{"id":11385,"date":"2012-12-06T17:49:51","date_gmt":"2012-12-06T15:49:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11385"},"modified":"2012-12-06T17:49:51","modified_gmt":"2012-12-06T15:49:51","slug":"vi-r-17-09-verzicht-auf-muendliche-verhandlung-durch-beigetretenes-bmf-entbehrlich-verzicht-auf-amtsaerztliches-attest-freie-beweiswuerdigung-lese-und-rechtschreibschwaeche-krankheitskostenanteil-bei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-17-09-verzicht-auf-muendliche-verhandlung-durch-beigetretenes-bmf-entbehrlich-verzicht-auf-amtsaerztliches-attest-freie-beweiswuerdigung-lese-und-rechtschreibschwaeche-krankheitskostenanteil-bei\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;17\/09 &#8211; Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung durch beigetretenes BMF entbehrlich; Verzicht auf amts&auml;rztliches Attest; freie Beweisw&uuml;rdigung; Lese- und Rechtschreibschw&auml;che; Krankheitskostenanteil bei Internatsaufenthalt"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.11.2010, VI R 17\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung durch beigetretenes BMF entbehrlich; Verzicht auf amts&auml;rztliches Attest; freie Beweisw&uuml;rdigung; Lese- und Rechtschreibschw&auml;che; Krankheitskostenanteil bei Internatsaufenthalt<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Der BFH kann mit Einverst&auml;ndnis der origin&auml;r Beteiligten auch dann ohne m&uuml;ndliche Verhandlung entscheiden, wenn das dem Verfahren beigetretene BMF auf eine solche nicht verzichtet hat&nbsp;&nbsp; .<\/p>\n<p>2. Der erkennende Senat h&auml;lt an der bisherigen Rechtsprechung des BFH, wonach Aufwendungen nach &sect; 33 EStG nur abzugsf&auml;hig sind, wenn die medizinische Indikation der ihnen zugrundeliegenden Behandlung durch ein amts&auml;rztliches oder vertrauens&auml;rztliches Gutachten oder ein Attest eines anderen &ouml;ffentlich-rechtlichen Tr&auml;gers nachgewiesen ist, nicht l&auml;nger fest (&Auml;nderung der Rechtsprechung)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;.<\/p>\n<p>3. Die erforderlichen Feststellungen und W&uuml;rdigungen sind vielmehr vom FG nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung zu treffen. Dabei wird es mangels medizinischer Sachkunde seiner Verpflichtung zur Sachaufkl&auml;rung regelm&auml;&szlig;ig durch die Erhebung eines entsprechenden Sachverst&auml;ndigengutachtens gerecht .<\/p>\n<p>4. Von den Beteiligten vorgelegte Sachverst&auml;ndigengutachten sind im finanzgerichtlichen Verfahren als Privatgutachten zu behandeln und damit lediglich als urkundlich belegter Parteivortrag zu w&uuml;rdigen&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;.<\/p>\n<p>5. Der Verzicht auf die Inanspruchnahme von staatlichen Transferleistungen steht dem Abzug von Krankheitskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen nach &sect; 33 EStG nicht entgegen&nbsp;&nbsp; .<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob Aufwendungen zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschw&auml;che des Sohnes der Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) J steuerlich zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden. Im Mai 1995 wandte sich die Kl&auml;gerin auf Anregung einer Beratungsstelle an eine Legasthenie-Therapeutin mit der Bitte zu pr&uuml;fen, ob bei ihrem Sohn J eine Lese- und Rechtschreibschw&auml;che vorliege. Aufgrund verschiedener Tests diagnostizierte die Therapeutin in ihrem Analysebericht vom 2. Oktober 1995 eine &quot;eindeutige und schwere Lese- und Rechtschreibschw&auml;che&quot;, aufgrund derer J bereits eine starke Verunsicherung entwickelt und die sein Sozialverhalten nachteilig beeinflusst habe. Im Rahmen einer Bescheinigung zur Vorlage bei der Grundschule best&auml;tigte auch die Klinik f&uuml;r Kinder- und Jugendpsychiatrie Y am 12. Januar 1996 das Vorliegen einer Legasthenie. In der Folgezeit nahm J innerhalb des schulischen Rahmens an einem Differenzierungsunterricht teil und besuchte w&ouml;chentlich eine zweist&uuml;ndige Lerntherapie. An drei Tagen in der Woche nahm er auch an einer Hausaufgabenbetreuung in einer Kleingruppe einer p&auml;dagogischen Werkstatt teil. In ihrem Abschlussbericht vom 12. August 1998 f&uuml;hrte die Therapeutin aus, der bisherige Verlauf sowie abschlie&szlig;ende Tests h&auml;tten zu ihrer Empfehlung und zu dem Entschluss der Mutter gef&uuml;hrt, J einer fachlich versierten Schule mit angeschlossenem Internat anzuvertrauen. Auch ein Jugendpsychiater der Klinik f&uuml;r Kinder- und Jugendpsychiatrie Y gelangte aufgrund ambulanter Untersuchungen in seinem Bericht vom 4. Dezember 1998 zu dem Ergebnis, ein Verbleib des Sohnes auf einer Regelschule mit begleitender Legasthenietherapie werde die Situation kaum g&uuml;nstig beeinflussen. Die von der Mutter angestrebte L&ouml;sung einer Beschulung in einer entsprechenden Einrichtung halte er f&uuml;r eine der weiteren Entwicklung durchaus zutr&auml;gliche Ma&szlig;nahme. Der Junge brauche den gesch&uuml;tzten Rahmen, in welchem die Lese- und Rechtschreibschw&auml;che nur einen Teilaspekt der F&ouml;rderung und Betreuung darstelle. Nach seiner Einsch&auml;tzung liege bei J eine seelische Behinderung i.S. des &sect; 35a des Achten Buches Sozialgesetzbuch &#8211;SGB VIII&#8211; (Kinder- und Jugendhilfegesetz &#8211;KJHG&#8211;) vor. Seit dem 1. August 1998 besucht J eine staatlich anerkannte Privatschule mit einem integrierten Legastheniezentrum, in deren Rahmen auch eine Eingliederungshilfe f&uuml;r seelisch behinderte Kinder und Jugendliche i.S. des &sect; 35a SGB VIII (KJHG) durchgef&uuml;hrt wird. Vor Abschluss des Schulvertrags, n&auml;mlich am 18. Juli 1998, hatte die Kl&auml;gerin einen Antrag auf Gew&auml;hrung von Eingliederungshilfe f&uuml;r seelisch behinderte junge Menschen gem&auml;&szlig; &sect; 35a SGB VIII (KJHG) beim Jugendamt des zust&auml;ndigen Landkreises gestellt. Ziel des Antrags war es, eine &Uuml;bernahme der Schulkosten zu erreichen. Im Rahmen der Antragstellung war die Kl&auml;gerin auch dar&uuml;ber informiert worden, dass sie verpflichtet sei, im Rahmen ihrer pers&ouml;nlichen und wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse einen angemessenen Kostenbeitrag zu leisten. In der Folgezeit wurde der Antrag auf Kosten&uuml;bernahme von den Kl&auml;gern jedoch nicht mehr weiterverfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung des Streitjahres 2002 machten die Kl&auml;ger Aufwendungen f&uuml;r die Internatsunterbringung des Sohnes in H&ouml;he von 19.944 EUR als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung i.S. des &sect; 33 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) geltend. Ausweislich der vorgelegten Bescheinigung der Schule setzt sich dieser Betrag folgenderma&szlig;en zusammen:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table cellpadding=\"1\" cellspacing=\"2\" border=\"0\" class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Schulbeitrag<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">1.416 EUR<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Unterkunft\/Verpflegung\/Betreuung<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">13.620 EUR<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Lagasthenietherapie<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">4. 908 EUR<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte die geltend gemachten Aufwendungen im Einkommensteuerbescheid 2002 &#8211;zuletzt&#8211; vom 19. Januar 2006 nicht, da diese mit dem erhaltenen Kindergeld\/Kinderfreibetrag abgegolten seien. Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen und formellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des Hessischen Finanzgerichts (FG) vom 31. Januar 2008 9 K 1661\/05 und die Einspruchsentscheidung vom 13. Mai 2005 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2002 &#8211;zuletzt&#8211; vom 19. Januar 2006 in der Weise zu &auml;ndern, als Aufwendungen in H&ouml;he von 19.944 EUR als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung gem&auml;&szlig; &sect; 33 EStG ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Erkl&auml;rung vom 22. Dezember 2009 ist das Bundesministerium der Finanzen (BMF) dem Verfahren wegen der Frage beigetreten, ob und wieweit f&uuml;r die Anerkennung von Aufwendungen f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen k&ouml;nnen und deren medizinische Erforderlichkeit deshalb schwer zu beurteilen ist, ein grunds&auml;tzlich vor der Behandlung ausgestelltes amts- oder vertrauens&auml;rztliches Gutachten &uuml;ber die medizinische Notwendigkeit vorzulegen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat erkennt gem&auml;&szlig; &sect; 90 i.V.m. &sect; 121 Satz 1 FGO mit Einverst&auml;ndnis der Beteiligten durch Urteil ohne m&uuml;ndliche Verhandlung. Denn Kl&auml;ger und Beklagter haben wirksam auf die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung verzichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein entsprechender Verzicht des BMF liegt zwar nicht vor; er ist aber auch nicht erforderlich. Denn das BMF erlangt durch den Beitritt zum Verfahren zwar die verfahrensrechtliche Stellung eines Beteiligten (&sect; 122 Abs. 2 Satz 4 FGO i.V.m. &sect; 57 Nr. 4 FGO); &uuml;ber das Verfahren zu disponieren, vermag es deshalb jedoch nicht. Dies k&ouml;nnen nur Kl&auml;ger und Beklagter als die urspr&uuml;nglichen Verfahrensbeteiligten. Der Anspruch auf verfahrensrechtliche Gleichbehandlung des beigetretenen BMF ersch&ouml;pft sich darin, innerhalb der von den origin&auml;r Beteiligten einvernehmlich vorgegebenen Rahmenbedingungen wie Revisionskl&auml;ger und Revisionsbeklagter behandelt zu werden. Damit k&ouml;nnte das BMF nicht auf der Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung bestehen, wenn die Hauptbeteiligten &#8211;wie im Streitfall&#8211; auf eine solche verzichtet haben (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 6. Oktober 2005 V R 64\/00, BFHE 212, 132, BStBl II 2006, 212; Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 90 FGO Rz 7; vgl. auch Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect; 122 FGO Rz 34). Denn es w&auml;re mit Sinn und Zweck des &sect; 122 Abs. 2 Satz 4 FGO nicht vereinbar, wenn das BMF die M&ouml;glichkeit h&auml;tte, ein Verfahren gegen den Willen der Hauptbeteiligten fortzusetzen oder zu verl&auml;ngern (Bergkemper in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 122 FGO Rz 38, 39, m.w.N.). Diese Beschr&auml;nkung der Verfahrensrechte des Beigetretenen verst&ouml;&szlig;t nicht gegen Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes, da das BMF im schriftlichen Verfahren im n&auml;mlichen Umfang wie die Hauptbeteiligten geh&ouml;rt wird. Im &Uuml;brigen hat das nach &sect; 122 Abs. 2 FGO beigetretene BMF, im Gegensatz zu einem Beteiligten i.S. des &sect; 57 Nr. 3 FGO, die M&ouml;glichkeit, sich mit der origin&auml;r beteiligten Finanzbeh&ouml;rde abzustimmen und dadurch Einfluss auf den Gang des Verfahrens zu nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect; 33 Abs. 1 EStG wird die Einkommensteuer auf Antrag erm&auml;&szlig;igt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstands (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung) erwachsen. Zwangsl&auml;ufig erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen dann, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen (&sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG). Ziel des &sect; 33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect; 33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (u.a. BFH-Urteil vom 29. September 1989 III R 129\/86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) In st&auml;ndiger Rechtsprechung geht der BFH davon aus, dass Krankheitskosten &#8211;ohne R&uuml;cksicht auf die Art und die Ursache der Erkrankung&#8211; dem Steuerpflichtigen aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden zwangsl&auml;ufig erwachsen. Sie sind auch dann zwangsl&auml;ufig, wenn sie der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen, unter der ein unterhaltsberechtigtes minderj&auml;hriges Kind des Steuerpflichtigen leidet (BFH-Urteil vom 15. M&auml;rz 2007 III R 28\/06, BFH\/NV 2007, 1841).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Allerdings werden nur solche Aufwendungen als Krankheitskosten ber&uuml;cksichtigt, die zum Zwecke der Heilung einer Krankheit (z.B. Medikamente, Operation) oder mit dem Ziel get&auml;tigt werden, die Krankheit ertr&auml;glich zu machen, beispielsweise Aufwendungen f&uuml;r einen Rollstuhl (BFH-Urteil vom 17. Juli 1981 VI R 77\/78, BFHE 133, 545, BStBl II 1981, 711; vom 13. Februar 1987 III R 208\/81, BFHE 149, 222, BStBl II 1987, 427, und vom 20. M&auml;rz 1987 III R 150\/86, BFHE 149, 539, BStBl II 1987, 596).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Aufwendungen f&uuml;r die eigentliche Heilbehandlung werden typisierend als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung ber&uuml;cksichtigt, ohne dass es im Einzelfall der nach &sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG an sich gebotenen Pr&uuml;fung der Zwangsl&auml;ufigkeit des Grundes und der H&ouml;he nach bedarf (BFH-Urteile vom 1. Februar 2001 III R 22\/00, BFHE 195, 144, BStBl II 2001, 543, und vom 3. Dezember 1998 III R 5\/98, BFHE 187, 503, BStBl II 1999, 227, m.w.N.). Eine derart typisierende Behandlung der Krankheitskosten ist zur Vermeidung eines unzumutbaren Eindringens in die Privatsph&auml;re geboten (BFH-Urteil in BFHE 195, 144, BStBl II 2001, 543). Dies gilt aber nur dann, wenn die Aufwendungen nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Heilkunde und nach den Grunds&auml;tzen eines gewissenhaften Arztes zur Heilung oder Linderung der Krankheit angezeigt (vertretbar) sind und vorgenommen werden (vgl. BFH-Urteil vom 18. Juni 1997 III R 84\/96, BFHE 183, 476, BStBl II 1997, 805), also medizinisch indiziert sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) F&uuml;r die mitunter schwierige Trennung von echten Krankheitskosten einerseits und lediglich gesundheitsf&ouml;rdernden Vorbeuge- oder Folgekosten andererseits fordert der BFH seit dem Urteil vom 14. Februar 1980 VI R 218\/77 (BFHE 130, 54, BStBl II 1980, 295, betreffend Badekur auf Ibiza) in st&auml;ndiger Rechtsprechung regelm&auml;&szlig;ig die Vorlage eines zeitlich vor der Leistung von Aufwendungen erstellten amts- oder vertrauens&auml;rztlichen Gutachtens bzw. eines Attestes eines anderen &ouml;ffentlich-rechtlichen Tr&auml;gers, aus dem sich die Krankheit und die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Behandlung zweifelsfrei entnehmen l&auml;sst (vgl. BFH-Urteile in BFHE 133, 545, BStBl II 1981, 711, betreffend Frischzellenbehandlung; vom 11. Januar 1991 III R 70\/88, BFH\/NV 1991, 386, betreffend Frischzellenbehandlung und rezeptfreie Arzneimittel; vom 11. Dezember 1987 III R 95\/85, BFHE 152, 131, BStBl II 1988, 275, betreffend Heilkur; in BFHE 149, 222, BStBl II 1987, 427, betreffend Gruppensitzung bei den Anonymen Alkoholikern; in BFHE 195, 144, BStBl II 2001, 543, betreffend Ayur-Veda-Behandlung; BFH-Beschluss vom 15. November 2007 III B 205\/06, BFH\/NV 2008, 368, betreffend Delfintherapie).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Auch bei Aufwendungen f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die ihrer Art nach nicht eindeutig nur der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen k&ouml;nnen und deren medizinische Indikation deshalb schwer zu beurteilen ist, verlangt der BFH diesen formalisierten Nachweis (beispielsweise BFH-Urteile vom 9. August 1991 III R 54\/90, BFHE 165, 272, BStBl II 1991, 920, betreffend Bett mit motorgetriebener Oberk&ouml;rperaufrichtung; vom 9. August 2001 III R 6\/01, BFHE 196, 492, BStBl II 2002, 240, betreffend Asbestsanierung der Au&szlig;enfassade eines Wohnhauses; vom 23. Mai 2002 III R 52\/99, BFHE 199, 287, BStBl II 2002, 592, betreffend Neuanschaffung von Mobiliar wegen Formaldehydemission; vom 21. April 2005 III R 45\/03, BFHE 209, 365, BStBl II 2005, 602, betreffend Unterbringung in einer sozialtherapeutischen Wohngruppe; in BFH\/NV 2007, 1841, betreffend Beseitigung von Birken; BFH-Beschl&uuml;sse vom 10. Dezember 2004 III B 56\/04, juris, betreffend Asbestbeseitigung; vom 24. November 2006 III B 57\/06, BFH\/NV 2007, 438, betreffend Aufwendungen f&uuml;r Fettabsaugung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. An diesem formalisierten Nachweisverlangen h&auml;lt der erkennende Senat nicht l&auml;nger fest. Denn derartige Nachweispflichten ergeben sich nicht aus dem Gesetz und widersprechen dem in &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO geregelten Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung (z.B. FG Rheinland-Pfalz, Urteile vom 18. Mai 1992&nbsp;&nbsp;5 K 2586\/90, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 1992, 465, und vom 19. April 1993&nbsp;&nbsp;5 K 2348\/92, EFG 1993, 675; Nieders&auml;chsisches FG, Urteil vom 9. September 1997 VIII 619\/92, EFG 1999, 168; Kanzler in Herrmann\/Heuer\/Raupach &#8211;HHR&#8211;, &sect; 33 EStG Rz 26; R&ouml;&szlig;ler, Die Information f&uuml;r Steuerberater und Wirtschaftspr&uuml;fer 2005, 296; Finanz-Rundschau 1987, 464; Deutsche Steuerzeitung 1993, 723; Seer in Tipke\/ Kruse, a.a.O., &sect; 96 FGO Rz 29; Schmidt-Troje in Beermann\/ Gosch, FGO &sect; 96 Rz 16; Fu in Schwarz, FGO &sect; 96 Rz 48).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Erfordernis einer vorherigen amts- oder vertrauens&auml;rztlichen Begutachtung zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit einer Ma&szlig;nahme, die auch zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensf&uuml;hrung (&sect; 12 Nr. 1 EStG) geh&ouml;ren k&ouml;nnte, bezweckte vornehmlich, Gef&auml;lligkeitsgutachten zu vermeiden, die deshalb naheliegen, weil auch Ma&szlig;nahmen der Lebensf&uuml;hrung der Gesundheit f&ouml;rderlich sein k&ouml;nnen und weil ein langj&auml;hrig behandelnder Arzt deshalb im Interesse seines Patienten die therapeutische Zwangsl&auml;ufigkeit weniger streng beurteilen k&ouml;nnte. Eine vorherige Begutachtung soll vor allem deshalb erforderlich sein, weil sich fr&uuml;here Gegebenheiten &#8211;z.B. die Umweltbelastung nach Beseitigung emittierender Gegenst&auml;nde oder der Gesundheitszustand vor der streitigen Behandlung&#8211; im Nachhinein regelm&auml;&szlig;ig nicht oder jedenfalls nicht zuverl&auml;ssig feststellen lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Intention, der ungerechtfertigten Inanspruchnahme von Steuervorteilen entgegenzuwirken (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 2. April 1998 III R 67\/97, BFHE 186, 79, BStBl II 1998, 613; in BFHE 195, 144, BStBl II 2001, 543, und vom 23. Mai 2002 III R 24\/01, BFHE 199, 296, BStBl II 2002, 567), tr&auml;gt das formalisierte Nachweisverlangen nach Auffassung des erkennenden Senats jedoch nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zum einen teilt der erkennende Senat die unbestimmte Sorge nicht, die freie &Auml;rzteschaft neige dazu, Gef&auml;lligkeitsgutachten zu erstellen. Einen derartigen Generalverdacht vermag jedenfalls allein das regelm&auml;&szlig;ig von einem besonderen Vertrauen getragene Verh&auml;ltnis zwischen Arzt und Patient nicht zu begr&uuml;nden. Auch ist das Verlangen nach einer amts&auml;rztlichen oder vergleichbaren Stellungnahme zur Missbrauchsabwehr nicht erforderlich. Denn durch ein von einem Beteiligten vorgelegtes, beispielsweise vom behandelnden Arzt erstelltes Sachverst&auml;ndigengutachten kann der Nachweis der Richtigkeit des kl&auml;gerischen Vortrags und damit der medizinischen Indikation einer Heilma&szlig;nahme nicht gef&uuml;hrt werden. Vielmehr ist ein von einem Beteiligten vorgelegtes Sachverst&auml;ndigengutachten im finanzgerichtlichen Verfahren lediglich als Privatgutachten zu behandeln und damit als urkundlich belegter Parteivortrag zu w&uuml;rdigen (BFH-Beschluss vom 23. Februar 2010 X B 139\/09, BFH\/NV 2010, 1284, m.w.N.). Das formalisierte Nachweisverlangen bewirkt lediglich eine Beschr&auml;nkung der Beweismittel und steht damit im Widerspruch zum Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung. Die Beschr&auml;nkung des Freibeweises ist auch nicht dadurch gerechtfertigt, dass &uuml;ber gleichartige Sachverhalte in einer Vielzahl von Verfahren zu entscheiden ist und es sich bei der Beurteilung, unter welchen Voraussetzungen im Rahmen des Zumutbaren der Nachweispflicht gen&uuml;gt ist, um eine rechtliche Wertung handelt. Zwar mag es dem BFH in diesem Bereich nicht verwehrt sein, Kriterien zur Konkretisierung von Nachweispflichten aufzustellen. Diese Befugnis findet aber jedenfalls ihre Grenzen, wenn ein Sachverhalt &#8211;wie vorliegend&#8211; aus anderen Quellen mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden kann (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 7. November 1995&nbsp;&nbsp;2 BvR 802\/90, BStBl II 1996, 34). Denn es ist nicht ersichtlich, aus welchen Gr&uuml;nden nur ein Amtsarzt oder etwa der Medizinische Dienst einer &ouml;ffentlichen Krankenversicherung nach &sect; 278 des F&uuml;nften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V), nicht aber ein anderer Mediziner die erforderliche Sachkunde und Objektivit&auml;t besitzen soll, um die medizinische Indikation von nicht nur f&uuml;r Kranke n&uuml;tzliche Ma&szlig;nahmen sachverst&auml;ndig beurteilen zu k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Zum anderen vermag der erkennende Senat die Notwendigkeit eines vor Beginn einer medizinischen Behandlung erstellten Gutachtens nicht zu erkennen. Schon bisher hat der BFH ein nachtr&auml;gliches &#8211;wenn auch in der Regel amts&auml;rztliches&#8211; Attest zum Nachweis der medizinischen Indikation gen&uuml;gen lassen, wenn vom Steuerpflichtigen nicht erwartet werden konnte, dass er die Notwendigkeit der vorherigen amts&auml;rztlichen Begutachtung erkennt, weil der BFH erstmals ein derartiges Erfordernis f&uuml;r bestimmte Aufwendungen aufgestellt hat (z.B. BFH-Urteile in BFHE 195, 144, BStBl II 2001, 543; vom 17. Dezember 1997 III R 35\/97, BFHE 185, 34, BStBl II 1998, 298). Ferner hat der BFH ein nachtr&auml;gliches Attest zugelassen, wenn aufgrund der besonderen Verh&auml;ltnisse in den neuen Bundesl&auml;ndern in einer &Uuml;bergangsphase ein unverschuldeter Beweisnotstand zuzubilligen war (BFH-Urteile in BFHE 186, 79, BStBl II 1998, 613, und vom 10. Oktober 1996 III R 118\/95, BFH\/NV 1997, 337). Dar&uuml;ber hinaus konnte ein nachtr&auml;gliches Attest ausnahmsweise ausreichen, wenn der Amtsarzt den fr&uuml;heren Gesundheitszustand aufgrund von apparatemedizinischen Befunden zuverl&auml;ssig beurteilen kann (BFH-Urteil in BFH\/NV 2007, 1841).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Unterscheidung erscheint dem erkennenden Senat nicht sachgerecht. Insbesondere die zuletzt genannte Ausnahme verlangt ein hohes Ma&szlig; an medizinischem Sachverstand, der Finanzbeh&ouml;rden und Finanzgerichten regelm&auml;&szlig;ig fehlt. Im Interesse der Gleichm&auml;&szlig;igkeit der Besteuerung ist daher angezeigt, vom Verlangen einer vorherigen Begutachtung Abstand zu nehmen (vgl. FG Baden-W&uuml;rttemberg, Urteil vom 13. Dezember 2001&nbsp;&nbsp;14 K 217\/00, EFG 2002, 467) und zu den allgemeinen Beweisregeln zur&uuml;ckzukehren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Danach hat der Steuerpflichtige die Entstehung au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Belastungen zur &Uuml;berzeugung des Gerichts nachzuweisen. Als Nachweisverpflichteter tr&auml;gt er das Risiko, dass ein gerichtlich bestellter Sachverst&auml;ndiger im Nachhinein die medizinische Indikation der streitigen Behandlung m&ouml;glicherweise nicht mehr verl&auml;sslich feststellen kann. Dieser Gefahr kann der Steuerpflichtige entgehen, wenn er vor Beginn der Behandlung auf eigene Initiative ein amts- oder vertrauens&auml;rztliches Zeugnis einholt oder im Rahmen eines selbst&auml;ndigen Beweisverfahrens gem&auml;&szlig; &sect; 155 FGO i.V.m. &sect;&sect; 485 ff. der Zivilprozessordnung die medizinische Indikation der Heilbehandlung feststellen l&auml;sst (vgl. BFH-Urteile in BFHE 130, 54, BStBl II 1980, 295, und vom 30. April 1981 VI R 123\/80, juris). Die Entscheidung, eine vorherige Begutachtung durchf&uuml;hren zu lassen, obliegt jedoch dem Steuerpflichtigen als dem Herrn des finanzgerichtlichen Verfahrens und darf nicht von der Rechtsprechung zum ungeschriebenen Tatbestandsmerkmal erhoben werden (s. auch BVerfG-Beschluss in BStBl II 1996, 34).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Vorentscheidung beruht auf einer anderen Rechtsauffassung und ist daher aufzuheben. Der Senat kann jedoch nicht durcherkennen, da die Sache nicht spruchreif ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG wird im zweiten Rechtsgang zu pr&uuml;fen haben, ob die Lese- und Rechtschreibschw&auml;che im konkreten Fall Krankheitswert besitzt. Wenn eine solche Legasthenie im engeren Sinn einer medizinisch indizierten Behandlung unterworfen wird, k&ouml;nnen die entsprechenden Kosten unmittelbare Krankheitskosten sein. Dies gilt dann auch f&uuml;r Kosten einer ausw&auml;rtigen Internatsunterbringung, selbst wenn diese zugleich der schulischen Ausbildung dient. &sect; 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG steht dem Abzug des Schulgelds als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen nach &sect; 33 Abs. 1 EStG in einem solchen Fall nicht entgegen (BFH-Beschluss vom 17. April 1997 III B 216\/96, BFHE 183, 139, BStBl II 1997, 752). Kosten, die um der schulischen F&ouml;rderung des Kindes willen aufgewendet werden, sind allerdings nicht nach &sect; 33 EStG anzuerkennen, auch wenn der Besuch der &#8211;ausw&auml;rtigen&#8211; Schule aus sozialen, psychologischen oder p&auml;dagogischen Gr&uuml;nden erfolgt (vgl. BFH-Urteile vom 17. Juli 1981 VI R 105\/78, BFHE 133, 550; vom 1. Dezember 1978 VI R 149\/75, BFHE 126, 302, BStBl II 1979, 78, und vom 16. Mai 1975 VI R 132\/72, BFHE 116, 130, BStBl II 1975, 536). Derartige Aufwendungen sind lediglich als Sonderausgaben nach &sect; 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG beschr&auml;nkt abziehbar. Bei dieser Pr&uuml;fung hat sich das FG zugleich zu vergegenw&auml;rtigen, dass Aufwendungen f&uuml;r die eigentliche Heilbehandlung typisierend als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung ber&uuml;cksichtigt werden, ohne dass es im Einzelfall der nach &sect; 33 Abs. 2 Satz 1 EStG an sich gebotenen Pr&uuml;fung der Zwangsl&auml;ufigkeit des Grundes und der H&ouml;he nach bedarf, wenn die Ma&szlig;nahmen medizinisch indiziert sind. Weiter ist zu beachten, dass nicht nur das medizinisch Notwendige im Sinne einer Mindestversorgung von der Heilanzeige erfasst wird. Medizinisch indiziert (angezeigt) ist vielmehr jedes diagnostische oder therapeutische Verfahren, dessen Anwendung in einem Erkrankungsfall hinreichend gerechtfertigt (angezeigt) ist (Pschyrembel, Klinisches W&ouml;rterbuch, 259. Auflage, Indikation). Dieser medizinischen Wertung hat die steuerliche Beurteilung zu folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die erforderlichen Feststellungen hat das FG nach dem Grundsatz der freien Beweisw&uuml;rdigung (&sect; 96 Abs. 1 Satz 1 FGO) zu treffen. Es hat dabei zu ber&uuml;cksichtigen, dass ein von einem Beteiligten vorgelegtes Sachverst&auml;ndigengutachten im finanzgerichtlichen Verfahren lediglich als Privatgutachten zu behandeln und damit als urkundlich belegter Parteivortrag zu w&uuml;rdigen ist. Ein solches Gutachten kann daher nicht als Nachweis f&uuml;r die Richtigkeit des kl&auml;gerischen Vortrags gewertet werden (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 1284, m.w.N.). Da weder das FA noch das FG die Sachkunde besitzen, um die medizinische Indikation der den Aufwendungen zugrundeliegenden Ma&szlig;nahme zu beurteilen, ist das FG aufgrund seiner Verpflichtung zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 FGO) gehalten, gegebenenfalls von Amts wegen ein entsprechendes Gutachten zu erheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der erkennende Senat weist weiter darauf hin, dass der Umstand, dass die Kl&auml;ger ihren Antrag auf Gew&auml;hrung von Eingliederungshilfe f&uuml;r seelisch behinderte junge Menschen gem&auml;&szlig; &sect; 35a SGB VIII (KJHG) beim zust&auml;ndigen Jugendamt nicht weiter verfolgt haben, vorliegend dem Abzug der streitigen Kosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung nicht entgegensteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zwar k&ouml;nnen Aufwendungen den Charakter der Zwangsl&auml;ufigkeit verlieren, wenn der Steuerpflichtige einen Anspruch auf Ersatz oder Erstattung von Krankheitskosten nicht geltend macht (BFH-Urteil in BFHE 183, 476, BStBl II 1997, 805). Nach Auffassung des Senats besteht die Verpflichtung zur vorrangigen Inanspruchnahme anderer Ersatzm&ouml;glichkeiten allerdings nur im Rahmen der Zumutbarkeit (BFH-Urteil vom 20. September 1991 III R 91\/89, BFHE 165, 525, BStBl II 1992, 137, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auf die Inanspruchnahme von Sozialleistungen, etwa nach dem SGB VIII, kann der Steuerpflichtige jedoch nicht verwiesen werden. Die M&ouml;glichkeit, &#8211;u.U. auch einkommensunabh&auml;ngige&#8211; staatliche Transferleistungen zu erlangen, l&auml;sst die Zwangsl&auml;ufigkeit von Krankheitskosten nicht entfallen. Denn nur das disponible Einkommen darf der Einkommensteuer unterworfen werden. Deshalb ist der existenznotwendige (Familien)Bedarf, zu dem auch Aufwendungen zur Heilung und Linderung von Krankheiten z&auml;hlen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2007, 1841; HHR\/Kanzler, &sect; 33 EStG Rz 6; Arndt, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 33 Rz A 1; Schmidt\/Loschelder, EStG, 29. Aufl., &sect; 33 Rz 14), steuerfrei zu stellen. Im &Uuml;brigen w&auml;re es mit den auch gerade im Steuerrecht Geltung beanspruchenden Grunds&auml;tzen der Folgerichtigkeit und der Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung (vgl. dazu BVerfG-Beschluss vom 7. November 2006&nbsp;&nbsp;1 BvL 10\/02, BVerfGE 117, 1 &lt;31&gt;, m.w.N.) unvereinbar, den Steuerpflichtigen vorliegend auf die Inanspruchnahme von Staatsleistungen zu verweisen. Au&szlig;erdem besitzt im freiheitlichen Rechtsstaat des Grundgesetzes die selbstbestimmende Existenzsicherung Vorrang vor staatlichen Transferleistungen. Der Staat darf dem B&uuml;rger nicht auf der einen Seite das f&uuml;r die Bestreitung seiner eigenen Existenz erforderliche Einkommen durch Besteuerung entziehen, um ihm in einem zweiten Schritt durch staatliche Leistungen sein wirtschaftliches Dasein zu sichern (BVerfG-Beschluss vom 25. September 1992&nbsp;&nbsp;2 BvL 14\/91, BVerfGE 87, 153, BStBl II 1993, 413, zu C.I.3.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Ein zus&auml;tzlicher Ausbildungsfreibetrag wegen ausw&auml;rtiger Unterbringung des Kindes steht dem Steuerpflichtigen nicht zu. Der Senat entnimmt dies der Regelung des &sect; 33a Abs. 5 EStG, durch die eine doppelte Steuererm&auml;&szlig;igung, nach &sect; 33 und &sect; 33a EStG, vermieden werden soll (BFH-Urteile vom 17. Dezember 2009 VI R 63\/08, BFHE 227, 487, BStBl II 2010, 341, und vom 26. Juni 1992 III R 8\/91, BFHE 169, 37, BStBl II 1993, 278).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.11.2010, VI R 17\/09 Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung durch beigetretenes BMF entbehrlich; Verzicht auf amts&auml;rztliches Attest; freie Beweisw&uuml;rdigung; Lese- und Rechtschreibschw&auml;che; Krankheitskostenanteil bei Internatsaufenthalt Leits&auml;tze 1. 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