{"id":11794,"date":"2012-12-07T04:27:10","date_gmt":"2012-12-07T02:27:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11794"},"modified":"2012-12-07T04:27:10","modified_gmt":"2012-12-07T02:27:10","slug":"x-b-70-10-schaetzungsbefugnis-des-fa-nach-par-162-abs-5-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-70-10-schaetzungsbefugnis-des-fa-nach-par-162-abs-5-ao\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;70\/10 &#8211; Sch&auml;tzungsbefugnis des FA nach &sect; 162 Abs. 5 AO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.7.2010, X B 70\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Sch&auml;tzungsbefugnis des FA nach &sect; 162 Abs. 5 AO<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Antragsteller und Beschwerdegegner (Antragsteller) beantragten im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2008 die Gew&auml;hrung der Steuerbeg&uuml;nstigung nach &sect;&sect; 10f, 7i des Einkommensteuergesetzes (EStG) f&uuml;r ihre in X belegene Eigentumswohnung. Hierzu legten sie eine Eingangsbest&auml;tigung des Amtes f&uuml;r Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt X vom 17. Oktober 2008 vor, wonach der Antrag auf Ausstellung einer Bescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&sect; 7i, 10f und 11b EStG dort am 10. September 2008 eingegangen sei. Die von den Antragstellern in der Anlage FW geltend gemachten Aufwendungen betragen 259.380 EUR, der Abzugsbetrag nach &sect;&sect; 10f, 7i EStG 23.345 EUR (9 % aus 259.380 EUR). Der Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte die Ber&uuml;cksichtigung des geltend gemachten Abzugsbetrags mit der Begr&uuml;ndung ab, eine endg&uuml;ltige Bescheinigung des Regierungspr&auml;sidiums liege (noch) nicht vor. Es setzte mit Bescheid vom 2. September 2009 die Einkommensteuer 2008 auf 67.699 EUR fest. Hinsichtlich der fehlenden Bescheinigung wurde der Bescheid gem&auml;&szlig; &sect; 165 Abs. 1 der Abgabenordnung (AO) f&uuml;r vorl&auml;ufig erkl&auml;rt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen des Einspruchsverfahrens reichten die Antragsteller zus&auml;tzlich eine &quot;Qualifizierte Eingangsbest&auml;tigung zur Vorlage beim Finanzamt&quot; ein. Darin wurde ihnen von der Stadt X, Amt f&uuml;r Bauordnung und Denkmalpflege, best&auml;tigt, ihr Antrag auf Ausstellung einer Bescheinigung nach &sect;&sect; 7i, 10f und 11b EStG sei am 10. September 2008 eingegangen. Die Antragssumme belaufe sich entsprechend den im Kaufvertrag angegebenen Sanierungskosten auf 330.000 EUR. Die Best&auml;tigung der unteren Denkmalschutzbeh&ouml;rde &uuml;ber die Einhaltung des nach &sect; 7i Abs. 1 Satz 6 EStG erforderlichen Abstimmungsverfahrens liege vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Einspruch hat das FA bislang nicht verbeschieden; die Aussetzung der Vollziehung (AdV) des Einkommensteuerbescheids 2008 hat es mit Bescheid vom 6. Oktober 2009 abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat den Antragstellern AdV in H&ouml;he der auf den beantragten Abzugsbetrag nach &sect;&sect; 10f, 7i EStG entfallenden Einkommensteuer gew&auml;hrt. Es sei ernstlich zweifelhaft, ob das FA ohne Weiteres den Ansatz des geltend gemachten Abzugsbetrags habe vollst&auml;ndig unterlassen d&uuml;rfen oder ob es nicht vielmehr h&auml;tte pr&uuml;fen m&uuml;ssen, ob ein Abzugsbetrag im Wege der Sch&auml;tzung nach &sect;&sect; 155 Abs. 2, 162 Abs. 5 AO anzusetzen sei. Da es sich bei der erforderlichen denkmalschutzrechtlichen Bescheinigung um einen Grundlagenbescheid i.S. von &sect;&sect; 175 Abs. 1 Nr. 1, 171 Abs. 10 AO handele, seien beim Erlass des Einkommensteuerbescheids die Grunds&auml;tze der &sect;&sect; 155 Abs. 2, 162 Abs. 5 AO anzuwenden. Zwar sei die Bescheinigung der Denkmalschutzbeh&ouml;rde keine gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen i.S. von &sect; 180 AO durch eine Finanzbeh&ouml;rde. Dennoch sei diese Bescheinigung im Verh&auml;ltnis zum Einkommensteuerbescheid ein Grundlagenbescheid. Im Einkommensteuerbescheid d&uuml;rfe keine abschlie&szlig;ende Entscheidung getroffen werden, solange die Denkmalschutzbeh&ouml;rde nicht &uuml;ber den bei ihr gestellten Antrag eine verbindliche Entscheidung getroffen habe. Deshalb m&uuml;sse das FA entscheiden, ob es trotz des fehlenden Grundlagenbescheids einen Einkommensteuerbescheid erlasse. Bejahe es diese Frage, m&uuml;sse gepr&uuml;ft werden, ob und in welchem Umfang die nach &sect;&sect; 10f, 7i EStG geltend gemachten Aufwendungen vorl&auml;ufig zu ber&uuml;cksichtigen seien. Obwohl im Streitfall davon auszugehen sei, dass ein &#8211;noch nicht exakt bezifferbarer&#8211; Abzugsbetrag bei der Einkommensteuer anzusetzen sei, habe das FA dies nicht in seine &Uuml;berlegungen einbezogen (Ermessensfehlgebrauch). Dies werde das FA nachzuholen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA h&auml;lt mit seiner Beschwerde an der Auffassung fest, dass Steuerpflichtige die erh&ouml;hten Absetzungen nach &sect;&sect; 10f, 7i EStG nur dann in Anspruch nehmen k&ouml;nnen, wenn dies durch eine Bescheinigung der zust&auml;ndigen Beh&ouml;rde nachgewiesen ist. Bei der nach &sect;&sect; 10f Abs. 1, 7i Abs. 2 EStG vorgeschriebenen Bescheinigung handele es sich um eine materiell-rechtliche Voraussetzung f&uuml;r die Inanspruchnahme des Abzugsbetrags. Liege die Bescheinigung nicht vor, k&ouml;nne der Abzugsbetrag nicht gew&auml;hrt werden. Insofern r&auml;ume der Gesetzgeber der Steuerverwaltung keinen Ermessensspielraum ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar seien von der Finanzverwaltung 90 % der in Kaufvertr&auml;gen ausgewiesenen Sanierungsaufwendungen in Steuerbescheiden vorl&auml;ufig anerkannt worden, wenn eine vor dem 31. Dezember 2008 ausgestellte qualifizierte Eingangsbest&auml;tigung vorgelegt worden sei. Auf nach dem 31. Dezember 2008 ausgestellte Best&auml;tigungen sei diese Verwaltungsregelung jedoch nicht mehr anwendbar. Eine Selbstbindung der Verwaltung oder ein Anspruch aus Vertrauensschutzgr&uuml;nden k&ouml;nne aus dieser fr&uuml;heren Verwaltungspraxis nicht abgeleitet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Vorentscheidung aufzuheben und den AdV-Antrag abzulehnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragsteller beantragen sinngem&auml;&szlig;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Beschwerde des FA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die gem&auml;&szlig; &sect; 128 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) statthafte Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect; 69 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 2 Satz 2 FGO soll das Gericht auf Antrag die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsaktes aussetzen, soweit ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des Verwaltungsaktes bestehen oder &#8211;was vorliegend nicht in Betracht kommt und auch von den Antragstellern nicht geltend gemacht wird&#8211; seine Vollziehung f&uuml;r den Betroffenen eine unbillige, nicht durch &uuml;berwiegende &ouml;ffentliche Interessen gebotene H&auml;rte zur Folge h&auml;tte. Ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Verwaltungsaktes bestehen, wenn und soweit bei summarischer Pr&uuml;fung der Sach- und Rechtslage aufgrund des unstreitigen Sachverhalts, der gerichtsbekannten Tatsachen und der pr&auml;senten Beweismittel erkennbar wird, dass aus gewichtigen Gr&uuml;nden Unklarheit in der Beurteilung von Tatfragen oder Unsicherheit oder Unentschiedenheit in der Beurteilung von Rechtsfragen besteht und sich bei abschlie&szlig;ender Kl&auml;rung dieser Fragen der Verwaltungsakt als rechtswidrig erweisen kann (Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 2. April 2009 II B 157\/08, BFH\/NV 2009, 1146, und vom 26. November 2009 VIII B 190\/09, BFHE 226, 541, BFH\/NV 2010, 331). Ist die Rechtslage nicht eindeutig, ist im Regelfall die Vollziehung auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen hat das FG bei summarischer Pr&uuml;fung zu Recht ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Bescheids bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect; 10f Abs. 1 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung kann der Steuerpflichtige Aufwendungen an einem eigenen Geb&auml;ude im Kalenderjahr des Abschlusses der Bauma&szlig;nahme und in den neun folgenden Kalenderjahren jeweils bis zu 9 % wie Sonderausgaben abziehen, wenn die Voraussetzungen des &sect; 7h oder des &sect; 7i EStG vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach &sect; 7i Abs. 1 EStG beg&uuml;nstigt sind Herstellungskosten f&uuml;r Bauma&szlig;nahmen, die nach Art und Umfang zur Erhaltung des Geb&auml;udes als Baudenkmal oder zu seiner sinnvollen Nutzung erforderlich sind. Der Abzugsbetrag nach &sect;&sect; 10f, 7i EStG kann jedoch nur in Anspruch genommen werden, wenn der Steuerpflichtige die Voraussetzungen des Absatzes 1 f&uuml;r das Geb&auml;ude (Baudenkmal nach den jeweiligen landesrechtlichen Vorschriften) und die Erforderlichkeit der Aufwendungen durch eine Bescheinigung der zust&auml;ndigen Landesbeh&ouml;rde nachgewiesen hat (&sect; 7i Abs. 2 EStG). Bei der Bescheinigung nach &sect; 7i Abs. 2 EStG handelt es sich &#8211;worauf auch das FG zutreffend abgestellt hat&#8211; um einen Grundlagenbescheid (Senatsurteil vom 24. Juni 2009 X R 8\/08, BFHE 225, 431, BStBl II 2009, 960).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Streitfall konnten die Antragsteller die Bescheinigung nach &sect; 7i Abs. 2 EStG zwar (noch) nicht vorlegen. Das FA h&auml;tte jedoch eine Ermessensentscheidung dahingehend treffen m&uuml;ssen, ob und ggf. in welcher H&ouml;he es einen Abzugsbetrag nach &sect;&sect; 155 Abs. 2, 162 Abs. 5 AO sch&auml;tzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Gem&auml;&szlig; &sect; 155 Abs. 2 AO kann ein Steuerbescheid auch dann erteilt werden, wenn ein Grundlagenbescheid noch nicht erlassen wurde. Macht das FA von dieser M&ouml;glichkeit Gebrauch und erl&auml;sst vor Ergehen des Grundlagenbescheids &#8211;wie im Streitfall&#8211; einen Einkommensteuerbescheid, muss es alle geltend gemachten Besteuerungsgrundlagen (also auch alle Sonderausgaben) ber&uuml;cksichtigen und selbst &uuml;berpr&uuml;fen (BFH-Beschluss vom 24. Februar 1981 VIII B 14\/78, BFHE 132, 402, BStBl II 1981, 416; Klein\/R&uuml;sken, AO, 10. Aufl., &sect; 155 Rz 41). Dies folgt aus dem Untersuchungsgrundsatz des &sect; 88 Abs. 2 AO, wonach die Finanzbeh&ouml;rde alle f&uuml;r den Einzelfall bedeutsamen, auch die f&uuml;r die Beteiligten g&uuml;nstigen Umst&auml;nde zu ber&uuml;cksichtigen hat (BFH-Beschluss in BFHE 132, 402, BStBl II 1981, 416). Lassen sich die Besteuerungsgrundlagen nicht ohne Weiteres ermitteln, k&ouml;nnen die feststellungsbed&uuml;rftigen Voraussetzungen nach &sect; 162 Abs. 5 AO gesch&auml;tzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) W&auml;hrend nach &sect; 162 Abs. 1 und 2 AO nur quantitative Gr&ouml;&szlig;en, nicht aber qualitative Besteuerungsmerkmale gesch&auml;tzt werden k&ouml;nnen (Buciek in Beermann\/Gosch, AO &sect; 162 Rz 22), unterliegen der Sch&auml;tzungsbefugnis nach &sect; 162 Abs. 5 AO alle in einem Grundlagenbescheid festzustellenden Besteuerungsgrundlagen. Die Sch&auml;tzungsbefugnis nach &sect; 162 Abs. 5 AO kn&uuml;pft in systematischer Hinsicht nicht an die Voraussetzungen des &sect; 162 Abs. 1 und 2 AO an. Deshalb k&ouml;nnen die Besteuerungsgrundlagen nicht nur der H&ouml;he, sondern auch dem Grunde nach gesch&auml;tzt werden (Buciek in Beermann\/Gosch, AO &sect; 162 Rz 278; a.A. Frotscher in Schwarz, AO, &sect; 162 Rz 65, 8). Innerhalb der Sch&auml;tzungsbefugnis hat das FA die Frage zu beantworten, ob es im Streitfall die gesetzlichen Vorgaben eines Abzugsbetrags nach &sect; 10f, 7i EStG vorl&auml;ufig als gegeben ansieht. Falls es mit seiner Sch&auml;tzung von der Steuererkl&auml;rung abweichen will, muss es auch insoweit &uuml;berpr&uuml;fbar darlegen, aus welchem Grund die Anerkennung versagt werden soll. Daran fehlt es im Streitfall; das FA hat nicht erkannt, dass es eine Ermessensentscheidung treffen konnte. Die vom FA zum Beleg seiner gegenteiligen Ansicht angef&uuml;hrte Kommentierung von Buciek in Beermann\/Gosch, AO (&sect; 162 Rz 90) bezieht sich auf die Sch&auml;tzungsbefugnis nach &sect; 162 Abs. 1 und 2 AO, nicht jedoch auf die Sch&auml;tzung der in einem Grundlagenbescheid festzustellenden Besteuerungsgrundlagen nach &sect; 162 Abs. 5 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.7.2010, X B 70\/10 Sch&auml;tzungsbefugnis des FA nach &sect; 162 Abs. 5 AO Tatbestand 1&nbsp; I. Die Antragsteller und Beschwerdegegner (Antragsteller) beantragten im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2008 die Gew&auml;hrung der Steuerbeg&uuml;nstigung nach &sect;&sect; 10f, 7i des Einkommensteuergesetzes (EStG) f&uuml;r ihre in X belegene Eigentumswohnung. 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