{"id":11390,"date":"2012-12-07T04:21:06","date_gmt":"2012-12-07T02:21:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11390"},"modified":"2012-12-07T04:21:06","modified_gmt":"2012-12-07T02:21:06","slug":"iii-b-17-09-mehrjaehriges-verwitwetensplitting-als-offenbare-unrichtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-17-09-mehrjaehriges-verwitwetensplitting-als-offenbare-unrichtigkeit\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;17\/09 &#8211; Mehrj&auml;hriges Verwitwetensplitting als offenbare Unrichtigkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.11.2010, III B 17\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Mehrj&auml;hriges Verwitwetensplitting als offenbare Unrichtigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind Rechtsnachfolger der zwischenzeitlich verstorbenen urspr&uuml;nglichen Kl&auml;gerin (Erblasserin). Diese war seit November 1998 verwitwet und daher f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 1999 einzeln veranlagt worden; dabei wurde nach &sect; 32a Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) der Splittingtarif angewandt (sog. Verwitwetensplitting). Die Einkommensteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre 2000 und 2001 reichte sie im Oktober 2001 und im September 2002 beim seinerzeit zust&auml;ndigen Finanzamt (FA) ein. Obwohl sie auf dem Mantelbogen der Erkl&auml;rung zutreffend erkl&auml;rt hatte, seit dem 24. November 1998 verwitwet zu sein, hakte der Veranlagungssachbearbeiter die Angaben der Erblasserin ab, ohne in den Feldern, die Kennziffern f&uuml;r die elektronische Datenverarbeitung enthalten, Eintragungen zu machen. Infolgedessen wurde die Einkommensteuer f&uuml;r 2000 am 23. November 2001 und f&uuml;r 2001 am 2. Oktober 2002 unter Anwendung des Splittingtarifs festgesetzt. Der Bescheid f&uuml;r 2000 wurde am 2. Oktober 2002 nach &sect; 10d EStG ge&auml;ndert und die Steuer wiederum nach dem Splittingtarif ermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 22. August 2003 &auml;nderte das FA die Bescheide f&uuml;r 2000 und 2001 nach &sect; 129 der Abgabenordnung (AO) und setzte die Einkommensteuer nach der Grundtabelle fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied, es sei auszuschlie&szlig;en, dass die fehlerhafte Anwendung der Splittingtabelle auf einer unterlassenen Sachverhaltsaufkl&auml;rung oder einer fehlerhaften Gesetzesanwendung beruhe. Die &Uuml;bernahme der aus dem Jahr 1999 f&uuml;r die Veranlagungsart gespeicherten Kennzahl beruhe auf einer Fl&uuml;chtigkeit oder Gedankenlosigkeit des Veranlagungssachbearbeiters, der die Angaben zum Familienstand &uuml;bersehen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung ihrer Nichtzulassungsbeschwerde tragen die Kl&auml;ger vor, das FG-Urteil weiche vom Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 4. November 1992 XI R 40\/91 (BFH\/NV 1993, 509) sowie vom Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 9. Februar 2006&nbsp;&nbsp;3 K 57\/02 ab. Ein blo&szlig;es &Uuml;bersehen des Hinweises &quot;verwitwet seit &#8230; 1998&quot; k&ouml;nne im Streitfall nicht angenommen werden, da die Erkl&auml;rungen keine Besteuerungsmerkmale eines Ehegatten enthielten, anl&auml;sslich der Verwitwung eine neue Steuernummer erteilt worden sei und der gleiche Fehler bei zwei Veranlagungen verschiedener Jahre vorgekommen sei. Zudem sei eine Entscheidung durch den BFH zur Rechtsfortbildung erforderlich, da zwar das bewusste v&ouml;llige Au&szlig;erachtlassen und Nichtpr&uuml;fen von Besteuerungsgrundlagen grunds&auml;tzlich als mechanisches Versehen anzusehen sei, sich aber die Frage stelle, ob nicht eine &Auml;nderung nach &sect; 129 AO ausgeschlossen sei, wenn der Veranlagungssachbearbeiter die notwendigen &Uuml;berlegungen zur Veranlagungsart nicht anstelle und aufgrund gespeicherter Stammdaten eine falsche Veranlagungsart durchf&uuml;hre, weil die Wahl der Veranlagungs- bzw. der Tabellenart durch komplexe Besteuerungsmerkmale bestimmt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist nicht wegen Divergenz zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zuzulassen (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG-Urteil weicht nicht vom BFH-Urteil in BFH\/NV 1993, 509 ab. In jener Sache hatte die Veranlagungssachbearbeiterin zwar zun&auml;chst eine Mitteilung &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Eink&uuml;nften aus einer Beteiligung &uuml;bersehen, diesen Fehler aber bemerkt und daraufhin eine neue &#8211;wiederum falsche&#8211; Gewinnermittlung vorgenommen, bei der sich ein Tatsachen- oder Rechtsirrtum nicht ausschlie&szlig;en lie&szlig;; ihren danach verbliebenen Zweifeln ging sie trotz eines Pr&uuml;fhinweises nicht nach. Gegen ein blo&szlig;es mechanisches Versehen sprach dar&uuml;ber hinaus, dass die Unachtsamkeit nicht offen zutage lag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Streitfall ist demgegen&uuml;ber durch ein zwar wiederholtes, aber &quot;einfaches&quot; &Uuml;bersehen der Tatsache gekennzeichnet, dass der Ehemann der Erblasserin bereits 1998 &#8211;und nicht erst im Vorjahr des jeweiligen Veranlagungszeitraums&#8211; verstorben war; der Fehler war zudem offenkundig und ein Rechtsfehler angesichts des eindeutigen und leicht verst&auml;ndlichen Wortlautes des &sect; 32a Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 EStG ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob jede M&ouml;glichkeit eines Rechtsirrtums, eines Denkfehlers oder einer unvollst&auml;ndigen Sachaufkl&auml;rung bzw. fehlerhaften Tatsachenw&uuml;rdigung auszuschlie&szlig;en ist, beurteilt sich im &Uuml;brigen nach den Verh&auml;ltnissen des Einzelfalles, vor allem nach Aktenlage. Die Entscheidung dar&uuml;ber ist im Wesentlichen eine Tatfrage, die nach &sect; 118 Abs. 2 FGO revisionsrechtlich nur eingeschr&auml;nkt &uuml;berpr&uuml;fbar ist (BFH-Urteile vom 19. M&auml;rz 2009 IV R 84\/06, BFH\/NV 2009, 1394; vom 21. Januar 2010 III R 22\/08, BFH\/NV 2010, 1410).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Abweichung des FG-Urteils vom Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 9. Februar 2006&nbsp;&nbsp;3 K 57\/02 k&ouml;nnte nicht zur Zulassung der Revision f&uuml;hren, da dieses durch das Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 1410 aufgehoben wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Entscheidung des BFH zur Rechtsfortbildung ist nicht erforderlich (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO). Die Frage, ob eine &Auml;nderung wegen offenbarer Unrichtigkeit ausscheidet, wenn der Veranlagungssachbearbeiter notwendige &Uuml;berlegungen nicht anstellt, ist durch die BFH-Rechtsprechung bereits beantwortet. Nach dem Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 1410 ist &sect; 129 AO nicht von Verschuldenserw&auml;gungen abh&auml;ngig; f&uuml;r die Anwendbarkeit der Vorschrift kommt es nicht darauf an, ob der Bearbeiter bei geh&ouml;riger Sorgfalt sein Versehen h&auml;tte erkennen und die offenbare Unrichtigkeit bei der Steuerfestsetzung h&auml;tte vermeiden k&ouml;nnen. Ob die Rechtslage in diesem Sinne auch bereits im Zeitpunkt des Eingangs dieser Beschwerde gekl&auml;rt war, kann dahinstehen, denn der ma&szlig;gebende Zeitpunkt f&uuml;r das Vorliegen eines Zulassungsgrundes i.S. des &sect; 115 Abs. 2 FGO ist der der Beschlussfassung des BFH (BFH-Beschluss vom 20. Dezember 2006 I B 141\/05, BFH\/NV 2007, 928; Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 116 FGO Rz 256, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.11.2010, III B 17\/09 Mehrj&auml;hriges Verwitwetensplitting als offenbare Unrichtigkeit Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind Rechtsnachfolger der zwischenzeitlich verstorbenen urspr&uuml;nglichen Kl&auml;gerin (Erblasserin). Diese war seit November 1998 verwitwet und daher f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 1999 einzeln veranlagt worden; dabei wurde nach &sect; 32a Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 des &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-17-09-mehrjaehriges-verwitwetensplitting-als-offenbare-unrichtigkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;17\/09 &#8211; Mehrj&auml;hriges Verwitwetensplitting als offenbare Unrichtigkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-11390","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11390"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11390\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}