{"id":11703,"date":"2012-12-07T04:27:07","date_gmt":"2012-12-07T02:27:07","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11703"},"modified":"2012-12-07T04:27:07","modified_gmt":"2012-12-07T02:27:07","slug":"i-b-130-09-beweiserhebung-von-amts-wegen-verlust-des-ruegerechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-130-09-beweiserhebung-von-amts-wegen-verlust-des-ruegerechts\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;130\/09 &#8211; Beweiserhebung von Amts wegen &#8211; Verlust des R&uuml;gerechts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.7.2010, I B 130\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Beweiserhebung von Amts wegen &#8211; Verlust des R&uuml;gerechts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitpunkt ist, ob eine Abtretung von Darlehensforderungen an ein Bankenkonsortium als echte Forfaitierung anzusehen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, ist alleinige Kommanditistin der G-KG. Au&szlig;erdem ist sie Alleingesellschafterin der Komplement&auml;rin der G-KG, bei der es sich ebenfalls um eine GmbH handelt. Im Dezember des Streitjahrs (2000) ver&auml;u&szlig;erte die Kl&auml;gerin ein Grundst&uuml;ck an die G-KG und mietete es zugleich von dieser mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Zur Finanzierung des Kaufpreises gew&auml;hrte die Kl&auml;gerin der G-KG ein Darlehen &uuml;ber X Mio. DM, das am 28. Dezember 2000 ausgereicht wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit &quot;Forderungskaufvertrag&quot; vom 27. Dezember 2000 trat die Kl&auml;gerin die Forderungen auf Darlehensr&uuml;ckzahlung und auf Zahlung von Zinsen aus dem der G-KG gew&auml;hrten Darlehen zum Kaufpreis von rd. Y Mio. DM an ein Konsortium aus sechs Banken ab. Nach der Pr&auml;ambel des Vertrages sollte der Forderungskauf &quot;nach Ma&szlig;gabe der nachstehenden Regelungen regresslos&quot; erfolgen. Des Weiteren hei&szlig;t es in dem Vertrag u.a.:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;Die Verk&auml;uferin haftet im Rahmen dieses Forderungskaufvertrages nicht f&uuml;r die Werthaltigkeit der Forderungen, insbesondere nicht f&uuml;r die Zahlungsf&auml;higkeit der Darlehensnehmerin. Davon unber&uuml;hrt bleiben die Verpflichtungen aus der von ihr zu stellenden Patronatserkl&auml;rung gem&auml;&szlig; Nr. 7 dieses Forderungskaufvertrages.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter &quot;Sicherheiten&quot; ist in dem Vertrag u.a. ausgef&uuml;hrt, dass &quot;als Sicherheit f&uuml;r die Erf&uuml;llung der aufgekauften Forderungen&quot; die Kl&auml;gerin den Banken eine Patronatserkl&auml;rung stellen werde. In dieser &#8211;gesondert unterzeichneten&#8211; Patronatserkl&auml;rung hat die Kl&auml;gerin gegen&uuml;ber den Banken die &quot;uneingeschr&auml;nkte Verpflichtung&quot; &uuml;bernommen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;daf&uuml;r Sorge zu tragen, dass die Darlehensnehmerin in der Zeit, in der sie Forderungen einschlie&szlig;lich der Zinsen und Nebenkosten nicht vollst&auml;ndig beglichen hat, in der Weise geleitet und finanziell ausgestattet wird, dass sie &#8230; stets rechtlich und tats&auml;chlich in der Lage ist, allein ihren Verbindlichkeiten den Banken gegen&uuml;ber fristgem&auml;&szlig; nachzukommen, &#8230;&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Bilanz zum 31. Dezember 2000 behandelte die Kl&auml;gerin die Abtretung als echten Forderungsverkauf, d.h. sie aktivierte keine Darlehensforderung in H&ouml;he des Darlehensr&uuml;ckzahlungsanpruchs; den Unterschiedsbetrag zwischen dem Nominalbetrag des Darlehens und dem vom Bankenkonsortium gezahlten Kaufpreis (rd. Z Mio. DM) sowie weitere Aufwendungen f&uuml;r die Finanzierung behandelte sie als Zinsaufwand. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) war demgegen&uuml;ber der Auffassung, es liege kein echter Forderungskauf vor, weil die Kl&auml;gerin aufgrund der Patronatserkl&auml;rung gegen&uuml;ber dem Konsortium f&uuml;r die Werthaltigkeit der Darlehensforderungen einstehen m&uuml;sse. Im Rahmen der Festsetzung der K&ouml;rperschaftsteuer f&uuml;r das Streitjahr erfasste das FA infolgedessen eine Darlehensforderung von X Mio. DM und in gleicher H&ouml;he eine Verbindlichkeit gegen&uuml;ber dem Bankenkonsortium. Den von der Kl&auml;gerin verbuchten Zinsaufwand neutralisierte das FA durch Bildung eines &uuml;ber die Laufzeit des Darlehens linear aufzul&ouml;senden aktiven Rechnungsabgrenzungspostens. Die deswegen erhobene Klage blieb ohne Erfolg. Das Hessische Finanzgericht (FG) hat sie mit Urteil vom 14. Juli 2009&nbsp;&nbsp;4 K 2220\/06 als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt mit ihrer Beschwerde die Zulassung der Revision gegen das FG-Urteil. Sie h&auml;lt das FG-Urteil f&uuml;r &quot;greifbar gesetzwidrig&quot; und macht au&szlig;erdem Verfahrensm&auml;ngel geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Nichtzulassungsbeschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der von der Kl&auml;gerin ger&uuml;gte gravierende Rechtsanwendungsfehler des FG liegt nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Allerdings k&ouml;nnen besonders schwerwiegende Fehler des FG bei der Auslegung revisiblen Rechts, die geeignet sind, das Vertrauen in die Rechtsprechung zu besch&auml;digen, die Zulassung der Revision nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211; (Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung) erm&ouml;glichen. In diesem Sinne greifbar gesetzwidrig ist eine Entscheidung dann, wenn sie objektiv willk&uuml;rlich und unter keinem Gesichtspunkt rechtlich vertretbar ist (z.B. Senatsbeschluss vom 1. Juli 2009 I B 231\/08, juris; BFH-Beschluss vom 1. September 2008 IV B 4\/08, BFH\/NV 2009, 35, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;gerin h&auml;lt ein Verst&auml;ndnis des FG-Urteils dahingehend f&uuml;r m&ouml;glich, dass es danach f&uuml;r die steuerrechtliche Beurteilung eines Vertragsverh&auml;ltnisses nicht darauf ankomme, was die Vertragsparteien tats&auml;chlich gewollt und durchgef&uuml;hrt h&auml;tten, sondern dass f&uuml;r die Auslegung ausschlie&szlig;lich auf den Vertragstext abzustellen sei. Ein solcher Rechtssatz kann den Entscheidungsgr&uuml;nden des angefochtenen Urteils indes nicht entnommen werden. Das FG befasst sich darin nicht nur mit dem Vertragstext, sondern auch mit dem m&ouml;glichen subjektiven Verst&auml;ndnis der getroffenen Regelungen aus Sicht der Vertragsparteien. Dass es dabei zu dem Ergebnis kommt, ein vom Wortlaut abweichendes subjektives Verst&auml;ndnis der Vertragsparteien k&ouml;nne u.a. aufgrund der Klarheit der in der in Forderungskaufvertrag und Patronatserkl&auml;rung getroffenen Regelungen ausgeschlossen werden, ist vertretbar und kann nicht als gravierender Rechtsanwendungsfehler angesehen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die R&uuml;ge des Verfahrensmangels (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) der unzureichenden Sachverhaltsaufkl&auml;rung (Versto&szlig; gegen &sect; 76 Abs. 1 FGO) verhilft der Nichtzulassungsbeschwerde ebenfalls nicht zum Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG war auf der Grundlage seiner &#8211;f&uuml;r die Beurteilung von Verfahrensm&auml;ngeln ma&szlig;geblichen&#8211; materiell-rechtlichen Auffassung nicht gehalten, die am Vertragsschluss beteiligten Personen von Amts wegen als Zeugen dazu zu vernehmen, wie sie den Vertragsinhalt verstanden haben. Denn anders als nach Daf&uuml;rhalten der Kl&auml;gerin ist nach Auffassung des FG der Inhalt von Forderungskaufvertrag und Patronatserkl&auml;rung nicht widerspr&uuml;chlich, sondern eindeutig und klar. Die Verwendung des Begriffs des &quot;regresslosen&quot; Forderungsverkaufs in der Vertragspr&auml;ambel, auf den die Kl&auml;gerin die aus ihrer Sicht gegebene Widerspr&uuml;chlichkeit der Vertragsregelungen im Wesentlichen st&uuml;tzt, h&auml;lt das FG ausweislich der Entscheidungsgr&uuml;nde mit der Abgabe der Patronatserkl&auml;rung f&uuml;r vereinbar, weil damit nur der Ausschluss eines unmittelbaren R&uuml;ckgriffs auf die Kl&auml;gerin gemeint sei, nicht aber auch ein Ausschluss der in der Patronatserkl&auml;rung geregelten Ausstattungspflicht der Kl&auml;gerin in Bezug auf die G-KG. Auf der Grundlage dieser Sichtweise lag mithin ein in sich folgerichtiges und widerspruchsfreies Vertragswerk vor und hatte das FG &#8211;das nach den Angaben der Kl&auml;gerin deren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und deren Prokuristen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung informatorisch angeh&ouml;rt hat&#8211; keinen Anlass, von Amts wegen in eine Beweisaufnahme einzutreten. Ebenso wenig kann auf der Grundlage dieser Auffassung davon die Rede sein, das FG habe die Beweisw&uuml;rdigung vorweggenommen, indem es dem Vertragswortlaut gefolgt sei und die Darlegungen der Kl&auml;gerin, die Patronatserkl&auml;rung sei gleichsam unbemerkt in den Vertrag geraten, als unglaubhaft bezeichnet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das FG habe ihre Beweisantr&auml;ge auf Vernehmung von einer Mitarbeiterin der das Konsortium f&uuml;hrenden Bank und von Mitarbeitern der steuerlichen Beratungsgesellschaft der Kl&auml;gerin &uuml;bergangen und im angefochtenen Urteil eine vorweggenommene Beweisw&uuml;rdigung vorgenommen, kann sie damit schon deshalb nicht geh&ouml;rt werden, weil sie ihr R&uuml;gerecht verloren hat. Ein Verfahrensmangel kann nicht mehr mit Erfolg geltend gemacht werden, wenn er eine Verfahrensvorschrift betrifft, auf deren Beachtung die Prozessbeteiligten verzichten k&ouml;nnen und verzichtet haben (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 295 der Zivilprozessordnung). Zu diesen verzichtbaren M&auml;ngeln geh&ouml;rt auch das &Uuml;bergehen eines Beweisantrages (vgl. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 115 Rz 101, m.w.N.). Bei verzichtbaren Verfahrensm&auml;ngeln geht das R&uuml;gerecht nicht nur durch eine ausdr&uuml;ckliche oder konkludente Verzichtserkl&auml;rung gegen&uuml;ber dem FG verloren, sondern auch durch das blo&szlig;e Unterlassen einer rechtzeitigen R&uuml;ge; ein Verzichtswille ist daf&uuml;r nicht erforderlich. Der Verfahrensmangel muss in der (n&auml;chsten) m&uuml;ndlichen Verhandlung ger&uuml;gt werden, in der der R&uuml;geberechtigte erschienen ist; verhandelt er zur Sache, ohne den Verfahrensmangel zu r&uuml;gen, obwohl er den Mangel kannte oder kennen musste, verliert er das R&uuml;gerecht (Senatsbeschluss vom 26. Mai 2009 I B 20\/09, juris; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2009, 35; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 115 Rz 103, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die von der Kl&auml;gerin benannten Zeugen sind zu der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG nicht geladen worden und ausweislich des Sitzungsprotokolls dort auch nicht erschienen. Nach dem Protokoll &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung hat die rechtskundig vertretene Kl&auml;gerin zur Sache verhandelt. Nachdem die Beteiligten ihre (Sach-)Antr&auml;ge gestellt hatten, hat der Vorsitzende die m&uuml;ndliche Verhandlung geschlossen und dann den Beschluss verk&uuml;ndet, eine Entscheidung werde am Schluss der Sitzung verk&uuml;ndet. Nach dem Sitzungsprotokoll haben die Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin demnach das &Uuml;bergehen des Beweisantrages hinsichtlich der beiden Zeugen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht ger&uuml;gt. Zu einer derartigen R&uuml;ge w&auml;re aber, wenn die Kl&auml;gerin auf die beantragte Zeugenvernehmung nicht verzichten wollte, Anlass gewesen, da die Zeugen zum Termin nicht geladen waren. Die Kl&auml;gerin konnte und musste davon ausgehen, dass das FG dem Beweisantrag nicht nachkommen und &uuml;ber die Vertragsauslegung ohne die Vernehmung von Zeugen entscheiden werde. Insbesondere, nachdem der Vorsitzende die m&uuml;ndliche Verhandlung geschlossen und den Beschluss verk&uuml;ndet hatte, dass eine Entscheidung noch am selben Tag verk&uuml;ndet werde, musste die Kl&auml;gerin annehmen, dass das FG im Anschluss an die m&uuml;ndliche Verhandlung &#8211;wie geschehen&#8211; durch Urteil entscheiden werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen l&auml;sst sich aus dem Vorbringen der Kl&auml;gerin nicht darauf schlie&szlig;en, dass auf der Grundlage des voraussichtlichen Ergebnisses der Beweisaufnahme das FG m&ouml;glicherweise zu einer anderen Entscheidung gekommen w&auml;re. Nach den Angaben in der Beschwerdebegr&uuml;ndung sollten die von der Kl&auml;gerin benannten Zeugen bekunden, dass die Patronatserkl&auml;rung und der entsprechende Vertragstext von den Vertretern der Banken &quot;versehentlich&quot; in die Vertragsverhandlungen eingebracht und von den steuerlichen Beratern der Kl&auml;gerin nicht beanstandet worden seien, weil diese davon ausgegangen seien, die &quot;Regresslosigkeit&quot; des Forderungsverkaufs sei hinreichend deutlich vereinbart worden. H&auml;tte sich dies so zugetragen, ist indes nicht zu erkennen, dass damit die Patronatserkl&auml;rung nicht oder mit einem vom Wortlaut abweichenden Inhalt zum Gegenstand der getroffenen Vereinbarungen geworden w&auml;re. Vielmehr h&auml;tte dann lediglich ein Irrtum der Berater der Kl&auml;gerin &uuml;ber die rechtliche Reichweite und die steuerlichen Folgen der abgegebenen Erkl&auml;rungen vorgelegen, der das FG nicht zu der Annahme h&auml;tte f&uuml;hren m&uuml;ssen, dass die Patronatserkl&auml;rung bzw. der Forderungskauf mit einem anderen als dem in den Vertragsurkunden verlautbarten Inhalt zustande gekommen w&auml;ren. Vielmehr hat das FG in den Entscheidungsgr&uuml;nden ausgef&uuml;hrt, dass nach seiner Auffassung eine Fehleinsch&auml;tzung der steuerlichen Auswirkungen des unterzeichneten Vertragsinhalts nichts an dessen wirksamer Vereinbarung &auml;ndere.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.7.2010, I B 130\/09 Beweiserhebung von Amts wegen &#8211; Verlust des R&uuml;gerechts Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Streitpunkt ist, ob eine Abtretung von Darlehensforderungen an ein Bankenkonsortium als echte Forfaitierung anzusehen ist. 2&nbsp; Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, ist alleinige Kommanditistin der G-KG. 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