{"id":1165,"date":"2012-07-18T00:00:00","date_gmt":"2012-07-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=1165"},"modified":"2012-11-12T15:52:36","modified_gmt":"2012-11-12T13:52:36","slug":"ii-b-49-12-kein-anspruch-auf-prozesszinsen-ohne-rechtshaengigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-49-12-kein-anspruch-auf-prozesszinsen-ohne-rechtshaengigkeit\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;49\/12 &#8211; Kein Anspruch auf Prozesszinsen ohne Rechtsh&auml;ngigkeit"},"content":{"rendered":"<p class=\"ueberschrift\">BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2012, II B 49\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Anspruch auf Prozesszinsen ohne Rechtsh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist nicht wegen eines Verfahrensmangels (\u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a03 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) zuzulassen. Das Finanzgericht (FG) hat nicht deshalb gegen \u00a7\u00a096 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO versto\u00dfen, weil es in seiner Entscheidung das Begehren des Kl\u00e4gers und Beschwerdef\u00fchrers (Kl\u00e4ger) in dem seinerzeit vor dem FG gef\u00fchrten Aussetzungsverfahren 3\u00a0V\u00a0428\/95 als Antrag auf Aussetzung der Vollziehung &#8211;AdV&#8211; (\u00a7\u00a069 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 FGO) und nicht als einen solchen auf Aufhebung der Vollziehung (\u00a7\u00a069 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 FGO) bezeichnet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Ein Versto\u00df gegen \u00a7\u00a096 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO ist gegeben, wenn das FG seiner Entscheidung einen Sachverhalt zugrunde gelegt hat, der dem schriftlichen oder protokollierten Vorbringen der Beteiligten nicht entspricht, oder wenn es eine nach den Akten klar feststehende Tatsache unber\u00fccksichtigt gelassen hat und die angefochtene Entscheidung darauf beruht (z.B. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.\u00a0November 2002 X\u00a0B\u00a086\/02, BFH\/NV 2003, 337; vom 24.\u00a0Februar 2006 II\u00a0B\u00a0102\/05, BFH\/NV 2006, 1064, m.w.N.). Die Revision darf nur zugelassen werden, wenn das Urteil des FG auf dem Verfahrensmangel beruhen kann; diese Voraussetzung ist nur erf\u00fcllt, wenn die M\u00f6glichkeit besteht, dass das Urteil bei richtigem Verfahren anders ausgefallen w\u00e4re (BFH-Beschluss vom 29.\u00a0Oktober 2009 IV\u00a0B\u00a05\/09, BFH\/NV 2010, 445). Dabei ist von dem materiell-rechtlichen Standpunkt des FG auszugehen (Gr\u00e4ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a0115 Rz\u00a096, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Unter Zugrundelegung der materiell-rechtlichen Auffassung des FG kann die Vorentscheidung nicht auf dem ger\u00fcgten Verfahrensfehler beruhen. Im Hinblick auf den hier geltend gemachten Zinsanspruch nach \u00a7\u00a0236 der Abgabenordnung (AO) ist das FG davon ausgegangen, dass der zu verzinsende Erstattungsanspruch Gegenstand eines rechtsh\u00e4ngig (\u00a7\u00a066 FGO) gewordenen Klageverfahrens gewesen sein muss und diesem Erfordernis mit dem hier allein anh\u00e4ngig gewordenen Verfahren auf Gew\u00e4hrung einer gerichtlichen Vollziehungsaussetzung nicht gen\u00fcgt sei. Ausgehend von diesem materiell-rechtlichen Standpunkt h\u00e4tte das FG nicht anders entscheiden k\u00f6nnen, wenn es das Begehren des Kl\u00e4gers in dem beim FG anh\u00e4ngig gemachten Verfahren 3\u00a0V\u00a0428\/95 als ein solches auf Aufhebung der Vollziehung (\u00a7\u00a069 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 FGO) qualifiziert h\u00e4tte; denn auch in diesem Fall h\u00e4tte es an der von \u00a7\u00a0236 AO vorausgesetzten Anh\u00e4ngigkeit eines Klageverfahrens gefehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Im \u00dcbrigen weist der Senat darauf hin, dass das FG die Anwendungsvoraussetzungen des \u00a7\u00a0236 AO rechtlich zutreffend beurteilt hat. Eine Verzinsung nach \u00a7\u00a0236 AO kommt nur f\u00fcr Erstattungsanspr\u00fcche in Betracht, die als solche rechtsh\u00e4ngig gewesen sind (vgl. z.B. BFH-Entscheidungen vom 3.\u00a0April 2007 IX\u00a0B\u00a0169\/06, BFH\/NV 2007, 1267; vom 16.\u00a0Dezember 1987 I\u00a0R\u00a0350\/83, BFHE 152, 401, BStBl II 1988, 600). Wird eine Steuer auch ohne Klageverfahren herabgesetzt, greift \u00a7\u00a0236 AO nicht ein (BFH-Urteil vom 15.\u00a0Oktober 2003 X\u00a0R\u00a048\/01, BFHE 204, 1, BStBl II 2004, 169). Diese Voraussetzungen erf\u00fcllt ein beim FG allein anh\u00e4ngig gewordenes Verfahren auf Aussetzung oder Aufhebung der Vollziehung (\u00a7\u00a069 Abs.\u00a03 FGO), das lediglich der vorl\u00e4ufigen Sicherung der Rechte des Betroffenen dient (vgl. dazu allgemein Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, \u00a7\u00a069 FGO Rz\u00a05\u00a0ff.), nicht. Demgem\u00e4\u00df sind die Anspruchsvoraussetzungen des \u00a7\u00a0236 AO nicht erf\u00fcllt, wenn es &#8211;ohne dass in der Hauptsache ein Klageverfahren rechtsh\u00e4ngig wird&#8211; im Zuge eines gerichtlichen Verfahrens auf Aussetzung oder Aufhebung der Vollziehung zu der begehrten \u00c4nderung des Steuerbescheids kommt. Angesichts der eindeutigen Fassung des \u00a7\u00a0236 AO rechtfertigt sich eine andere Beurteilung auch nicht auf Grund des vom Kl\u00e4ger unter Hinweis auf das BFH-Urteil vom 17.\u00a0Januar 2007 X\u00a0R\u00a019\/06 (BFHE 216, 396, BStBl II 2007, 506) herausgestellten Gesichtspunkts der Prozess\u00f6konomie. Dieses BFH-Urteil betrifft ausschlie\u00dflich den Anspruch auf Prozesszinsen eines Feststellungsbeteiligten, der von der gerichtlichen Anfechtung eines Grundlagenbescheids durch einen fr\u00fcheren Mitgesellschafter profitiert. Ein solcher Grundlagenbescheid liegt im Streitfall nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Eine Entscheidung des BFH zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (\u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a02\u00a0 2.\u00a0Alternative FGO) ist nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Die ger\u00fcgte Divergenz zum BFH-Urteil vom 5.\u00a0April 2006 I\u00a0R\u00a080\/04 (BFH\/NV 2006, 1435) liegt nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Eine Divergenz kann nur vorliegen, wenn das FG bei einem gleichen, vergleichbaren oder gleichgelagerten Sachverhalt in ein und derselben Rechtsfrage eine von einer Entscheidung des BFH oder des Bundesverfassungsgerichts oder eines FG abweichende Rechtsauffassung vertreten hat (z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 15.\u00a0Dezember 2005 IX\u00a0B\u00a098\/05, BFH\/NV 2006, 768; vom 23.\u00a0Januar 2007 VI\u00a0B\u00a017\/06, BFH\/NV 2007, 950; vom 19.\u00a0Oktober 2007 IV\u00a0B\u00a0163\/06, BFH\/NV 2008, 212, m.w.N.; Gr\u00e4ber\/Ruban, a.a.O., \u00a7\u00a0115 Rz\u00a048).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hieran fehlt es im Streitfall. Das BFH-Urteil in BFH\/NV 2006, 1435 betrifft allein die Anforderungen, unter denen eine festgesetzte Steuer i.S. des \u00a7\u00a0236 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO &#8222;auf Grund&#8220; einer rechtskr\u00e4ftigen Entscheidung des angerufenen Gerichts herabgesetzt wird. An dem &#8211;im Streitfall nicht erf\u00fcllten&#8211; Erfordernis des Vorliegens einer gerichtlichen Entscheidung \u00e4ndert dies nichts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Die Revision ist auch nicht wegen eines qualifizierten Rechtsanwendungsfehlers gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a02\u00a0\u00a02.\u00a0Alternative FGO zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ein solcher Rechtsanwendungsfehler liegt nur vor, wenn es sich um einen Rechtsfehler von erheblichem Gewicht im Sinne einer willk\u00fcrlichen oder greifbar gesetzwidrigen Entscheidung handelt (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 10.\u00a0Juni 2011 II\u00a0B\u00a0149\/10, BFH\/NV 2011, 1540; vom 18.\u00a0November 2010 XI\u00a0B\u00a028\/10, BFH\/NV 2011, 204; vom 5.\u00a0Juli 2005 VI\u00a0B\u00a0150\/04, BFH\/NV 2005, 2025).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Aus dem Vorbringen des Kl\u00e4gers, die Vorentscheidung sei hinsichtlich des vor dem FG seinerzeit anh\u00e4ngigen Verfahrens 3\u00a0V\u00a0428\/95 von einem Antrag auf AdV und nicht von einem solchen auf Aufhebung der Vollziehung ausgegangen ist, ergibt sich ein solcher Rechtsfehler von erheblichem Gewicht nicht. Dazu wird erg\u00e4nzend auf Ziff. 1.\u00a0c) der vorstehenden Gr\u00fcnde verwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2012, II B 49\/12 Kein Anspruch auf Prozesszinsen ohne Rechtsh\u00e4ngigkeit Gr\u00fcnde 1 Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet. 2 1. Die Revision ist nicht wegen eines Verfahrensmangels (\u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a03 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) zuzulassen. 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