{"id":11405,"date":"2012-12-06T17:49:44","date_gmt":"2012-12-06T15:49:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11405"},"modified":"2012-12-06T17:49:44","modified_gmt":"2012-12-06T15:49:44","slug":"iii-b-158-09-auslandszeuge-substantiierung-des-beweisthemas-sachaufklaerungspflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-158-09-auslandszeuge-substantiierung-des-beweisthemas-sachaufklaerungspflicht\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;158\/09 &#8211; Auslandszeuge &#8211; Substantiierung des Beweisthemas &#8211; Sachaufkl&auml;rungspflicht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.11.2010, III B 158\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Auslandszeuge &#8211; Substantiierung des Beweisthemas &#8211; Sachaufkl&auml;rungspflicht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der auch als Dolmetscher t&auml;tige Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) betreibt einen Ex- und Importhandel mit diversen Wirtschaftsg&uuml;tern. Aufgrund der Feststellungen der Betriebspr&uuml;fung, die die Buchf&uuml;hrung des Kl&auml;gers als nicht ordnungsgem&auml;&szlig; ansah, erlie&szlig; der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) ge&auml;nderte Bescheide f&uuml;r 1995 bis 1998 &uuml;ber Einkommen- und Umsatzsteuer sowie zum 31. Dezember 1995 und 1996 &uuml;ber die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzuges zur Einkommensteuer. Der Einspruch des Kl&auml;gers hatte bez&uuml;glich einzelner Hinzusch&auml;tzungen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage zu einem weiteren Teil statt und folgte dabei der von einem Sachverst&auml;ndigen durchgef&uuml;hrten Geldverkehrsrechnung. Der Kl&auml;ger habe Anlass zur Sch&auml;tzung gegeben, da er die vereinnahmten Entgelte, insbesondere die zahlreichen eigenh&auml;ndig oder treuh&auml;nderisch abgewickelten in- und ausl&auml;ndischen Bargesch&auml;fte nicht aufgezeichnet habe. Allerdings sei das FG vom Vorliegen eines Treuhandverh&auml;ltnisses zwischen dem Kl&auml;ger und Frau X im von dieser bescheinigten Umfang &uuml;berzeugt, weshalb sich deren Einvernahme als Zeugin er&uuml;brige. Soweit die Herkunft eines im Jahre 1997 vereinnahmten Betrages von 35.000 DM nicht gekl&auml;rt sei, habe der Kl&auml;ger den hierf&uuml;r benannten, in Ungarn lebenden Zeugen Y nicht in der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht der Kl&auml;ger Verfahrensm&auml;ngel (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) geltend. Das FG habe seine Pflicht zur Sachaufkl&auml;rung (&sect; 76 FGO) verletzt. Es sei dem Beweisantrag auf Vernehmung der X als Zeugin nicht nachgegangen und habe die Geldverkehrsrechnung u.a. hinsichtlich der treuh&auml;nderisch vereinnahmten Betr&auml;ge nicht ausreichend ermittelt. Auch habe das FG rechtsfehlerhaft den Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht vertagt, um wie beantragt Y als Zeugen zu der Herkunft des weiteren Betrages von 35.000 DM zu h&ouml;ren. Indem es den unter Beweis gestellten Sachverhalt allein aufgrund des Sachverst&auml;ndigengutachtens als unwahr unterstellt habe, habe das FG zugleich gegen das Gebot der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme (&sect; 81 FGO) versto&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist teilweise unzul&auml;ssig und im &Uuml;brigen unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Unzul&auml;ssig ist das Rechtsmittel, soweit es sich auch wegen Einkommen- und Umsatzsteuer f&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 1995, 1996 und 1998 sowie wegen gesonderter Feststellung des verbleibenden Verlustabzuges zur Einkommensteuer zum 31. Dezember 1995 und 1996 gegen das FG-Urteil richtet. Denn insoweit hat der Kl&auml;ger die Nichtzulassungsbeschwerde entgegen &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO nicht hinreichend begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG die Klage wegen Einkommensteuer 1995 mangels Beschwer als unzul&auml;ssig abgewiesen hat, geht die Beschwerdebegr&uuml;ndung hierauf nicht ein. Aber auch in Bezug auf die weiteren o.g. Klagegegenst&auml;nde hat der Kl&auml;ger nicht ausgef&uuml;hrt, inwiefern die Entscheidung auf einem behaupteten Verfahrensmangel, hier der unterlassenen Vernehmung der Zeugin X, beruhen kann. Hierf&uuml;r bestehen auch keine Anhaltspunkte:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hatte im Verwaltungsverfahren eine Erkl&auml;rung der X vom 14. September 2001 vorgelegt, die diese vor einer Rechtsanw&auml;ltin abgegeben hatte und der Anlagen &uuml;ber vom Kl&auml;ger treuh&auml;nderisch verwaltete Gelder beigef&uuml;gt waren. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG beantragte der Kl&auml;ger &quot;hinsichtlich der Treuhandverh&auml;ltnisse&quot; die Einvernahme der X und der Rechtsanw&auml;ltin als Zeuginnen. Einer Vernehmung der Zeuginnen bedurfte es jedoch nicht, da das FG das Bestehen eines Treuhandverh&auml;ltnisses zwischen dem Kl&auml;ger und X in dem von ihm behaupteten und von dieser bescheinigten Umfang als wahr unterstellte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im &Uuml;brigen ist die Nichtzulassungsbeschwerde unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG war nicht gehalten, den Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung zu vertagen, um den im Ausland ans&auml;ssigen Zeugen Y zum Termin zu laden. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ergibt sich aus &sect; 76 Abs. 1 Satz 4 FGO i.V.m. &sect; 90 Abs. 2 der Abgabenordnung bei Auslandssachverhalten eine Beweismittelbeschaffungspflicht. Danach muss, soweit die zu beweisende Tatsache einen Auslandsbezug aufweist, ein im Ausland ans&auml;ssiger Zeuge ohne Ladung in der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellt werden (vgl. BFH-Beschluss vom 12. Februar 2010 VIII B 192\/09, BFH\/NV 2010, 833, m.w.N.). Ein solcher Auslandsbezug ist vorliegend gegeben, da die vom Kl&auml;ger behauptete treuh&auml;nderische Geld&uuml;bergabe auf ungarischem Boden stattgefunden haben soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Vertagung hatte auch nicht zu erfolgen, um dem Kl&auml;ger, der im Vorfeld der m&uuml;ndlichen Verhandlung auf eine Verhinderung des Y hingewiesen haben will, die Gelegenheit zu geben, den Zeugen zum Termin zu stellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hatte dem unsubstantiierten Beweisangebot des Kl&auml;gers nicht weiter nachzugehen. Es bezog sich ausweislich der Sitzungsniederschrift auf das unkonkrete Beweisthema &quot;Herkunft der 35.000 DM im Jahr 1997&quot;. Dem l&auml;sst sich nicht entnehmen, welche konkreten Wahrnehmungen der Zeuge gemacht haben soll.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach seinem erstinstanzlichen Vorbringen will der Kl&auml;ger den Betrag als Treuh&auml;nder des Herrn Z erhalten haben, der bei der Geld&uuml;bergabe von Herrn A vertreten worden sei. Beide Herren sind nach Angaben des Kl&auml;gers zwischenzeitlich verstorben, Y kenne jedoch &quot;die Zusammenh&auml;nge&quot;. Einem solch unbestimmten Beweisantrag muss das FG nicht nachgehen (BFH-Beschluss vom 15. Mai 2007 I B 120\/06, BFH\/NV 2007, 1686, m.w.N.). Schlie&szlig;lich wird selbst in der Beschwerdebegr&uuml;ndung Y einerseits daf&uuml;r benannt, das Geld von Herrn Z f&uuml;r den Kl&auml;ger in Empfang genommen zu haben, andererseits soll in blo&szlig;er Gegenwart des Y Herr A der &Uuml;berbringer des Geldes gewesen sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Wird bei gegebenem Auslandsbezug die besondere Mitwirkungspflicht nicht erf&uuml;llt und l&auml;sst sich der Sachverhalt nicht anders aufkl&auml;ren, kann das Gericht grunds&auml;tzlich ohne weiteres zum Nachteil des mitwirkungspflichtigen Beteiligten von einem Sachverhalt ausgehen, f&uuml;r den unter Ber&uuml;cksichtigung der Beweisn&auml;he des Steuerpflichtigen und seiner Verantwortung f&uuml;r die Aufkl&auml;rung des Sachverhaltes eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht (vgl. BFH-Beschluss vom 19. Dezember 2007 X B 34\/07, BFH\/NV 2008, 597).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.11.2010, III B 158\/09 Auslandszeuge &#8211; Substantiierung des Beweisthemas &#8211; Sachaufkl&auml;rungspflicht Tatbestand 1&nbsp; I. Der auch als Dolmetscher t&auml;tige Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) betreibt einen Ex- und Importhandel mit diversen Wirtschaftsg&uuml;tern. 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