{"id":11795,"date":"2012-12-07T04:27:05","date_gmt":"2012-12-07T02:27:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=11795"},"modified":"2012-12-07T04:27:05","modified_gmt":"2012-12-07T02:27:05","slug":"x-b-21-10-urteilsberichtigung-besetzungsruege-beteiligtenvernehmung-grundsaetzlich-keine-zulassung-der-revision-bei-materiell-rechtlichen-fehlern-des-fg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-21-10-urteilsberichtigung-besetzungsruege-beteiligtenvernehmung-grundsaetzlich-keine-zulassung-der-revision-bei-materiell-rechtlichen-fehlern-des-fg\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;21\/10 &#8211; Urteilsberichtigung &#8211; Besetzungsr&uuml;ge &#8211; Beteiligtenvernehmung &#8211; Grunds&auml;tzlich keine Zulassung der Revision bei materiell-rechtlichen Fehlern des FG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.7.2010, X B 21\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Urteilsberichtigung &#8211; Besetzungsr&uuml;ge &#8211; Beteiligtenvernehmung &#8211; Grunds&auml;tzlich keine Zulassung der Revision bei materiell-rechtlichen Fehlern des FG<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Mit ihrem Vortrag, der Tenor des Urteils des Finanzgerichts (FG) sei unrichtig, weil die Kl&auml;gerin verurteilt worden sei, obwohl sie keine Klage gegen die Umsatz- und Gewerbesteuerbescheide 1994 bis 1996 erhoben habe, tragen die Kl&auml;ger keinen Verfahrensmangel i.S. des &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) vor. Im Tatbestand des finanzgerichtlichen Urteils (vgl. Abs. 1 Satz 2) f&uuml;hrt das FG eindeutig aus, dass sich nur der Kl&auml;ger, nicht aber die Kl&auml;gerin gegen die ge&auml;nderten Umsatz- und Gewerbesteuerbescheide wendet. Deshalb ist der Tenor der angefochtenen Entscheidung nach &sect; 107 FGO wegen offenbarer Unrichtigkeit zu berichtigen. Die nach &sect; 107 FGO zu berichtigende Unrichtigkeit kann alle Bestandteile des Urteils betreffen, also auch den Tenor (Gr&auml;ber\/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 6. Aufl., &sect; 107 Rz 4), und die M&ouml;glichkeit einer sachlichen &Auml;nderung des Urteils ist im Streitfall ebenso ausgeschlossen wie Fehler oder Unrichtigkeiten des Gerichts bei der Sachverhaltsermittlung, Tatsachenw&uuml;rdigung oder Rechtsanwendung (Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect; 107 Rz 2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der beschlie&szlig;ende Senat kann den unrichtigen Tenor des FG-Urteils berichtigen. Er ist im Rahmen des Beschwerdeverfahrens &uuml;ber die Nichtzulassung der Revision f&uuml;r die Berichtigung zust&auml;ndig (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12. M&auml;rz 2004 VII B 239\/02, BFH\/NV 2004, 1114).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;ger haben eine fehlerhafte Besetzung des erkennenden Senats des FG nicht schl&uuml;ssig dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ein Versto&szlig; gegen den gerichtlichen Gesch&auml;ftsverteilungsplan f&uuml;hrt nur dann zu einem Verfahrensfehler i.S. von &sect; 115 Abs. 2 Nr. 3 und &sect; 119 Nr. 1 FGO, wenn er sich zugleich als Verletzung des verfassungsrechtlichen Anspruchs auf den gesetzlichen Richter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes) darstellt. Dies ist nur bei willk&uuml;rlichen Verst&ouml;&szlig;en gegen Verfahrensvorschriften der Fall. Eine Besetzungsr&uuml;ge hat deshalb nur dann Erfolg, wenn das erkennende Gericht seine Zust&auml;ndigkeit aufgrund schlechthin unvertretbarer, mithin sachfremder und damit willk&uuml;rlicher Erw&auml;gungen angenommen hat. Von Willk&uuml;r kann nur dann die Rede sein, wenn die Entscheidung sich so weit von dem verfassungsrechtlichen Grundsatz des gesetzlichen Richters entfernt hat, dass sie nicht mehr zu rechtfertigen ist (BFH-Beschluss vom 12. September 2005 VII B 1\/05, BFH\/NV 2006, 146, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dass diese Voraussetzungen eines Verfassungsversto&szlig;es im Streitfall erf&uuml;llt seien, haben die Kl&auml;ger nicht schl&uuml;ssig vorgetragen. Sie haben nicht anhand des Gesch&auml;ftsverteilungsplans bzw. der internen Senatsgesch&auml;ftsverteilung des erkennenden Senats des FG belegt, dass dem Gericht wegen der Mitwirkung des Richters am Verwaltungsgericht D. ein Versto&szlig; gegen die geltende Gesch&auml;ftsverteilung unterlaufen w&auml;re. Allein der Umstand, dass ein nach der Gesch&auml;ftsverteilung des FG zur Entscheidung berufener Richter den Titel &quot;Richter am Verwaltungsgericht&quot; f&uuml;hrt, begr&uuml;ndet keinen Besetzungsmangel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die R&uuml;ge der Kl&auml;ger, das FG habe verfahrensfehlerhaft die beantragte Beteiligtenvernehmung unterlassen, ist unbegr&uuml;ndet. Das FG musste den Kl&auml;ger nicht als Beteiligten vernehmen. Die Beteiligtenvernehmung (&sect;&sect; 81 Abs. 1, 82 FGO, &sect;&sect; 450 ff. der Zivilprozessordnung) ist nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH nur ein letztes Hilfsmittel zur Aufkl&auml;rung des Sachverhalts. Sie dient nicht dazu, dem Beteiligten Gelegenheit zu geben, seine eigenen Behauptungen zu best&auml;tigen und ggf. zu beeiden. Sie kann unterbleiben, wenn sich das Gericht mit Hilfe anderer Beweismittel eine &Uuml;berzeugung bilden kann oder wenn keine Wahrscheinlichkeit f&uuml;r die Richtigkeit des Vorbringens spricht (BFH-Urteil vom 2. Juli 1998 IV R 39\/97, BFHE 186, 299, BStBl II 1999, 28, unter 5.b der Gr&uuml;nde, m.w.N.). Auf die Beteiligtenvernehmung kann das Gericht zudem verzichten, wenn die in Frage stehende Tatsache zugunsten des Beweisf&uuml;hrenden als wahr unterstellt werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Danach konnte das FG von der beantragten Beteiligtenvernehmung absehen. Nach den Gr&uuml;nden des angefochtenen Urteils hat das Gericht den Beweisantrag der Kl&auml;ger auf die Frage bezogen, ob Bareinlagen auf Steuerr&uuml;ckerstattungen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind. Dies hat es als wahr unterstellt und ausgef&uuml;hrt, auch unter Ber&uuml;cksichtigung der Erstattung seien noch umfangreiche Bareinlagen ungekl&auml;rt. Der Formulierung im Beweisantrag, dass &quot;Frau Steuerpr&uuml;ferin F kurz vor der Schlussbesprechung erkl&auml;rt hat&quot;, hat das FG offensichtlich nicht die von den Kl&auml;gern in der Beschwerdebegr&uuml;ndung dargelegte Bedeutung beigemessen. Da die Kl&auml;ger ihren Beweisantrag ausweislich der Niederschrift &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung am 1. Dezember 2009 nicht n&auml;her erl&auml;utert haben, liegt hierin kein Verfahrensfehler. Im &Uuml;brigen wurde das Recht des Kl&auml;gers auf Geh&ouml;r schon deshalb nicht verletzt, weil er als Beteiligter in der m&uuml;ndlichen Verhandlung jederzeit h&auml;tte vortragen und seine Sicht des Zustandekommens der tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung h&auml;tte schildern k&ouml;nnen. Versagt wurde ihm allenfalls eine prozessuale Verst&auml;rkung seines Vortrags mit Hilfe einer f&ouml;rmlichen Beteiligtenvernehmung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich ist im Streitfall von einem R&uuml;geverzicht auszugehen, weil der Kl&auml;ger die unterlassene Beweiserhebung in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht ger&uuml;gt hat. Ausweislich der Niederschrift &uuml;ber die m&uuml;ndliche Verhandlung war er fachkundig von dem ihn auch im Beschwerdeverfahren vertretenden Rechtsanwalt beraten und konnte erkennen, dass das FG von der M&ouml;glichkeit der Parteivernehmung keinen Gebrauch machen wollte. Da &sect; 76 Abs. 1 Satz 1 FGO eine Verfahrensvorschrift ist, auf deren Einhaltung der Prozessbeteiligte verzichten kann, h&auml;tte er deshalb vortragen m&uuml;ssen, dass die Nichterhebung des angebotenen Beweises in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ger&uuml;gt worden oder weshalb die R&uuml;ge nicht m&ouml;glich gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Auch die R&uuml;ge der Kl&auml;ger, das FG habe ihren Antrag, den Zeugen S zu h&ouml;ren, vollst&auml;ndig ignoriert, kann nicht zur Zulassung der Revision f&uuml;hren. Sie haben nicht vorgetragen, dass sie die Nichterhebung des angebotenen Beweises in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ger&uuml;gt haben oder weshalb die R&uuml;ge nicht m&ouml;glich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Dem weiteren Vortrag der Kl&auml;ger, das FG habe es ihnen nicht erm&ouml;glicht, die Klageantr&auml;ge in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zu begr&uuml;nden, ist entgegenzuhalten, dass sie ausweislich der Niederschrift nach dem Sachvortrag des Berichterstatters das Wort erhalten haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Im Kern ersch&ouml;pfen sich die Ausf&uuml;hrungen der Kl&auml;ger in kritischen &Auml;u&szlig;erungen dar&uuml;ber, dass und warum das FG die tats&auml;chliche Verst&auml;ndigung seiner Entscheidung nicht h&auml;tte zugrunde legen d&uuml;rfen. Die R&uuml;ge solcher Fehler rechtfertigt indessen grunds&auml;tzlich nicht die Zulassung der Revision gem&auml;&szlig; &sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO (vgl. z.B. Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 115 Rz 55, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn der Beschwerdef&uuml;hrer schl&uuml;ssig und substantiiert darlegt, dass die Vorentscheidung an einem besonders schwerwiegenden materiell-rechtlichen Fehler leide, der nach den Vorstellungen des Gesetzgebers (vgl. Begr&uuml;ndung zum Entwurf des Zweiten Gesetzes zur &Auml;nderung der Finanzgerichtsordnung und anderer Gesetze vom 19. Dezember 2000, BTDrucks 14\/4061, S. 9) und nach der Rechtsprechung des BFH (vgl. z.B. Beschluss vom 13. Oktober 2003 IV B 85\/02, BFHE 203, 404, BStBl II 2004, 25, m.w.N.) zur Zulassung der Revision f&uuml;hren k&ouml;nnte. Letzteres trifft im Streitfall offensichtlich nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.7.2010, X B 21\/10 Urteilsberichtigung &#8211; Besetzungsr&uuml;ge &#8211; Beteiligtenvernehmung &#8211; Grunds&auml;tzlich keine Zulassung der Revision bei materiell-rechtlichen Fehlern des FG Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) hat keinen Erfolg. 2&nbsp; 1. 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