{"id":1181,"date":"2012-07-16T00:00:00","date_gmt":"2012-07-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=1181"},"modified":"2012-11-12T17:00:16","modified_gmt":"2012-11-12T15:00:16","slug":"iii-b-1-12-verschiebung-des-verhandlungstermins-auf-eine-andere-uhrzeit-nachweis-der-verhandlungsunfaehigkeit-durch-aerztliches-attest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-1-12-verschiebung-des-verhandlungstermins-auf-eine-andere-uhrzeit-nachweis-der-verhandlungsunfaehigkeit-durch-aerztliches-attest\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;1\/12 &#8211; Verschiebung des Verhandlungstermins auf eine andere Uhrzeit &#8211; Nachweis der Verhandlungsunf&auml;higkeit durch &auml;rztliches Attest"},"content":{"rendered":"<p class=\"ueberschrift\">BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 16.7.2012, III B 1\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Verschiebung des Verhandlungstermins auf eine andere Uhrzeit &#8211; Nachweis der Verhandlungsunf\u00e4higkeit durch \u00e4rztliches Attest<\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) ist als Rechtsanwalt und Notar freiberuflich t\u00e4tig. Unter Verwendung seines Kanzleipapiers erhob er auch im Namen seiner Ehefrau, der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin, Klage und bestellte sich f\u00fcr das Klageverfahren vor dem Finanzgericht (FG) zum Prozessbevollm\u00e4chtigten. Das FG bestimmte den 16.\u00a0November 2011, 10:00\u00a0Uhr als Termin zur m\u00fcndlichen Verhandlung. Mit Fax vom 10.\u00a0November 2011 bat der Kl\u00e4ger unter Hinweis auf einen Termin vor dem Arbeitsgericht am 16.\u00a0November 2011 um 09:00\u00a0Uhr um Terminsaufhebung. Mit Schreiben vom 11.\u00a0November 2011 verlegte das FG den f\u00fcr den 16.\u00a0November 2011 anberaumten Termin auf 12:30 Uhr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Am Tag der m\u00fcndlichen Verhandlung ging ein Schreiben des Sozius des Kl\u00e4gers vom 15.\u00a0November 2011 beim zust\u00e4ndigen Senat des FG ein, in dem jener erneut die Aufhebung des Termins beantragte. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte er an, der Kl\u00e4ger habe sich an diesem Tag in eine Augenklinik begeben und sei bis zum 22.\u00a0November 2011 arbeitsunf\u00e4hig. Er, der Sozius, k\u00f6nne den Termin aufgrund anderweitiger Termine ebenfalls nicht wahrnehmen. Das FG entsprach dem Antrag auf Terminsaufhebung nicht, sondern wies die Klage ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde wenden sich die Kl\u00e4ger gegen die Nichtzulassung der Revision. Zur Begr\u00fcndung berufen sie sich auf eine Verletzung des in \u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 der Finanzgerichtsordnung (FGO) festgelegten Amtsermittlungsgrundsatzes sowie des Anspruchs auf Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs. Die Verlegung des Termins zur m\u00fcndlichen Verhandlung von urspr\u00fcnglich 10:00\u00a0Uhr auf 12:30\u00a0Uhr stelle eine Terminsaufhebung dar. Somit h\u00e4tte das FG die in \u00a7\u00a091 FGO festgelegte Ladungsfrist von mindestens zwei Wochen erneut einhalten m\u00fcssen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Zudem habe das FG das Prinzip der Amtsermittlung verletzt, weil der Sachvortrag hierf\u00fcr hinreichend gewesen sei, das FG diesen sowie Beweisantritte aber nicht ber\u00fccksichtigt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet und durch Beschluss zur\u00fcckzuweisen (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 FGO). Die geltend gemachten Verfahrensfehler liegen, soweit ihre Darlegung \u00fcberhaupt den Anforderungen des \u00a7\u00a0116 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 FGO gen\u00fcgt, jedenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Eine Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs (Art.\u00a0103 Abs.\u00a01 des Grundgesetzes, \u00a7\u00a096 Abs.\u00a02, \u00a7\u00a0119 Nr.\u00a03 FGO) liegt weder in der Verschiebung des Verhandlungstermins noch in der ohne die Anwesenheit der Kl\u00e4ger oder ihres Prozessbevollm\u00e4chtigten durchgef\u00fchrten m\u00fcndlichen Verhandlung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Entgegen der Auffassung der Kl\u00e4ger lag in der Verschiebung des Verhandlungstermins von 10:00\u00a0Uhr auf 12:30\u00a0Uhr zun\u00e4chst keine Aufhebung des Termins, die eine erneute Ladung unter Beachtung der Ladungsfrist des \u00a7\u00a091 FGO erforderlich gemacht h\u00e4tte. Denn der Zweck der Ladungsfrist, den Beteiligten ausreichend Zeit zur Vorbereitung der Verhandlung einzur\u00e4umen, wird durch die blo\u00dfe \u00c4nderung der Uhrzeit nicht beeintr\u00e4chtigt (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 9.\u00a0Mai 2012 VII\u00a0B\u00a03\/12; St\u00f6cker in Beermann\/Gosch, FGO, \u00a7\u00a091 Rz\u00a063, m.w.N.). Im Streitfall bestand ersichtlich auch deshalb ausreichend Zeit f\u00fcr die Vorbereitung auf den Termin, weil der Kl\u00e4ger das FG \u00fcber den am 7.\u00a0Oktober 2011 anberaumten kollidierenden Termin vor dem Arbeitsgericht erst am 10.\u00a0November 2011 in Kenntnis setzte, obwohl das FG seinerseits bereits am 19.\u00a0Oktober 2011 geladen hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Eine Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs liegt weiter nicht deshalb vor, weil das FG weder das vorgelegte Attest noch die behauptete Verhinderung des Sozius zum Anlass einer Terminsaufhebung genommen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung enth\u00e4lt als Diagnose lediglich die Angabe &#8222;V.a. H 16.0&#8220;. Ein konkretes Krankheitsbild l\u00e4sst sich daraus nicht ersehen. Zumindest bei unmittelbar vor dem Termin eingereichten \u00e4rztlichen Attesten ist zu verlangen, dass diese die Diagnose unverschl\u00fcsselt ausweisen (BFH-Beschluss vom 29.\u00a0September 2011 IV\u00a0B\u00a0122\/09, BFH\/NV 2012, 419). Aufgrund der im Streitfall gemachten Angaben war es dem FG nicht m\u00f6glich, die Art und Schwere der Erkrankung nachzuvollziehen. Nach st\u00e4ndiger BFH-Rechtsprechung m\u00fcssen die Ausf\u00fchrungen in einem \u00e4rztlichen Attest das Gericht jedoch in die Lage versetzen, selbst zu beurteilen, ob aufgrund der Schwere der Erkrankung ein erheblicher Grund vorliegt, der zur Verhandlungsunf\u00e4higkeit f\u00fchrt (BFH-Beschl\u00fcsse vom 3.\u00a0August 2005 II\u00a0B\u00a047\/04, BFH\/NV 2005, 2041, und vom 23.\u00a0Oktober 2002 III\u00a0B\u00a0167\/01, BFH\/NV 2003, 80). Diesen Anforderungen gen\u00fcgt die vorgelegte Bescheinigung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Etwas anderes gilt auch nicht deshalb, weil der Kl\u00e4ger sich auf seine Stellung als Prozessbevollm\u00e4chtigter beruft. Auch bei Bevollm\u00e4chtigten ist nicht jegliche Erkrankung ein ausreichender Grund f\u00fcr eine Terminsaufhebung; eine solche ist vielmehr nur dann geboten, wenn die Erkrankung so schwer ist, dass von dem Bevollm\u00e4chtigten die Wahrnehmung des Termins nicht erwartet werden kann (vgl. BFH-Beschluss vom 17.\u00a0April 2002 IX\u00a0B\u00a0151\/00, BFH\/NV 2002, 1047, m.w.N.). Allein die Arbeitsunf\u00e4higkeit des Bevollm\u00e4chtigten reicht hierf\u00fcr nicht aus (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2003, 80).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im \u00dcbrigen \u00fcbersehen die Kl\u00e4ger, dass das FG die Ablehnung der Terminsaufhebung &#8211;abgesehen vom Inhalt des vorgelegten Attests&#8211; zus\u00e4tzlich damit begr\u00fcndet hat, der Kl\u00e4ger habe angesichts der seit geraumer Zeit bestehenden chronischen Erkrankung Vorsorge f\u00fcr die Wahrnehmung des Termins durch Bestellung eines Bevollm\u00e4chtigten treffen m\u00fcssen, was er aber nicht dargelegt habe. Etwas anderes ergebe sich auch nicht aus der geltend gemachten Verhinderung des Sozius, da es insoweit an der erforderlichen Glaubhaftmachung fehle. Diese schl\u00fcssige Begr\u00fcndung des FG hat der Kl\u00e4ger mit seiner Beschwerde nicht angegriffen. Die Ablehnung der Terminsaufhebung durch das FG ist damit nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Soweit die Kl\u00e4ger eine Verletzung der richterlichen Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO) r\u00fcgen, f\u00fchrt dies ebenfalls nicht zur Zulassung der Revision. Die Sachaufkl\u00e4rungspflicht dient dazu, die Spruchreife der Klage herbeizuf\u00fchren, und erfordert deshalb, dass das FG Tatsachen und Beweismitteln nachgeht, die sich ihm in Anbetracht der Umst\u00e4nde des Einzelfalles h\u00e4tten aufdr\u00e4ngen m\u00fcssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Es ist in keiner Weise dargelegt, was das FG aus seiner (materiell-rechtlichen) Sicht an entscheidungserheblichen Tatsachen noch h\u00e4tte aufkl\u00e4ren m\u00fcssen, zumal die Kl\u00e4ger in diesem Zusammenhang auch geltend machen, ihr Sachvortrag sei hinreichend und belegt gewesen. Damit wenden sie sich letztlich gegen die materielle Richtigkeit des Urteils. Hiermit kann jedoch die Zulassung der Revision grunds\u00e4tzlich nicht begr\u00fcndet werden (z.B. BFH-Beschluss vom 4.\u00a0November 2010 VII\u00a0B\u00a060\/10, BFH\/NV 2011, 869).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 16.7.2012, III B 1\/12 Verschiebung des Verhandlungstermins auf eine andere Uhrzeit &#8211; Nachweis der Verhandlungsunf\u00e4higkeit durch \u00e4rztliches Attest Tatbestand 1 I. Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) ist als Rechtsanwalt und Notar freiberuflich t\u00e4tig. 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