&ouml;rigen der rechts- und steuerberatenden Berufe entwickelt hat (BFH-Beschluss vom 25. November 2008 III R 78\/06, BFH\/NV 2009, 407). Soweit der Umgang mit Fristsachen delegiert wird, ist dem FA &#8211;ebenso wie einem Prozessbevollm&auml;chtigten&#8211; ein Versehen eines mit Fristsachen betrauten Besch&auml;ftigten dann nicht als eigenes Verschulden zuzurechnen, wenn alle Vorkehrungen getroffen worden sind, die nach vern&uuml;nftigem Ermessen die Nichtbeachtung von Fristen auszuschlie&szlig;en geeignet sind, und wenn durch regelm&auml;&szlig;ige Belehrung und &Uuml;berwachung der mit Fristsachen befassten Besch&auml;ftigten Sorge f&uuml;r die Einhaltung der getroffenen Anordnungen getragen ist (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 1834, m.w.N.). Das Verschulden eines Mitarbeiters in der Postabsendestelle muss das FA nicht gegen sich gelten lassen, wenn eine wirksame Ausgangskontrolle besteht oder der Mitarbeiter zumindest auf die Bedeutung und Eilbed&uuml;rftigkeit des Schriftst&uuml;cks ausdr&uuml;cklich hingewiesen wurde (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 407, m.w.N.). Daher ist auch eine Beh&ouml;rde zu einer wirksamen Postausgangskontrolle verpflichtet. Eine wirksame Postausgangskontrolle setzt voraus, dass die Absendung des fristwahrenden Schriftsatzes, d.h. die &Uuml;bergabe des Schriftst&uuml;cks an die Post, durch eine Person kontrolliert wird, die den gesamten Bearbeitungsvorgang &uuml;berwachen kann. Die einfache Zuleitung oder kommentarlose &Uuml;bergabe des jeweiligen Schriftst&uuml;cks an die amtsinterne Postausgangsstelle reichen hierf&uuml;r ebenso wenig aus wie ein blo&szlig;er Abgangsvermerk der Stelle, die das Schriftst&uuml;ck an diese Postausgangsstelle weiterleitet, weil dadurch noch nicht ausreichend sichergestellt ist, dass das Schriftst&uuml;ck auch tats&auml;chlich unmittelbar zur Weiterbef&ouml;rderung an die Post gelangt (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 407). Entsprechendes gilt, wenn ein Schriftst&uuml;ck zur Weiterleitung per Fax bestimmt ist. Das FA muss u.a. vortragen, welche Ma&szlig;nahmen zur &Uuml;berwachung der Einhaltung der Fristen im Amtsbetrieb getroffen sind (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 1517).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Unter Beachtung dieser Ma&szlig;st&auml;be rechtfertigt das Vorbringen des FA keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist, denn bei W&uuml;rdigung aller vom FA vorgetragenen und nach Aktenlage ersichtlichen Umst&auml;nde ist ein Organisationsverschulden des FA nicht auszuschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nicht schl&uuml;ssig ist bereits der Vortrag, dass der Vorsteher des FA am Morgen des 16. Februar 2010 einen Vertreter mit der Bearbeitung des Antrags auf Verl&auml;ngerung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist beauftragt habe. Denn sowohl das Schreiben des FA mit dem Antrag auf Verl&auml;ngerung der Begr&uuml;ndungsfrist als auch das zugeh&ouml;rige Faxdeckblatt tragen das Datum vom 15. Februar 2010, dem Tag des Ablaufs der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist. Insoweit kommt es auf die vom FA vorgetragenen krankheitsbedingten Umst&auml;nde der verz&ouml;gerten Bearbeitung des Falles im FA nicht mehr an. Erheblich sind vielmehr die Gr&uuml;nde daf&uuml;r, dass ein nach Aktenlage bereits am 15. Februar 2010 bearbeitetes und zum Versand per Fax vorbereitetes Schreiben tats&auml;chlich erst am folgenden Tag um 11.16 Uhr per Fax versandt worden ist. Das FA hat jedoch nichts dazu vorgetragen, weshalb das Schriftst&uuml;ck nicht schon am 15. Februar 2010 an den BFH weitergeleitet worden ist. Insbesondere fehlen jegliche Angaben zu Tatsachen, nach denen ein Organisationsverschulden des FA im Bereich der Sachbearbeitung des Schreibens vom 15. Februar 2010 und\/oder auf der Postabsendestelle des FA als Ursache f&uuml;r die Fristvers&auml;umung ausgeschlossen werden kann. So besteht z.B. die M&ouml;glichkeit, dass der Sachbearbeiter sein Schreiben nicht unmittelbar &#8211;also noch am gleichen Tag&#8211; an die Postabsendestelle zur Weiterleitung per Fax an den BFH &uuml;bermittelt hat und es deshalb zu einer verz&ouml;gerten Versendung des Schriftst&uuml;cks gekommen ist. Insoweit vermag der erkennende Senat nicht von einem entschuldbaren Versehen eines Mitarbeiters des FA auszugehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.12.2010, IV R 5\/10 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Vers&auml;umung der Frist zur Revisionsbegr&uuml;ndung durch das Finanzamt &#8211; Anforderungen an die Postausgangskontrolle Tatbestand 1&nbsp; I. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hat nach Zulassung durch das Finanzgericht (FG) am 11. Januar 2010 Revision gegen das am 15. 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