{"id":11411,"date":"2012-12-07T04:17:44","date_gmt":"2012-12-07T02:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11411"},"modified":"2012-12-07T04:17:44","modified_gmt":"2012-12-07T02:17:44","slug":"ii-r-46-09-erbschaftsteuerrechtliche-beachtlichkeit-einer-nur-teilweise-ausgefuehrten-unwirksamen-verfuegung-von-todes-wegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-46-09-erbschaftsteuerrechtliche-beachtlichkeit-einer-nur-teilweise-ausgefuehrten-unwirksamen-verfuegung-von-todes-wegen\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;46\/09 &#8211; Erbschaftsteuerrechtliche Beachtlichkeit einer nur teilweise ausgef&uuml;hrten unwirksamen Verf&uuml;gung von Todes wegen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.9.2010, II R 46\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Erbschaftsteuerrechtliche Beachtlichkeit einer nur teilweise ausgef&uuml;hrten unwirksamen Verf&uuml;gung von Todes wegen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist aufgrund gesetzlicher Erbfolge Miterbin zu 1\/4 nach der im M&auml;rz 2004 verstorbenen Erblasserin (E). Sie und ein weiterer Miterbe (M), der nunmehrige Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin, trafen im August 2005 mit der Stieftochter (S) der E eine Vereinbarung, die mit &quot;Erkl&auml;rung &uuml;ber eine formnichtige m&uuml;ndliche Verf&uuml;gung des Erblassers&quot; &uuml;berschrieben ist und in der die Kl&auml;gerin und M den Verzicht auf die gesetzliche Regelung mit dem Wissen erkl&auml;rten, E habe allein S als Erbe bedacht wissen wollen, sei jedoch zur Ausf&uuml;hrung eines rechtsg&uuml;ltigen Testamentes infolge des Todeseintritts nicht mehr gekommen. Die Kl&auml;gerin und M lie&szlig;en ihre Anteile am Nachlass der S zukommen. Die anderen beiden Miterben waren dazu nicht bereit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte gegen die Kl&auml;gerin durch Bescheid vom 26. Oktober 2005 Erbschaftsteuer in H&ouml;he von 884 EUR fest, ohne die Vereinbarung mit S zu ber&uuml;cksichtigen. Einspruch und Klage blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) vertrat die Auffassung, die Besteuerung der Kl&auml;gerin gem&auml;&szlig; der eingetretenen gesetzlichen Erbfolge sei zutreffend. Eine erbschaftsteuerrechtlich beachtliche formunwirksame Verf&uuml;gung der E von Todes wegen, die die Kl&auml;gerin und M h&auml;tten erf&uuml;llen k&ouml;nnen, liege nicht vor. Die gemeinsame Erkl&auml;rung der Kl&auml;gerin und des M stelle keine formunwirksame letztwillige Verf&uuml;gung der E dar. &Uuml;ber einen Erlass der festgesetzten Erbschaftsteuer aus Billigkeitsgr&uuml;nden sei im vorliegenden Verfahren nicht zu entscheiden. F&uuml;r einen Erlass der Steuer k&ouml;nnten allerdings die Ausf&uuml;hrungen des M in der m&uuml;ndlichen Verhandlung sprechen. Danach habe E bei einer Geburtstagsfeier erkl&auml;rt, S w&uuml;rde sp&auml;ter einmal ohnehin alles bekommen, und gemeint, S sei ihre gesetzliche Erbin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin Verletzung des &sect; 10 Abs. 1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG). Es fehle bei ihr an einer der Besteuerung unterliegenden Bereicherung. Die b&uuml;rgerlich-rechtlich g&uuml;ltige Verpflichtung der gesetzlichen Erben zum Erbverzicht in Verbindung mit der von den Beteiligten klar zum Ausdruck gebrachten Best&auml;tigung der Erf&uuml;llung des Willens der E schl&ouml;ssen ihre Besteuerung aus. Den vom FG angeregten Erlass der Steuer habe das FA abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung, die Einspruchsentscheidung vom 2. Februar 2007 und den Erbschaftsteuerbescheid vom 26. Oktober 2005 ersatzlos aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin sei kraft gesetzlicher Erbfolge Miterbin nach E geworden. Die von ihr behauptete m&uuml;ndliche Verf&uuml;gung der E von Todes wegen k&ouml;nne der Besteuerung schon deshalb nicht zugrunde gelegt werden, weil sie nicht von allen Miterben vollzogen worden sei. Von einem Rechtsirrtum der E k&ouml;nne nicht ausgegangen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht angenommen, der von der Kl&auml;gerin behaupteten &Auml;u&szlig;erung der E bei der Geburtstagsfeier komme nur hinsichtlich eines Erlasses der Steuer, nicht aber bez&uuml;glich der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Steuerfestsetzung Bedeutung zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Wird eine Verf&uuml;gung von Todes wegen ausgef&uuml;hrt, obwohl sie unwirksam ist, und beruht die Ausf&uuml;hrung der Verf&uuml;gung auf der Beachtung des erblasserischen Willens, den Beg&uuml;nstigter und Belasteter anerkennen, ist gem&auml;&szlig; &sect; 41 Abs. 1 der Abgabenordnung das wirtschaftliche Ergebnis dieses Vollzugs erbschaftsteuerrechtlich zu beachten (Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 2. Dezember 1969 II 120\/64, BFHE 91, 311, BStBl II 1970, 119; vom 15. M&auml;rz 2000 II R 15\/98, BFHE 191, 403, BStBl II 2000, 588, und vom 28. M&auml;rz 2007 II R 25\/05, BFHE 215, 557, BStBl II 2007, 461). Es ist dabei entgegen der Ansicht des FA nicht erforderlich, dass die unwirksame Verf&uuml;gung von Todes wegen in vollem Umfang befolgt wird. Auch die lediglich eingeschr&auml;nkte Befolgung weist die f&uuml;r die erbschaftsteuerrechtliche Ber&uuml;cksichtigung erforderliche Verbindung zur Willenserkl&auml;rung des Erblassers auf. Erbschaftsteuerrechtlich beachtlich ist in einem solchen Fall die unwirksame Verf&uuml;gung von Todes wegen, soweit sie tats&auml;chlich ausgef&uuml;hrt wurde (BFH-Urteil vom 7. Oktober 1981 II R 16\/80, BFHE 134, 181, BStBl II 1982, 28). &Uuml;bertr&auml;gt hingegen ein Miterbe seinen Anteil am Nachlass auf einen Dritten, ohne dass dies auf einer wenn auch unwirksamen Willens&auml;u&szlig;erung des Erblassers beruht, wirkt sich dies auf die festzusetzende Erbschaftsteuer nicht aus. Da es f&uuml;r die Besteuerung nach &sect; 11 i.V.m. &sect; 9 Abs. 1&nbsp;&nbsp;Nr. 1 ErbStG regelm&auml;&szlig;ig auf den Zeitpunkt des Todes des Erblassers als den Zeitpunkt der Entstehung der Steuer ankommt, kann der Miterbe die der Besteuerung unterliegende Bereicherung (&sect; 10 Abs. 1 Satz 1 ErbStG) durch eine solche &Uuml;bertragung nicht mit steuerlicher Wirkung beseitigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die von der Kl&auml;gerin behauptete, vom FG aber nicht i.S. des &sect; 118 Abs. 2 FGO festgestellte &Auml;u&szlig;erung der E bei der Geburtstagsfeier, S werde sp&auml;ter einmal ohnehin alles erhalten, ist nicht nur im Hinblick auf einen m&ouml;glichen Erlass der Steuer, sondern bereits bei der Pr&uuml;fung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Steuerbescheids zu ber&uuml;cksichtigen. In dieser &Auml;u&szlig;erung kann eine m&uuml;ndliche Verf&uuml;gung der E von Todes wegen liegen, die erbschaftsteuerrechtlich beachtlich ist, soweit sie von der Kl&auml;gerin und M aufgrund der mit S getroffenen Vereinbarung tats&auml;chlich vollzogen wurde. Wenn E irrt&uuml;mlich davon ausgegangen sein sollte, S sei ihre gesetzliche Alleinerbin, schlie&szlig;t dies nicht aus, dass E diese ihr nahestehende Person auch kraft eigenen letzten Willens m&uuml;ndlich zur Alleinerbin eingesetzt hat (v. Proff, Zeitschrift f&uuml;r Erbrecht und Verm&ouml;gensnachfolge 2010, 348, 350).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da das FG von einer anderen Ansicht ausgegangen ist, war die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat bisher noch keine Feststellungen zu der von der Kl&auml;gerin behaupteten &Auml;u&szlig;erung der E getroffen und noch nicht gepr&uuml;ft, ob diese &Auml;u&szlig;erung als ernstlich gewollte, aber formunwirksame Einsetzung der S als Alleinerbin beurteilt werden kann. Entsprechende Feststellungen wird das FG nunmehr nachzuholen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.9.2010, II R 46\/09 Erbschaftsteuerrechtliche Beachtlichkeit einer nur teilweise ausgef&uuml;hrten unwirksamen Verf&uuml;gung von Todes wegen Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist aufgrund gesetzlicher Erbfolge Miterbin zu 1\/4 nach der im M&auml;rz 2004 verstorbenen Erblasserin (E). 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