{"id":11473,"date":"2012-12-07T03:41:29","date_gmt":"2012-12-07T01:41:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11473"},"modified":"2012-12-07T03:41:29","modified_gmt":"2012-12-07T01:41:29","slug":"i-b-190-09-rechtliches-gehoer-bei-verwertung-einer-urkunde-ueberraschungsentscheidung-beruecksichtigung-nicht-ausdruecklich-erwaehnter-ausfuehrungen-bei-der-beweiswuerdigung-verweigerung-eines-schrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-190-09-rechtliches-gehoer-bei-verwertung-einer-urkunde-ueberraschungsentscheidung-beruecksichtigung-nicht-ausdruecklich-erwaehnter-ausfuehrungen-bei-der-beweiswuerdigung-verweigerung-eines-schrift\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;190\/09 &#8211; Rechtliches Geh&ouml;r bei Verwertung einer Urkunde &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Ber&uuml;cksichtigung nicht ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnter Ausf&uuml;hrungen bei der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Verweigerung eines Schriftsatznachlasses als Verfahrensmangel &#8211; Gebietsk&ouml;rperschaft kann an Scheingesch&auml;ft beteiligt sein &#8211; Vorliegen eines Rechtsbindungswillens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.10.2010, I B 190\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Rechtliches Geh&ouml;r bei Verwertung einer Urkunde &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Ber&uuml;cksichtigung nicht ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnter Ausf&uuml;hrungen bei der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Verweigerung eines Schriftsatznachlasses als Verfahrensmangel &#8211; Gebietsk&ouml;rperschaft kann an Scheingesch&auml;ft beteiligt sein &#8211; Vorliegen eines Rechtsbindungswillens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob ein Darlehensvertrag zwischen der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) und ihrer Gesellschafterin steuerlich anzuerkennen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin ist eine GmbH, deren alleinige Gesellschafterin im Streitjahr (1997) die Stadt X war. Sie wurde im Mai 1997 gegr&uuml;ndet; ihr Unternehmensgegenstand ist das Halten von Beteiligungen an kommunalen Unternehmen und die Wahrung der Rechte aus diesen Beteiligungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Gr&uuml;ndung der Kl&auml;gerin beruhte auf einem Beschluss des Rates der Stadt X, nach dem bis dahin unmittelbar von der Stadt X gehaltene Beteiligungen an drei Unternehmen nunmehr vermittels einer Holdinggesellschaft gehalten werden sollten. Dementsprechend &uuml;bertrug die Stadt X mit Vertrag vom 13. November 1997 ihre Anteile an den Beteiligungsunternehmen auf die Kl&auml;gerin. Die Anteile an zwei dieser Unternehmen wurden f&uuml;r &#8230; DM (A-GmbH) und &#8230; DM (B-GmbH) an die Kl&auml;gerin verkauft. Von dem Gesamtkaufpreis (&#8230; DM) wurde der Kl&auml;gerin ein Teilbetrag von &#8230; DM erlassen; der Restbetrag (&#8230; DM) wurde in ein Darlehen der Stadt X umgewandelt. Das Darlehen war mit 6 % zu verzinsen und konnte erstmals zum 31. Dezember 2002 gek&uuml;ndigt werden; die Zinsen waren jeweils am Ende eines Kalenderjahres zu entrichten. In ihrer Bilanz auf den 31. Dezember 1997 wies die Kl&auml;gerin die Darlehensverbindlichkeit mit &#8230; DM sowie eine Zinsr&uuml;ckstellung in H&ouml;he von &#8230; DM aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Januar 1999 verzichtete die Stadt X gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin unter Besserungsvorbehalt auf die Darlehens- und die Zinsforderung, da die Kl&auml;gerin nicht in der Lage sei, das Darlehen zu bedienen. Der Verzicht schloss an einen entsprechenden Ratsbeschluss an und erfolgte u.a. unter der aufl&ouml;senden Bedingung, dass w&auml;hrend des Verzichts die Forderungen der &uuml;brigen Gl&auml;ubiger nicht gef&auml;hrdet wurden. Die Stadt X sollte die Tilgung ihrer Forderung nur zu Lasten eines die Verbindlichkeiten &uuml;bersteigenden Bilanzgewinns der Kl&auml;gerin sowie in bestimmten weiteren F&auml;llen verlangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Dezember 2002 vereinbarte die Kl&auml;gerin mit der Stadt X, dass diese ihr auf Grund eines &#8230;leistungsfinanzierungsvertrags &#8230; EUR zahlen und dass diese Forderung mit den Darlehenszinsen verrechnet werden sollte. Ferner sollte die Kl&auml;gerin die &uuml;brigen bereits angefallenen Zinsen in H&ouml;he von &#8230; EUR zahlen. Die Vertragsparteien waren sich dar&uuml;ber einig, dass der Besserungsfall im Jahr 2001 eingetreten sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die von der Kl&auml;gerin verbuchten Darlehenszinsen nicht als gewinnmindernd an. Die deshalb erhobene Klage hat das Finanzgericht (FG) abgewiesen, ohne die Revision gegen sein Urteil zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Nichtzulassungsbeschwerde macht die Kl&auml;gerin geltend, dass die Revision nach &sect; 115 Abs. 2 Nrn. 1, 2 und 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zuzulassen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA ist der Nichtzulassungsbeschwerde entgegengetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die von der Kl&auml;gerin geltend gemachten Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Zulassung der Revision liegen, soweit sie ordnungsgem&auml;&szlig; dargelegt worden sind, nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect; 115 Abs. 2 FGO ist die Revision zuzulassen, wenn die Rechtssache grunds&auml;tzliche Bedeutung hat (Nr. 1), wenn die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) erfordert (Nr. 2) oder wenn ein geltend gemachter Verfahrensmangel vorliegt, auf dem das angefochtene Urteil beruhen kann (Nr. 3). Wird auf einen dieser Gr&uuml;nde eine Nichtzulassungsbeschwerde gest&uuml;tzt, so muss der Zulassungsgrund in der Beschwerdeschrift dargelegt werden (&sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO). Bei der inhaltlichen &Uuml;berpr&uuml;fung des Beschwerdevorbringens k&ouml;nnen nur die ordnungsgem&auml;&szlig; dargelegten Zulassungsgr&uuml;nde ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die von der Kl&auml;gerin erhobenen Verfahrensr&uuml;gen sind unbegr&uuml;ndet:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das gilt zun&auml;chst f&uuml;r die R&uuml;ge, das FG habe einen Vertrag vom 15.\/23. Juli 1998 ohne vorherige Ank&uuml;ndigung ber&uuml;cksichtigt und dadurch gegen &sect; 96 Abs. 2 FGO versto&szlig;en. Denn das FG hat den genannten Vertrag nicht in der Weise ausgewertet, dass es daraus entscheidungserhebliche Schl&uuml;sse gezogen hat. Vielmehr hat es insoweit lediglich ausgef&uuml;hrt, dass die Kl&auml;gerin nicht &quot;ohne die unmittelbare Hilfe der Gesellschafterin&quot; Zins- und Tilgungsleistungen auf das ihr gew&auml;hrte Darlehen habe erbringen k&ouml;nnen, und dabei auf jenen Vertrag &uuml;ber die &quot;Gew&auml;hrung einer Kreditlinie f&uuml;r Handelsgesch&auml;fte&quot; hingewiesen. Es hat mithin nicht angenommen, dass die Kl&auml;gerin auf Grund dieses Vertrags Zahlungen erhalten und die empfangenen Betr&auml;ge f&uuml;r Leistungen auf das Darlehen verwendet habe, sondern ihn nur allgemein im Zusammenhang mit Zuschusszahlungen der Stadt X sowie mit einer bei der Kl&auml;gerin durchgehend bestehenden Verlustsituation erw&auml;hnt. W&auml;re diese Erw&auml;hnung unterblieben, so h&auml;tte das FG aus der Gesamtsituation ersichtlich keine abweichenden Schl&uuml;sse gezogen. Angesichts dessen kann sein Urteil nicht auf der Ber&uuml;cksichtigung des genannten Vertrages beruhen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ebenso liegt ein Versto&szlig; gegen &sect; 96 Abs. 2 FGO oder gegen den Grundsatz des rechtlichen Geh&ouml;rs (Art. 103 Abs. 1 des Grundgesetzes) nicht darin, dass das FG seine Entscheidung auf die Annahme eines Scheingesch&auml;fts (&sect; 41 Abs. 2 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) gest&uuml;tzt hat, nachdem im Vorfeld der m&uuml;ndlichen Verhandlung die Frage des Gestaltungsmissbrauchs (&sect; 42 AO) im Vordergrund gestanden hatte. Denn ein FG verletzt zwar das Recht der Verfahrensbeteiligten auf Geh&ouml;r, wenn es seine Entscheidung auf einen Gesichtspunkt st&uuml;tzt, mit dessen Ber&uuml;cksichtigung ein sachkundiger Beteiligter nach dem gesamten Verfahrensablauf schlechterdings nicht rechnen musste (BFH-Beschl&uuml;sse vom 25. Januar 2008 X B 179\/06, BFH\/NV 2008, 608; vom 22. Dezember 2008 I B 161\/08, BFH\/NV 2009, 969; vom 16. November 2009 V B 37\/09, BFH\/NV 2010, 450). Eine das Geh&ouml;rsrecht verletzende &Uuml;berraschungsentscheidung liegt aber nicht schon dann vor, wenn das FG im Ergebnis einen Aspekt f&uuml;r ma&szlig;geblich h&auml;lt, der im bisherigen Verlauf streitig er&ouml;rtert worden, dann aber zun&auml;chst in den Hintergrund getreten ist (BFH-Beschluss vom 28. Januar 2004 I B 5\/03, BFH\/NV 2004, 799, m.w.N.). Ein solcher Sachverhalt liegt im Streitfall vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn im erstinstanzlichen Verfahren sind sowohl die Kl&auml;gerin in ihrer Klagebegr&uuml;ndung als auch das FA in seiner Klageerwiderung auf die Frage nach dem Vorliegen eines Scheingesch&auml;fts eingegangen. Damit war u.a. dieser Gesichtspunkt Gegenstand des Rechtsstreits. Im weiteren Verlauf hat das FG ihn auch nicht etwa ausdr&uuml;cklich als unerheblich bezeichnet oder in anderer Weise eindeutig zu erkennen gegeben, dass es seiner Ansicht nach auf ihn nicht ankomme; wie ein solcher Sachverhalt verfahrensrechtlich zu beurteilen w&auml;re, muss deshalb hier nicht entschieden werden. Vielmehr hat es die Frage des Scheingesch&auml;fts zum Gegenstand der m&uuml;ndlichen Verhandlung gemacht, was die Annahme einer &Uuml;berraschungsentscheidung insoweit ausschlie&szlig;t. Ob die Kl&auml;gerin den von ihr nunmehr geltend gemachten Mangel in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ausreichend ger&uuml;gt hat, kann angesichts dessen offenbleiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die R&uuml;ge der Kl&auml;gerin, das FG habe einen nach Schluss der m&uuml;ndlichen Verhandlung eingereichten Schriftsatz nicht ber&uuml;cksichtigt, geht ebenfalls fehl. Denn in dem angefochtenen Urteil ist der genannte Schriftsatz ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnt und gew&uuml;rdigt worden. Dass das FG dabei nicht auf alle Einzelheiten des in dem Schriftsatz Vorgebrachten eingegangen ist, begr&uuml;ndet erneut keinen Verfahrensmangel in Gestalt der Verletzung des Rechts auf Geh&ouml;r. Denn im Grundsatz ist davon auszugehen, dass ein FG auch diejenigen Ausf&uuml;hrungen der Beteiligten zur Kenntnis genommen und bei seiner Entscheidung ber&uuml;cksichtigt hat, mit denen es sich nicht besonders auseinandergesetzt hat. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt nur, wenn sich aus den besonderen Umst&auml;nden des einzelnen Falles deutlich ergibt, dass es bestimmte entscheidungserhebliche Punkte nicht beachtet hat (BFH-Beschl&uuml;sse vom 26. M&auml;rz 2007 II S 1\/07, BFH\/NV 2007, 1094; vom 22. April 2008 X B 154\/07, BFH\/NV 2008, 1361; vom 27. Mai 2008 IX B 12\/08, BFH\/NV 2008, 1509); solche Umst&auml;nde sind im Streitfall weder von der Kl&auml;gerin aufgezeigt worden noch anderweit erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dasselbe gilt schlie&szlig;lich f&uuml;r die R&uuml;gen der Kl&auml;gerin, das FG habe ihr zu Unrecht die Gew&auml;hrung eines Schriftsatznachlasses verweigert und zudem nach Eingang des nachgereichten Schriftsatzes nicht die Wiederer&ouml;ffnung der m&uuml;ndlichen Verhandlung erwogen. Denn die Kl&auml;gerin hat nicht angegeben, was sie in einem weiteren Schriftsatz oder in einer weiteren m&uuml;ndlichen Verhandlung &#8211;&uuml;ber den von ihr nachgereichten Schriftsatz hinaus&#8211; zus&auml;tzlich vorgetragen h&auml;tte und inwieweit dieser Vortrag zu einer f&uuml;r sie g&uuml;nstigeren Entscheidung des FG h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen. Substantiierte Ausf&uuml;hrungen dazu geh&ouml;ren allgemein zu einer ordnungsgem&auml;&szlig;en R&uuml;ge der Verletzung des Rechts auf Geh&ouml;r (BFH-Beschl&uuml;sse vom 21. Juli 2004 I B 186\/03, BFH\/NV 2005, 40; vom 4. November 2008 VII B 54\/08, BFH\/NV 2009, 423; vom 29. Januar 2010 IX B 157\/09, BFH\/NV 2010, 920); sie w&auml;ren speziell im Streitfall vor allem deshalb notwendig gewesen, weil davon auszugehen ist, dass das FG den von der Kl&auml;gerin nachgereichten Schriftsatz ber&uuml;cksichtigt hat. Die in der Beschwerdebegr&uuml;ndung enthaltene Aussage, die Kl&auml;gerin h&auml;tte die Angaben in jenem Schriftsatz n&auml;her erl&auml;utern k&ouml;nnen, reicht insoweit nicht aus. Von weiteren Ausf&uuml;hrungen zu diesem Punkt und zu den &uuml;brigen Verfahrensr&uuml;gen der Kl&auml;gerin sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect; 116 Abs. 5 Satz 2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO hat eine Rechtssache, wenn im konkreten Fall eine Rechtsfrage entscheidungserheblich ist, die im allgemeinen Interesse der Kl&auml;rung bedarf. Daran fehlt es in der Regel, wenn die Antwort auf jene Frage ohne Schwierigkeiten aus den gesetzlichen Vorgaben und aus der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung abgeleitet werden kann. Diese Situation liegt im Streitfall vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat die Klage mit der Begr&uuml;ndung abgewiesen, dass es sich bei dem Darlehensvertrag zwischen der Kl&auml;gerin und der Stadt X um ein Scheingesch&auml;ft i.S. des &sect; 41 Abs. 2 AO gehandelt habe. Ein solches liege vor, wenn die Vertragsbeteiligten &uuml;ber den Scheincharakter einig seien (BFH-Urteil vom 7. November 2006 IX R 4\/06, BFHE 216, 479, BStBl II 2007, 372); davon sei u.a. dann auszugehen, wenn sie offenkundig die notwendigen Folgerungen aus dem Vertrag bewusst nicht gezogen h&auml;tten (BFH-Urteil vom 21. September 2004 IX R 5\/03, BFH\/NV 2005, 498). Diese Grunds&auml;tze entsprechen gefestigter h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung, angesichts derer ein Kl&auml;rungsbedarf insoweit nicht besteht (BFH-Beschluss vom 5. September 2007 IX B 250\/06, BFH\/NV 2007, 2233).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;gerin h&auml;lt indessen die Frage f&uuml;r grunds&auml;tzlich bedeutsam, ob ein Gesch&auml;ft auch dann als Scheingesch&auml;ft angesehen werden kann, wenn an ihm eine Gebietsk&ouml;rperschaft beteiligt ist und diese im Zusammenhang mit dem zu beurteilenden Gesch&auml;ft f&uuml;r sie verbindliche kommunale Vorschriften beachtet hat; falls dies zu bejahen sei, sei ferner fraglich, auf wessen fehlenden Rechtsbindungswillen es insoweit ankomme. Diese Fragen sind jedoch nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn zum einen besteht kein Anhaltspunkt f&uuml;r die Annahme, dass &sect; 41 Abs. 2 AO auf von oder mit einer Gebietsk&ouml;rperschaft get&auml;tigte Gesch&auml;fte entweder allgemein oder jedenfalls dann nicht anwendbar ist, wenn eine solche K&ouml;rperschaft bei dem betreffenden Gesch&auml;ft die einschl&auml;gigen kommunalrechtlichen Vorschriften beachtet hat. Jene Vorschriften haben nicht notwendig einen Bezug zu steuerrechtlichen Kriterien und schlie&szlig;en insbesondere nicht allgemein aus, dass sich eine Gebietsk&ouml;rperschaft an einem Gesch&auml;ft beteiligt, bei dem bestimmte tats&auml;chliche Verh&auml;ltnisse verschleiert oder vorget&auml;uscht werden. Ein solcher Vorgang mag zwar in der Praxis selten sein. Es bedarf aber keiner Kl&auml;rung durch ein Revisionsverfahren, dass er im Einzelfall vorkommen kann und dass dann &sect; 41 Abs. 2 AO eingreift.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dasselbe gilt im Hinblick auf die weitere Frage nach der Person, auf deren Willen und Vorstellung in diesem Zusammenhang abzustellen ist. Insoweit kommt n&auml;mlich in erster Linie derjenige in Betracht, der im konkreten Einzelfall als Organ der Gebietsk&ouml;rperschaft nach au&szlig;en hin t&auml;tig wird. Wenn dieser von einem im Innenverh&auml;ltnis Entscheidungsbefugten eine konkrete Anweisung erhalten hat, kann zudem auf dessen Kenntnisse und &Uuml;berlegungen abgestellt werden; das folgt aus &sect; 166 Abs. 2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs, der insoweit zumindest entsprechend heranzuziehen ist. An diesen Vorgaben hat sich das FG im Streitfall orientiert: Es hat unter Hinweis auf ein dem Vertragsschluss voraufgegangenes Beraterschreiben angenommen, dass &quot;die Gestaltung &uuml;ber den Darlehensvertrag&quot; nur &quot;pro forma &#8230; gew&auml;hlt&quot; worden sei, &quot;um steuerliche Verluste zu begr&uuml;nden&quot;, und aus diesem Grund der genannten Gestaltung einen Scheincharakter i.S. des &sect; 41 Abs. 2 AO beigemessen; dabei ist es erkl&auml;rterma&szlig;en davon ausgegangen, dass das betreffende Schreiben der Stadt X &#8211;und damit kann nur gemeint sein: dem im Au&szlig;enverh&auml;ltnis zust&auml;ndigen Organ der X&#8211; im Zeitpunkt des Vertragsschlusses bekannt war. Das gen&uuml;gt, um der X diejenigen Kenntnisse zuzurechnen, aus denen das FG die Anwendbarkeit des &sect; 41 Abs. 2 AO abgeleitet hat. Ob jene Ableitung ihrerseits zutreffend ist, kann im Rahmen der Entscheidung &uuml;ber die Nichtzulassungsbeschwerde nicht &uuml;berpr&uuml;ft werden, da es insoweit an der Benennung eines Zulassungsgrundes fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ebenso kann eine Zulassung der Revision nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO nicht auf die zweite Frage gest&uuml;tzt werden, die die Kl&auml;gerin in diesem Zusammenhang angesprochen hat. Sie geht dahin, ob bei der Frage nach dem Vorliegen eines Rechtsbindungswillens das von den Vertragsparteien vorausgesetzte sp&auml;tere Eintreten der Leistungsf&auml;higkeit der Darlehensschuldnerin zu ber&uuml;cksichtigen sei. Insoweit ist jedoch gekl&auml;rt, dass eine solche Ber&uuml;cksichtigung geboten ist; ein Scheingesch&auml;ft kann mithin unter dem Gesichtspunkt fehlender Leistungsf&auml;higkeit eines Vertragspartners nicht angenommen werden, wenn dieser Partner die versprochenen Leistungen voraussichtlich aus im Zeitpunkt des Vertragsschlusses vorhandenem Verm&ouml;gen oder aus im weiteren Verlauf erzielten Einnahmen oder aus beiden Quellen heraus wird erbringen k&ouml;nnen (BFH-Urteil vom 28. Januar 2003 IX R 53\/00, BFH\/NV 2003, 768; BFH-Beschluss vom 22. April 2008 X B 67\/07, BFH\/NV 2008, 1346). Dazu hat das FG jedoch im Streitfall angenommen, die Kl&auml;gerin und die Stadt X seien von Anfang an nicht davon ausgegangen, dass die Kl&auml;gerin &quot;in absehbarer Zeit oder jemals&quot; Gewinne erzielen und daraufhin die im Darlehensvertrag versprochenen Zinsen zahlen werde (S. 9 des FG-Urteils); bei einer solchen W&uuml;rdigung stellt sich die von der Kl&auml;gerin bezeichnete Frage nicht. Die W&uuml;rdigung selbst muss im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde als zutreffend unterstellt werden, da die Kl&auml;gerin insoweit keine zul&auml;ssigen und begr&uuml;ndeten Verfahrensr&uuml;gen erhoben hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.10.2010, I B 190\/09 Rechtliches Geh&ouml;r bei Verwertung einer Urkunde &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Ber&uuml;cksichtigung nicht ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnter Ausf&uuml;hrungen bei der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Verweigerung eines Schriftsatznachlasses als Verfahrensmangel &#8211; Gebietsk&ouml;rperschaft kann an Scheingesch&auml;ft beteiligt sein &#8211; Vorliegen eines Rechtsbindungswillens Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob ein Darlehensvertrag zwischen der Kl&auml;gerin &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-190-09-rechtliches-gehoer-bei-verwertung-einer-urkunde-ueberraschungsentscheidung-beruecksichtigung-nicht-ausdruecklich-erwaehnter-ausfuehrungen-bei-der-beweiswuerdigung-verweigerung-eines-schrift\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;190\/09 &#8211; Rechtliches Geh&ouml;r bei Verwertung einer Urkunde &#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung &#8211; Ber&uuml;cksichtigung nicht ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnter Ausf&uuml;hrungen bei der Beweisw&uuml;rdigung &#8211; Verweigerung eines Schriftsatznachlasses als Verfahrensmangel &#8211; Gebietsk&ouml;rperschaft kann an Scheingesch&auml;ft beteiligt sein &#8211; Vorliegen eines Rechtsbindungswillens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-11473","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11473"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11473\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}