{"id":11455,"date":"2012-12-07T04:17:47","date_gmt":"2012-12-07T02:17:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11454"},"modified":"2012-12-07T04:17:47","modified_gmt":"2012-12-07T02:17:47","slug":"vii-b-130-10-abrechnungsbescheid-nur-bei-vorheriger-steuerfestsetzung-steuerfestsetzung-als-voraussetzung-einer-steueranrechnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-130-10-abrechnungsbescheid-nur-bei-vorheriger-steuerfestsetzung-steuerfestsetzung-als-voraussetzung-einer-steueranrechnung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;130\/10 &#8211; Abrechnungsbescheid nur bei vorheriger Steuerfestsetzung &#8211; Steuerfestsetzung als Voraussetzung einer Steueranrechnung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.10.2010, VII B 130\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Abrechnungsbescheid nur bei vorheriger Steuerfestsetzung &#8211; Steuerfestsetzung als Voraussetzung einer Steueranrechnung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hat den Antrag des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) &#8211;als Mitglied einer Erbengemeinschaft der verstorbenen Frau X&#8211; auf Durchf&uuml;hrung der Einkommensteuerveranlagung f&uuml;r die Jahre 1993 bis 1997 unter Hinweis auf den Ablauf der Festsetzungsfrist abgelehnt. Der vom Kl&auml;ger hiergegen eingelegte Einspruch und die Klage (vgl. Urteil des Hessischen Finanzgerichts &#8211;FG&#8211; vom 18. Januar 2007&nbsp;&nbsp;13 K 68\/06) blieben ebenso wie die Revision (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 23. April 2009 VIII R 6\/08, BFH\/NV 2009, 1397) erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Verpflichtungsklage des Kl&auml;gers, mit der er die Durchf&uuml;hrung der Einkommensteuerveranlagungen f&uuml;r die Jahre 1993 bis 1997 unter Berufung auf die Ablaufhemmung des &sect; 171 Abs. 14 der Abgabenordnung (AO) erreichen wollte, wurde vom Hessischen FG mit Urteil vom 16. April 2010&nbsp;&nbsp;13 K 2928\/09 &#8211;wegen entgegenstehender Rechtskraft&#8211; als unzul&auml;ssig abgewiesen. Die hiergegen erhobene Nichtzulassungsbeschwerde wurde durch BFH-Beschluss vom 19. Juli 2010 I B 77\/10 als unzul&auml;ssig verworfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist der vom Kl&auml;ger f&uuml;r die Jahre 1993 bis 1997 gestellte Antrag auf Erteilung eines Abrechnungsbescheids, der einen Erstattungsanspruch aufgrund einbehaltener und abgef&uuml;hrter Kapitalertragsteuer f&uuml;r diese Jahre ausweisen soll. Das FA hat den Antrag abgelehnt, das FG die -im Wege einer Sprungklage nach &sect; 45 Abs. 1 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) erhobene&#8211; Verpflichtungsklage unter Hinweis auf die &#8211;infolge der eingetretenen Festsetzungsverj&auml;hrung&#8211; nicht durchgef&uuml;hrte Steuerveranlagung als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Nichtzulassung der Revision in diesem Urteil richtet sich die Beschwerde des Kl&auml;gers, welche sich auf die Zulassungsgr&uuml;nde der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache sowie des Verfahrensmangels (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 und 3 FGO) st&uuml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde (&sect; 116 Abs. 1 FGO) hat keinen Erfolg, weil die geltend gemachten Revisionszulassungsgr&uuml;nde des &sect; 115 Abs. 2 FGO z.T. nicht schl&uuml;ssig dargelegt sind, wie es &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO verlangt, jedenfalls aber nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der ger&uuml;gte Versto&szlig; des FG gegen die ihm obliegende Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO) ist nicht schl&uuml;ssig dargelegt. Die Beschwerde macht keine Angaben, welche Tatsachen das FG mit welchen Beweismitteln noch h&auml;tte aufkl&auml;ren sollen und weshalb sich dem FG eine Aufkl&auml;rung unter Ber&uuml;cksichtigung seines &#8211;insoweit ma&szlig;geblichen&#8211; Rechtsstandpunktes h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen. Der Kl&auml;ger r&uuml;gt vielmehr die seiner Ansicht nach fehlende &quot;Untersuchung&quot; des FG zur Rechtsfrage, &quot;auf welche Weise eine den &Uuml;berschuss begr&uuml;ndende Abrechnung au&szlig;erhalb des Steuerfestsetzungsverfahrens zustande kommen k&ouml;nne&quot;. Dies ist indes eine Rechtsfrage, wegen deren angeblich fehlerhafter Beantwortung eine Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO offensichtlich nicht in Betracht kommen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Rechtssache hat nicht die ihr von der Beschwerde beigemessene grunds&auml;tzliche Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Einer Rechtsfrage kommt nur dann grunds&auml;tzliche Bedeutung zu, wenn sie kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist (vgl. Entscheidungen des BFH vom 16. Juli 1999 IX B 81\/99, BFHE 189, 401, BStBl II 1999, 760, und vom 21. April 1999 I B 99\/98, BFHE 188, 372, BStBl II 2000, 254, m.w.N.). An der zu fordernden Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit fehlt es jedoch, wenn sich die Beantwortung der Rechtsfrage ohne weiteres aus dem klaren Wortlaut und Sinngehalt des Gesetzes ergibt oder die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG in seiner Entscheidung getan hat, wenn die Rechtslage also eindeutig ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. statt aller BFH-Beschluss vom 18. Dezember 1998 VI B 215\/98, BFHE 187, 559, BStBl II 1999, 231). An diesen Voraussetzungen fehlt es im Streitfall:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Als grunds&auml;tzlich bedeutsam sieht die Beschwerde die Rechtsfrage an, &quot;ob auch bei nicht durchgef&uuml;hrter Veranlagung ein im Steuererhebungsverfahren festzustellender Erstattungsanspruch besteht&quot;. Diese Frage ist indes zweifelsfrei zu verneinen und bedarf keiner Kl&auml;rung in einem Revisionsverfahren:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Gegenstand eines Abrechnungsbescheids nach &sect; 218 Abs. 2 AO ist die Verwirklichung von Anspr&uuml;chen aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis. Gem&auml;&szlig; &sect; 218 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 1 AO sind Grundlage f&uuml;r die Anspruchsverwirklichung alle Verwaltungsakte, durch die Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis (&sect; 37 Abs. 1 AO) festgesetzt werden (Alber in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler, &sect; 218 AO Rz 15, m.w.N.). Die Entstehung des Anspruchs aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis ist nur in Ausnahmef&auml;llen (z.B. gem&auml;&szlig; &sect; 218 Abs. 1 Satz 1 Halbsatz 2 AO bei S&auml;umniszuschl&auml;gen) Gegenstand eines Abrechnungsbescheids, wenn der Anspruch nicht festgesetzt und auch keine Steuerfestsetzung (&sect; 218 Abs. 1 Satz 2 AO, &sect; 168 Satz 1 AO) fingiert wird (Kruse in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung &sect; 218 AO Rz 18, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall bedeutet dies, dass Voraussetzung eines Abrechnungsbescheids das Ergehen von Einkommensteuerbescheiden (&sect; 155 Abs. 1 Satz 1 AO i.V.m. &sect; 25 Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;) f&uuml;r die Jahre 1993 bis 1997 gewesen w&auml;re. Infolge des Eintritts der Festsetzungsverj&auml;hrung (&sect; 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO, &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO) ist eine Einkommensteuerveranlagung jedoch nicht mehr m&ouml;glich (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 1397).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch scheidet mangels Steuerfestsetzung eine Steueranrechnung nach &sect; 36 Abs. 2 EStG aus. Anzurechnen sind Steuerbetr&auml;ge nach &sect; 36 Abs. 2 EStG nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes n&auml;mlich nur dann, wenn die Kapitalertr&auml;ge, auf die sie sich beziehen, bei der Veranlagung &quot;erfasst&quot; worden sind. Notwendige Voraussetzung einer Anrechnung ist mit anderen Worten, dass die betreffenden Kapitalertr&auml;ge zur Besteuerungsgrundlage (&sect; 157 Abs. 2 AO) geworden sind, mag sich das auf die H&ouml;he der festgesetzten Steuer ausgewirkt haben oder nicht (vgl. Senatsbeschluss vom 24. August 2009 VII B 42\/09, BFH\/NV 2009, 198).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.10.2010, VII B 130\/10 Abrechnungsbescheid nur bei vorheriger Steuerfestsetzung &#8211; Steuerfestsetzung als Voraussetzung einer Steueranrechnung Tatbestand 1&nbsp; I. 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